Dörnigheim

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Dörnigheim
Stadt Maintal
Wappen der ehemaligen Stadt Dörnigheim
Koordinaten: 50° 8′ 21″ N, 8° 50′ 36″ O
Höhe: 102 m ü. NHN
Fläche: 9,85 km²
Einwohner: 16.890 (30. Jun. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.715 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63477
Vorwahl: 06181
Ehemalige Mainfähre vor Dörnigheim
Ehemalige Mainfähre vor Dörnigheim

Dörnigheim ist der größte Stadtteil von Maintal und liegt im hessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dörnigheim liegt am rechten Mainufer auf einer Höhe von 103 m über NN. Die Stadt Frankfurt am Main liegt ca. 13 Kilometer westlich, die Stadt Hanau ca. 6 Kilometer östlich von Dörnigheim. Durch den Ort fließt der Braubach, der westlich von Dörnigheim in den Main mündet.

Die Gemarkungsfläche wird für 1961 mit 985 Hektar angegeben, davon 212 Hektar Wald.

Nachbarstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dörnigheim grenzt im Norden an den Stadtteil Hochstadt, im Nordwesten an Bischofsheim, im Westen an Fechenheim, im Osten an Hanau-Kesselstadt und – südlich des Mains gelegen – im Südwesten an den Offenbacher Stadtteil Rumpenheim und im Süden an die Stadt Mühlheim am Main und deren Stadtteil Dietesheim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung von Dörnigheim stammt aus dem Jahr 793 und ist im Lorscher Codex verzeichnet. Ein Wolfbodo schenkte dem Kloster Lorsch seinen Besitz in Dörnigheim.[2]

1064 übergab König Heinrich IV. dem Kloster St. Jakob zu Mainz Dörnigheim als Königsgut. Die Vogtei über den Klosterbesitz vergab es als Lehen den Grafen von Rieneck. Als die Linie Rieneck-Rothenfels 1333 erlosch, erbte Ulrich II. von Hanau über seine Mutter, Elisabeth von Rieneck-Rothenfels, auch die Vogtei über Dörnigheim.[3] Die Herren von Hanau wiederum vergaben die Vogtei als After-Lehen an die Herren von Rüdigheim. Über die Landeshoheit in Dörnigheim bestand ein langjähriger Streit zwischen dem Kloster St. Jakob und dem Haus Hanau. 1475 kam es zu einem Vergleich, durch den die Landeshoheit der Grafschaft Hanau-Münzenberg anerkannt wurde. Diese ordnete das Dorf ihrem Amt Büchertal zu. Da das Kloster aber nicht bereit war, seine übrigen Rechte in Dörnigheim aufzugeben, kam es zu einem jahrhundertelangen Rechtsstreit, der sich bis ins 18. Jahrhundert hinein zog.[4] Das Kirchenpatronat lag zunächst bei der Kurpfalz, die es im 16. Jahrhundert an die Grafen von Hanau-Münzenberg abgab.[5]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Dörnigheim unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[6]

  • Turincheim (793)
  • Turingeheim (um 850)
  • Thurincheim (1064)
  • Dorenheim (1258)
  • Durnkeim (1282)
  • Durinkeym (1288)
  • Duringheim (1366)
  • Dörnigheim (1554)

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reformation setzte sich in der Grafschaft Hanau-Münzenberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts zunächst in ihrer lutherischen Ausprägung durch. In einer „zweiten Reformation“, wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi Gebrauch, seinem Recht als Landesherr, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft weitgehend als verbindlich durch, so auch in Dörnigheim. 1720 wurde die Kirchengemeinde von Kesselstadt losgelöst und verselbständigt.[7]

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Amt Büchertal mit Dörnigheim.

Aufgrund seiner günstigen Lage zwischen den Städten Hanau im Osten und Frankfurt im Westen florierte der Gaststätten- und Herbergsbetrieb, da Reisende gerne hier eine Rast einlegten. Viele der alten Gaststätten werden heute noch bewirtschaftet.

Neuere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der napoleonischen Zeit stand Dörnigheim von 1806 bis 1810 unter französischer Militärverwaltung und gehörte dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es an Hessen-Kassel, nunmehr „Kurfürstentum Hessen“ genannt, zurück. Hier kam es 1821 zu einer grundlegenden Verwaltungsreform: Das Amt Büchertal wurde dem neu gebildeten Landkreis Hanau zugeschlagen.

Aus dem KZ-Außenlager Katzbach in den Adlerwerken in Frankfurt am Main wurden am 25. März 1945 von der SS ca. 300 Häftlinge durch den Ort getrieben.[8] Das Ziel war die Stadt Hünfeld, da sich die Amerikaner von Westen näherten. 11 der Gefangenen dieses Todesmarschs wurden in Dörnigheim durch einen Genickschuss von den Wachen hingerichtet.[9]

Am 19. August 1945 ereignete sich auf einem Industriegelände in der Nähe des Bahnhofs Maintal Ost, damals: „Hochstadt-Dörnigheim“, das als Durchgangslager für amerikanische Soldaten, als Kriegsgefangenenlager und als Depot benutzt wurde, eine Explosion. Der Katastrophe fielen 24 Amerikaner und vier Dörnigheimer Feuerwehrleute zum Opfer.

1964 erhielt Dörnigheim Stadtrechte. Zehn Jahre später, am 1. Juli 1974, wurde Dörnigheim mit Bischofsheim, Hochstadt und Wachenbuchen im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz zur neuen Stadt Maintal zusammengeschlossen.[10][11]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1587: 43 Schützen, 10 Spießer
• 1632: 38 Hausgesesse[12]
• 1707: 55 Familien
• 1753: 105 Haushaltungen und 4 Juden
• 1812: 100 Feuerstellen
Dörnigheim: Einwohnerzahlen von 1753 bis 2015
Jahr  Einwohner
1753
  
463
1812
  
559
1834
  
640
1840
  
744
1846
  
917
1852
  
868
1858
  
898
1864
  
962
1871
  
1.101
1875
  
1.151
1885
  
1.273
1895
  
1.343
1905
  
1.875
1910
  
2.167
1925
  
2.396
1939
  
2.746
1946
  
3.877
1950
  
4.259
1956
  
5.466
1961
  
7.073
1967
  
14.672
1970
  
16.302
2006
  
15.341
2015
  
15.933
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [6]; Stadt Maintal

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1885: 1199 evangelische (= 94,19 %), 29 katholische (= 2,28 %), 45 jüdische (= 3,53 %) Einwohner
• 1961: 4844 evangelische (= 68,49 %), 1915 katholische (= 27,07 %) Einwohner

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Bereits in der Urkunde von 793, der ältesten Erwähnung Dörnigheims, wird die heutige Alte Kirche am Main als basilica s. Marie erwähnt. Das Patronat lag zunächst bei der Pfalz, seit dem 16. Jahrhundert bei Hanau. Kirchliche Mittelbehörde war vor der Reformation das Archidiakonat des Propstes von St. Maria ad Gradus in Mainz, Landkapitel Roßdorf. Danach war das evangelische Konsistorium der Regierung in Hanau die Aufsichtsbehörde. Die Kirche war bis 1720 eine Filiale der Kirche von Kesselstadt, bevor sie selbständig wurde.

Flächennutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

  • 1885 (Hektar): 980, davon 500 Acker (= 51,02 %), 120 Wiesen (= 12,24 %), 240 Holzungen (= 24,49 %)
  • 1961 (Hektar): 985, davon 212 Wald (= 21,52 %)

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Banner Dörnigheim.svg

Wappen

Wappen Maintal-Dörnigheim.svg

Blasonierung: „In Rot ein aus einem blauen Fluss aufsteigenden, silbernen, blaubewehrten Schwan, auf der Brust belegt mit einer schwarzen E-förmigen Ortsmarke.“[13]

Das Wappen wurde der Stadt Dörnigheim im damaligen Landkreis Hanau am 9. Januar 1957 durch das Hessische Innenministerium genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt

Der Fluss im Schildfuß symbolisiert den Main, an dem Dörnigheim liegt. Der Schwan stammt aus dem Wappen der Grafen von Hanau, deren Helmzier ein Schwan war. Er symbolisiert also die Zugehörigkeit zur Grafschaft Hanau. Das E ist die seit dem 17. Jhd. Bekannte Ortsmarke von Dörnigheim.


Flagge

Die Flagge wurde der Gemeinde am 7. August 1968 durch das Hessische Innenministerium genehmigt und wird wie folgt beschrieben:

„Zwischen schmalen roten Seitenbahnen eine breite silberne Mittelbahn, im oberen Drittel belegt mit dem Stadtwappen.“[14]

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dörnigheim ist durch die Lage im Rhein-Main-Gebiet und der direkten Nähe zu Frankfurt und Hanau, ein günstig gelegener Wirtschaftsstandort. Im Osten und im Norden grenzen zudem die Gewerbegebiete Maintal-Ost und Maintal-Mitte an den Stadtteil.

Dörnigheim liegt verkehrsgünstig. Der Bahnhof Maintal Ost liegt im Norden des Stadtteils an der Bahnstrecke Frankfurt–Hanau und wird von Regionalzügen der Relation Frankfurt–Maintal–Hanau(–Aschaffenburg) angefahren. Geplant ist der Anschluss an die Nordmainische S-Bahn.

Die A 66 mit der Anschlussstelle Maintal-Dörnigheim / Maintal-Hochstadt verläuft nördlich des Stadtteils, die B 8 mitten durch den Ortskern entlang des Mains.

Am Dörnigheimer bzw. am gegenüber liegenden Mainufer verlaufen mehrere Radwanderwege:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Aschkewitz: Pfarrergeschichte des Sprengels Hanau („Hanauer Union“) bis 1986, Teil 1 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 33. Marburg 1984, S. 118.
  • Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum = Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 40.
  • Heinrich Lapp: Dörnigheim am Main, Die Geschichte eines Dorfes, 1952
  • Heinrich Lapp: Dörnigheim in Geschichte und Gegenwart. Hanau 1964.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926 S. 95.
  • Werner Jung: 1200 Jahre Dörnigheim: 793 – 1993. Dörnigheim 1993.
  • Bernd Salzmann u. a.: Keiner will es gewesen sein: Dörnigheim im Nationalsozialismus, 1991
  • Ingeborg Schall: Daten der Dörnigheimer Geschichte im Spiegel der Zeit. Eigenverlag 1992.
  • Ingeborg Schall: Grenzen und Fluren der Dörnigheimer Gemarkung = Dörnigheimer Geschichtsblätter 3. 1997.
  • Ingeborg Schall: Dörnigheim in alten Bildern. 1998.
  • Ingeborg Schall: Dörnigheim-Chronik bis 1974. Dörnigheim 2010.
  • 793–1993 . 1200 Jahre Dörnigheim, Zeltgemeinschaft 1200 Jahre Dörnigheim, Dörnigheim 1993
  • Literatur über Dörnigheim in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dörnigheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen. In: Internetauftritt. Stadt Maintal, archiviert vom Original am 28. Oktober 2018; abgerufen am 28. Oktober 2018.
  2. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 5), Urkunde 3452, 3. Februar 793 – Reg. 2417. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 186, abgerufen am 15. März 2016.
  3. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230 (208).
  4. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230 (203f).
  5. Aschkewitz.
  6. a b c d e Dörnigheim, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Aschkewitz.
  8. 24-29-3-45 Kollektive Performance (Flyer) In: Website über künstlerische Darstellungen des Gedenkens an das KZ Katzbach. Aufgerufen am 17. September 2019.
  9. Programm Todesmarsch In: Frankfurter Rundschau, 18. März 2013, aufgerufen am 17. September 2019.
  10. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, § 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 367.
  12. In den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Die Zahlen sind hier wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein 1844: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung. 2011, OCLC 1073465042, S. 277–320 (289 ff.) (= Hanauer Geschichtsblätter 45)
  13. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Dörnigheim im Landkreis Hanau vom 9. Januar 1957. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1957 Nr. 4, S. 78, Punkt 79 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,7 MB]).
  14. Genehmigung einer Flagge der Stadt Dörnigheim im Landkreis Hanau, Regierungsbezirk Darmstadt vom 7. August 1968. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 34, S. 1246, Punkt 955 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).