Deutscher Mobilfunkmarkt

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Entwicklung der Kundenanzahl und Marktanteil des deutschen Mobilfunknetzes nach Betreibern vor 2012

In Deutschland sind seit Januar 2006 neun Lizenzen zum digitalen zellulären Mobilfunk vergeben, davon je vier für die GSM- und UMTS-Netze der in Deutschland aktiven Mobilfunknetzbetreiber. Die Lizenz der Mobilcom AG wurde Ende 2003 an die Bundesnetzagentur zurückgegeben, die UMTS-Lizenz von Quam wurde dem Betreiber (nach Einstellung dessen Geschäftstätigkeit) aufgrund des Nicht-Erfüllens der Ausbau- und Auslastungskriterien entzogen.

Der deutsche Mobilfunkmarkt wird von der Bundesnetzagentur reguliert.

Netze und Netzbetreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktanteile am regulären deutschen Mobilfunkmarkt 2015

Die beiden großen D-Netze werden von der Telekom und Vodafone betrieben. Durch die Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (O₂) stieg das stark vergrößerte Unternehmen Telefónica Deutschland Ende 2014 mit 42,1 Millionen Kundenanschlüssen zum größten Mobilfunkanbieter Deutschlands auf.[1] Da sie derzeit (Stand: 1. Quartal 2016) jedoch noch mit getrennter Infrastruktur operieren, werden sie vorläufig in Statistiken meist noch getrennt ausgewiesen. Bis Sommer 2017 soll für 60 Prozent der Kunden von Telefónica Deutschland eine gemeinsame Nutzung beider LTE-Netze (E-Plus und O₂) erreicht werden. Bis 2020 sollen beide Netze komplett verschmolzen sein.[2]

Nach Daten des 2. Quartals 2015[3] nutzen das Mobilfunknetz der Telekom 39.470.000 Teilnehmer (35 % Marktanteil), das Netz von Vodafone 30.320.000 Teilnehmer (27 % Marktanteil) und das Telefonica-Netz 42.620.000 Teilnehmer (38 % Marktanteil). Insgesamt waren also 112.410.000 Mobilfunkteilnehmer bei einem deutschen Mobilfunknetzbetreiber gemeldet.

Mit einem durchschnittlichen Erlös pro Kunde (Average Revenue per User (ARPU)) von lediglich 25 Euro liegt man in Deutschland hinter vergleichbaren Märkten wie Österreich (ARPU: 35 Euro); und das, obwohl – oder eben weil – das Preisniveau in Deutschland zu den höchsten weltweit gehört.

Aufgrund der hohen UMTS-Lizenzgebühren hatten deutsche Mobilnetzbetreiber angekündigt, diese Kosten auf die GSM-Nutzer abzuwälzen. Vergleicht man die Preisentwicklung mit anderen Märkten, so scheint dieses Vorhaben auch realisiert worden zu sein. Das Ergebnis ist sowohl für Kunden als auch für Netzbetreiber nachteilig: Die Kunden verzichten großteils auf neue Mobiltelefone, sodass die Netzbetreiber nur niedrige Umsätze bei einer relativ fixen Kostenstruktur generieren.

Der überwiegende Anteil der Teilnehmer ist Kunde eines der großen Netzbetreiber. Nach Umsätzen führt hier T-Mobile mit 30,3 % Marktanteil, dicht gefolgt von Vodafone mit 29,7 %. Das erst 2014 um E-Plus erweiterte Unternehmen Telefónica Deutschland mit seinen Marken E-Plus und O₂ liegt mit einem rechnerischen Anteil von 25,6 % leicht dahinter (E-Plus: 13,5 % und O₂: 12,1 %). Die übrigen sind Kunden von Anbietern ohne eigene Netzinfrastruktur, sogenannte Mobile Virtual Network Operator MVNO. Die freenet-Marke mobilcom-debitel erwirtschaftet 13,0 % der Umsätze, weit abgeschlagen folgt der Anbieter Drillisch mit nur 1,4 % (Stand: 2011[4]).

Eine neuere Entwicklung sind die Mobilfunk-Discounter. Sie sind ebenfalls Anbieter ohne eigene Netzinfrastruktur; alle Netzbetreiber sind mit eigenen Tochterunternehmen auf dem Discount-Mobilfunk-Markt vertreten.

Ein kleineres Marktsegment wird von Wiederverkäufern (Reseller/Branding Retailer/Virtuelle Netzbetreiber) bedient. Sie treten in der Regel nicht als Provider auf, sondern ihre Kunden sind in der Regel über die AGB eines übergeordneten Service-Providers mit in dessen Konditionen bei einem der Netzbetreiber eingebunden. Die wenigsten neuen Anbieter treten als eigene Marke/Service-Provider auf, da dies das Vorhandensein von Kundenbetreuungs-, Abrechnungs-, Prozess- und Web-Systemen erfordern würde. Die Wiederverkäufer-Kunden werden i. d. R. jedoch über die vorhandenen Systeme eines existierenden Providers geführt, sodass der Aufwand für den Wiederverkäufer extrem gering ist und damit die Endkundenpreise entsprechend niedrig sein können.

Netzvorwahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der seit 2002 möglichen Rufnummernmitnahme ist aus den Vorwahlen der Mobilfunkteilnehmer-Nummern nicht mehr das zugehörige Mobilfunknetz ersichtlich.

Allen deutschen Netzvorwahlen für Mobilfunk ist gemeinsam, dass sie sich aus der nationalen Verkehrsausscheidungsziffer 0, der Netzkennung 15/16/17 sowie der ein- bis zweistelligen Blockkennung zusammensetzen. (Bei der Netzkennung 15 ist die Blockkennung zweistellig, ansonsten einstellig.)

Die Vorwahlen sind von der Bundesnetzagentur wie folgt vergeben, siehe auch Vorwahl 01 (Deutschland):[5]

  • Telekom: 01511, 01512, 01514, 01515, 01516, 01517, 0160, 0170, 0171, 0175
  • Vodafone: 01520, 01522, 01523, 01525, 01526 (ab März 2014), 0162, 0172, 0173, 0174, 01529 (Tru)
    • Virtuelle Netzbetreiber (nutzt Netz von Vodafone, im Hintergrund eigene Infrastruktur): 01521 Lycamobile
  • E-Plus: 01573, 01575, 01577, 01578, 0163, 0177, 0178
    • Virtuelle Netzbetreiber (nutzen Netz von E-Plus, im Hintergrund eigene Infrastruktur): 01570 Telogic (Betrieb eingestellt), 01579 Sipgate Wireless
  • O2: 01590, 0176, 0179

Unterschiede zwischen Vorwahl- und Blockkennungsgrenze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem deutschen Wahlsystem macht es keinen Unterschied, welcher Teil einer Telefonnummer Vorwahl und welcher Rufnummer ist. Daher können z.B. im Fall der Telekom Vorwahl- und Blockkennungsgrenze unterschiedlich ausfallen, z.B. 0151 statt 0151x (bei Netz- und Blockkennung 151x),[6] und auf den Registrierungsbestätigungen bei neu vergebenen Rufnummern aus diesem Bereich auch derart ausgewiesen werden. Technisch ist der Unterschied sinnvoll, denn zu jeder regulären Mobilfunknummer existiert eine zweite Nummer für die Mailbox, die bei Aktivierung als Umleitung geschaltet ist. Sie unterscheidet sich durch Einfügung eines „Infix“ zwischen der vom Anbieter bekanntgegebenen Vorwahl und der Teilnehmernummer. So gehört zur Mobilfunknummer 0176 123456 die Mailboxnummer 0176 33 123456 (also mit Infix „33“ bei O2). Diese Infix-Kennnummern unterscheiden sich je nach Vorwahl und bleiben (mit Ausnahme von Vodafone) auch bei einer Portierung zu einem anderen Anbieter erhalten. Eine Mailbox, die nicht als Umleitung aktiv geschaltet ist, ist dennoch über diese zweite Nummer weiterhin erreichbar. Soll sie auch über diese zweite Nummer nicht erreichbar sein, kann die Mailbox über den Anbieter vollständig deaktiviert werden.[7]

Netzzugehörigkeit ermitteln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das tatsächliche Netz für eine Rufnummer kann über die Mobilfunkbetreiber telefonisch ermittelt werden. Dazu wählt man je nach eigenem Netzanbieter/Provider eine der folgenden Nummern und gibt dann Vorwahl und Rufnummer des betreffenden Anschlusses ein:

  • Telekom-Festnetz: Anruf (0 18 05) 00 11 33 (14 ct/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk max. 42 ct/Min.)
  • Telekom-Mobilfunk: Anruf 43 87 (netzintern kostenlos) oder SMS mit Rufnummer an Kurzwahl 43 87 (Preise je nach Tarif)
  • Vodafone: Anruf 1 23 13 (netzintern kostenlos), Anruf (08 00) 5 05 20 90 (kostenlos/auch für Nicht-Vodafone-Kunden erreichbar)
  • O₂: SMS mit „NETZ Rufnummer“ an Kurzwahl 46 36 (netzintern kostenlos)
  • mobilcom-debitel und Talkline bieten zudem eine Abfrage über ihre Internetseite an.
  • Congstar: Anruf 43 87 (netzintern kostenlos)
  • Simyo: Anruf 21 45 (netzintern kostenlos)

Per Internet ist eine Abfrage ebenfalls möglich.

Marktforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Seit dem 3. Quartal 2006 gibt es in Deutschland mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner. Im 2. Quartal 2008 waren es bereits mehr als 100 Millionen Anschlüsse. Zahlen von mehr als 100 % Marktdurchdringung ergeben sich durch zahlreiche Zweithandys, Karteileichen, Buchungstricks bei der Kundenzählung und Mobilfunkkarten für Notebooks.

Nach einer im Juni 2005 durchgeführten Studie wird der Mobilfunk von Männern und Frauen gleichermaßen genutzt. Unterschiede gab es jedoch hinsichtlich des Alters und der Schulbildung der Mobilfunknutzer: Bei den 14- bis 34-Jährigen verfügten 85 % über ein Handy, bei den über 65-Jährigen waren es nur noch 31 %. Während 85 % der Abiturienten und Universitätsabsolventen ein Mobiltelefon besaßen, waren es bei den Hauptschulabsolventen nur 55 %. Etwa 30 % der Einwohner in Deutschland besaßen kein Handy.

Im Jahr 2013 hatte sich die Situation folgendermaßen entwickelt: 68 % der Senioren (ab 65 Jahre) besaßen ein Handy. In der Alterskohorte zwischen 14 und 49 Jahren besaßen 97 % der Einwohner ein Handy. Der Unterschied hinsichtlich des Bildungsgrades existiert weiterhin: 94 % der Einwohner mit Hochschulreife verfügten über ein Handy, gegenüber 84 % der Einwohner mit Hauptschulabschluss. Nur noch 10 % der Einwohner besaßen kein Handy.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Teilnehmerentwicklung im Mobilfun: Anzahl der Teilnehmer nach Netzen und Quartal gemäß den Geschäftsberichten der Netzbetreiber. Bundesnetzagentur, 2. März 2015
  2. O2 und E-Plus: Telefónica konzentriert sich auf Zusammenführung der Netze. In: golem.de. Abgerufen am 12. Mai 2016.
  3. Entwicklung Marktanteile Netzbetreiber, inside-handy.de
  4. http://www.mobilfunk-talk.de/news/42783-vatm-prasentiert-zahlen-des-telekommunikationsmarkts-2011/
  5. Übersicht Nummernraum. (Memento vom 3. Mai 2014 im Internet Archive) (Nummernraum für das öffentliche Telefonnetz) – Bundesnetzagentur
  6. Verfügung 26/2013 vom 31. Juli 2013 (Amtsblatt 14/2013) (PDF-Datei). Bundesnetzagentur, 25. Juli 2013
  7. Mailbox abschalten! babel.de, 17. Mai 2005, abgerufen am 3. Juni 2011