De-Dion-Bouton-Motordreirad

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De-Dion-Bouton
1900 De Dion-Bouton Tricycle.JPG
De-Dion-Bouton-Motordreirad (1900)
De-Dion-Bouton-Motordreirad
Hersteller: De-Dion-Bouton
Produktionszeitraum 1897 bis 1905
Klasse Motordreirad
Motordaten
Viertaktmotor, luftgekühlter Einzylinder-Motor, Tropfenschmierung, Oberflächenvergaser, Batteriezündung
Hubraum (cm³) 138–955 cm³
Leistung (kW, PS) 0,5–8 PS bei 1.500–1.800 min−1
Höchst­ge­schwin­dig­keit (km/h) 30–109,1 km/h (Rekord)
Getriebe Direktantrieb
Antrieb Zahnrad
Bremsen vorne: Klotzbremse
hinten: Bandbremse
Radstand (mm) Spurweite 92 cm
Leergewicht (kg) 80 kg

Das De-Dion-Bouton-Motordreirad von 1897 war bis zur Jahrhundertwende das erfolgreichste Motorfahrzeug in Europa. Mit etwa 15.000 verkauften Exemplaren[Anm. 1] erzielte das De Dion-Bouton-Motordreirad den ersten Durchbruch bei der Verbreitung von Motorfahrzeugen.[1] Insbesondere der schnelllaufende De-Dion-Bouton-Motor setzte neue Maßstäbe bei Einbaumotoren und gilt als der Vorläufer aller Motorradmotoren.[2]

Entwicklung[Bearbeiten]

Albert de Dion, der Techniker Georges Bouton und sein Schwager Charles-Armand Trépardoux gründeten bereits 1882 in der Nähe von Paris eine Werkstatt. Das erste Projekt war die Produktion von Dampfkesseln, danach ein recht erfolgreiches dampfbetriebenes Dreirad aus dem Jahr 1887,[1] das bereits eine Geschwindigkeit von 65 km/h erreicht haben soll.[3] Trépardoux, der an der Weiterentwicklung von Dampfmotoren festhielt, schied 1893 im Streit aus der Firma aus; De Dion und Bouton entschieden sich für die Entwicklung von Benzinmotoren, nachdem sie auf der Pariser Weltausstellung von 1889 die Motoren Daimlers besichtigen konnten.[4]

Motor[Bearbeiten]

1895 war der erste Viertaktmotor serienreif. Aus 138 cm³ Hubraum (Bohrung 50 mm, Hub 70 mm) erreichte der Einzylindermotor mit Oberflächenvergaser 0,5 PS bei einer Drehzahl von 1500 min−1[5], eine für die damalige Zeit erstaunlich hohe Drehzahl. Zum Vergleich: Hildebrand und Wolfmüller erreichten 240 min−1, Daimlers Reitwagen-Motor lief mit maximal 750 min−1[5]. Bouton fand heraus, dass die Glührohrzündung das Hindernis für höhere Drehzahlen war. Er entwickelte für den Motor eine Hochspannungsbatteriezündung mit Unterbrecher. Unter dem oberen Rahmenrohr (beim Motordreirad) befand sich die Trockenbatterie für die Zündung, mit einem kleinen Hebel konnte die Zündung verstellt werden. Das gesteuerte Auslassventil wurde über eine zahnradgetriebene Nockenwelle, das Einlassventil automatisch betätigt. Der Konstruktionsvorteil soll das sehr früh (0–5 Grad nach dem oberen Totpunkt) öffnende Einlassventil gewesen sein.[6] Der Zylinderkopf war abnehmbar und mit vier Bolzen am Kurbelwellengehäuse verschraubt. Das Gewicht des aus Gusseisen bestehenden Motors einschließlich aller Nebenaggregate betrug weniger als 20 kg. „Einfachheit und Leichtigkeit waren die Vorzüge dieses Motors.“[5]

Motordreirad[Bearbeiten]

Erst 1897 ging das knapp 80 kg wiegende De-Dion-Bouton-Motordreirad, nun mit einem Hubraum von 211 cm³ und einer Leistung von 1,5 PS (1,1 kW) bei 1.800 min−1, in Produktion, obwohl schon 1895 der Motor versuchsweise in ein Dreirad eingebaut worden war.[5] Das Dreirad mit einer Spurweite von 92 cm wurde deshalb gewählt, weil für De Dion und Bouton „ein Fahrrad für diesen Zweck allzu labil erschien“.[4]

Der Motor und das zum Ausgleich der unterschiedlichen Kurvenradien notwendige Differential saßen auf der Hinterachse. Der Motor war stehend und so angebracht, dass die Kurbelwelle quer zur Fahrtrichtung stand. Um den Schwerpunkt exakt in der Wagenmittelebene zu halten, waren der Motor leicht nach links und das Differential entsprechend nach rechts versetzt. Der sehr kompakte Antriebsstrang bestand aus einem kleinen, direkt auf der Kurbelwelle angebrachten Zahnrad und einem größeren Zahnrad auf der Hinterachse; dieses gab sie seinerseits über das Differential und asymmetrische Halbachsen an die Räder weiter. Mit der Größe der beiden Zahnräder konnte experimentiert werden. Die meisten erhielten ab Werk motorenseitig ein kleines mit 11 bis 15 Zähnen und ein sehr großes mit 102 bis 106 Zähnen an der Achse. Ende der 1890er Jahre galten diese Motordreiräder als die schnellsten motorisierten Fortbewegungsmittel.[7]

Der relativ hohe Kaufpreis betrug 1000 bis 1500 Goldmark.[8] Fast zehn Jahre blieb das Motordreirad im Produktionsprogramm, beständig wurden der Hubraum und die Leistung erhöht.[1] Das letzte Modell (1904) hatte einen auf 955 cm³ Hubraum (Bohrung 100 mm, Hub 120 mm) vergrößerten Motor und leistete 8 PS (5,9 kW) bei 1.800 min−1.[9] Am 13. April 1902 stellte der französische Rennfahrer Georges Osmont in Nizza mit einem De-Dion-Bouton-Motordreirad einen Geschwindigkeitsrekord von 109,1 km/h auf.[3]

Lizenznehmer und Kopien[Bearbeiten]

1895, nach Beginn der Serienproduktion des Motors[Anm. 2], und 1897, mit der Produktion des Motordreirades, wurden Motoren oder komplette Dreiräder von zahlreichen Herstellern entweder in Lizenz nachgebaut oder mit leichten Veränderungen kopiert, unter anderem von Herstellern in:

Galerie[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Von 1897 bis 1901, ohne Lizenznehmer und Kopien.
  2. Etwa 200.000 Motoren sollen insgesamt gefertigt worden sein.
  3. Gemäß Bugatti by Borgeson, S. 30: nicht ganz klar; der britische Bugatti-Club (Bugatti-Trust) nennt als Hersteller des Rahmens die Firma Société Rochet in Paris. Diese stellte ihrerseits ähnliche Fahrzeuge her, verwendete aber Aster-Motoren.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Enzyklopädie des Motorrads. Instituto Geografico De Agostini, 1996. ISBN 3-86047-142-2. S. 132
  2. L.J.K. Setright: The Guinness Book of Motorcycling. Facts and Feats. 1982, ISBN 0-85112-255-8, S. 23
  3. a b Ferdinand C.W. Käsmann: Weltrekordfahrzeuge. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89602-527-9, S. 328
  4. a b Juraj Porazik: Motorräder aus den Jahren 1885 bis 1940. Slovart Verlag, 1983. ISBN 978-3768402408, S. 54
  5. a b c d e Cyril Posthumus und Dave Richmond: Motorräder gestern und heute. München 1978, ISBN 3-453-52080-7, S.15 ff
  6. Peter Kirchberg: Oldtimer – Autos von einst, Urania-Verlag Leipzig, 4. Auflage 1981, S. 30
  7. Griffith Borgeson: Bugatti by Borgeson (1981), Osprey Publishing Limited, London ISBN 0-85045-414-X. S. 32
  8. Dinglers Polytechnisches Journal. Bd. 323 (1908), S. 312 Nachdruck: ISBN 3-931965-14-7
  9. Christian Bartsch (Hrsg): Ein Jahrhundert Motorradtechnik. VDI-Verlag Düsseldorf. ISBN 3-18-400757-X. S. 54

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: De Dion-Bouton Motordreiräder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien