Eisenbahnerstadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wasserturm von Bebra, Wahrzeichen der Stadt

Eine Eisenbahnerstadt, ohne Stadtrecht auch Eisenbahnerdorf, ist ein Ort, welcher infolge der Errichtung wichtiger Eisenbahnbetriebsanlagen, Grenzstationen oder Eisenbahnknotenpunkte wesentlich größer wurde. In einigen Eisenbahnerstädten ist die Bedeutung der Eisenbahn mittlerweile zurückgegangen.

Davon zu unterscheiden sind Eisenbahnersiedlungen, die auf der grünen Wiese, ähnlich Werkssiedlungen, völlig neu als Wohnort für bei der Bahn Beschäftigte und deren Familien angelegt wurden.

Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahnerstädte haben sich sowohl aus älteren Orten entwickelt oder sind im Rahmen der Industrialisierung, in Mitteleuropa vorrangig im 19. Jahrhundert, gegründet worden. In Eisenbahnerstädten erfolgte durch die überregionale Bedeutung des Personen- und/oder Güterverkehrs ein großer Wandel in der Stadtentwicklung, der Einwohnerzahl, dem Stadtbild und dem allgemeinen Wirtschaftsleben.

Eisenbahnerstädte sind durch ihre Abhängigkeit von der Eisenbahn anfällig für Veränderungen der Bahnstruktur, beispielsweise durch die Errichtung von neuen Bahnstrecken mit anderer Streckenführung, für Automatisierungen im Güterumschlag oder für den Abbau von Grenzkontrollen, beispielsweise durch das Schengener Abkommen. Beispiele für Eisenbahnstädte mit strukturellen Problemen aufgrund eines Bedeutungsverlusts der Eisenbahn sind Cerbère und Portbou an der französisch-spanischen Grenze.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belgien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Belgien stellt der Ort Montzen eine herausragende Bedeutung im Eisenbahnverkehr dar.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahnerstädte aufgrund von Verkehrsknotenpunkten sind Aulendorf, Bebra, Betzdorf, Buchloe, Falkenberg, Hagen, Hamm (Bahnhöfe in Hamm), Lehrte (Bahnhof Lehrte), Offenburg, Plattling und Treuchtlingen. Eisenbahnerstädte als Standorte von Bahnbetriebswerken für Schublokomotiven am Fuße von Steigungsstrecken sind Altenhundem oder Neuenmarkt. Eisenbahnerstädte mit großen Grenzbahnhöfen sind Freilassing oder Weil am Rhein.

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cerbère, Südfrankreich, 2015

Beispiele für Eisenbahnstädte in Frankreich sind Tergnier und Miramas. Beispiele für eine Eisenbahnerstadt durch seinen Grenzbahnhof ist Cerbère, wo die Gleise der spanischen Breitspur enden.

Portugal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für eine Eisenbahnstadt in Portugal ist Entroncamento.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele in der Schweiz sind Olten. Standort eines Bahnbetriebswerks für Schublokomotiven ist Erstfeld in der Schweiz. Ein Ort mit einem großen Grenzbahnhof ist beispielsweise Chiasso.

Rumänien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Simeria in Rumänien wuchs durch neue Eisenbahnanlagen zur Stadt heran.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Aulendorf Wappen von Bebra
Wappen von Aulendorf
Wappen von Bebra

Die Bedeutung der Bahn lässt sich auch an Eisenbahnsymbolen in Gemeindewappen erkennen. So haben Neuenmarkt und Aulendorf ein Flügelrad. Bebra hat gekreuzte Eisenbahnschienen im Wappen, die die beiden sich kreuzenden Bahnstrecken und den Kreuzungsbahnhof symbolisieren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Mikus: Die Auswirkungen eines Eisenbahnknotenpunktes auf die geographische Struktur einer Siedlung: am speziellen Beispiel von Lehrte und ein Vergleich mit Bebra und Olten/Schweiz. In: Freiburger Geographische Hefte. Heft 3. (Zugl.: Diss. Univ. Freiburg 1966): Freiburg 1966.