Bruno Gröning

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Bruno Gröning, ursprünglich Bruno Grönkowski, (* 30. Mai 1906 in Danzig; † 26. Januar 1959 in Paris),[1] war ein deutscher sogenannter Wunderheiler. Er trat ab 1949 in Deutschland als Geistheiler und Quacksalber auf.[2] Er behauptete, von Gott gesandten „Heilstrom“ an Kranke weiterzuleiten.

Gröning rief in seinen Vorträgen zur „Großen Umkehr“ auf. Sein Auftreten und die sich auf ihn berufenden Gruppen, die sich nach seinem Tod etablierten, werden als esoterisch eingestuft und als sektenähnlich beurteilt.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bruno Gröning kam im Danziger Stadtteil Oliwa zur Welt. Er stammte aus einfachen Verhältnissen; seine Eltern wurden als „strenggläubig-katholisch“ beschrieben. Nach fünf Jahren Volksschule begann er mehrere Ausbildungen, die er nicht beendete.[4] Er arbeitete dann unter anderem als Bauarbeiter, Tischler und Zimmermann.[5]

Gröning war zweimal verheiratet; aus erster Ehe gingen zwei Kinder hervor, die schon früh verstarben. Nach Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft lebte er in Westdeutschland, wo er bald als „Heiler“ zu wirken begann.

Gröning starb 1959 in Paris an Magenkrebs. Nach der Einäscherung wurde seine Urne auf einem Friedhof im hessischen Dillenburg beigesetzt.[2]

Öffentliches Auftreten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gaben etliche Personen an, durch Gröning geheilt worden zu sein. Nach einem Pressebericht über einen vermeintlichen Erfolg im März 1949 strömten tausende Heilungssuchende nach Herford, Westfalen, zum „Heiler“.

Gröning berief sich stets auf den – wie er es nannte – Heilstrom, die „durch ihn strömende göttliche Kraft“. Seinen unübersehbaren Kropf verstand er selbst als „Schwellung durch ebendiese Kraft“.[5] Die Betroffenen (überwiegend Frauen, viele ältere Menschen) suchten Heilung durch persönlichen Kontakt zum Heiler, durch Teilnahme an dessen Massenversammlungen, aber auch durch Anwendung eines von Gröning übersandten Gegenstandes (meist eine Kugel aus Stanniolpapier, s. u.); auch die Anwesenheit an einer zuvor bekanntgemachten Örtlichkeit, auf die Gröning aus der Ferne gezielte Heilwellen richtete, oder einfach gedankliche Konzentration des Kranken auf Gröning sollen geholfen haben.[6]

Die Gröningkugeln, eigroße Kugeln aus Stanniolpapier, die auf Versammlungen verteilt oder verkauft wurden, wurden in München zeitweise auf dem Schwarzmarkt gehandelt.[7] Nach einer Aussage von Grönings zeitweiligem Geschäftsführer Otto Meckelburg enthielten sie Haare, Blutstropfen oder Fußnägel von Gröning; nach anderer Quelle hatte Gröning sie zudem „besprochen“.[1][6]

Eine große Anhängerschaft, die Gröning als „Wunderdoktor“ verstand, formierte sich ab 1949. In den Ermittlungsakten der bayerischen Landesregierung sind Grönings Fallberichte zu Heilungen oder Besserungen von chronischen Schmerzen, wie etwa Neuralgien und Asthma zu finden.

Andererseits wurden gesundheitliche Schäden behauptet, nämlich bei einer Patientin, die im Vertrauen auf Gröning ihr Insulin abgesetzt hatte.[6]

Noch 1949 verboten die Stadtverwaltung von Herford, kurz darauf auch die nordrhein-westfälische Landesregierung, Gröning seine Tätigkeit. Er wich daraufhin ins bayerische Gestüt Traberhof bei Rosenheim und später nach Mittenwald aus, wo man ihn zunächst gewähren ließ. Bis zu 30.000 Menschen täglich suchten den Traberhof auf. Die Münchner Illustrierte Revue veröffentlichte in dieser Zeit eine sensationell aufgemachte Reportageserie, was die Auflage von 100.000 auf fast 400.000 Stück wöchentlich ansteigen ließ.[8]

Gröning lehnte es ausdrücklich ab, sich für seine Tätigkeit bezahlen zu lassen, erhielt aber trotzdem erhebliche Spendengelder.[9] Nach einem Medienbericht öffneten zeitweise mehrere Helfer die täglich ankommenden Geldsendungen.[10][11] Spätestens ab 1950 musste für Grönings Anwesenheit bezahlt werden. Im Juni 1950 wurde in einem Polizeiprotokoll festgehalten, dass Heilungssuchende an den Verband zur Erforschung Gröningscher Heilmethoden zwischen 25 und 2500 DM pro Kopf einzuzahlen hätten; bei zwei Massenveranstaltungen seien je Teilnehmer bis zu 300 Mark erhoben worden. Ein Journalist berichtete 1950 über kurze Gruppensitzungen mit Gröning und bis zu 100 Teilnehmern, die zehn Mark Eintritt entrichteten.[12] Der Verbleib des Geldes ist unbekannt. Gröning und seine damaligen Geschäftspartner beschuldigten später einander eines ausschweifenden Lebensstils; man habe „richtige Orgien gefeiert“ (Meckelburg). Bis 1950 seien ohne geregelte Buchführung mehr als 100.000 DM eingenommen worden.[6] Gröning behauptete stets, davon nichts gewusst zu haben.[5]

Gerichtliche Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch seine Tätigkeit geriet Gröning mehrfach mit dem Heilpraktikergesetz in Konflikt, da er keine entsprechende Zulassung hatte (als „Heilpraktiker“ verstand er sich selber nie). Beim ersten Prozess 1951/52, wurde er vom Vorwurf freigesprochen, schuldhaft gegen das Heilpraktikergesetz verstoßen zu haben, die weitere Tätigkeit als Heiler wurde ihm jedoch versagt.[13] Gröning beantragte daraufhin die Zulassung als Heilpraktiker, was am 12. August 1953 „wegen fehlender Eignung“ abgelehnt wurde.[5]

Gröning verlegte sich danach auf „Vortragsreisen“ durch bayerische und süddeutsche Orte und berief sich auf die im Artikel 4 des Grundgesetzes garantierte Religionsfreiheit: Seine Vorträge seien keine „Behandlung“ im Sinne des Heilpraktikergesetzes.[14] Tatsächlich wurden aber laut Ankündigungstext „Heilwellen“ an das Auditorium gesendet und Abbildungen, Kugeln und Stanniolplättchen verteilt oder verkauft.[6] Veranstalter waren meist niedergelassene Heilpraktiker oder neu gegründete örtliche Gemeinschaften.

1955 wurde Gröning erneut wegen Verstößen gegen das Heilpraktikergesetz angeklagt; außerdem wurde ihm die fahrlässige Tötung eines 17-jährigen lungenkranken Mädchens im Jahr 1949 zur Last gelegt.[7][15] Die erste Instanz verurteilte ihn wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz zu 2000 DM Geldstrafe, sprach ihn aber vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.[16] Das Landgericht München II verurteilte ihn zweitinstanzlich wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz und wegen fahrlässiger Tötung zu einer Gesamtstrafe von acht Monaten auf Bewährung sowie 5000 DM Geldstrafe.[17]

Über die von Gröning eingelegte Revision wurde wegen seines Todes nicht mehr entschieden.[18]

Gemeinschaften um Gröning[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1953 gründete Gröning den „Gröning-Bund“, von dem er sich allerdings nach wenigen Jahren distanzierte.[19]
  • 1958 gründete er daraufhin den Verein zur Förderung seelisch-geistiger und natürlicher Lebensgrundlagen in Deutschland e. V. Dieser Verein besteht bis heute.[20]
  • Von diesem Verein spaltete sich 1979 der Bruno-Gröning-Freundeskreis ab, der in Deutschland vereinsrechtlich als „Kreis für geistige Lebenshilfe e. V.“ eingetragen ist. Gründerin war Grete Häusler (1922–2007), Grönings Mitarbeiterin seit 1950, die den Verein bis zu ihrem Tod leitete.
  • Vom Bruno-Gröning-Freundeskreis trennte sich später der „Informationskreis: Leben und Lehre Bruno Grönings e. V.“ ab. Trennungsgrund war nach Angaben des Informationskreises der Beschluss des Bruno-Gröning-Freundeskreises, alle Passagen aus Grönings Vorträgen zu streichen, in denen er über Christus sprach und sich zu Christus und seiner Lehre bekannte, um auch Moslems den Zugang zu Grönings Lehren zu erleichtern.[21] Der „Informationskreis“ lehnt den Personenkult um Gröning entschieden ab.[22]
  • Andere unabhängige Gröning-Gemeinschaften, die keiner der obigen Organisationen angehören, wurden außer in Deutschland auch in Dänemark, Österreich, Spanien und Australien gegründet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Kirchen wie z. B. der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen der EKD[23] wird die Gröningbewegung als Sekte eingestuft.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Andreas Plagge: Gröning, Bruno. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 24, Bautz, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9, Sp. 736–739.
  2. a b Bistum Trier: Bruno Gröning-Freundeskreis – Kreis für geistige Lebenshilfe e. V., 93107 Thalmassing, zuletzt bearbeitet 12. Januar 2009.
  3. Bistum Augsburg: Referat für Religions- und Weltanschauungsfragen; Bruno Gröning – Freundeskreis, Eine problematische Heilungsbewegung
  4. RelInfo.ch: Bruno Gröning-Freundeskreis
  5. a b c d Thomas Busse: Bruno Gröning. Leben und Lehre. Govinda Verlag, Zürich 2007, ISBN 978-3-906347-82-0.
  6. a b c d e Ingrid Geupel: Bruno Gröning – das Phänomen eines Wunderheilers. Dissertation Med. Fakultät der TU München, 1988.
  7. a b Gefilmtes Interview mit Gröning zum Gerichtsprozess
  8. Ich rieche Nazis: Anny Winter weiß auch noch was, Der Spiegel, 15. September 1949.
  9. Evangelische Informationsstelle der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich: Bruno Gröning-Freundeskreis, letzte Aenderung 1998.
  10. NN: Bruno Gröning * 31. Mai 1906 † 25. Januar 1959. In: Der Spiegel. Band 6, 4. Februar 1959, S. 61 (spiegel.de [abgerufen am 13. Februar 2010] Nachruf).
  11. WDR Panorama (Memento vom 10. Dezember 2007 im Internet Archive) über Wayback Machine
  12. Hannes Obermaier: Die seltsame Sprechstunde des Heilpraktikers Enderlin. Abendzeitung München, Okt. 1950, Faksimile bei Geupel 1988.
  13. Landgericht München II, Urteil vom 8. Juli 1952, Az. 2 Ns 324 ab/52, Staatsarchiv München, Akte der Staatsanwaltschaft 3178
  14. Erwiderung Grönings am 4. November 1953 zu einer Anzeige aus Hameln; Vernehmung Grönings bei der Bayerischen Landpolizei Grafrath am 23. April 1954, Staatsarchiv München, Akte der Staatsanwaltschaft 3178a; Schreiben Grönings an die Regierung von Oberbayern vom 27. September 1954, Staatsarchiv München, bay. Staatsm. Band III, 1954.
  15. Anklageschrift des Oberstaatsanwalts zum Schöffengericht München-Land vom 4. März 1955, Aktenzeichen 7 Js 214 a-f/55, Staatsarchiv München, Akte der Staatsanwaltschaft 3178a
  16. Schöffengericht München-Land, Urteil vom 30. Juli–1. August 1957, Az. 2 Ms 42/57, Staatsarchiv München, Akte der Staatsanwaltschaft 3178a
  17. Landgericht München II, Urteil vom 14.–16. Januar 1958, Az. 7 Ns 498/57, Staatsarchiv München, Akte der Staatsanwaltschaft 3178a
  18. Verfahrenseinstellung durch das Bayerische Oberste Landesgericht am 18. Februar 1959 –Az. 4 St 168/58, Staatsarchiv München, Akte der Staatsanwaltschaft 3178a
  19. bruno-groening.org
  20. verein-bruno-groening.de
  21. http://www.bruno-groening.net/faq.php Antwort auf letzte Frage
  22. http://www.bruno-groening.net/faq.php Antwort auf erste Frage
  23. ezw-berlin.de