Dreihausen (Ebsdorfergrund)

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Dreihausen
Koordinaten: 50° 43′ 36″ N, 8° 51′ 24″ O
Höhe: 255 m ü. NHN
Fläche: 7,13 km²[1]
Einwohner: 1550[2]
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35085
Vorwahl: 06424
Ev.-luth. Kirche
Selbstständige Ev.-luth. Kirche

Dreihausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Ebsdorfergrund im Osten des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf. Dreihausen ist einer der Hauptorte der evangelischen Althessischen Kirche.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf grenzt südlich an Nordeck, Winnen und Roßberg, östlich an Rauischholzhausen, nordöstlich an Wittelsberg, nordwestlich an Ebsdorf und westlich an Leidenhofen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort bestand ursprünglich aus drei Dörfer, Ober- und Niederhausen die bis 1577 selbständig waren. Später kam noch Mittelhausen hinzu. Eine erste urkundliche Erwähnung erfolgte um 1130 unter dem Namen Husun et Husun. Weitere Erwähnunger folgten in den Jahren 1374 als Obernhusin und Niederhusin, 1577 als Obern-, Mittel-, Niddernhausen 1708 und 1710 als Oberhausen, Hausen, Niederhausen und 1812 erstmals als Dreihausen.[1]

Am 31. Dezember 1971 wurde Dreihausen im Rahmen der Gebietsreform in Hessen in die neue gegründete Gemeinde Ebsdorfergrund eingegliedert.[3]

Dreihäuser Steinzeug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreihausen war ein sehr armes Dorf, das mit sehr hohen Abgaben belastet war. Da es sich allein von den kleinen Bauernhöfen nicht leben ließ, musste man sich einen Nebenerwerb suchen. Vielfach war dies das Töpferhandwerk, das sich bereits ab dem 13. Jahrhundert in der Gegend ausbreitete, da in der Gemarkung Dreihausen reichhaltige und ergiebige Tonlager vorhanden waren. Der Dreihäuser Ton war von sehr guter Qualität und ließ sich bei hohen Temperaturen brennen, was die Herstellung von Steinzeug ermöglichte. Noch heute ist „Dreihäuser Steinzeug“ eine Fachbezeichnung für eine ganze Keramikgruppe, auch wenn deren Herstellung nicht in Dreihausen erfolgte. Nach einer Blütezeit des Töpferhandwerks ging die Zahl der Töpfer im Ort wegen des Aufkommens von Emaillegeschirr deutlich zurück.

Weitere Berufsgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere stark vertretene Berufsgruppen waren die der Steinrichter und Pflasterer; dies geht zurück auf die Basaltausläufer des Vogelsberges, die das Arbeiten im Steinbruch ermöglichten. Die Pflasterer aus dem Ebsdorfergrund arbeiteten bis über die Grenzen Deutschlands hinaus, u.a. in Paris. Ein großes Werk ermöglicht noch heute die Gewinnung von Basalt in Dreihausen (s.u.).

Höfe von Dreihausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls geschichtlich interessant und von Bedeutung sind die Höfe von Dreihausen, eine frühmittelalterliche Befestigung aus karolingischer Zeit, die vermutlich zwischen der zweiten Hälfte des 8. und der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstanden ist. Auf einer Fläche von ca. 2 ha erstreckt sich diese Anlage, bestehend aus einer Unter- und einer Oberburg. In der Oberburg fand man Reste eines steinernen Hauses sowie einer Rundkirche mit einer Nordapsis. Aufwändige Bemalung und der Fund eines kleinen Stückes Porphyr, grüner Marmor aus Lakonien, lassen darauf schließen, dass es sich bei den Bewohnern um einen kleinen privilegierten Personenkreis gehandelt haben muss.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Dreihausen unterstand im Überblick:[4][1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

Oberhausen
1467: 15 Hausgesesse
1577: 23 Hausgesesse
1681: 341 Einwohner
1778: 1 Maurer, 2 Drechsler, 2 Schneider, 5 Leineweber, 1 Ziegler, 13 Töpfer, 4 Tagelöhner.
Niederhausen
1467: 7 Hausgesesse
1577: 26 Hausgesesse
1681: 20 hausgesessene Mannschaften
1778: 138 Einwohner. Erwerbspersonen: 1 Müller, 1 Schmied, 3 Schneider, 2 Leineweber.
1885: 259 Einwohner
Mittelhausen
1577: 24 Hausgesesse
1681: 13 hausgesessene Mannschaften
1778: 115 Einwohner. Erwerbspersonen: 1 Schmied, 1 Schreiner, 3 Maurer, 1 Leineweber, 1 Schneider, 16 Töpfer, 2 Tagelöhner.
1885: 333 Einwohner
Dreihausen
1630: (Ober- und Nieder und Mittelhausen): 1 Freihof, 3 vierspännige, 5 dreispännige, 2 zweispännige, 1 einspännigeAckerleute, 41 Einläuftige. 8 Witwen, davon 5 ohne Haushalt.
1812/13: 575 Einwohner
1838: 764 Einwohner (66 nutzungsberechtigte, 44 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 10 Beisassen). Familien: 47 Ackerbau, 52 Gewerbe, 18 Tagelöhner.
1861: 874 evangelisch-lutherisch Einwohner, 31 Mitglieder abweichender Sekten
1961: 1192 evangelisch, 82 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 212 Land- und Forstwirtschaft, 254 Produzierendes Gewerbe, 73 Handel und Verkehr, 77 Dienstleistungen und Sonstiges.
Dreihausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
758
1840
  
827
1846
  
815
1852
  
906
1858
  
894
1864
  
921
1871
  
856
1875
  
872
1885
  
933
1895
  
917
1905
  
907
1910
  
969
1925
  
1.070
1939
  
1.136
1946
  
1.467
1950
  
1.484
1956
  
1.353
1961
  
1.282
1967
  
1.270
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindewappen ist gleichzeitig auch das Dorfwappen, es zeigt im goldenen Schild auf grünem Dreiberg einen roten Zinnenturm, belegt mit dem hessischen Schild. Im Wappen wird die mittelalterliche Wittelsberger Warte abgebildet, die den hessischen Landgrafen dazu diente, den Verkehr auf der Straße durch den Ebsdorfergrund zwischen mainzischen Gebieten zu überwachen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgerzentrum
Grundschule
Verkehrsanbindung

Dreihausen ist über Heskem, Roßberg und Leidenhofen leicht erreichbar, wenn man zum Beispiel am Kreisverkehr bei Heskem an der L3048 abbiegt. Von 1905 bis 1972 war der Bahnhof des Dorfs Endstation der Marburger Kreisbahn. Den ÖPNV nach Marburg bedient die Linie MR-86.

Medizinische Versorgung

Eine medizinische und gesundheitliche Grundversorgung ist in Dreihausen gewährleistet. Es existieren u. a. eine allgemeinmedizinische Gemeinschaftspraxis, eine Zahnarztpraxis, eine physiotherapeutische Krankengymnastik-Praxis, eine Heilpraktiker-Praxis und eine Apotheke.

Einzelhandel

In Dreihausen kann man ohne Probleme Güter des täglichen Bedarfs erwerben. Für diesen Bereich sind ein Vollsortiment-Supermarkt, eine Getränkemarkt, ein Bio-Fachmarkt, zwei Bäckereifilialen, eine Metzgereifiliale und eine Apotheke vorhanden. Darüber hinaus befinden sich einzelne verstreute Fachgeschäfte in Dreihausen.

Die „Keksfabrik“

Im damaligen Drei-Pauly-Weg errichtete 1971 die gleichnamige Firma eine große Produktionshalle für Gebäck. Diese Fabrik wurde 2006 von dem Südtiroler Unternehmen Dr. Schär gekauft. Noch bis Ende 2009 wurde in einer kleinen Verkaufsfläche des Gebäudes das Drei-Pauly-Lädchen betrieben, wo bis 2006 ein direkter Werksverkauf stattfand und noch über drei Jahre weiterhin 3-Pauly-Produkte verkauft wurden. Die Firma Dr. Schär stellt glutenfreie Lebensmittel her und richtete dort ihren deutschen Standort ein, daraufhin wurde die Straße an der Fabrik in Simmersweg umbenannt.

Seidel

In Dreihausen befindet sich ein Werk der Seidel GmbH + Co. KG.

Hartbasaltwerk
Basaltwerk Nickel

Am nördlichen Ortsrand von Dreihausen befindet sich das beeindruckende Hartbasaltwerk der Johannes Nickel GmbH & Co. KG. Durch die Arbeiten und Sprengungen ist dort im Laufe der letzten Jahrzehnte dort eine sehenswerte Kraterlandschaft entstanden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeindeverwaltung, mit zahlreichen Ämtern für den gesamten Ebsdorfergrund
  • Grundschule
  • Kindergarten und Kinderkrippe
  • Filiale der Raiffeisenbank eG Ebsdorfergrund, Sparkassen-Filiale, Postagentur
  • Museum „Wenze Ställche“ des Arbeitskreis Dorfgeschichte Dreihausen e. V. Hier gibt es eine Dauerausstellung zur Dorfgeschichte und wechselnde Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Dreihausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 10. Februar 2017)
  2. Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Ebsdorfergrund, abgerufen im August 2015
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 403.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Georg Landau: Beschreibung des kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 387 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]