Christine Strobl (Medienmanagerin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Christine Strobl (geb. Schäuble; * 5. August 1971)[1] ist eine deutsche Juristin und Medienmanagerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strobl wurde 1971 als ältestes Kind des Politikers Wolfgang Schäuble (CDU) und seiner Ehefrau, der Volkswirtin Ingeborg Schäuble (geb. Hensle), geboren und hat drei jüngere Geschwister.[2] Seit 1996 ist sie mit dem CDU-Politiker Thomas Strobl verheiratet. Auch Christine Strobl ist langjähriges CDU-Mitglied; Ende der 1980er Jahre war sie in die Junge Union (JU) eingetreten.[3]

Südwestrundfunk (SWR)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem abgeschlossenen Studium der Rechtswissenschaft kam Strobl 1999 als Volljuristin zum Südwestrundfunk (SWR), wo sie zunächst ein Traineeprogramm durchlief. Nach Stationen beim Hörfunkprogramm SWR4 Baden-Württemberg und bei der SWR-Intendanz in Stuttgart wurde sie erst Personal- und Etatreferentin und 2007 Leiterin der AbteilungKinder- und Familienprogramm Fernsehen“. Als eine ihrer Leistungen gilt die Modernisierung des Tigerenten-Clubs.[4]

Der Verwaltungsrat des SWR unter Vorsitz des Landtagsabgeordneten Ulrich Müller (CDU) berief Christine Strobl zum 1. Februar 2011 schließlich zur Fernsehfilmchefin des Senders. Sie folgte auf Carl Bergengruen, der zu Studio Hamburg wechselte. Der Entscheidung ging ein internes Bewerbungsverfahren voraus, an dessen Ende ausschließlich Strobl übriggeblieben war. Die Berufung auf den wichtigen Posten sorgte aufgrund von Strobls direkter familiärer Nähe zu hohen CDU-Politikern für Kontroversen; die Unterstützer ihrer Berufung betonten dagegen, dass ausschließlich ihre persönliche Leistung entscheidend gewesen sei.[5]

Degeto Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2012 wurde Strobl Programmgeschäftsführerin der ARD-Einkaufs- und Produktionstochter Degeto Film in Frankfurt am Main. Strobl wurde Nachfolgerin von Bettina Reitz, die nach einer kurzen Interimszeit bei der Degeto Fernsehchefin beim Bayerischen Rundfunk (BR) wurde. Der langjährige Degeto-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan war im November 2011 mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden und in den Ruhestand versetzt worden, nachdem er in den vorangegangenen Jahren das Budget deutlich überzogen, den Produktionsetat bis ins Jahr 2014 verplant und damit neue Filmproduktionen blockiert sowie Liquiditätsprobleme heraufbeschworen hatte.[6] Eine Prüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und die Revision des WDR hatte „gravierende organisatorische Mängel“ bei der Degeto ergeben. Das Unternehmen hat mit einem Jahresetat von 400 Millionen Euro – davon rund 250 Millionen für Eigenproduktionen – und mit rund 80 Mitarbeitern eine große Bedeutung für die deutsche Filmwirtschaft. Strobl nahm im Unternehmen große strukturelle Veränderungen bei Arbeitsabläufen und Unternehmenstransparenz sowie der Vernetzung mit den Landesrundfunkanstalten in Angriff, die sie bis Anfang 2015 abschließen konnte.[7]

ARD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Mai 2021 trat Strobl die Nachfolge von Volker Herres als Programmdirektorin des ARD-Gemeinschaftsprogramms Das Erste an.[8] Ihre Nachfolge als Geschäftsführer der Degeto trat zum 1. Mai 2021 Thomas Schreiber an.[9][10] Für ihre Tätigkeit bezieht sie, nach eigenen Angaben, ein Grundgehalt von 285 000 Euro jährlich.[11] Hinzu kommen Sachbezüge und zusätzliche Leistungen für Tätigkeiten bei Tochterunternehmen der Sender oder der ARD, die nicht offengelegt werden.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrer Funktion als einflussreiche Programmdirektorin der ARD[12] führt Strobl seit Amtsantritt einen umfangreichen Umbau der ARD-Fernsehprogramme durch. Für die Art und Weise und die Prioritätensetzung ihres geplanten Programmumbaus wird Strobl von vielen Medienschaffenden aus der ARD kritisiert.[13]

Strobl setzt auf mehr Unterhaltung und weniger Nachrichten. Zudem soll die Mediathek gestärkt werden, um mit Streaming-Diensten konkurrenzfähig zu sein. Dies wirkt sich auf die produzierten Formate aus, die zeitüberdauernder werden sollen. Strobl plant eine Verringerung der Kraft der Polit-Magazine und eine Verlegung des Weltspiegels auf einen reichweitenschwachen Nachtsendeplatz.[13][14] "Die halbe ARD, wichtige Korrespondenten und viele Zuschauer" (Süddeutsche Zeitung) wehren sich dagegen.[15] Strobl hält dagegen mit Ansagen wie: "Ein Sendeplatz alleine schafft noch keine Relevanz."

Der Spiegel berichtete 2021 aus einem internen Plan, Formate des ZDF zu kopieren: etwa nach den Tagesthemen soll ein Markus Lanz ähnelndes Format gesendet werden; Sandra Maischberger gilt als mögliche Moderatorin. Zudem solle ein Comedy-Format mit einem Wochenrückblick gesendet werden, das auf Publikum der „heute show“ zielt.[13]

In einem offenen Brief der Autorenverbände VDD und "Kontrakt 18" Anfang Juni 2021 forderten diese von Strobl, die Zusammenarbeit mit Kreativen möglichst bald an solche Standards anzugleichen, wie sie bei Amazon, Apple oder Netflix üblich seien. Mehr Augenhöhe mit Kreativen, mehr Mitbestimmung für Autoren und veraltete Verfahren abzulösen forderten diese.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christine Strobl wird Fernsehfilmchefin beim SWR. Abteilungsleiterin Familienprogramm wird Nachfolgerin von Carl Bergengruen. In: SWR.de. Südwestrundfunk, 19. November 2010, abgerufen am 7. Dezember 2014.
  2. Wolfgang Schäuble b. 18 September 1942. Person:390826. In: Rodovid. Abgerufen am 26. August 2015 (Stammbaum-Wiki).
  3. Anne Kunze: Neue Degeto-Chefin: Fluch und Segen. In: Zeit Online. 12. August 2012, S. 2, abgerufen am 26. August 2015.
  4. pak: Neue Chefin für die ARD-Tochter Degeto – Niveau für's Melodram. In: Süddeutsche Zeitung. SZ.de, 5. März 2012, S. 2, abgerufen am 26. August 2015.
  5. Frank Krause: Ärger beim SWR – Bekannter Name als Belastung. Schäuble-Tochter als SWR-Fernsehspielchefin: Normale Personalie oder Mauschelei? In: Stuttgarter Nachrichten online. Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft, 17. November 2010, abgerufen am 26. August 2015.
  6. teleschau – der mediendienst: Schäuble-Tochter Christine Strobl wird Degeto-Chefin. In: Heilbronner Stimme. stimme.de, 8. März 2012, archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 26. August 2015.
  7. kressreport: ARD Degeto: „Wir sind da, wo ich immer hin wollte.“ Interview. 10. Juli 2015, S. 18–20, Zusammenfassung.
  8. quotenmeter.de ARD: Unterhaltungskoordinator Schreiber wird neuer Degeto-Chef, abgerufen am 1. Mai 2021
  9. quotenmeter.de ARD: Unterhaltungskoordinator Schreiber wird neuer Degeto-Chef, abgerufen am 1. Mai 2021
  10. DWDL de GmbH: Thomas Schreiber wird neuer Degeto-Geschäftsführer. Abgerufen am 24. Februar 2021 (englisch).
  11. Business Insider: Gehalt von ARD-Programmdirektorin, abgerufen am 9. Juli 2021
  12. Christian Buß: Was auf Christine Strobl in der ARD zukommt. In: Der Spiegel. 24. September 2020, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 15. November 2021]).
  13. a b c d Markus Ehrenberg: Die DNA des Ersten. In: Der Tagesspiegel Online. 30. Juni 2021, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 14. November 2021]).
  14. Michael Hanfeld: Kritik an ARD-Reform: Die Grünen, ganz unten. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 15. November 2021]).
  15. Claudia Tieschky: Medienkolumne Abspann: Die böse Frau Strobl. Abgerufen am 15. November 2021.