Ducati 900SS Königswelle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ducati
Ducati 900SuperSport.JPG
Ducati 900SS
Hersteller: Ducati
Produktionszeitraum 1975 bis 1982
Klasse Motorrad
Motordaten
V-90°-Zweizylindermotor
Hubraum (cm³) 863,9
Leistung (kW/PS) 50 kW (68 PS)
Höchst­geschwindigkeit (km/h) über 225 [1]
Getriebe 5 Gänge
Antrieb Kettenantrieb
Bremsen Vorne: Doppelscheibenbremse 280 mm
Hinten: Bremsscheibe 229 mm
Radstand (mm) 1500
Maße (L × B × H, mm): 2210 × 675 x ?
Sitzhöhe (cm) 770
Leergewicht (kg) 194
Vorgängermodell 750SS
Nachfolgemodell 900 S2

Die 900SS mit Königswelle war ein Modell des italienischen Motorradherstellers Ducati, das von 1975 bis 1982 gebaut wurde. Das „SS“ in der Modellbezeichnung steht für „Super Sport“.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Basis für dieses Motorrad bilden die Ducati-Modelle 860GT/GTS und 750SS. Von der 860GT/GTS wurde das neue (eckige) Kurbelgehäuse und der Hubraum (863,9 cm³) übernommen. Von der 750SS kommt das Design mit der typischen Halbverschalung und dem runden Sitzhöcker und die Desmo-Zylinderköpfe.

Vor allem der Rahmen, der von der 750GT und 750SS übernommen wurde, und die straffen Federbeine waren den japanischen Produkten dieser Zeit weit überlegen. Das Gewicht betrug nur 194 kg. Die Ducati hat für eine sportliche Maschine einen langen Radstand (ca. 1,5 m). Dadurch verfügte sie um ein für damalige Verhältnisse sehr stabiles Fahrverhalten bei Hochgeschwindigkeiten. Allerdings ist im Vergleich zu modernen Sportmaschinen die Alltagstauglichkeit u.a. wegen des Kickstarters und des trägen Einlenkverhaltens eingeschränkt.

Motor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der luftgekühlte V2-Motor mit einem Zylinderwinkel von 90° läuft ruhig, ist allerdings sehr laut, da viele Zahnräder verbaut sind, allein für die Königswellen neun Kegelräder. Die Zylinder haben große Kühlrippen, das Gemisch bilden zwei 40-mm-Dell’Orto-Vergaser ohne Luftfilter (grobe Siebe vor Einlasstrichter), die Conti-Auspuffrohre sind kaum gedämpft. Die Leistung beträgt 73 PS an der Kurbelwelle bei 7000/min. Dank der desmodromischen Ventilsteuerung kann der Motor bis 8500/min drehen. Das Design der Desmoköpfe geht zum Teil bis auf die 100 Gran Sport (Marianna) zurück. Dieses Modell hatte zwar noch keine Desmodromik, aber auch zwei Ventile mit einem 80°-Winkel. Außerdem fanden bei den 900SS-Zylinderköpfen auch Haarnadelventilfedern Verwendung. Das Getriebe hat fünf Gänge und es wurde anfangs über den rechten Fußhebel geschaltet. Für das Modelljahr 1977 stellte man auf die übliche Linksschaltung um. Die geteilt gebaute Kurbelwelle ist in vier Kugellagern gelagert, die Pleuel sind mit Nadellagern ausgerüstet.

Modellgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfangs wollte Ducati die 900SS in einer limitierten Auflage wie die 750SS produzieren. Darum wurden auch die ersten 900SS in der Rennabteilung gebaut und mit dem gleichen GFK-Tank wie die 750SS ausgerüstet. Beim Umstieg auf Serienproduktion, wurde schließlich ein Stahltank eingesetzt.

Das Motorrad wurde mit großem Erfolg bei Serienmaschinenrennen von Privatfahrern eingesetzt. Noch in den 1980er-Jahren waren die 900SS bei Battle-of-Twins-Rennen, der Rennklasse für Zweizylindermotorräder, sehr erfolgreich.

Durch die schlechte Schalldämpfung bekam Ducati immer mehr Probleme beim Verkauf der 900SS ins Ausland. Deshalb wurden für die Verkäufe in einige Länder die Conti-Schalldämpfer durch relativ stark gedämpfte, dadurch leistungsmindernde und schwere Silentium-Schalldämpfer ausgetauscht. Darüber hinaus erhielten solcherart bestückte Maschinen noch Dell'Orto-Vergaser mit nur 32 Millimeter Durchlass und eine Luftfilteranlage. Wie sehr diese Umrüstung an der Leistung zehrte, zeigte ein Test der Zeitschrift "Motorrad". Dort wurden an einer Testmaschine ohne weitere Abstimmungsarbeiten lediglich die Auspuffe und die Vergaser gegen die nicht geräuschgedämpften Versionen getauscht, wodurch die Endgeschwindigkeit um rund 20 km/h anstieg.

1982 verließen die letzten 900SS das Ducatiwerk in Borgo Panigale. Die 900SS wurde durch die weniger charaktervolle 900 S2 ersetzt, die beim Design weniger Anleihen an Rennmaschinen nahm und über einen Elektrostarter verfügte. Die meisten Teile wurden von der 900SS übernommen, der Motor gründlich überarbeitet. Die schwere Halbschale der Pantah ersetzte das leichtere Vorgängermodell. Die 900 S2 wurde nur noch mit den Silentium-Schalldämpfern und schweren Luftfilterkästen ausgeliefert. Für den Elektrostarter kam eine größere Batterie zum Einbau. Um Platz für die neue Batterie zu schaffen, wurden zum Teil Rahmenrohre mit geringerem Durchmesser verwendet. Im Rahmendreieck wurde auf jeder Seite nur noch ein halbiertes Rohr verwendet. All diese Änderungen führten zu einer Verringerung der Fahrwerksstabilität.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ducati.de: Geschichte 900 Super Sport Desmo