Herzhausen (Dautphetal)

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Herzhausen
Gemeinde Dautphetal
Wappen von Herzhausen
Koordinaten: 50° 49′ 32″ N, 8° 33′ 31″ O
Höhe: 311 (300–450) m
Fläche: 7,08 km²[1]
Einwohner: 567 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35232
Vorwahl: 06468
Karte
Lage von Herzhausen in der Gemeinde Dautphetal
Ansicht von Süden – der alte Ortskern links im Tal
Ansicht von Süden – der alte Ortskern links im Tal
Ansicht von Herzhausen vom Dusenberg 1987

Herzhausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Dautphetal im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzhausen liegt im Naturraum Oberes Lahntal der Region Lahn-Dill-Bergland in Mittelhessen, ca. 20 km westlich von Marburg und 10 km östlich von Biedenkopf in der Gemeinde Dautphetal, direkt an der B 453. Herzhausen eignet sich wegen der Landschaft und des umgebenden Waldes zur Naherholung.

Gemarkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 1954 ist Herzhausen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die Größe der Gemarkung Herzhausen beträgt 709,19 Hektar. Begrenzt wird Herzhausen durch den Streichenberg im Osten, das Kellerbachtal im Norden und den Hünstein im Südwesten. Herzhausen wird von den Stadtteilen Diedenshausen, Sinkershausen, Bellnhausen, Runzhausen der Stadt Gladenbach und den Dautphetaler Ortsteilen Holzhausen am Hünstein, Mornshausen an der Dautphe, Friedensdorf und Damshausen umgeben.

Folgende Flächenanteile ergeben sich für Herzhausen:

  • Wald: ca. 380 ha
  • Ackerland: ca. 166 ha
  • Wiesen: ca. 124 ha
  • Ödland, Weide: ca. 10 ha
  • Wege, Wasser: ca. 28 ha
  • Friedhof: ca. 2 ha
  • Ortslage: ca. 13 ha

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kaltenbach entspringt im Osten von Herzhausen, in der Gemarkung Winkshausen, und der Kellerbach im Norden des Ortes. Beide Bäche sind Zuflüsse der Dautphe.

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn, beginnende im Norden, wird Herzhausen von den folgenden Bergen eingerahmt:

  • Höckerberg 341 m
  • Schweinskopf 473 m (Gemarkung Friedensdorf)
  • Streichenberg 456 m
  • Kaltenberg 449 m
  • Dusenberg 457 m
  • Hünstein 504 m (Gemarkung Holzhausen)

Bis auf den Hünstein (Bottenhorner Hochflächen) gehören alle Berge zu den Damshäuser Kuppen.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das meist bewaldete Bergland der Umgebung bietet Windschutz fast nach allen Seiten. Es bewirkt bei tief stehender Sonne eine geringe Einschränkung der Sonneneinstrahlung nach dem Wohngebiet. Die Landschaftsform ermöglicht die Ausbildung eines östlichen Windsystems, durch das abends und nachts frische Waldluft durch Berg- und Hangwinde nach der Wohnzone geführt wird.

Da Herzhausen abseits von großen Verkehrsstraßen liegt und keine Industrie vorhanden ist, herrscht reine Luft vor. Ein östliches Bergwindsystem ermöglicht außerdem auch bei windstillen Großwetterlagen ausreichenden Luftaustausch. Bei dieser Höhenlage treten im Sommer länger dauernde, belastende Hitzeperioden nur selten auf. Der Abfluss von Kaltluft dürfte zwar etwas erschwert sein, aber kaum zu länger dauernder Kaltluftstagnation führen. Dadurch ist auch die Nebelneigung verhältnismäßig gering.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Herzhausen erfolge im Jahr 1333 unter dem Namen Hertzhusin.[1]

Am 1. Juli 1974 wurde Herzhausen im Rahmen der Gebietsreform in Hessen mit 11 weiteren Gemeinden kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Dautphetal zusammengeschlossen.[3][4] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke eingerichtet.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Herzhausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 18 Hausgesesse
• 1630: 19 Hausgesesse (10 zweispännige, 3 einspännige Ackerleute, 7 Einläuftige), 1 Witwe.
• 1677: 25 Hausgründe, 2 Witwen, 13 ledige Personen.
• 1742: 41 Haushalte
Herzhausen: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2017
Jahr  Einwohner
1791
  
195
1834
  
295
1840
  
293
1846
  
293
1852
  
322
1858
  
293
1864
  
282
1871
  
250
1875
  
280
1885
  
297
1895
  
303
1905
  
278
1910
  
299
1925
  
325
1939
  
337
1946
  
490
1950
  
484
1956
  
448
1961
  
455
1967
  
505
2009
  
629
2012
  
578
2016
  
578
2017
  
567
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[8]; nach 2000: Gemeinde Dautphetal (webarchiv)

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 255 evangelische, 1 römisch-katholischer Einwohner
• 1885: 285 evangelische, keine katholikschen, 12 anderes konfessionelle christlische Einwohner
• 1961: 341 evangelische (= 74,95 %), 50 römisch-katholische (= 10,99 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1867: Erwerbspersonen: 54 Landwirtschaft
• 1961: Erwerbspersonen: 122 Land- und Forstwirtschaften, 115 produzierendes Gewerbe, 14 Handel und Verkehr, 5 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 13. Dezember 1955 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Wappen von Herzhausen (Dautphetal)
Blasonierung: „In Silber ein roter Hahnenkopf mit blauem Schnabel, beseitet von zwei roten Herzen.“[9]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat wird von Ortsvorsteher Klaus Herrmann (ELH) angeführt.

Sagen und Geschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Kellerbach, der zwischen den beiden Bergen Hoheroth und Höckerberg hindurch fließt, rankt sich die Sage vom Kellerbach Ellerchen. Es soll eine alte graue Frau gewesen sein, die allerlei Unheil anrichtete. Einmal soll sogar der Schäfer von Herzhausen seine Hunde auf die alte Frau gehetzt haben, da ließ sie ihre Macht erkennen und zerstreute die Herde in alle Winde. Der Schäfer musste sich lange bemühen, bis er seine Schafe wieder zusammen hatte. Man sagt auch, dass sie nachts kleine Kinder holen würde, wenn diese durch den Wald laufen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen und Freizeitmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Feuerwehrhaus
  • Festplatz/Sportplatz
  • Dorfgemeinschaftshaus
  • Fischteich
  • Rad- und Wanderwege
  • Schwimmbad mit angrenzendem Beachvolleyballfeld
  • Spielplatz
  • Multifunktions-Sportplatz (seit Oktober 2009)
  • Schutzhütte Ziegenberg

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Buslinie MR-40 von Gladenbach (Busbahnhof) nach Biedenkopf (Marktplatz) der Verkehrsgesellschaft ALV-Oberhessen fährt die innerörtliche Haltestelle Dorfgemeinschaftshaus (DGH) in beiden Richtungen im Zweistundentakt an.[10] Die Linie bietet in Wolfgruben über die Bushaltestelle Wolfgruben Wilhelmshütte bzw. den Bahnhaltepunkt Wilhelmshütte Anschluss an die Obere Lahntalbahn.

Etwas westlich umgeht die Bundesstraße 453 den Ort.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herzhausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Herzhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. „Einwohnerzahlen der Gemeinde Dautphetal“ im Internetauftritt der Gemeinde Dautphetal, abgerufen am 28. März 2018
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 20 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 f.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (bei google books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 415 (online bei Google Books).
  8. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 185, 269 (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Herzhausen im Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 13. Dezember 1955. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1955 Nr. 53, S. 1307, Punkt 1336 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  10. www.alv-oberhessen.de