Elmshausen (Dautphetal)

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Elmshausen
Gemeinde Dautphetal
Wappen von Elmshausen
Koordinaten: 50° 51′ 30″ N, 8° 36′ 52″ O
Höhe: 238 m ü. NHN
Fläche: 3,51 km²[1]
Einwohner: 324 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 92 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35232
Vorwahl: 06466
Karte
Lage von Elmshausen in der Gemeinde Dautphetal
Blick auf Elmshausen von der Schutzhütte aus
Blick auf Elmshausen von der Schutzhütte aus

Elmshausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Dautphetal im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elmshausen liegt 24 km westlich des Oberzentrums Marburg und acht km südöstlich des Mittelzentrums Biedenkopf auf der Niederterrasse des Lahntals an den Ausläufern des Rothaargebirges am Fuße des Roßberges, der sich 425 Meter hoch erhebt. Somit ist Elmshausen der östlichste Ortsteil der Gemeinde. Es wird weiter umgeben von Silberg, Treisberg (437 Meter) und Rückspiegel. Der Ortskern von Elmshausen liegt 235 m ü. NN, die Fläche beträgt 351,38 ha. Die Gemarkung Elmshausen grenzt an die Dautphetaler Ortsteile Buchenau, Allendorf sowie Damshausen. Im Osten grenzt sie an Kernbach und Brungershausen, Ortsteile der Gemeinde Lahntal.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elmshausen liegt im warm-gemäßigten Regenklima der mittleren Breiten. Die mittlere Tagesmitteltemperatur beträgt im Sommer ca. 16–17 °C und im Winter ca. -1–1 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt im Bereich Elmshausen ca. 700–800 mm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte in den Jahren um 1200/1220, als das Stift Wetter eine Hufe und die von Hohenfels neun Hufen in Elmshausen besaßen.[1] Im Jahr 1286 verkaufte die Marburger Bürgerfamilie von Gambach ihre Güter zu Elmshausen dem Kloster Caldern.

Jüdische Geschichte in Elmshausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts lebte in Elmshausen eine kleine jüdische Gemeinde, wobei erstmals 1809 ein jüdischer Bewohner genannt wird, welcher zur jüdischen Gemeinde in Gladenbach gehörte. 1859 konnte eine eigenständige jüdische Gemeinde in Elmshausen und Buchenau gegründet werden. Im Jahre 1830 lebten 30 Juden in Elmshausen, 1845 waren es fünf Familien, 1859 sieben Familien mit 34 Personen.

Die jüdische Gemeinde nutzten einen Betraum in einem der Privathäuser in Elmshausen und hatte zeitweise einen eigenen Lehrer angestellt. Des Weiteren wurde ein jüdischer Friedhof oberhalb der Ortschaft angelegt.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gab es noch eine jüdische Familie in Elmshausen, was sich bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges nicht änderte. Auf Grund der zunehmenden Repressalien, der Entrechtung und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts zog diese Familie nach Marburg und wollte von dort nach Brasilien emigrieren, was jedoch nicht mehr möglich war. Auch die Novemberpogrome 1938 machten vor Elmshausen nicht halt. Insgesamt neun jüdische Personen, welche in Elmshausen geborenen und/oder längere Zeit im Ort gewohnt haben, sind in der NS-Zeit ums Leben gekommen.[3]

Rittergut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rittergut Elmshausen

Das Rittergut Elmshausen war seit dem 13. Jahrhundert der Sitz der Herren von Döring. Das heutige Herrenhaus mitsamt seinen Wirtschaftsgebäuden wurde 1586 durch Alexander von Döring, Hofmeister des Landgrafen Ludwigs IV., errichtet. In den folgenden Jahren wechselte der Besitzer häufiger, wobei diese nicht verzeichnet sind. 1856 erbte der letzte nassauische Regierungspräsident das Gut, welcher sich nach der Annexion durch Preußen hier zu Ruhe setzte. Nach dessen Tod wurde es von seinen Neffen Wilhelm und Gustav übernommen. Sie renovierten das Gebäude umfangreich und führten den landwirtschaftlichen Betrieb weiter. Noch heute ist das Gut im Besitz der Familie Ohm-Winter. Die Landwirtschaft wurde dabei weitestgehend aufgegeben, heute beherbergt der Hof eine Reitanlage mit Unterstellmöglichkeiten für Pferde.

Das Ensemble besteht aus Stallungen und Scheunengebäuden unterschiedlicher Zeiten, die sich um einen zentralen Hof gruppieren und meist ein massives Erdgeschoss mit Fachwerkaufsätzen haben, aber auch ganz aus Backsteinen erbaut sind. Die Anlage wird von dem stattlichen, langgestreckten Herrenhaus aus dem Jahr 1586 dominiert, das viergeschossig ist. Der Bau hat einen Gewölbekeller und einen massiven Sockel, darüber erhebt sich ein teils verputztes Fachwerk-, teils ein massives aus Natursteinen gemauertes Erdgeschoss.

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gebietsreform in Hessen war Elmshausen eine eigenständige Gemeinde. Am 1. Juli 1974 wurde Elmshausen mit elf weiteren Gemeinden zur Gemeinde Dautphetal zusammengeschlossen. Somit war der Hauptsitz der Gemeinde nun in Dautphe.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Elmshausen unterstand im Überblick:[5][1]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Jahr 1577 sind in Elmshausen 20 Haushalte verzeichnet, somit dürften etwas über 100 Menschen im Ort gelebt haben. Für die folgenden Jahrhunderte gibt es keine nachweisbaren Zahlen. Im Jahr 1834 wird die Einwohnerzahl von Elmshausen mit 151 angegeben. Somit veränderte sich die Einwohnerzahl in knapp 250 Jahre nicht signifikant. Dies blieb auch in den darauffolgenden Jahrzehnten so, 1885 wurden 140 Einwohner gezählt, 1939 waren es 167. Einen deutlichen Anstieg gab es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Bedingt durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den osteuropäischen Gebieten stieg die Zahl auf 223 im Jahre 1946 und 273 im Jahre 1956. In den darauffolgenden Jahren stieg die Einwohnerzahl weiter auf heute 321.

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

• 1577: 20 Hausgesesse
• 1630: 4 Hausgesesse (1 dreispänniges, 3 zweispännige Ackerleute)
• 1677: 1 Freier, 6 Hausgründe, 1 Witwe, 5 ledige Personen.
• 1742: 4 Haushalte
Elmshausen: Einwohnerzahlen von 1830 bis 2017
Jahr  Einwohner
1830
  
140
1834
  
151
1840
  
154
1846
  
156
1852
  
143
1858
  
157
1864
  
140
1871
  
129
1875
  
152
1885
  
140
1895
  
125
1905
  
120
1910
  
128
1925
  
133
1939
  
167
1946
  
223
1950
  
225
1956
  
273
1961
  
295
1967
  
274
2012
  
335
2016
  
326
2017
  
324
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[6]; nach 2000: Gemeinde Dautphetal (webarchiv)

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 93 evangelische, 21 jüdische Einwohner, 18 Mennoniten.
• 1885: 130 evangelische, keine katholiken, 10 jüdische Einwohner
• 1961: 242 evangelische, 53 römisch-katholische Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1961: Erwerbspersonen: 54 Land- und Forstwirtschaft, 77 produzierendes Gewerbe, 7 Handel und Verkehr, 2 Dienstleistungen und Sonstiges.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche von Elmshausen

Elmshausen gehört zur Ev.-lutherische Kirchengemeinde Buchenau mit Elmshausen. Durch die historische Bedeutung der Gutsherren aus Elmshausen liegt hier bis heute das Patronatsrecht bei der Familie Ohm-Winter. Deren Vorfahren waren es, die die Kapelle in Elmshausen errichten ließen, wobei sie 1895 komplett erneuert und neu eingeweiht wurde. Hier findet alle zwei Wochen der Gottesdienst statt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus früheren Zeiten sind nur wenige Bürgermeister der Gemeinde Elmshausen überliefert. So wurde 1895 Carl Dietrich Schwam, 1907 Andreas Damm in dieses Amt gewählt. Der letzte Bürgermeister der Gemeinde war Heinrich Diehl.

Mit der Gemeindereform wurde ein Ortsbeirat in Elmshausen installiert, welcher aus drei Personen besteht und alle fünf Jahre gewählt wird. Dieser wiederum wählt für die Dauer der Amtsperiode des Ortsbeirates den Ortsvorsteher. Die längste Zeit, nämlich von 1974 bis 2001, war Heinrich Diehl Ortsvorsteher, seit 2001 ist dies Herbert Kreiner (ELE).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde 1962 verliehen.[9] Blasonierung: In Gold drei schwarze Schrägrechtsbalken, von denen der mittlere mit drei silbernen Sporenrädlein belegt ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das gesellschaftliche Leben in Elmshausen wird besonders durch verschiedene Vereine getragen. So gibt es die Freiwillige Feuerwehr, welche 1932 gegründet wurde, mit eigener Jugend- und Kinderabteilung. Des Weiteren gibt es eine 1997 gegründete Burschen- und Mädchenschaft, die Grenzgangsgesellschaft Elmshausen, welche alle sieben Jahre am Grenzgang in Buchenau teilnimmt, den Vogel- und Naturschutzverein sowie den Reitverein Elmshausen mit Sitz im Rittergut.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • NDW- & Schlager-Party (erstes Wochenende im Mai)
  • Brückenfest
  • Maifeuer (am 30. April)
  • Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr
  • Kartoffelbraten auf der Schutzhütte (3. Oktober)

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der historische Ortskern weist einen regellosen Grundriss und lockere Gehöftanordnung auf. Dieser liegt rund um einen Gutshof mit Herrenhaus. Die Bebauung im Osten und Norden der Siedlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet und macht den größten Teil der bebauten Fläche aus.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es einen Kinderspielplatz, einen Bolzplatz, einen Festplatz, ein Feuerwehrhaus, das Bürgerhaus und eine Schutzhütte.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Elmshausen führt die Kreisstraße 22, über die man auf die Bundesstraße 62 gelangt. Es besteht weiterhin eine Busverbindung durch die Linie 481, welche zwischen Marburg und Biedenkopf verkehrt und Orte im Hinterland verbindet. Über den 1,5 Kilometer entfernten Bahnhof Buchenau besteht eine Verbindung zur Oberen Lahntalbahn, welche von Marburg nach Erndtebrück fährt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Elmshausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. „Einwohnerzahlen der Gemeinde Dautphetal“ im Internetauftritt der Gemeinde Dautphetal, abgerufen am 28. März 2018
  3. Zur jüdischen Geschichte in Elmshausen und Buchenau auf Alemannia Judaica.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 und 351.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 185, 265 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (bei google books).
  8. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 415 (online bei Google Books).
  9. Hessischer Staatsanzeiger 38/1962, S. 1266, online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Elmshausen (Dautphetal) – Sammlung von Bildern