Bundesstelle für Fernmeldestatistik

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Liegenschaft des BND Am Speckweg in Butzbach[1]

Die Bundesstelle für Fernmeldestatistik (BFSt) ist eine Tarnbezeichnung für Liegenschaften bzw. Empfangsstellen der ehemaligen Abteilung II und aktuellen Abteilung Technische Aufklärung (TA) des Bundesnachrichtendienstes. Sie befasst sich mit fernmelde- und informationstechnischer Aufklärung durch Filterung internationaler Kommunikationsströme.

Offiziell gilt sie als Bundesbehörde und hat unter der Bezeichnung „Bundesstelle für Fernmeldestatistik - Hauptstelle“ (Tarnbezeichnung „Stellwerk“) ihren Sitz in Stockdorf im Landkreis Starnberg.[2] Auf der Liegenschaft befindet sich ebenfalls das „Fernmeldetechnische Institut“ („Planet“).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elektronische Aufklärung des BND begann bereits bei seinem organisatorischen Vorgänger, der Organisation Gehlen (OG). 1947 wurde in Schloss Kransberg bei Bad Nauheim die erste Kurzwellen-Horcherfassungsstelle der OG errichtet. Ergänzend hierzu nahm im nahen Butzbach die erste „Horch-Leitstelle“ mit 50 Mitarbeitern ihren Betrieb auf. In dieser Zeit stießen weitere ehemalige Mitarbeiter aus dem Bereich Abwehr und des Forschungsamtes der Luftwaffe aus der NS-Zeit zur OG. Nachdem Oberst a. D. Leo Hepp die Leitung der Horcherfassung übernommen hatte, erweiterte Gehlen den Auftrag. Im Rahmen der Nachrichtengewinnung zur Blockade West-Berlins erfolgte die erste Erfassung im VHF/UHF-Bereich der 24. Sowjetischen Frontluftarmee (24. FLA) durch die OG vom Hohen Meißner aus. Schnell wurde die zusätzliche Errichtung weiterer Peil- und Hörstellen für die Kurzwellen-Erfassung durch die OG auf bundesdeutschem Gebiet durch die Ausweitung der Erfassungstätigkeit erforderlich.

1954 begann die OG mit britischer Technik aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges erstmals mit der mobilen Funkmesserfassung, vor allem von Radarsignalen an der Grenze zur DDR.

Nach dem NATO-Beitritt und der Gründung der Bundeswehr der Bundesrepublik ging die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung als Teil des Militärischen Nachrichtenwesens in den Bereich des Bundesministeriums der Verteidigung über. Es stellte sich die Frage nach der Kompetenzverteilung bei Aufklärungsaufträgen. Besonders galt dies für die OG (aus der später der Bundesnachrichtendienst wurde).

Zu dieser Zeit wurde in Kransberg die „Horchstelle A“ der OG eingerichtet. Später wurde auch die Funkauswertung von Oberursel nach Kransberg verlegt. Danach wurde diese Erfassungsstelle nach Butzbach verlegt. In Butzbach befand sich bereits seit etwa 1948 eine Führungsstelle der „Horchstelle A“ Kransberg. Mittlerweile wurde die Tarnbezeichnung „Bundesstelle für Fernmeldestatistik“ (BFSt) benutzt.

Die „Horchstelle B“ wurde ab 1950 mit amerikanischer Zustimmung in Berlin-Tempelhof eingerichtet. Später zog sie in eine französische Liegenschaft nach Reinickendorf im französischen Sektor Berlins. Bereits 1948 wurde anscheinend von Kransberg aus der Probeerfassungsbetrieb auf dem Hohen Meißner durchgeführt. Der VHF/UHF-Sprechfunkverkehr der sowjetischen Luftstreitkräfte in der Sowjetischen Besatzungszone konnte von dort aus wesentlich effektiver abgehört werden. Vor dem politischen Hintergrund der folgenden Luftbrücke der Alliierten nach Berlin war dies interessant.

Die „Horchstelle C“ wurde im oberbayerischen Söcking bei Starnberg, die „Horchstelle D“ ab etwa 1956 in Husum eingerichtet. Zeitweise wurde wohl auch von Bremen/Bremerhaven aus (Amerikanische Besatzungszone) überwacht.

Heute ist die Abteilung Technische Aufklärung (TA) des BND für die Informationsgewinnung mit technischen Mitteln zuständig. Sie überwacht mehr und mehr gezielt die internationalen Kommunikationsströme auf unterschiedlichen Medien. Vor allem Satelliten und Überseekabel zur Gewinnung von nachrichtendienstlich relevanten Erkenntnissen über das Ausland sind heute interessant.

Der BND hat in der Nachrichtendienstszene im Bereich der Funkaufklärung einen guten Ruf. Laut Süddeutscher Zeitung gehört der BND auf diesem Gebiet zu den besten Diensten der Welt.[3]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die aktuellen technischen Möglichkeiten der Technischen Aufklärung des BND und verwandter Bundeswehr-Einrichtungen ist öffentlich wenig bekannt. 2010 wurde eine Kooperation des BND mit Siemens bekannt. Weiterhin findet auch seit Jahrzehnten eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Rohde & Schwarz in München statt. Im Bereich der Funkaufklärung arbeitet der BND bevorzugt mit deutschen Elektronikherstellern zusammen. Mitarbeiter deutscher Firmen, die Telefonanlagen oder Abhörtechnik in arabische Länder geliefert haben, waren später häufig auch bei der Entschlüsselung im Dienst des BND aktiv.

Aufklärungsquote im Nachrichtenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verlauf des Jahres 2011 überprüfte der Nachrichtendienst nahezu 2,9 Millionen E-Mails und SMS, berichtet Welt online. Nach Auswertung der Suche habe sich in 290 Fällen „nachrichtendienstlich relevantes Material“ darunter befunden. Dies entsprach einer „Erfolgsquote von 0,01 Prozent“. Vize-Regierungssprecher Georg Streiter gab dazu bekannt, „nur ein eingeschränkter Teil der internationalen Telekommunikation unterliege der Überwachung durch den BND. Die Zahlen seien dabei rückläufig. 2010 habe der Geheimdienst noch rund 38 Millionen ‚Telekommunikationsverkehre‘ erfasst, 2011 dann weniger als drei Millionen.“[4]

Außenstellen (Auswahl)[5][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Außenstellen wurden teils vom BND allein, aber auch über Kooperationsverträge mit der Bundeswehr (Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr), Bundesgrenzschutz und Diensten der NATO-Bündnispartner betrieben. Ab 1990 wurden viele dieser Einrichtungen zurückgebaut oder aufgelöst.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bild der Antennenanlage
  2. Schleswig-Holsteinischer Landtag Drs. 15/311 (PDF; 33 kB)
  3. Siemens und der BND Beste Verbindung – Die Korruptionsaffäre nährt Spekulationen, Siemens sei Lieferant des BND für Spionagetechnik und habe im Gegenzug mit den Geheimen kooperiert. Die Hinweise sind ebenso richtig wie banal. von Hans Leyendecker auf sueddeutsche.de vom 17. Mai 2010
  4. BND hat Millionen Mails und SMS mitgelesen In: Die Welt online vom 5. April 2013
  5. Erich Schmidt-Eenboom: Empfänglich für Geheimes – Die (west)deutschen Nachrichtendienste im Äther. desert-info.ch (PDF; 69 kB)
  6. Alles im Ohr. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1993, S. 47 (online).
  7. koeppe4you.de
  8. 50° 25′ 0″ N, 8° 39′ 30″ O, Antennenanlage
  9. Husumer Nachrichten, 31. August 2016
  10. Höfen: Geheimdienst löst seinen Horchposten auf. In: Aachener Nachrichten, 21. Oktober 2009
  11. Stadtanzeiger für die Ortenau, 2. November 2006

Koordinaten: 48° 5′ 26,1″ N, 11° 24′ 45,2″ O