Chlortalidon

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Strukturformel
Struktur von Chlortalidon-Enantiomere
(R)-Form (oben) und (S)-Form (unten)
Allgemeines
Freiname Chlortalidon
Andere Namen

(RS)-2-Chlor-5-(1-hydroxy-3-oxo-1-isoindolinyl)-benzolsulfonamid

Summenformel C14H11ClN2O4S
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 77-36-1
EG-Nummer 201-022-5
ECHA-InfoCard 100.000.930
PubChem 2732
DrugBank DB00310
Wikidata Q425289
Arzneistoffangaben
ATC-Code
Wirkstoffklasse

Diuretikum

Eigenschaften
Molare Masse 338,77 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

224–226 °C[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 319
P: 305+351+338 [2]
Toxikologische Daten

>5000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Chlortalidon (INN) oder Chlorthalidon (USAN) (ursprünglicher Handelsname Hygroton®; Hersteller: Novartis; Vertrieb in DE durch Mibe) ist ein harntreibender Arzneistoff. Es handelt sich hierbei um ein Thiazid-Analogon, das auf Grund des gleichen Wirkprinzips zur Gruppe der Thiaziddiuretika gezählt wird. Chemisch gehört Chlortalidon zu den Sulfonamiden und wird bei der Behandlung von Bluthochdruck und zur Ausschwemmung von Wasseransammlungen im Gewebe eingesetzt. Chlortalidon wird sowohl als Einzelsubstanz verwendet als auch als Bestandteil von Kombinationsarzneimitteln (z. B. zusammen mit Betablockern wie Atenolol oder Metoprolol oder auch mit dem Rauvolfia-Alkaloid Reserpin).

Klinische Angaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwendungsgebiete (Indikationen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chlortalidon ist als Einzelsubstanz in Deutschland zugelassen[3] zur Behandlung von

In Österreich und in der Schweiz bestehen keine Zulassungen für die Behandlung des renalen Diabetes insipidus.[4]

Kombinationsarzneimittel, die neben Chlortalidon noch weitere Arzneistoffe enthalten, werden ausschließlich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überempfindlichkeit gegen Chlortalidon und andere Sulfonamide oder verwandte Arzneistoffe (Sulfonylharnstoffe); Nierenversagen (Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min); Glomerulonephritis (akute Nierenentzündung); fehlende Harnproduktion (Anurie); schweres Leberversagen; behandlungsresistenter Kaliummangel oder erhöhter Kaliumverlust; Natriummangel; erhöhter Kalzium-Spiegel, erhöhter Harnsäurespiegel mit klinischen Begleiterscheinungen (z. B. Gicht oder Harnsäuresteine in der Vorgeschichte); Bluthochdruck während der Schwangerschaft.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht ein klares Risiko für die Entwicklung des menschlichen Fötus. Chlortalidon kann die Durchblutung der Plazenta verringern, gelangt in den fötalen Blutkreislauf und kann dort Elektrolytstörungen verursachen. Es wurde auch über Thrombozytopenie beim Neugeborenen berichtet. Chlortalidon sollte in der Schwangerschaft nicht verabreicht werden. Da Chlortalidon in die Muttermilch übertritt, sollten stillende Mütter auf seine Anwendung verzichten.

Besondere Patientengruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Kindern sollte die niedrigste wirksame Dosierung gewählt werden, z. B. 0,5–1 mg/kg/48 h als Anfangsdosis und 1,7 mg/kg/48 h als maximale Dosis.
Bei älteren und bei Patienten mit leichten Nierenfunktionsstörungen wird ebenfalls empfohlen die niedrigste wirksame Dosis zu verwenden. Trotz gleicher Aufnahme des Arzneistoffs ist bei älteren Patienten die Ausscheidung von Chlortalidon langsamer als bei gesunden jüngeren Erwachsenen. Werden Patienten in fortgeschrittenem Alter mit Chlortalidon behandelt, ist daher eine sorgfältige ärztliche Überwachung angezeigt. Chlortalidon verliert beim Nierenversagen (Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min) seine harntreibende Wirkung.

Sonstige Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chlortalidon wurde in den 1950er Jahren durch die Fa. J.R. Geigy (heute: Novartis) entwickelt und 1959 als Hygroton in den Handel gebracht. Die Einführung von Chlortalidon war ein wichtiger medizinischer Fortschritt, da es das erste lang wirkende Diuretikum zur Behandlung von Bluthochdrucks war.

Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in Nordamerika durchgeführten ALLHAT-Studien haben den Einsatz von Chlortalidon bei der Behandlung von Bluthochdruck im Vergleich zu neueren Blutdrucksenkern untersucht. Trotz erheblicher Methodenkritik nach Veröffentlichung der Studien kann davon ausgegangen werden, dass Chlorthalidon besser vor den Folgeerkrankungen des Bluthochdrucks (z. B. Schlaganfall) schützt als der Alphablocker Doxazosin, der Calciumantagonist Amlodipin oder der ACE-Hemmer Lisinopril,[5][6] jedoch nicht die Gesamt-Mortalität oder die Sterblichkeit an Herzinfarkten senkt.

Handelsnamen und Darreichungsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtiger Hinweis: Handelsnamen und Darreichungsformen von Arzneistoffen unterliegen keiner Standardisierung. Sie können sich daher in einzelnen Ländern unterscheiden.

Alle Chlortalidon enthaltenden Darreichungsformen sind verschreibungspflichtig.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chlortalidon als Einzelsubstanz: Hygroton Tabletten (25 und 50 mg Chlortalidon)
  • Chlortalidon in Kombination mit Atenolol: Teneretic mite Tabletten (Atenolol 50 mg, Chlortalidon12,5 mg) oder Teneretic Tabletten (Atenolol 100 mg, Chlortalidon 25 mg) sowie zahlreiche Generika
  • Chlortalidon in Kombination mit Metoprolol: Prelis comp Retardtabletten (Metoprololtartrat 200 mg, Chlortalidon 25 mg)
  • Chlortalidon in einer Dreifach-Kombination: Tri-Normin 25 (Atenolol 25 mg, Chlortalidon 12,5 mg, Hydralazin 25 mg) und Tri-Normin 50 (Atenolol 50 mg, Chlortalidon 25 mg, Hydralazin 50 mg)

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chlortalidon als Einzelsubstanz: Hydrosan Tabletten (25 mg Chlortalidon)
  • Chlortalidon in Kombination mit Atenolol: Teneretic mite Tabletten (Atenolol 50 mg, Chlortalidon12,5 mg) oder Teneretic Tabletten (Atenolol 100 mg, Chlortalidon 25 mg) sowie zahlreiche Generika
  • Chlortalidon in Kombination mit Celiprolol: Selecturon (Celiprolol 200 mg, Chlortalidon 25 mg)

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chlortalidon als Einzelsubstanz: Hygroton Tabletten (25 mg Chlortalidon)
  • Chlortalidon in Kombination mit Atenolol: Tenoretic mite Tabletten (Atenolol 50 mg, Chlortalidon12,5 mg) oder Tenoretic Tabletten (Atenolol 100 mg, Chlortalidon 25 mg) sowie Generika
  • Chlortalidon in Kombination mit Metoprolol: Logroton Retardtabletten (Metoprololtartrat 200 mg, Chlortalidon 25 mg)
  • Chlortalidon in Kombination mit Oxprenolol: Slow-Trasitensin Tabletten (Oxprenolol 160 mg, Chlortalidon 25 mg)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 364, ISBN 978-0-911910-00-1.
  2. a b c Datenblatt Chlorthalidone bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 22. Oktober 2016 (PDF).
  3. Fachinformation Hygroton (Dezember 2004), Mibe Arzneimittel GmbH Brehna.
  4. Fachinformation Hygroton (März 2003), Novartis Pharma AG Bern.
  5. ALLHAT Officers et al. Major outcomes in high-risk hypertensive patients randomized to angiotensin-converting enzyme inhibitor or calcium channel blocker vs diuretic: The Antihypertensive and Lipid-Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial (ALLHAT). JAMA 2002; 288:2981–97, PMID 12479763.
  6. ALLHAT Officers et al. Major Cardiovascular Events in Hypertensive Patients Randomized to Doxazosin vs Chlorthalidone: The Antihypertensive and Lipid-Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial (ALLHAT). JAMA 2000; 283:1967–75, PMID 10789664.
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