Dauborn

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Dauborn
Gemeinde Hünfelden
Wappen von Dauborn
Koordinaten: 50° 19′ 37″ N, 8° 10′ 28″ O
Höhe: 154 m ü. NHN
Fläche: 16,34 km²[1]
Einwohner: 2719 (1. Jan. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 166 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 65597
Vorwahl: 06438
Dauborn mit dem Goldenen Grund und dem Großen Feldberg im Hintergrund
Dauborn mit dem Goldenen Grund und dem Großen Feldberg im Hintergrund

Dauborn ist der einwohnerstärkste Ortsteil der Gemeinde Hünfelden im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Zum Ort gehört auch das weiter südlich gelegene Hofgut Gnadenthal, ein ehemaliges Kloster.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wörsbach im Ortskern

An die annähernd rechteckige, in Nordwest-Südost-Richtung verlaufende Dauborner Gemarkung grenzen von Nordwesten im Uhrzeigersinn die folgenden Ortschaften an: Werschau, Oberbrechen, Niederselters, Oberselters, Erbach, die Kernstadt Bad Camberg, der Ortsteil Beuerbach von Hünstetten im benachbarten Rheingau-Taunus-Kreis, Ohren, der Hünfeldener Verwaltungssitz Kirberg und Neesbach.

Die Gemarkung weist im Süden größere Mischwaldgebiete auf und besteht sonst vor allem aus landwirtschaftlich genutzter Fläche. An der Ostseite verlaufen die A3 und die ICE-Strecke Frankfurt-Köln. Durch die Gemarkung und durch den Ort selbst fließt der Wörsbach nach Nordwesten. Der ebenfalls durch den Ort fließende Spindelbach ist heute größtenteils verrohrt. Vom deutlich eingeschnittenen Wörsbachtal abgesehen, steigt das Gelände nach Osten und insbesondere nach Süden an. Höchster Punkt ist der Kuhborn an der Grenze zu Ohren mit 301 Metern Höhe.

Dauborn liegt im südlichen Limburger Becken, entsprechend der naturräumlichen Gliederung im so genannten Kirberger Hügelland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten archäologischen Funde in der heutigen Dauborner Gemarkung stammen aus der Jungsteinzeit. Eine dauerhafte Besiedlung kann ab der Zeit der Urnenfelderkultur angenommen werden. Später dürften die in der Nähe verlaufenden Altstraßen Hessenstraße, Hünerstraße und Hohe Straße für die Siedlung bedeutsam gewesen sein. Der Name in seiner ältesten Form Dabornaha geht vermutlich auf das keltische „Dab“ für Sumpf und „aha“ für fließendes Gewässer zurück. Ursprünglich hatte Dauborn den Grundriss eines kleinen Straßendorfs.

786 wurde Dauborn in einer Schenkungsurkunde der Äbtissin Abba des Klosters Lorsch erstmals urkundlich erwähnt. Das Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal (Vallis gratiae) wurde 1235 erstmals erwähnt, Eufingen, das heute mit Dauborn verschmolzen ist, 1271. Zahlreiche Besitzungen und Rechte in Dauborn und Eufingen lagen bei den jeweiligen Besitzern oder Vögten des Klosters Gnadenthal. 1260 schenken Gottfried von Bingen, Peter von Dehrn, Philipp von Virneburg und Gottfried von Eppstein dem Kloster Gnadenthal die Kirche von Dauborn. Seit der Reformation ist Dauborn mehrheitlich evangelisch. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Dauborn und Eufingen nahezu vollständig zerstört. Ab 1670 lebten Juden im Ort.

Am 3. November 1824 wurden das östlich an das alte Dauborn angrenzende Eufingen und der nördlich davon gelegene Ort Neue Herberge, der im 16. Jahrhundert aus einem Gasthof hervorgegangen war, mit Dauborn zusammengeschlossen.[3] Kurz darauf wuchsen die dicht beieinander liegenden Siedlungen zusammen, so dass heute die Übergänge kaum noch zu erkennen sind. Die heute vorhandenen Bauten in den drei historischen Ortskernen stammen größtenteils aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert. Die Anlage von Neubaugebieten im größeren Stil erfolgte ab den 1960er-Jahren. In dieser Periode wurden kurz hintereinander die Gebiete „Am Fuchsschwanz“ (Nordosten), „Am Berg“ (Südosten) und „In der Lyk“ (Westen) begonnen, die teilweise bis nach dem Jahr 2000 fortgeführt wurden. Gewerbegebiete entstanden in diesem Zeitraum im Norden und Nordwesten des Orts und zu Beginn der 1990er Jahre erneut im Osten.

Ab den 1960er Jahren entstanden zunächst im Norden und Süden des östlichen Ortsteils (Eufingen) Neubaugebiete, später auch westlich des alten Dauborner Ortskerns.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1971 schloss sich Dauborn, im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit sechs anderen Gemeinden zur Gemeinde Hünfelden zusammen.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Dauborn lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauborn: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2017
Jahr  Einwohner
1834
  
1.182
1840
  
1.250
1846
  
1.290
1852
  
1.276
1858
  
1.299
1864
  
1.354
1871
  
1.329
1875
  
1.246
1885
  
1.349
1895
  
1.405
1905
  
1.418
1910
  
1.364
1925
  
1.363
1939
  
1.360
1946
  
1.675
1950
  
1.802
1956
  
1.681
1961
  
1.618
1967
  
1.683
1970
  
1.666
2008
  
2.764
2011
  
2.751
2017
  
2.719
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; nach 1970: Gemeinde Hünfelden.

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

1885: 1320 evangelische (= 97,85 %), 10 katholische (= 0,74 %) und 19 jüdische (= 1,41 %) Einwohner
1961: 1368 evangelische (= 84,55 %) und 227 (= 14,03 %) katholische Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der vergleichsweise geringen Größe gibt es in Dauborn zwei Sportvereine: den RSV Viktoria 1913, in dem die Sportarten Fußball, für Herren und für Damen, und Tischtennis praktiziert werden, und den TV Dauborn, der neben Turngruppen auch Tennis, Basketball und ein Blasorchester anbietet.

Der dritte große Sportverein vor Ort ist der ACT Dauborn, das Auto Cross Team. Dieser Verein nimmt an der deutschen Rallycross-Meisterschaft teil und hat an der Autobahn eine eigene Cross-Strecke angelegt, den Daubornring.

Darüber hinaus gibt es die 1906 gegründete Freiwillige Feuerwehr Dauborn (seit 10. August 1975 mit Jugendfeuerwehr), den Förderverein für das Schwimmbad, die Pfadfinder des VCP Ansgar, den Judoclub Hünfelden, Ortsgruppen von Landfrauen und Naturschutzbund, einen Gartenbau- und Verschönerungsverein, einen Geflügel- und einen Kaninchenzuchtverein.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am ersten Septemberwochenende findet in jedem Jahr von Donnerstag bis Sonntag der „Dauborner Markt“ statt. Er umfasst noch heute einen Vieh- und Krammarkt, in dem seine Ursprünge liegen, die bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgehen, hat sich inzwischen aber zum Volksfest gewandelt.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauborn ist weit bekannt für seine jahrhundertelange Kornbrennertradition. Heute gibt es noch sechs Kornbrennereien, die im Betrieb sind. Der dort hergestellte Schnaps ist in der Region als "Dauborner" oder "Daubi" bekannt.

Der Ursprung des Dauborner Brennereiwesens liegt im benachbarten Kloster Gnadenthal. In dem zu dieser Zeit bereits säkularisierten Kloster richtete das Fürstentum Oranien-Nassau 1656 eine Kornbrennerei ein. Dauborner Einwohner waren dort zu Diensten verpflichtet und brachten das Wissen um die Brennverfahren mit in ihr Heimatdorf. Ab etwa 1700 wurde dort Kornbranntwein in größerem Stil produziert. Nachdem Dauborn mit dem restlichen Nassau 1866 preußisch geworden war, bestand zeitweise ein eigenes Zollamt im Ort, das für die Kontrolle der Brennereien und das Eintreiben der Branntweinsteuer zuständig war. Die höchste Anzahl von Brennereien im Ort gab es 1918 mit 99 Betrieben. Der Jahresausstoß aller Brennereien wird für die Mitte des 19. Jahrhunderts auf 500.000 Liter reinen Alkohols geschätzt, derzeit beträgt er vermutlich rund 40.000 Liter.

Der mit der Brennerei verbundene Wohlstand ist noch heute im Ortsbild zu erkennen. Es weist für die Region zahlreiche, einstmals ungewöhnlich repräsentative und große Hofreiten auf.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dauborn – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Dauborn, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. „Statistiken“ im Internetauftritt der Gemeinde Hünfelden, abgerufen am 22. März 2018.
  3. Verordnungsblatt des Herzogtums Nassau Nr. 12
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2001).