Deutscher Filmpreis

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Der Deutsche Filmpreis (früher Bundesfilmpreis), häufig auch als Lola bezeichnet, wird seit 1951 verliehen und gilt als die renommierteste Auszeichnung für den deutschen Film. Mit insgesamt fast drei Millionen Euro Preisgeld ist er der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. Der Deutsche Filmpreis wird jährlich im Frühjahr/Sommer vergeben, im Wechsel vom ARD und ZDF ausgestrahlt, und von der Deutschen Filmakademie Produktion GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Deutschen Filmakademie, produziert.

Symbol des Filmpreises ist die Lola-Statuette, die in Gold an die Gewinner der verschiedenen Kategorien vergeben wird. In der Kategorie „Bester Spielfilm“ wird sie zusätzlich in Bronze und Silber vergeben.

Die 70. Auflage des Deutschen Filmpreises fand am 24. April 2020 statt, bei der Nora Fingscheidts Systemsprenger mit acht Preisen ausgezeichnet wurde, darunter als Bester Spielfilm. Ursprünglich wie in den Vorjahren als Preisgala im Palais am Funkturm mit großem Publikum geplant, musste die Veranstaltung aufgrund der COVID-19-Pandemie als Live-Fernsehshow im Ersten mit zugeschalteten Gästen konzipiert werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deutsche Filmpreis wird seit 1951 vergeben: bis 1998 durch das Bundesministerium des Innern und seit 1999 durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Seit 2014 ist die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters, für die Vergabe der Preisgelder zuständig.

Die Preisträger wurden bis 2004 von einer Kommission bestimmt, in der auch Politiker und Kirchenvertreter saßen. Diese wurde wegen Proporz­denkens häufig kritisiert. Nach einem Disput über die Nicht-Nominierung des Spielfilms Oi! Warning des damaligen Vergabe-Gremiums mit dem für den Filmpreis verantwortlichen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Prof. Julian Nida-Rümelin im Jahr 2001 wurde in der Folgezeit der bis dahin übliche Modus der Preisvergabe überarbeitet.[1][2] In Anlehnung an das US-amerikanische Vorbild Oscar, der – allerdings ohne finanzielle Dotierung durch den Staat – von den Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences verliehen wird, wurde 2003 die Deutsche Filmakademie gegründet. Sie ersetzte 2005 die Auswahlkommission durch ein dreistufiges Wahlverfahren der Akademiemitglieder.

Die Verleihung fand von 2006 bis 2009 im Berliner Palais am Funkturm statt. Im Jahr 2006 wurde der Termin erstmals um zwei Monate in den Mai vorgezogen. Als Grund gab die Filmakademie an, man wolle die Veranstaltung zu Beginn des Kinojahres stattfinden lassen; so könnten die ausgezeichneten Filme den Vermarktungseffekt der Verleihung besser ausnutzen. Von 2010 bis 2013 war der traditionsreiche Friedrichstadt-Palast Veranstaltungsort der Preisverleihung. 2014 fand die Verleihungsgala im Berliner Tempodrom statt und kehrte 2015 in das Palais am Funkturm zurück.

Trophäe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansgar Frerich mit der gewonnenen Lola-Preistrophäe für den Dokumentarfilm Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats (2019)

Ursprünglich wurde der Preis in einer Reihe von unterschiedlichsten Formen verliehen, darunter der Wanderpreis Goldene Schale für den besten abendfüllenden Spielfilm und Filmbänder in Gold und Silber.

Seit 1999 wird als Trophäe eine Statuette in Form einer von einem stilisierten Filmband umhüllten Frauenfigur im Art-Déco-Stil vergeben. In Anlehnung an Marlene Dietrichs Rolle der Lola in Der blaue Engel und an den gleichnamigen Film von Rainer Werner Fassbinder sowie an Tom Tykwers großen Erfolg Lola rennt trägt diese den Namen Lola.

Die Statue wurde 1999 von Stephan Reichenberger zusammen mit der New Yorker Designerin Mechthild Schmidt entwickelt, der Entwurf für die Preismaquette stammt von dem Bildhauer Roman Strobl. Reichenberger: „Einen konkreten Auftrag, im Rahmen des Filmpreis-Gala-Relaunches auch das bisher verliehene Filmband zu ersetzen, gab es nicht. Mechthild Schmidt und ich präsentierten unsere Idee für die Lola-Statuette auf eigene Initiative dem damaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann, dem gefiel sie – and a new movie star was born!“ Die Künstlerin über ihren Entwurf: „Dem Medium Film entsprechend, wollte ich Bewegung symbolisieren. Ich wollte der Statue Selbstbewusstsein geben, ohne streng zu sein, Stärke ohne statisch zu werden. Es war mir wichtig, dem Deutschen Filmpreis seine eigene Identität zu geben, sich nicht anzulehnen an das, was andere Preise schon erfolgreich symbolisieren: Während der ‚Oscar‘ fest und symmetrisch stehend den Kämpfer und Gewinner kennzeichnet, wollte ich mit dem Filmpreis die Dynamik der Bewegung, die Muse, die Inspiration, die zum Kunstwerk führt verkörpern.“[3]

Auswahlprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Preisträger des Deutschen Filmpreises, der Lola, werden von den Mitgliedern der Deutschen Filmakademie gewählt und im Rahmen der Filmpreisgala vergeben. Filmschaffende aller Berufsgruppen, die sich durch ihre kontinuierliche, kreative Arbeit im deutschen Kinofilm ausgezeichnet haben, bewerteten in einem dreistufigen Auswahlverfahren die aktuellen Leistungen ihrer Kollegen.[4]

1. Stufe: Anmeldung und Vorauswahl Die eingereichten Filme müssten verschiedene Kriterien erfüllen, um für die Vorauswahl zugelassen zu werden. In den verschiedenen Kategorien werden jeweils unterschiedlich viele Filme für die Vorauswahl bestimmt, wobei alle Einzelleistungen aus den vorausgewählten Filmen sich für das Nominierungsverfahren qualifizieren.

2. Stufe: Wahl der Nominierungen Alle vorausgewählten Filme werden in den ersten Monaten des jeweiligen Jahres von den Mitgliedern der Deutschen Filmakademie gesichtet. Dabei entscheidet jede Sektion über „ihre“ Kategorie. In den Preiskategorien für die Einzelleistungen werden jeweils drei Nominierungen gewählt, während in der Kategorie Bester Spielfilm sechs Nominierungen und in der Kategorie Bester Kinderfilm zwei Nominierungen gewählt werden.

3. Stufe: Wahl der Preisträger Die Mitglieder der Deutschen Filmakademie stimmen unter allen Nominierungen sektionsunabhängig für alle Preiskategorien in einer geheimen und schriftlichen Wahl ab. Der Notar hat das Ergebnis bis zum Tag der Verleihung vertraulich zu verwahren. Die Vergabe der Preise durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien findet jährlich im Frühjahr/Sommer des jeweiligen Jahres statt.

Kategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuelle Kategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Preis wird in den folgenden Kategorien verliehen:

Kategorie Erstmals verliehen
Bester Spielfilm 1951
Bester Dokumentarfilm 2000
Bester Kinderfilm 2000
Beste Regie 1951
Bestes Drehbuch 1951
Beste weibliche Hauptrolle 1954
Beste männliche Hauptrolle 1954
Beste weibliche Nebenrolle 1954
Beste männliche Nebenrolle 1954
Beste Kamera/Bildgestaltung 1954
Bester Schnitt 1972
Beste Tongestaltung 1982
Beste Filmmusik 1954
Bestes Szenenbild 1957
Bestes Kostümbild 2005
Bestes Maskenbild 2010
Beste visuelle Effekte und Animation 2020
Bernd Eichinger Preis * 2012
Besucherstärkster Film 2014
Ehrenpreis 1962

* Der Bernd Eichinger Preis wird nicht zwingend jedes Jahr verliehen.

Dotierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 2,955 Millionen Euro Preisgeldern (einschließlich der Nominierungsprämien) ist der Deutsche Filmpreis die höchstdotierte Kulturauszeichnung Deutschlands. Bei einem Sieg wird die Nominierungsprämie dem Preisgeld angerechnet, d. h. der beste programmfüllende Spielfilm (Lola in Gold) erhält neben der Nominierungsprämie von 250.000 Euro die gleiche Summe für den Sieg.[5]

Kategorie(n) Preisträger Nominierungen
Spielfilm 1× Filmpreis in Gold à 500.000 EUR
1× Filmpreis in Silber à 425.000 EUR
1× Filmpreis in Bronze à 375.000 EUR
6 à 250.000 EUR
Kinderfilm 1× Filmpreis in Gold à 250.000 EUR 2 à 125.000 EUR
Dokumentarfilm 1× Filmpreis in Gold à 200.000 EUR 3 à 100.000 EUR
Einzelleistungen je 1× Filmpreis in Gold à 10.000 EUR 3 – undotiert
Ehrenpreis undotiert
Bernd Eichinger Preis undotiert
Besucherstärkster Film undotiert

Frühere Kategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Goldene Filmband“, vergeben bis 1998

Von 1999 bis 2005 wurde der Publikumspreis: Film des Jahres verliehen. Preisträger waren: Lola rennt (1999), Anatomie (2000), Das Experiment (2001), Der Schuh des Manitu (2002), Good Bye, Lenin! (2003), Das Wunder von Bern (2004) und Sophie Scholl – Die letzten Tage (2005). Die Kategorie wurde 2013 unter der Bezeichnung „Publikumspreis“ wieder eingeführt; dabei entschied das Publikum in einer Online-Abstimmung, welcher der zwölf besucherstärksten Filme des Kinojahres 2012 den Preis erhielt. Seit 2014 wird der Preis ohne weitere Abstimmung für den besucherstärksten Film des Jahres verliehen.[5]

Bis 2004 waren die Kategorien Kamera, Schnitt, Szenenbild, Kostümbild und Filmmusik zusammengefasst, und wurden als „Hervorragende Einzelleistung“ gewürdigt. Die „Hervorragende Einzelleistung“ im Bereich Drehbuch konnte bis dahin sowohl an ein unverfilmtes wie ein verfilmtes Skript verliehen werden. Ebenfalls bis 2004 gab es einen Ehrenpreis für den besten ausländischen Film und einen zweiten Publikumspreis, der den/die beste „Schauspieler(in) des Jahres“ würdigte.

Der Filmpreis wurde bis 1998 als Filmband in Gold und Filmband in Silber vergeben. Die verschiedenen Kategorien waren unter anderem:

Eine besondere Auszeichnung für einen Film war die Goldene Schale.

In den frühen Jahren gab es auch zeittypische Kategorien wie

  • besonders wertvoller Kulturfilm,
  • bester Problemfilm,
  • Film, der zur Förderung des demokratischen Gedankens beiträgt,

für die Preise wie Kopf mit Flügeln, Goldene Dose, Vase mit goldenem Zweig vergeben wurden.

Eine weitere Kategorie war das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film, das 1962 erstmals vergeben wurde.

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erfolgreichsten Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Filme mit den meisten Auszeichnungen (je zehn) sind Nachts, wenn der Teufel kam (1958) und die deutsch-österreichische Co-Produktion Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (2010), gefolgt von Das finstere Tal (2014) und Systemsprenger (2020) mit acht Preisen, Good Bye, Lenin! (2003), Das Leben der Anderen (2006) und 3 Tage in Quiberon (2018) mit jeweils sieben Ehrungen ohne Publikumspreise. Zählt man diese dazu, kommt Goodbye Lenin! auf neun und Lola rennt (1999) auf acht Preise.

Die erfolgreichsten Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sechsmal wurde Rainer Werner Fassbinder zu Lebzeiten ausgezeichnet (2× 1970, 1971, 1972, 1978, 1979) sowie einmal posthum mit einem Sonderpreis (1989) und ist damit die am häufigsten geehrte Persönlichkeit. Die Schauspielerinnen mit den häufigsten Darsteller-Ehrungen sind die Fassbinder-Musen Irm Hermann (1970 als Teil eines Schauspielensembles, 1972, 1983), Eva Mattes (1971, 1973 und 2002), Hanna Schygulla (1970 und 1975 als Teil eines Schauspielensembles sowie 1971) und Barbara Sukowa (1982, 1986, 2013) sowie Sandra Hüller (2006, 2014, 2017) und Katja Riemann (1996, 1998, 2005). Bei den Schauspielern ist Götz George mit vier Auszeichnungen erfolgreich (bester Darsteller 1985, 1992, 1996 sowie bester Nachwuchsdarsteller 1960). Seit der Einführung des offiziellen Nominierungsmodus 1995 ist Meret Becker die Schauspielerin mit den häufigsten Nennungen (sechs). Insgesamt hält der Filmemacher Tom Tykwer den Rekord (elf). 2016 hat Laura Tonke als bisher einzige Schauspielerin sowohl den Preis der besten Hauptdarstellerin als auch der besten Nebendarstellerin im selben Jahr erhalten, Albrecht Schuch hat 2020 als bisher einziger Schauspieler sowohl den Preis als bester Hauptdarsteller als auch für den besten Nebendarsteller erhalten. Dreimal erfolglos in die Endauswahl gekommen, halten Oliver Masucci sowie Nadja Uhl den Rekord mit den meisten Nominierungen unter den Schauspielern ohne Sieg. Der Regisseur Christian Petzold sowie der Szenenbildner Christian M. Goldbeck sind die am häufigsten benannten Persönlichkeiten (jeweils sechs Nominierungen), welche die Lola bisher nie erhalten haben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Deutscher Filmpreis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Prof. Julian Nida-Rümelin zum Deutschen Filmpreis in filmdienst, Nr. 14 vom 2. Juli 2002 unter dem Titel Unbeeinflusst?, S. 9
  2. [1], Artikel von Hanns-Georg Rodek unter der Überschrift Bernd Eichinger und der Traum von der Academy in Die Welt vom 14. Juni 2002, Print- und Online-Ausgabe
  3. german filmprize … the making of. In: mechthildschmidtfeist.com. 1999, abgerufen am 13. Oktober 2019.
  4. Auswahlverfahren auf www.deutsche-filmakademie.de
  5. a b Lola – Die Preise im Detail (Memento vom 10. Mai 2012 im Internet Archive) bei deutscher-filmpreis.de