David Engels

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David Engels (2018)

David Engels (* 27. August 1979 in Verviers) ist ein belgischer Althistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Schul- und Gymnasialzeit in Eupen studierte David Engels Geschichte, Philosophie und Volkswirtschaft an der RWTH Aachen. Dort reichte er 2005 nach einer Promotionsförderung durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes bei Raban von Haehling seine Dissertation Das römische Vorzeichenwesen (753–27 v. Chr.). Quellen, Terminologie, Kommentar, historische Entwicklung ein, die er 2006 verteidigte und 2007 veröffentlichte. Engels war seit 2005 Assistent am Lehrstuhl für Alte Geschichte der RWTH Aachen.

2008 erhielt er einen Ruf an die Université libre de Bruxelles (ULB), wo er seitdem den Lehrstuhl für Römische Geschichte innehat.

2009 wurde er außerdem Redakteur der Sektion für römische Geschichte der damals von Carl Deroux herausgegebenen altertumswissenschaftlichen Zeitschrift Latomus, später Chefredakteur, von 2012 bis 2017 schließlich auch Direktor und Herausgeber. Engels’ Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der römischen Religionsgeschichte, des seleukidischen Staates und komparatistischer Geschichtsforschung. Weitere Betätigungsfelder sind Rezeptionsgeschichte und Geschichtsphilosophie. Gleichzeitig äußert er sich häufig zu Fragen der europäischen Tagespolitik in den französischsprachigen Medien, v. a. auf atlantico.fr.[1] oder in der belgischen Wochenzeitschrift Le Vif/L’Express, wo er seit Herbst 2016 eine monatliche Kolumne führt,[2] sowie in regelmäßigen Artikeln für deutschsprachige Zeitschriften wie Cicero[3], Cato[4] oder Die Tagespost.[5][6] Seit 2020 verfasst er ebenfalls eine wöchentliche Kolumne in der polnischen online-Zeitung Tygodnik Solidarność.[7]

Engels leitete seit 2007 mehrere Forschungsprojekte, die jeweils in die Publikation interdisziplinärer und diachronischer Themenbände mündeten. Von 2007 bis 2008 leitete er zusammen mit Carla Nicolaye das Forschungsprojekt Ille operum custos. Kulturgeschichtliche Beiträge zur antiken Bienensymbolik und ihrer Rezeption, welches 2008 mit der Raban von Haehling gewidmeten Veröffentlichung der Forschungsergebnisse abgeschlossen wurde. 2008 übernahm Engels dann zusammen mit Lioba Geis und Michael Kleu die Leitung eines weiteren Forschungsprojektes mit dem Titel Zwischen Ideal und Wirklichkeit. Herrschaft auf Sizilien von der Antike bis zur Frühen Neuzeit, dessen Ergebnisse 2010 veröffentlicht wurden. Seit 2009 betreute Engels zusammen mit Didier Martens und Alexis Wilkin ein an der ULB angesiedeltes, dem kulturgeschichtlichen Phänomen der Zerstörung gewidmetes Forschungsprojekt (La destruction dans l’histoire. Pratiques et discours), das 2013 durch Publikation eines Themenbandes abgeschlossen wurde. Im Rahmen des Ende 2010 veranstalteten ersten Belgian Workshop in Ancient History, welcher der Konkurrenz zwischen den Religionen in der Antike gewidmet war, gab Engels 2014 zusammen mit Peter Van Nuffelen einen Sammelband mit den einzelnen Konferenzbeiträgen heraus. 2015 folgte dann ein Themenband zur antiken und abendländischen Geschichtsphilosophie mit dem Titel Von Platon bis Fukuyama, der aus einer von Engels an der ULB veranstalteten Ringvorlesung hervorgegangen ist. Der aus der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens stammende Althistoriker ist auch aktiv in die Erforschung der dortigen Regionalgeschichte eingebunden und zeichnete 2015 zusammen mit Carlo Lejeune verantwortlich bei der Herausgabe des ersten Bandes von Grenzerfahrungen, einer Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (hier für die Epochen Altertum und Mittelalter). 2017 veröffentlichte Engels dann in der Reihe Studia Hellenistica die Erträge seiner bisherigen Forschungen zum Seleukidenreich unter dem Titel Benefactors, Kings, Rulers; thematisch eng hiermit verbunden ist auch der 2019 von Engels zusammen mit Altay Coskun herausgegebene Sammelband Rome and the Seleukid East.

2013 veröffentlichte Engels in den Pariser „éditions du Toucan“ eine in der geschichtsphilosophischen Tradition von Oswald Spengler und Arnold J. Toynbee verankerte, an ein breiteres Publikum gerichtete kulturkritische Monographie zur derzeitigen Identitätskrise der Europäischen Union mit dem Titel Le déclin. Engels vergleicht hier anhand von zwölf Indikatoren verschiedene Aspekte der Identitätskonstruktion der Europäischen Union mit Krisensymptomen der ausgehenden römischen Republik. 2014 erschien dann im Europa Verlag Berlin eine vom Verfasser selbst ins Deutsche übersetzte und wesentlich erweiterte Fassung des Buchs unter dem Titel Auf dem Weg ins Imperium, welche von der Süddeutschen Zeitung und dem Norddeutschen Rundfunk zum „besten Sachbuch September 2014“ bestimmt wurde.[8] 2017 folgten dann auch eine kroatische und eine ungarische, 2020 eine niederländische Übersetzung des Werks. Seit 2013 präsentiert Engels seine Überlegungen auch im Rahmen einer regen Vortragstätigkeit[9] vor verschiedensten zivilgesellschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Körperschaften (etwa vor den europäischen Sozialdemokraten[10] oder der Europäischen Volkspartei[11]).

Das Interesse an einer an Oswald Spengler orientierten Geschichtsphilosophie schlug sich ebenfalls in der Herausgabe eines zusammen mit Max Otte und Michael Thöndl betreuten Sammelbandes anlässlich des 100. Geburtstags der Erstveröffentlichung von Untergang des Abendlandes nieder. Diese Publikation ist ein Sammelband, die den ersten Ertrag der internationalen, 2017 von Engels, Otte und Thöndl gegründeten „Oswald Spengler-Society“ darstellte. Gegenwärtiger Präsident dieser Gesellschaft ist Engels. Die Spengler-Gesellschaft sollte dann 2018 mit der Verleihung eines „Spengler-Preises“ einer breiteren Öffentlichkeit vertraut werden, als dieser Preis dem französischen Romancier Michel Houellebecq verliehen und die anlässlich dieser Zeremonie gehaltenen Vorträge veröffentlicht wurden.[12] 2020 erschien unter Leitung von Engels auch der erste Band der wissenschaftlichen Zeitschrift der „Spengler-Society“.

Seit 2018 ist Engels von seinem Brüsseler Lehrstuhl freigestellt, um einem Ruf auf eine Forschungsprofessur am Instytut Zachodni in Posen zu folgen, wo er verantwortlich ist für Fragen abendländischer Geistesgeschichte, europäischer Identität und polnisch-westeuropäischer Beziehungen.[13] In diesem Zusammenhang veröffentlichte Engels 2019 den Themenband Renovatio Europae, in welchem er erstmals den Terminus „Hesperialismus“ prägte, welcher gleichbedeutend sein soll mit einem „patriotische[n] Bekenntnis zu einem vereinigten Europa, das allerdings eben nicht nur auf universalistische, sondern auch auf konservative Werte gegründet werden soll […]; ein Begriff, der aus der griechischen Bezeichnung für den äußersten Westen der bekannten Welt abgeleitet ist und gewissermaßen den Gegenbegriff zu „Europäismus“ bilden soll, mit dem man meistens eine unkritische Unterstützung der gegenwärtigen Europäischen Union […] meint“.[14]

Ergänzend zu Renovatio Europae, das später auch in englischer, polnischer und französischer Sprache veröffentlicht wurde, erschien im selben Jahr (in französischer Sprache) das Buch Que faire, das im Titel an den gleichnamigen Roman Was tun von Tschernyschewski angelehnt ist, und in welchem Engels eine systematische Diagnose dessen liefert, was er als „Niedergang Europas“ betrachtet. Während Renovatio Europae die politische Antwort auf dieses Problem skizziert, soll Que faire, das im Klappentext mit einem Kommentar von Michel Houellebecq ausgestattet ist, die private Ebene abdecken und sei als eine Art „individuelle Überlebenshilfe für Europa-Liebhaber“ („guide de survie à l’usage des amoureux de l’Europe“) gedacht, wie Engels auch der Zeitung Le Figaro gegenüber ausführte.[15] 2019 erschien eine spanische Übersetzung, 2020 dann auch die vom Autor angefertigte, leicht erweiterte deutsche Fassung unter dem Titel Was tun?

Veröffentlichungen (nur Bücher)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das römische Vorzeichenwesen (753–27 v. Chr.). Quellen, Terminologie, Kommentar, historische Entwicklung. (=Potsdamer Altertumswissenschaftliche Beiträge, Bd. 22). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-09027-8. (Rezension (PDF; 86 kB), H-Soz-u-Kult, 2007).
  • David Engels und Carla Nicolaye (Hrsg.): Ille operum custos. Kulturgeschichtliche Beiträge zur antiken Bienensymbolik und ihrer Rezeption. (= Spudasmata, Bd. 118). Olms Verlag, Hildesheim/ Zürich/ New York 2008, ISBN 978-3-487-13606-6.
  • David Engels, Lioba Geis und Michael Kleu (Hrsg.): Zwischen Ideal und Wirklichkeit. Herrschaft auf Sizilien von der Antike bis zum Spätmittelalter. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-515-09641-6.
  • Le déclin. La crise de l’Union européenne et la chute de la République romaine. Quelques analogies. Éditions du Toucan, Paris 2013, ISBN 978-2-8100-0524-6. (Rezension In: Le Monde. 2013) (dt. Übers. des Verf.: Auf dem Weg ins Imperium. Die Krise der Europäischen Union und der Untergang der Römischen Republik. Historische Parallelen. Europa Verlag Berlin, Berlin / München 2014, ISBN 978-3-944305-45-5 (Besprechung von Franziska Augstein, SZ 21.1.2015); kroat. Übers. von M. Bašić: Zalazak. Kriza Europske unije i pad Rimske republike – nekoliko povijesnih analogija. Litteris, Zagreb 2017, ISBN 978-953-7250-86-7; ungar. Übers. von M. Horváth und R. Csősz: A Birodalommá válás útján. Az Európai Unió válsága és a Római Köztársaság hanyatlása. L'Harmattan Kiadó, Budapest 2017, ISBN 978-963-414-114-3; niederl. Übers. von H. van der Liet und B. de Wit: Op Weg naar het Imperium. De crisis van de EU en de ondergang van de Romeinse republiek - historische parallelen, Blauwe Tijger, Groningen 2020).
  • David Engels, Didier Martens und Alexis Wilkin (Hrsg.): La destruction dans l’histoire. Pratiques et discours. Peter Lang Verlag, Bern/ Berlin/ Bruxelles/ Frankfurt a. M./ New York/ Oxford/ Wien 2013, ISBN 978-2-87574-006-9.
  • David Engels und Peter Van Nuffelen (Hrsg.): Religion and Competition in Antiquity. Éditions Latomus, Brüssel 2014, ISBN 978-2-87031-290-3.
  • Von Platon bis Fukuyama. Biologistische und zyklische Konzepte in der Geschichtsphilosophie der Antike und des Abendlandes. Éditions Latomus, Brüssel 2015, ISBN 978-90-429-3274-6.
  • Mit Carlo Lejeune (Hrsg.): Grenzerfahrungen, Band 1: Villen, Dörfer, Burgen. Eine Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Grenz Echo-Verlag, Eupen 2016, ISBN 978-3-86712-104-0.
  • Benefactors, Kings, Rulers. Studies on the Seleukid Empire between East and West, Peeters, Leuven, 2017, ISBN 978-90-429-3327-9.
  • David Engels, Max Otte und Michael Thöndl (Hrsg.): Der lange Schatten Oswald Spenglers. Einhundert Jahre Untergang des Abendlandes. Manuscriptum, Lüdinghausen und Berlin, 2018, ISBN 978-3-944872-71-1.
  • Michel Houellebecq, David Engels, Gerd Morgenthaler, Max Otte: Michel Houellebecq, Oswald Spengler und der Untergang des Abendlandes. Reden anlässlich der Verleihung des Oswald Spengler-Preises an Michel Houellebecq. Brüssel, 19. Oktober 2018, Manuscriptum, Lüdinghausen / Berlin, 2019, ISBN 978-3-944872-91-9.
  • Altay Coşkun, David Engels (Hrsg.): Rome and the Seleukid East. Selected Papers from the Seleukid Study Day V, Brussels, 21-23 August 2015, Editions Latomus (Collection Latomus 360), Brussels, 2019, ISBN 978-90-429-3927-1.
  • (Hrsg.): Renovatio Europae. Plädoyer für einen hesperialistischen Neubau Europas, Manuscriptum, Lüdinghausen / Berlin, 2019, ISBN 978-3-948075-00-2. (poln. Übers. von A. Peszke: Renovatio Europae. O hesperialistyczną reformę Europy, Instytut Zachodni, Poznań 2019, ISBN 978-83-61736-96-7; engl. Übers. des Verf.: Renovatio Europae. For a Hesperialist Renewal of Europe, Blue Tiger Media, Groningen 2019, ISBN 978-94-92161-85-7; franz. Übers. des Verf.: Renovatio Europae. Plaidoyer pour un renouveau hespérialiste de l'Europe, Éditions Le Cerf, Paris 2020, ISBN 978-2-204-14035-5).
  • Que faire? Vivre avec le déclin de l’Europe, Blue Tiger Media, Groningen, 2019, ISBN 978-94-92161-83-3. (span. Übers. von C.J. Blanco: ¿Qué hacer?: Vivir con la decadencia de Europa, EAS, Alicante 2019, ISBN 978-84-120626-0-1; dt. Übers. des Verf.: Was tun? Leben mit dem Niedergang Europas, Renovamen, Bad Schmiedeberg 2020, ISBN 978-3-95621-142-3).
  • (als Chefredakteur) Journal of the Oswald Spengler Society 1/2018-2019: Oswald Spenglers Geschichtsmorphologie heute, Manuscriptum, Lüdinghausen / Berlin 2020, ISBN 978-3-948075-17-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: David Engels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Engels | Atlantico.fr
  2. Vgl. die Kolumne C’est le moment de (re)lire… in den Ausgaben vom 9. September 2016, S. 18; 6. Oktober 2016, S. 18; 4. November 2016, S. 16; 26. Januar 2017, S. 60; 23. Februar 2017, S. 69; 24. März 2017, S. 63; 21. April 2017, S. 61; 19. Mai 2017, S. 69; 16. Juni 2017, S. 75; 1. September 2017, S. 118; 13. Oktober 2017, S. 125; 15. Februar 2018, S. 105; 29. März 2018, S. 94; 26. April 2018, S. 110; 6. Juli 2018, S. 93.
  3. S. Cicero 2016.5, 78–82; 2016.11, 21–30; 2018.5, 94–101; 2019.4, 28–29.
  4. S. Cato 2017.1, 6–8; 2018.1, 88–91; 2018.3, 43–46; 2018.5, 72–76; 2019-3, 24–28.
  5. S. Tagespost 29.3.2018, 17; 5.7.2018, 18; 25. Oktober 2018, 18; 18. April 2019, 17.
  6. David Engels: „Die feurige Träne Marias“. Die Tagespost vom 17. April 2019
  7. Tysol.pl. Abgerufen am 17. August 2020 (polnisch).
  8. Die SZ/NDR-Sachbücher im September
  9. Conférences données. Abgerufen am 24. April 2019.
  10. Jaarplan 2014 Landelijke PvdA-werkgroep Europa. 17. Januar 2014, abgerufen am 24. April 2019 (niederländisch).
  11. Deutschsprachige Christdemokraten: „Europa verteidigen und standhaft bleiben“. Abgerufen am 24. April 2019 (deutsch).
  12. Axel Rüth: Houellebecq & Spengler: Gebärmütter als Hoffnung für das Abendland. 21. Oktober 2018 (welt.de [abgerufen am 7. März 2019]).
  13. S. die Seite von David Engels am Instytut Zachodni. Abgerufen am 7. März 2019.
  14. David Engels: Renovatio Europae. Eine hesperialistische Zukunft für Europa? In: David Engels (Hrsg.): Renovatio Europae. Plädoyer für einen hesperialistischen Neubau Europas. Manuscriptum, Lüdinghausen / Berlin 2019, ISBN 978-3-948075-00-2, S. 18.
  15. David Engels : «Le déclin de l’Occident n’est pas un accident de parcours». 2. August 2019, abgerufen am 5. August 2019.