Max Otte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Max Otte, 2009

Max Otte, Geburtsname Matthias Otte (* 7. Oktober 1964 in Plettenberg), ist ein deutsch-US-amerikanischer Ökonom. Er ist Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Worms, seit 2011 zudem Professor für quantitative und qualitative Unternehmensanalyse und -diagnose an der Universität Graz, Leiter des 2003 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) sowie unabhängiger Fondsmanager.

Seine Schwerpunkte sind Finanzmarktordnung und Value Investing. Seine 2006 erfolgte Voraussage einer Finanzkrise machte ihn mit Eintreffen der Finanzkrise ab 2007 zum begehrten Vortragsredner und Fernsehgast.

Der in Köln und in der Eifel[1][2] lebende Otte besitzt die deutsche und seit 2005 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.[3][4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schule und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde geboren als Matthias Otte und war Sohn des Berufsschullehrers und Kommunalpolitikers Max Otte (1928–1983) und seiner Frau Lore,[5] geborene Hauter. Nach dem Tode seines Vaters nahm Otte dessen Vornamen Max an.[6]

1983 machte Otte sein Abitur in Plettenberg.[7] Von 1983 bis 1989 studierte er mit Unterbrechungen Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und politische Wissenschaften an der Universität Köln. Von 1986 bis 1987 setzte er seine Studien mit Schwerpunkt Finanzen und Marketing an der American University in Washington, D.C. fort.[6] Er erhielt in dieser Zeit verschiedene Stipendien und Preise. Seine Ausbildung schloss er 1989 als Diplom-Volkswirt ab.[6]

Wissenschaftliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abschluss an der Princeton University als Master of Arts in Public Affairs 1991 wurde er 1997 dort unter Doktorvater Aaron Friedberg mit seiner Arbeit A Rising Middle Power? – German Foreign Policy in Transformation promoviert (Diese wurde später auf die Zeit bis 1999 erweitert veröffentlicht).[6] Otte war von 1995 Mitarbeiter beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh, M&A-Berater von 1989 bis 1994 für Kienbaum und Partner (Repräsentant für internationale Organisationen in den USA) und von 1997 bis 1998 für eine andere Firma.[8][9] Er war von 1998 bis 2000 Assistant Professor für internationale Wirtschaft und internationales Management am Department of International Relations der Boston University.[10]

Seit 2001 hat er keine Beratertätigkeiten mehr und hält die Professur für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Worms, wo er Marketing, International Business Studies sowie Finanzierung und Investition in den Fachbereichen Internationale Betriebswirtschaft und Außenwirtschaft sowie Tourismus unterrichtet.[11] 2003 gründete er die IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH, die seine Theorien zur Vermögensentwicklung für Privatinvestoren vermarktet.[12] Seit 2011 unterrichtet er als angestellter Universitätsprofessor quantitative und qualitative Unternehmensanalyse am Zentrum für Entrepreneurship und angewandte Betriebswirtschaftslehre der Universität Graz.[13][6] Des Weiteren lehrt Otte regelmäßig an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt.

Öffentliches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seines 2006 veröffentlichten Buches Der Crash kommt, in dem er eine große Finanzkrise vorausgesagt hatte, wurde Otte 2008 nach Eintreten der Finanzkrise 2007, national und international bekannt.[14][15][16]

Otte forderte frühzeitig eine Verstaatlichung der Bank Hypo Real Estate.[17] Er befürwortet Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie andere genossenschaftlich organisierte Banken als Stabilitätsfaktor und als Weg zur Mittelstandsförderung.[18][19][20]

Im April 2010 forderte Otte einen Austritt der am stärksten verschuldeten Staaten Europas aus der Eurozone.[21] Er unterstützte 2010 das Verbot ungedeckter Leerverkäufe durch die Bundesregierung.[22] Otte setzt sich als unabhängiger Hedgefondsmanager[23] für eine massive Finanzmarktregulierung[24] ein und fordert sinnvolle Eigenkapitalregeln als Basis der Haftung von Banken in einer Marktwirtschaft.[25]

Otte wird seit 2008 öfter in Fernsehsendungen eingeladen und veröffentlichte Artikel in mehreren bekannten Zeitungen und Zeitschriften etwa zu Möglichkeiten zum Umgang mit der Schuldenkrise Griechenlands und anderer EU-Mitgliedstaaten.[26]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max Otte ist Gründungsmitglied und Direktor des Vereins Zentrum für Value Investing.[27][11] Er ist außerdem Mitglied folgender Vereine: Atlantik-Brücke, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, American Council on Germany, German-American Business Club sowie der Deutschen Gesellschaft für angewandte Typologie (DGAT).[11][8] Otte ist außerdem seit 2009 Mitglied des Vereins Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg und dort seit 2010 im Beirat.[28][29] Seit 2012 gehört er überdies dem Verein Deutsche Sprache an.[30]

Investmentfonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2008 wurde von Otte in Liechtenstein ein Investmentfonds aufgelegt,[31] der im Jahr 2011 die Vertriebszulassung für Deutschland, Österreich und die Schweiz erhielt. Im Juli 2013 folgte ein weiterer Fonds ausschließlich für deutsche Anleger.[32]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Essay Toward an Open World Order (1988) erhielt er den Preis der Mont Pelerin Society.[6]

Er wurde 2009, 2010 und 2011 drei Mal mit großem Vorsprung von den Lesern von Börse Online zum Börsianer des Jahres gewählt.[33]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Der Crash kommt. Die neue Weltwirtschaftskrise und wie Sie sich darauf vorbereiten (2006) sagte Otte eine große Finanzkrise für 2007 bis 2010 voraus. Damit erwartete er zutreffend, dass der U.S.-Immobilienmarkt und Subprime-Papiere Auslöser der Krise sein würden.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Investieren statt sparen. Wie man mit Aktien ein Vermögen aufbaut. Ullstein, Berlin 2008, ISBN 978-3-548-37224-2.
  • Sehr geehrte Privatanleger! Die besten Anlageweisheiten der letzten 10 Jahre. FinanzBuch-Verlag, München 2013, ISBN 978-3-89879-816-7.
  • A Rising Middle Power? German Foreign Policy in Transformation. 1989–1999. St. Martin’s Press, New York 2000, ISBN 0-312-22653-5.
  • Der Informationscrash. Wie wir systematisch für dumm verkauft werden. Econ, Berlin 2009, ISBN 978-3-430-20078-3.
  • Der Crash kommt. Die neue Weltwirtschaftskrise und was Sie jetzt tun können. Ullstein, Berlin 2009, ISBN 978-3-548-37290-7.
  • Die Krise hält sich nicht an Regeln. 99 Fragen zur aktuellen Situation – und wie es weitergeht. Max Otte im Gespräch mit Thomas Helfrich. Econ, Berlin 2010, ISBN 978-3-430-20112-4.
  • Stoppt das Euro-Desaster. Ullstein, Berlin 2011, ISBN 978-3-550-08896-4.

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Radio-Talk mit Max Otte. Bericht von Horst Hassel über Ottes Auftritt in der Sendung Mon-Talk auf WDR 2, derwesten.de, 22. Juni 2012.
  2. Max Otte: Crash- und Cashprofessor. Beitrag auf t-online.de, 7. Juli 2014.
  3. Deutschlandradio: Finanzwissenschaftler erwartet steigende Zinsen in USA vom 1. August 2011.
  4. Körber Stiftung Max Otte, gesehen 22. Februar 2011.
  5. http://www.derwesten.de/staedte/plettenberg/heimspiel-in-ohle-fuer-finanzexperten-otte-id4271838.html
  6. a b c d e f Max Otte: Lebenslauf Max Otte, gesehen 26. Oktober 2011.
  7. Plettenberg-Lexikon – Max (Matthias) Otte
  8. a b Corinna S. Heyn Aus der Amazon.de-Redaktion zu Max Otte: Amerika für Geschäftsleute: Das Einmaleins der ungeschriebenen Regeln.
  9. http://www.campus.de/business/management-und-unternehmensfuehrung/Amerika+für+Geschäftsleute.82858.html
  10. Anne Will. Sendung vom 15. Mai 2011, Die Gäste im Studio. In: „dasErste.de“. 15. Mai 2011, abgerufen am 16. Mai 2011.
  11. a b c Hochschule Worms: Prof. Dr. Otte, Ph.D., gesehen 26. Juni 2015.
  12. Siehe Handelsregister Köln, HRB 50223.
  13. Uni Graz: Visitenkarte Otte, Matthias, Univ.-Prof. Dipl.-Vw. MA Ph.D.
  14. Peter Nowak: Zwischen Karl Marx und Max Otte. In: Telepolis. 8. November 2008, abgerufen am 24. Januar 2010.
  15. Joachim Wille: Wirtschaftsprofessor: Der Crash-Prophet. In: Frankfurter Rundschau. 1. November 2008.
  16. Kerstin Kohlenberg & Wolfgang Uchatius: Wo ist das Geld geblieben? In: Die Zeit. 27. November 2008, abgerufen am 24. Januar 2010.
  17. Patrick Gensing: Interview: Regierung debattiert über Hypo Real Estate – "Die HRE gehört verstaatlicht!" vom 4. Februar 2009
  18. Max Otte: Volks- und Raiffeisenbanken als Stabilitätsfaktoer in Wirtschaftskrisen − Eine polit- und institutionenökonomische Perspektive. In: Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen. (ZfgG) 2/2010, S. 89 ff.
  19. Vernehmlassung „Too Big To Fail“ / Änderung des Bankengesetzes (Memento vom 2. Juni 2012 im Internet Archive)
  20. Max Otte: Die Finanzkrise und das Versagen der modernen Ökonomie In: Bundeszentrale für politische Bildung: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 52/2009).
  21. Ulrich Hottelet: Irland, Spanien, Portugal und Griechenland sollten aus der Euro-Zone austreten (Interview mit Max Otte), in Cicero.
  22. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1139025/
  23. http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/tid-21169/tid-21171/crash-prophet-max-otte-money-macht-und-marx_aid_594604.html
  24. http://www.focus.de/finanzen/boerse/tid-23803/crash-professor-otte-privatanleger-haben-die-schnauze-voll_aid_671651.html
  25. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1231044/
  26. Möglichkeiten zum Umgang mit der Schuldenkrise Griechenlands und anderer EU-Mitgliedstaaten, in: Wirtschaftsdienst, 90. Jg. (2010), H. 3, Zeitgespräch: Schuldenkrise in der Europäischen Union, S. 143–171 (HTML-Text).
  27. Max Otte: Über Max Otte, gesehen 14. November 2011.
  28. Monatsbrief der Preußischen Gesellschaft vom April 2011, S. 2.
  29. Monatsbrief der Preußischen Gesellschaft vom Dezember 2010, S. 3.
  30. Bekannte Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache. Abgerufen am 17. Juli 2012.
  31. IFM Independent Fund Management AG, Vaduz: PI GLOBAL VALUE FUND -EUR-P- (PDF; 240 kB) vom 31. März 2015.
  32. FONDS professionell online: Neues „Spielzeug“ für Max Otte vom 13. August 2013.
  33. Börse online: Max Otte ist „Börsenstar 2011“ vom 30. November 2011.