Elmshausen (Dautphetal)

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Elmshausen
Gemeinde Dautphetal
Koordinaten: 50° 51′ 30″ N, 8° 36′ 52″ O
Höhe: 238 m ü. NHN
Fläche: 3,51 km²[1]
Einwohner: 318 (2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 91 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35232
Vorwahl: 06466
Lage von Elmshausen in der Gemeinde Dautphetal
Blick auf Elmshausen von der Schutzhütte aus

Elmshausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Dautphetal im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elmshausen liegt 24 km westlich des Oberzentrums Marburg und acht km südöstlich des Mittelzentrums Biedenkopf auf der Niederterrasse des Lahntals an den Ausläufern des Rothaargebirges am Fuße des Roßberges, der sich 425 Meter hoch erhebt. Somit ist Elmshausen der östlichste Ortsteil der Gemeinde. Es wird weiter umgeben von Silberg, Treisberg (437 Meter) und Rückspiegel. Der Ortskern von Elmshausen liegt 235 m ü. NN, die Fläche beträgt 351,38 ha. Die Gemarkung Elmshausen grenzt an die Dautphetaler Ortsteile Buchenau, Allendorf sowie Damshausen. Im Osten grenzt sie an Kernbach und Brungershausen, Ortsteile der Gemeinde Lahntal.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elmshausen liegt im warm-gemäßigten Regenklima der mittleren Breiten. Die mittlere Tagesmitteltemperatur beträgt im Sommer ca. 16–17 °C und im Winter ca. −1–1 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt im Bereich Elmshausen ca. 700–800 mm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ersterwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Elmshausen erfolgte in den Jahren um 1200/1220, als das Stift Wetter eine Hufe und die von Hohenfels neun Hufen in Elmshausen besaßen.[1] Im Jahr 1286 verkaufte die Marburger Bürgerfamilie von Gambach ihre Güter zu Elmshausen dem Kloster Caldern.

Rittergut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rittergut Elmshausen

Das Rittergut Elmshausen war seit dem 13. Jahrhundert der Sitz der Herren von Döring. Das heutige Herrenhaus mitsamt seinen Wirtschaftsgebäuden wurde 1586 durch Alexander von Döring, Hofmeister des Landgrafen Ludwig IV. von Hessen-Marburg, errichtet. In den folgenden Jahrzehnten wechselte der Besitzer häufiger, wobei diese nicht immer verzeichnet sind. 1856 erbte Wilhelm Winter, der letzte Präsident der herzoglich-nassauischen Landesregierung in Wiesbaden, das Gut von dem großherzoglich hessischen Geheimen Rat Friedrich von Breidenbach, und nach der Annexion Nassaus durch Preußen 1866 setzte er sich dort zu Ruhe. Nach seinem Tod wurde es von seinen Neffen Wilhelm und Gustav übernommen. Sie renovierten das Gebäude umfangreich und führten den landwirtschaftlichen Betrieb weiter. Noch heute ist das Gut im Besitz der Familie Ohm-Winter. Die Landwirtschaft wurde dabei weitestgehend aufgegeben; heute beherbergt der Hof eine Reitanlage mit Unterstellmöglichkeiten für Pferde.

Das Ensemble besteht aus Stallungen und Scheunengebäuden unterschiedlicher Zeiten, die sich um einen zentralen Hof gruppieren und meist ein massives Erdgeschoss mit Fachwerkaufsätzen haben, aber zum Teil auch ganz aus Backsteinen erbaut sind. Die Anlage wird von dem stattlichen, langgestreckten Herrenhaus aus dem Jahr 1586 dominiert, das viergeschossig ist. Der Bau hat einen Gewölbekeller und einen massiven Sockel, darüber erhebt sich ein teils verputztes Fachwerk-, teils ein massives aus Natursteinen gemauertes Erdgeschoss.

Mit dem Rittergut verbunden war das Patrimonialgericht Elmshausen der Herren von Elmshausen.[1]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Elmshausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit elf weiteren Gemeinden kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Dautphetal zusammengeschlossen.[3][4] Sitz der Gemeindeverwaltung wurde der Ortsteil Dautphe. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Dautphetal wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnungeingerichtet.[5]

Territorial- und Verwaltungsgeschichte im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien, in denen Elmshausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6][7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Elmshausen 339 Einwohner. Darunter waren 6 (1,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 51 Einwohner unter 18 Jahren, 153 zwischen 18 und 49, 66 zwischen 50 und 64 und 66 Einwohner waren älter.[11] Die Einwohner lebten in 132 Haushalten. Davon waren 30 Singlehaushalte, 45 Paare ohne Kinder und 48 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 30 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 87 Haushaltungen lebten keine Senioren.[11]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Jahr 1577 sind in Elmshausen 20 Haushalte verzeichnet, somit dürften etwas über 100 Menschen im Ort gelebt haben. Für die folgenden Jahrhunderte gibt es keine nachweisbaren Zahlen. Im Jahr 1834 wird die Einwohnerzahl von Elmshausen mit 151 angegeben. Somit veränderte sich die Einwohnerzahl in knapp 250 Jahre nicht signifikant. Dies blieb auch in den darauffolgenden Jahrzehnten so, 1885 wurden 140 Einwohner gezählt, 1939 waren es 167. Einen deutlichen Anstieg gab es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Bedingt durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den osteuropäischen Gebieten stieg die Zahl auf 223 im Jahre 1946 und 273 im Jahre 1956. In den darauffolgenden Jahren stieg die Einwohnerzahl weiter auf heute 321.

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

• 1577: 20 Hausgesesse
• 1630: 4 Hausgesesse (1 dreispänniges, 3 zweispännige Ackerleute)
• 1677: 1 Freier, 6 Hausgründe, 1 Witwe, 5 ledige Personen.
• 1742: 4 Haushalte
Elmshausen: Einwohnerzahlen von 1830 bis 2018
Jahr  Einwohner
1830
  
140
1834
  
151
1840
  
154
1846
  
156
1852
  
143
1858
  
157
1864
  
140
1871
  
129
1875
  
152
1885
  
140
1895
  
125
1905
  
120
1910
  
128
1925
  
133
1939
  
167
1946
  
223
1950
  
225
1956
  
273
1961
  
295
1967
  
274
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2007
  
366
2011
  
339
2016
  
326
2018
  
318
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; nach 1970: Gemeinde Dautphetal (webarchiv); Zensus 2011[11]

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1961: Erwerbspersonen: 54 Land- und Forstwirtschaft, 77 produzierendes Gewerbe, 7 Handel und Verkehr, 2 Dienstleistungen und Sonstiges.[1]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche von Elmshausen

historische Religionszugehörigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1830: 093 evangelische, 21 jüdische Einwohner, 18 Mennoniten.
• 1885: 130 evangelische, 10 jüdische Einwohner
• 1961: 242 evangelische (= 82,03 %), 53 römisch-katholische (= 17,97 %) Einwohner

Elmshausen gehört heute zur Ev.-lutherischen Kirchengemeinde Buchenau mit Elmshausen. Durch die historische Bedeutung der Gutsherren aus Elmshausen liegt hier bis heute das Patronatsrecht bei der Familie Ohm-Winter. Deren Vorfahren waren es, die die Kapelle in Elmshausen errichten ließen, wobei sie 1895 komplett erneuert und neu eingeweiht wurde. Hier findet alle zwei Wochen der Gottesdienst statt.

Jüdische Geschichte in Elmshausen

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts lebte in Elmshausen eine kleine jüdische Gemeinde, wobei erstmals 1809 ein jüdischer Bewohner genannt wird, der zur jüdischen Gemeinde in Gladenbach gehörte. 1859 konnte eine eigenständige jüdische Gemeinde in Elmshausen und Buchenau gegründet werden. Im Jahre 1830 lebten 30 Juden in Elmshausen, 1845 waren es fünf Familien, 1859 sieben Familien mit 34 Personen.

Die jüdische Gemeinde nutzte einen Betraum in einem der Privathäuser in Elmshausen und hatte zeitweise einen eigenen Lehrer angestellt. Des Weiteren wurde ein jüdischer Friedhof oberhalb der Ortschaft angelegt.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gab es noch eine jüdische Familie in Elmshausen. Auf Grund der zunehmenden Repressalien, der Entrechtung und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts zog diese Familie nach Marburg und wollte von dort nach Brasilien emigrieren, was jedoch nicht mehr möglich war. Auch die Novemberpogrome 1938 machten vor Elmshausen nicht halt. Insgesamt neun jüdische Personen, welche in Elmshausen geborenen und/oder längere Zeit gewohnt haben, wurden in der NS-Zeit ermordet.[12]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus früheren Zeiten sind nur wenige Bürgermeister der Gemeinde Elmshausen überliefert. So wurde 1895 Carl Dietrich Schwam, 1907 Andreas Damm in dieses Amt gewählt. Der letzte Bürgermeister der Gemeinde war Heinrich Diehl.

Mit der Gemeindereform 1974 wurde ein Ortsbeirat in Elmshausen installiert, welcher aus drei Personen besteht und alle fünf Jahre gewählt wird. Dieser wiederum wählt für die Dauer der Amtsperiode des Ortsbeirates den Ortsvorsteher. Die längste Zeit, nämlich von 1974 bis 2001, war Heinrich Diehl Ortsvorsteher, seit 2001 ist dies Herbert Kreiner (ELE).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde 1962 verliehen.[13]

Blasonierung: In Gold drei schwarze Schrägrechtsbalken, von denen der mittlere mit drei silbernen Sporenrädlein belegt ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das gesellschaftliche Leben in Elmshausen wird besonders durch verschiedene Vereine getragen. So gibt es die Freiwillige Feuerwehr, welche 1932 gegründet wurde, mit eigener Jugend- und Kinderabteilung. Des Weiteren gibt es eine 1997 gegründete Burschen- und Mädchenschaft, die Grenzgangsgesellschaft Elmshausen, welche alle sieben Jahre am Grenzgang in Buchenau teilnimmt, den Vogel- und Naturschutzverein sowie den Reitverein Elmshausen mit Sitz im Rittergut.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • NDW- & Schlager-Party (erstes Wochenende im Mai)
  • Brückenfest
  • Maifeuer (am 30. April)
  • Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr
  • Kartoffelbraten auf der Schutzhütte (3. Oktober)

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der historische Ortskern weist einen regellosen Grundriss und lockere Gehöftanordnung auf. Dieser liegt rund um einen Gutshof mit Herrenhaus. Die Bebauung im Osten und Norden der Siedlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet und macht den größten Teil der bebauten Fläche aus.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es einen Kinderspielplatz, einen Bolzplatz, einen Festplatz, ein Feuerwehrhaus, das Bürgerhaus und eine Schutzhütte.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Elmshausen führt die Kreisstraße 22, über die man auf die Bundesstraße 62 gelangt. Es besteht weiterhin eine Busverbindung durch die Linie 481, welche zwischen Marburg und Biedenkopf verkehrt und Orte im Hinterland verbindet. Über den 1,5 Kilometer entfernten Bahnhof Buchenau besteht eine Verbindung zur Oberen Lahntalbahn, welche von Marburg nach Erndtebrück fährt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Elmshausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Elmshausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Ortsteile der Gemeinde: Elmshausen. In: Webauftritt. Gemeinde, abgerufen im Oktober 2021.
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 20 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 f.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 88 kB) § 7. In: Webauftritt Dautphetal. Gemeinde, abgerufen im Oktober 2021.
  6. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  7. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (google books).
  8. Die Zugehörigkeit des Amtes Biedenkopf anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  9. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 27 ff., § 40 Punkt 6d) (google books).
  10. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 415 (online bei Google Books).
  11. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 26 und 66;.
  12. Zur jüdischen Geschichte in Elmshausen und Buchenau auf Alemannia Judaica.
  13. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Elmshausen im Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 10. September 1962. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1962 Nr. 38, S. 1266, Punkt 1017 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,0 MB]).