Formazza

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Formazza (Pomatt)
Kein Wappen vorhanden.
Formazza (Pomatt) (Italien)
Formazza (Pomatt)
Staat: Italien
Region: Piemont
Provinz: Verbano-Cusio-Ossola (VB)
Koordinaten: 46° 23′ N, 8° 26′ OKoordinaten: 46° 23′ 0″ N, 8° 26′ 0″ O
Fläche: 131 km²
Einwohner: 445 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 3 Einw./km²
Postleitzahl: 28030
Vorwahl: 0324
ISTAT-Nummer: 103031
Volksbezeichnung: Formazzini
Schutzpatron: San Bernardo
Website: Formazza

Formazza (walserdeutsch Púmatt, deutsch Pomatt) ist eine Gemeinde mit 445 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) in der italienischen Provinz Verbano-Cusio-Ossola (VB), Region Piemont.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Formazza umfasst das Val Formazza (dt. Pomatt), den obersten Abschnitt des vom Fluss Toce (wdt. Riis) gebildeten Tales. Über den Griespass (Grenzübergang zur Schweiz auf 2'479 m ü. M.) besteht eine Verbindung zum Nufenenpass, von wo das Goms im Kanton Wallis oder das Val Bedretto im Kanton Tessin erreicht werden kann. Früher war das Tal ein wichtiger Verkehrsweg, führte doch vom Wallis ein Saumweg über den Griespass in die Lombardei.

Die Gemeinde umfasst neun ganzjährig bewohnte Weiler: Foppiano (wdt. Unnrum Schtaldä), Fondovalle (wdt. Schtafulwald), Chiesa (wdt. In där Mattu), San Michele (wdt. Tuffald), Valdo (wdt. Wald), Ponte (wdt. Zum Schtäg), Brendo (wdt. Brendu), Grovella (wdt. Gurfälu) und Canza (wdt. Früduwald).

Die Fortsetzung des Val Formazza bis nach Domodossola heisst Valle Antigorio.

Italienische Nachbargemeinden sind Baceno und Premia, die sich im Valle Antigorio befinden. Außerdem grenzt die Gemeinde an die Schweizer Kantone Wallis (Westen) und Tessin (Osten); das einzige deutschsprachige Dorf des Tessins, Bosco/Gurin, ist mit dem Pomatt über die Guriner Furggu verbunden. Formazza ist die nördlichste Gemeinde des Piemonts.

Geschichte und Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter wurde das Val Formazza von Walsern besiedelt, die aus dem schweizerischen Goms kamen und damit deutschsprachig waren. Der noch heute besonders von der älteren Generation gesprochene höchstalemannische Dialekt (Walserdeutsch), die Bauweise der Häuser und zahlreiche deutsche Flurnamen zeugen bis heute von dieser Besiedlung. Zweimal wurde das Pomatt durch die Walliser besetzt und war eine gemeine Herrschaft der Alten Eidgenossenschaft. Nach der Schlacht bei Marignano im Jahr 1515 mussten die Eidgenossen das Tal an das damals von Frankreich beherrschte Herzogtum Mailand abtreten.

In der deutschen Ortsmundart hat Anna Maria Bacher ab 1988 bedeutsame Dialektliteratur geschaffen. Drei ihrer Dichtungen wurden vom Schweizer Komponisten Heinz Holliger vertont.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aristide Baragiola: Folklore di Val Formazza. Ermanno Loescher, Roma 1914.
  • Aristide Baragiola: Documenti latini, italiani e tedeschi di Formazza. In: Bollettino Storico per la Provincia di Novara 3 (1918) und 4 (1919).
  • Silvia Dal Negro: Mantenimento, variazione e morte della lingua nel Walser di Formazza. IX Ciclo. Dissertation Universität Pavia. o. O., o. J.
  • Silvia Dal Negro, Carla Willeit, Alessandra Carpene: Studi su fenomeni, situazioni e forme del bilinguismo. Milano 1999 (Educazione bilingue 20).
  • Silvia Dal Negro: Parlare walser in Piemonte. Archivio sonoro delle parlate walser. Hrsg. vom Centro Studi Walser di Rimella und vom Walserverein Pomatt. Vercelli 2006 [mit 1 DVD].
  • Pio Scilligo: Pumattertietsch Werterbeuch. Dizionario Formazzino – Italiano e Italiano – Formazzino. Pumattertietsch – Waeltsch – Tietsch und Waeltsch – Pumattertietsch – Tietsch. Roma 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Formazza – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.