Formazza

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Formazza
Wappen
Formazza (Italien)
Formazza
Staat Italien
Region Piemont
Provinz Verbano-Cusio-Ossola (VB)
Koordinaten 46° 23′ N, 8° 26′ OKoordinaten: 46° 23′ 0″ N, 8° 26′ 0″ O
Höhe 1280 m s.l.m.
Fläche 131 km²
Einwohner 440 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte 3 Einw./km²
Postleitzahl 28030
Vorwahl 0324
ISTAT-Nummer 103031
Volksbezeichnung Formazzini
Schutzpatron Bernhard von Clairvaux (20. August)
Website Formazza
Formazza im Piemont

Formazza (walserdeutsch Púmatt, deutsch Pomatt) ist eine Gemeinde in der italienischen Provinz Verbano-Cusio-Ossola (VB), Region Piemont.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Formazza umfasst das Val Formazza (dt. Pomatt), den obersten Abschnitt des vom Fluss Toce (wdt. Riis) gebildeten Tales. Über den Griespass (Grenzübergang zur Schweiz auf 2479 m ü. M.) besteht eine Verbindung zum Nufenenpass, von wo das Goms im Kanton Wallis oder das Val Bedretto im Kanton Tessin erreicht werden kann. Früher war das Tal ein wichtiger Verkehrsweg, führte doch vom Wallis ein Saumweg über den Griespass in die Lombardei. Die Fortsetzung des Val Formazza bis nach Domodossola heisst Valle Antigorio.

Die Gemeinde, deren Fläche 131 km² beträgt, umfasst neun ganzjährig bewohnte Weiler: San Rocco[2], Il Passo[3], Foppiano (wdt. Unnrum Schtaldä, dt. Unterstalden)[4], Fondovalle (wdt. Schtafulwald, dt. Stafelwald), Chiesa (wdt. In där Mattu, dt. Andermatten), San Michele (wdt. Tuffald, dt. Tuffwald), Valdo (wdt. und dt. Wald), Ponte (wdt. Zum Schtäg, dt. Zumsteg)[5], Brendo (wdt. Brendu, dt. Brennen), Grovella (wdt. Gurfälu, dt. Gurfelen) und Canza (wdt. Früduwald, dt. Frut[t]wald)[6].

Italienische Nachbargemeinden sind Baceno und Premia. Außerdem grenzt die Gemeinde an die Schweizer Kantone Wallis (Westen) und Tessin (Osten); das einzige deutschsprachige Dorf des Tessins, Bosco/Gurin, ist mit dem Pomatt über die Guriner Furggu verbunden. Formazza ist die nördlichste Gemeinde des Piemonts.

Geschichte und Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter wurde das Val Formazza von Walsern besiedelt, die aus dem schweizerischen Goms kamen und damit deutschsprachig waren. Der noch heute besonders von der älteren Generation gesprochene höchstalemannische Dialekt (Walserdeutsch), die Bauweise der Häuser und zahlreiche deutsche Flurnamen zeugen von dieser Besiedlung.

Zweimal wurde das Pomatt durch die Walliser besetzt und war eine gemeine Herrschaft der Alten Eidgenossenschaft. Nach der Schlacht bei Marignano im Jahr 1515 mussten die Eidgenossen das Tal an das damals von Frankreich beherrschte Herzogtum Mailand abtreten.

In der deutschen Ortsmundart hat Anna Maria Bacher ab 1988 bedeutsame Dialektliteratur geschaffen. Drei ihrer Dichtungen wurden vom Schweizer Komponisten Heinz Holliger vertont.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1861 1871 1881 1901 1921 1931 1951 1971 1991 2001 2011 2018
Einwohner 656 683 654 515 517 659 732 577 461 448 442 442

Tourismus und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Bergwanderer stehen die 3A-Hütte über dem Siedelgletscher auf 2922 m ü. M. mit 80 Betten und die Claudio- und Bruno-Hütte am Sabbione-See auf 2710 m ü. M. mit 90 Betten zur Verfügung, beide im Besitz der Operation Mato Grosso (OMG).

An Skianlagen gibt es den Skilift Ponte (1980), die Sesselbahn Sagersboden (seit 1999) und den Skilift Valdo 1 (seit 2001). In Riale besteht eine Langlaufloipe.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angela Bacher: Pomatt, una valle, una comunità, una lingua. Tipolitografia Cerutti, Intra 1983.
  • Angela Bacher: Bärulussä. Il prato più bello dell’orso. Suoni, nomi e luoghi nella parlata walser di Formazza. Tararà Edizione, Verbania 1995.
  • Aristide Baragiola: Folklore di Val Formazza. Ermanno Loescher, Roma 1914.
  • Aristide Baragiola: Documenti latini, italiani e tedeschi di Formazza. In: Bollettino Storico per la Provincia di Novara 3 (1918) und 4 (1919).
  • Silvia Dal Negro: Mantenimento, variazione e morte della lingua nel Walser di Formazza. IX Ciclo. Dissertation Universität Pavia. o. O., o. J.
  • Silvia Dal Negro, Carla Willeit, Alessandra Carpene: Studi su fenomeni, situazioni e forme del bilinguismo. Milano 1999 (Educazione bilingue 20).
  • Silvia Dal Negro: Parlare walser in Piemonte. Archivio sonoro delle parlate walser. Hrsg. vom Centro Studi Walser di Rimella und vom Walserverein Pomatt. Vercelli 2006 [mit 1 DVD].
  • Pio Scilligo: Pumattertietsch Werterbeuch. Dizionario Formazzino – Italiano e Italiano – Formazzino. Pumattertietsch – Waeltsch – Tietsch und Waeltsch – Pumattertietsch – Tietsch. Roma 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Formazza – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. San Rocco auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  3. Il Passo auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  4. Foppiano auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  5. Ponte auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  6. Für die dt. Namen siehe beispielsweise http://digitool.is.cuni.cz:1801/view/action/nmets.do?DOCCHOICE=1142682.xml&dvs=1535752835445~410&locale=de_DE&search_terms=&adjacency=&VIEWER_URL=/view/action/nmets.do?&DELIVERY_RULE_ID=3&divType=