Roter Main

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Roter Main

Verlauf des Roten Mains (interaktive Karte)

Daten
Gewässerkennzahl DE: 2412
Lage Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Main → Rhein → Nordsee
Quelle im Lindenhardter Forst zehn Kilometer südlich von Bayreuth bei Hörlasreuth (Creußen)
49° 51′ 23″ N, 11° 31′ 59″ O
Quellhöhe 581 m ü. NN
Zusammenfluss mit dem Weißen Main zum Main
bei Schloss Steinenhausen südlich von KulmbachKoordinaten: 50° 5′ 13″ N, 11° 23′ 56″ O
50° 5′ 13″ N, 11° 23′ 56″ O
Mündungshöhe 298 m ü. NN
Höhenunterschied 283 m
Sohlgefälle 3,9 ‰
Länge 71,9 km[1]
Einzugsgebiet 519,41 km²[1]
Abfluss am Pegel Unterzettlitz[2] (96 % des Einzugsgebietes)
AEo: 500,35 km²
Lage: 3,7 km oberhalb der Mündung
NNQ
MNQ 1930–1999
MQ 1930–1999
Mq 1930–1999
MHQ 1930–1999
HHQ (1984)
410 l/s
1,1 m³/s
4,51 m³/s
9 l/(s km²)
71,4 m³/s
322 m³/s
Abfluss[3] an der Mündung
AEo: 519 km²
MQ
Mq
4,7 m³/s
9,1 l/(s km²)
Mittelstädte Bayreuth

Der Rote Main östlich von Bayreuth

Roter Main am „Flößanger“ in Bayreuth
Unbegradigter Roter Main mit Herzogmühle bei Bayreuth (um 1850)

Der Rote Main ist einer der beiden Quellflüsse des Mains. Er entspringt in der Fränkischen Schweiz und vereinigt sich am westlichen Stadtrand von Kulmbach mit dem rechten und nördlichen Quellfluss Weißer Main, der mehr Wasser führt. Der Rote Main ist dagegen mit 72 Kilometern länger. Sein Gefälle beträgt 283 Meter.

Der Rote Main durchfließt lehmhaltige Böden. Vor allem nach Regenfällen enthält er viel Schwebfracht, was ihm eine rötlich-braune Färbung gibt. Daher rührt der Namensbestandteil rot.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rote Main entspringt zehn Kilometer südlich von Bayreuth bei Hörlasreuth (Creußen) im Lindenhardter Forst auf einer Höhe von 581 m ü. NN. Das Quellgebiet liegt im Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst. Es gehört geologisch zum Braunen Jura. Die Quelle wurde 1907 in Stein gefasst, aus ihr fließt das Wasser über ein Holzrohr ab.

Flusslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rotmainquelle im Lindenhardter Forst
Ehemaliges Flussbett an der Schlachthausbrücke in Bayreuth
Vereinigung von Rotem Main (hinten) und Weißem Main (links) bei Kulmbach
Einzugsgebiet des Roten Mains
Roter Main und Mühlkanal in Bayreuth, oberhalb des Flusses der hochwassergefährdete Stadtteil Neuer Weg (1852)
Mühlkanal hinter der ehemaligen markgräflichen Münzprägeanstalt in Bayreuth
Mündung des Bayreuther Mühlkanals (von rechts) in den Roten Main
Hochwasser am Mainflecklein in Bayreuth, in der Bildmitte die Mündung des Mühlkanals
Baudenkmal „Heubruck“ über den Hochwasser führenden Roten Main bei Heinersreuth

Der Rote Main fließt zunächst in südöstlicher Richtung, bevor er nach Nordosten biegt und Creußen durchquert. Von dort aus zieht er nach Norden und macht hinter der Eremitage eine Kehre nach Westen. Die Stadt Bayreuth durchquert er von Osten nach Westen. In der Innenstadt ist er seit den siebziger Jahren in ein Betonbett gefasst und teilweise überdeckelt.

Am „Flößanger“[4] in der Nähe des Bayreuther Volksfestplatzes zweigt südlich der Mühlkanal ab, der früher mehrere Mühlen im Stadtbereich antrieb. Sein Durchfluss wird mit einem Wehr annähernd konstant gehalten. Er verläuft oberirdisch bis in Höhe der Münzgasse, 1886 wurde er zwischen der Münzgasse und der Kanalstraße abgedeckt.[5] An der Stelle der nach 1894 abgerissenen Münzmühle wurde 1907–1908 über dem Kanal das Königlich-Bayerische Bankhaus (seit 2013: Iwalewahaus) errichtet,[6] am westlichen Ende der Deckelung verschwand er ab 1933 unter dem „Haus der Deutschen Erziehung“. Im Bereich zwischen diesen Gebäuden wurde er 1997–1998 leicht nach Süden verschwenkt und der neu angelegte Lauf teilweise wieder geöffnet.[7] Längs der Kanalstraße wurde der Mühlkanal 1967 gedeckelt.[8]

Anders als der Mühlkanal führt der eigentliche Fluss gewöhnlich nur sehr wenig Wasser, dient aber bei Hochwasserständen als Flutbach und hat ein sehr breites Bett. Auf einem Stadtplan aus dem Jahr 1852 ist er in der Oberen Au bis zum heutigen Josephsplatz noch stark mäandrierend eingezeichnet. Die „Riediger-Karte“ von 1745 zeigt noch eine Insel im Bereich zwischen der Bahnhofstraße und der Schulstraße, auf einem Plan von 1814 ist eine Insel in Höhe der Kaserne verzeichnet.[9] Nach starken Hochwässern in den Jahren 1907 und 1909, die besonders den Stadtteil Neuer Weg betrafen, wurde der Fluss 1913 bis 1915 dort verbreitert und kanalisiert.[10] Seit 1967/68 ist er mit zwei Parkplätzen beiderseits der Bahnhofstraße teilweise überbaut.[11] Westlich der Mündung des Mühlkanals erhielt der Fluss um das Jahr 1930 einen begradigten Lauf. Bis dahin verlief er zunächst nach Südwesten und schwenkte erst am Schlachthof jenseits der späteren Hindenburgstraße nach Westen hin ab.

Nach dem Stadtgebiet fließt der Rote Main in Mäandern durch ein breites Tal in Richtung Nordwesten, vorbei an den Ortschaften Heinersreuth und Neudrossenfeld. Am westlichen Stadtrand von Kulmbach, beim Schloss Steinenhausen, vereinigt er sich mit dem Weißen Main, der im Fichtelgebirge bei Bischofsgrün entspringt. Der Rote Main ist 72 Kilometer lang (Quelle bis Mündung), der Weiße Main 52 Kilometer. Direkt unterhalb der Mündung der beiden Quellflüsse wurde 2009 eine Brücke errichtet. Informationstafeln an der Brücke informieren über den weiteren Flusslauf, die örtlichen Wander- und Radwege und das nähere Umland.

Einzugsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rote Main entwässert Teile der nordöstlichen Flanke der Fränkischen Alb, Teile des Oberpfälzer Hügellands und einen kleinen Teil im Südwesten des Fichtelgebirges. Das Einzugsgebiet gehört zum Flusssystem des Rheins und grenzt im Südosten an das Flusssystem der Donau. Das größte Teileinzugsgebiet entfällt auf die Warme Steinach und macht 17 % des gesamten Einzugsgebiets aus, dicht gefolgt vom Teileinzugsgebiet der Ölschnitz (16,2 %). [12]

Zuflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Zuflüssen des Roten Mains gehören (Reihenfolge flussabwärts, Länge und Einzugsgebiet wo nicht mit „ca.“ eingeleitet nach der amtlichen Gewässerkarte[1]):

Vor der Begradigung nordwestlich der Innenstadt Bayreuths mündeten der Sendelbach (am Pauschenberglein) und früher auch der Tappert (am Mühltürlein) unmittelbar in den Roten Main.

Flusssystem Roter Main[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geotop Bodenmühlwand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keuperaufschluss „Bodenmühlwand“
Wehr und Mühle in Unterkonnersreuth
Wehr in Langenstadt

In der Nähe der Bodenmühle südöstlich von Bayreuth hat der Rote Main am Prallhang einer Flussschleife durch Erosion die sogenannte Bodenmühlwand geschaffen, einen Steilhang von etwa 30 Meter Höhe. Dort sind Erdschichten aus der mittleren „Keuperzeit“ (ältere Obertrias) aufgeschlossen. Sie bestehen aus relativ mächtigen Tonsteinschichten, in die einzelne geringmächtige Bänke aus Kalkmergel („Steinmergel“) eingeschaltet sind. Diese Abfolge des unteren Mittelkeuper wird als Estherienschichten bezeichnet. Der Name stammt von Fossilien der Muschelkrebs-Art Palaeestheria (vormals Estheria) minuta, die in diesen Schichten relativ häufig enthalten sind. Ferner enthalten sie Reste von Quastenflossern sowie Schuppen, Zähne und Flossenstacheln urzeitlicher Haie, was auf marine Bedingungen zu ihrer Ablagerungszeit schließen lässt. Zudem sind die Estherienschichten der Bodenmühlwand die Typlokalität der Meeressaurierart Nothosaurus edingerae.[14] Die auskeilende, den Tonstein- und Kalkmergelschichten diskordant auflagernde mächtige Sandsteinbank im obersten Teil der Wand gehört bereits zur Abfolge des Schilfsandsteins, die infolge eines Meeresrückzuges durch einen Fluss abgelagert wurde.

Die Bodenmühlwand ist vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als geowissenschaftlich besonders wertvolles Geotop[15] ausgewiesen und mit dem offiziellen Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“ ausgezeichnet worden.[16] Siehe auch Liste der Geotope im Landkreis Bayreuth.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Roten Main kommen Bachforelle, Äsche, Barbe, Mühlkoppe, Neunauge, Karpfen, Schleie, Brachse, Rotauge, Flussbarsch, Hecht, Zander, Aal und Aalrutten vor.[17]

Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Quelle beginnt der Rotmainweg, den der Fichtelgebirgsverein e. V. angelegt hat. Dieser Hauptwanderweg hat als durchgehende Markierung ein rotes M auf weißem Grund. Er ist bis zum Zusammenfluss mit dem Weißen Main 60 Kilometer lang und verläuft wie folgt: Rotmainquelle - Creußen – Eimersmühle – Schlehenberg – Eremitage – Bayreuth – Martinsreuth – Altenplos – Grüngraben – Jöslein – Langenstadt – Affalterhof Katschenreuth – Schloss Steinenhausen bei Kulmbach.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Störfall in der Bayreuther Kläranlage führte am 15. August 1991 zu einem Fischsterben „von höchstem Ausmaß“. Erst nach Wochen war die Anlage wieder funktionsfähig.[18] Im August 2018 war der Rote Main oberhalb von Creußen ausgetrocknet.[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Roter Main – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Roter Main – Reiseführer

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Örtliche Bezeichnung in Bayreuth

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Verzeichnis der Bach- und Flussgebiete in Bayern – Flussgebiet Main des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Stand 2016 (PDF; 3,3 MB)
  2. Hochwassernachrichtendienst Bayern: Pegeldaten Unterzettlitz, abgerufen am 27. Dezember 2012 (Memento vom 7. September 2007 im Internet Archive)
  3. Hochwassernachrichtendienst Bayern: Mittlerer Abfluss (MQ) des Pegels Unterzettlitz (Memento vom 17. Februar 2013 im Webarchiv archive.today), extrapoliert auf das gesamte Einzugsgebiet
  4. So war’s früher. Staustufen allein reichen nicht in: Nordbayerischer Kurier vom 13./14. November 2021, S. 10.
  5. Herbert Popp: Bayreuth – neu entdeckt, Ein stadtgeographischer Exkursionsführer. Ellwanger Druck und Verlag, Bayreuth 2007, ISBN 978-3-925361-60-9, S. 97.
  6. Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel. Ellwanger, Bayreuth 2003, ISBN 978-3-925361-47-0, S. 31.
  7. Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 29.
  8. So war‘s früher in: Nordbayerischer Kurier vom 11. April 2017, S. 10.
  9. Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 84.
  10. Herbert Popp: Bayreuth – neu entdeckt, S. 120.
  11. Bernd Mayer: Bayreuth im zwanzigsten Jahrhundert, S. 119.
  12. Gesamttabelle des Gewässerverzeichnisses Bayern des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (XLS, 10,3 MB)
  13. früher Hühnerbach
  14. Olivier Rieppel, Rupert Wild: Nothosaurus edingerae Schultze, 1970: Diagnosis of the Species and Comments on its Stratigraphical Occurrence Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde. Serie B: Geologie und Paläontologie. Nr. 204. Staatliches Museum für Naturkunde, Stuttgart 1994 (BHL).
  15. Roland Eichhorn, Stefan Glaser, Ulrich Lagally, Johann Rohrmüller: Geotope in Oberfranken. Erdwissenschaftliche Beiträge zum Naturschutz, Band 2. 2. Auflage. Bayerisches Geologisches Landesamt, München 2003, S. 61 (lfu.bayern.de)
  16. Bodenmühlwand. Bayerns schönste Geotope. Bayerisches Landesamt für Umwelt (abgerufen am 18. Oktober 2013)
  17. Bezirksfischereiverein Bayreuth: Roter Main
  18. Stephan-H. Fuchs: Bayreuth Chronik 1991. Gondrom, Bindlach 1991, ISBN 3-8112-0782-2, S. 131.
  19. Bäche teilweise ausgetrocknet in: Nordbayerischer Kurier vom 18./19. August 2018, S. 17.