Dreihausen (Ebsdorfergrund)

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50.72678.8566255Koordinaten: 50° 43′ 36″ N, 8° 51′ 24″ O

Dreihausen
Höhe: 255 m
Einwohner: 1552 (2009)
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35085
Vorwahl: 06424
Bürgerzentrum
Grundschule
Ev.-luth. Kirche
Selbstständige Ev.-luth. Kirche

Dreihausen ist ein Dorf in der Gemeinde Ebsdorfergrund im Osten des Landkreises Marburg-Biedenkopf im Regierungsbezirk Gießen des Landes Hessen. Dreihausen ist einer der Hauptorte der evangelischen Althessischen Kirche.

Lage[Bearbeiten]

Das Dorf grenzt südlich an Nordeck, Winnen und Roßberg, östlich an Rauischholzhausen, nordöstlich an Wittelsberg, nordwestlich an Ebsdorf und westlich an Leidenhofen.

Ortsansicht von Süden

Geschichte[Bearbeiten]

Dreihausen wurde erstmals 1151 erwähnt. Im Jahr 1374 tauchen die Namen Eulershausen (später: Oberhausen) und Niedernhausen auf; der heutige Ortsteil Mittelhausen lag zu dieser Zeit wüst und wurde erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt.

Am 31. Dezember 1971 wurde Dreihausen in die neue Gemeinde Ebsdorfergrund eingegliedert.[1]

Namensgebung[Bearbeiten]

Der Ortsname ist im durch die Zusammenlegung der Dörfer Unterhausen, Mittelhausen und Oberhausen entstanden.

Dreihäuser Steinzeug[Bearbeiten]

Dreihausen war ein sehr armes Dorf, das mit sehr hohen Abgaben belastet war. Da es sich allein von den kleinen Bauernhöfen nicht leben ließ, musste man sich einen Nebenerwerb suchen. Vielfach war dies das Töpferhandwerk, das sich bereits ab dem 13. Jahrhundert in der Gegend ausbreitete, da in der Gemarkung Dreihausen reichhaltige und ergiebige Tonlager vorhanden waren. Der Dreihäuser Ton war von sehr guter Qualität und ließ sich bei hohen Temperaturen brennen, was die Herstellung von Steinzeug ermöglichte. Noch heute ist „Dreihäuser Steinzeug“ eine Fachbezeichnung für eine ganze Keramikgruppe, auch wenn deren Herstellung nicht in Dreihausen erfolgte. Nach einer Blütezeit des Töpferhandwerks ging die Zahl der Töpfer im Ort wegen des Aufkommens von Emaillegeschirr deutlich zurück.

Weitere Berufsgruppen[Bearbeiten]

Weitere stark vertretene Berufsgruppen waren die der Steinrichter und Pflasterer; dies geht zurück auf die Basaltausläufer des Vogelsberges, die das Arbeiten im Steinbruch ermöglichten. Die Pflasterer aus dem Ebsdorfergrund arbeiteten bis über die Grenzen Deutschlands hinaus, u.a. in Paris. Ein großes Werk ermöglicht noch heute die Gewinnung von Basalt in Dreihausen (s.u.).

Höfe von Dreihausen[Bearbeiten]

Ebenfalls geschichtlich interessant und von Bedeutung sind die Höfe von Dreihausen, eine frühmittelalterliche Befestigung aus karolingischer Zeit, die vermutlich zwischen der zweiten Hälfte des 8. und der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstanden ist. Auf einer Fläche von ca. 2 ha erstreckt sich diese Anlage, bestehend aus einer Unter- und einer Oberburg. In der Oberburg fand man Reste eines steinernen Hauses sowie einer Rundkirche mit einer Nordapsis. Aufwändige Bemalung und der Fund eines kleinen Stückes Porphyr, grüner Marmor aus Lakonien, lassen darauf schließen, dass es sich bei den Bewohnern um einen kleinen privilegierten Personenkreis gehandelt haben muss.

Wappen[Bearbeiten]

Das Gemeindewappen ist gleichzeitig auch das Dorfwappen, es zeigt im goldenen Schild auf grünem Dreiberg einen roten Zinnenturm, belegt mit dem hessischen Schild. Im Wappen wird die mittelalterliche Wittelsberger Warte abgebildet, die den hessischen Landgrafen dazu diente, den Verkehr auf der Straße durch den Ebsdorfergrund zwischen mainzischen Gebieten zu überwachen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung

Dreihausen ist über Heskem, Roßberg und Leidenhofen leicht erreichbar, wenn man zum Beispiel am Kreisverkehr bei Heskem an der L3048 abbiegt. Von 1905 bis 1972 war der Bahnhof des Dorfs Endstation der Marburger Kreisbahn. Den ÖPNV nach Marburg bedient die Linie MR-86.

Medizinische Versorgung

Eine medizinische und gesundheitliche Grundversorgung ist in Dreihausen gewährleistet. Es existieren u. a. eine allgemeinmedizinische Gemeinschaftspraxis, eine Zahnarztpraxis, eine physiotherapeutische Krankengymnastik-Praxis, eine Heilpraktiker-Praxis und eine Apotheke.

Einzelhandel

In Dreihausen kann man ohne Probleme Güter des täglichen Bedarfs erwerben. Für diesen Bereich sind ein Vollsortiment-Supermarkt, eine Getränkemarkt, ein Bio-Fachmarkt, zwei Bäckereifilialen, eine Metzgereifiliale und eine Apotheke vorhanden. Darüber hinaus befinden sich einzelne verstreute Fachgeschäfte in Dreihausen.

Die „Keksfabrik“

Im damaligen Drei-Pauly-Weg errichtete 1971 die gleichnamige Firma eine große Produktionshalle für Gebäck. Diese Fabrik wurde 2006 von der Dr. Schär GmbH gekauft. Noch bis Ende 2009 wurde in einer kleinen Verkaufsfläche des Gebäudes das Drei-Pauly-Lädchen betrieben, wo bis 2006 ein direkter Werksverkauf stattfand und noch über drei Jahre weiterhin 3-Pauly-Produkte verkauft wurden. Die Dr. Schär GmbH stellt glutenfreie Lebensmittel her und richtete dort ihren deutschen Standort ein, daraufhin wurde die Straße an der Fabrik in Simmersweg umbenannt.

Seidel

In Dreihausen befindet sich ein Werk der Seidel GmbH + Co. KG.

Hartbasaltwerk
Basaltwerk Nickel

Am nördlichen Ortsrand von Dreihausen befindet sich das beeindruckende Hartbasaltwerk der Johannes Nickel GmbH & Co. KG. Durch die Arbeiten und Sprengungen ist dort im Laufe der letzten Jahrzehnte dort eine sehenswerte Kraterlandschaft entstanden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Gemeindeverwaltung, mit zahlreichen Ämtern für den gesamten Ebsdorfergrund
  • Grundschule
  • Kindergarten und Kinderkrippe
  • Filiale der Raiffeisenbank eG Ebsdorfergrund, Sparkassen-Filiale, Postagentur
  • Museum „Wenze Ställche“ des Arbeitskreis Dorfgeschichte Dreihausen e. V. Hier gibt es eine Dauerausstellung zur Dorfgeschichte und wechselnde Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 403.

Weblinks[Bearbeiten]