Münchhausen (am Christenberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Münchhausen
Münchhausen (am Christenberg)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Münchhausen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 57′ N, 8° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Marburg-Biedenkopf
Höhe: 284 m ü. NHN
Fläche: 41,54 km2
Einwohner: 3429 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 83 Einwohner je km2
Postleitzahl: 35117
Vorwahlen: 06423, 06452, 06457
Kfz-Kennzeichen: MR, BID
Gemeindeschlüssel: 06 5 34 015
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marburger Straße 82
35117 Münchhausen
Webpräsenz: www.gemeinde-muenchhausen.de
Bürgermeister: Peter Funk (parteilos)
Lage der Gemeinde Münchhausen im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Münchhausen (am Christenberg) Biedenkopf Breidenbach Steffenberg Angelburg Bad Endbach Dautphetal Gladenbach Lohra Fronhausen Wetter (Hessen) Lahntal Rauschenberg Wohratal Cölbe Weimar (Lahn) Marburg Ebsdorfergrund Neustadt (Hessen) Kirchhain Amöneburg Stadtallendorf Nordrhein-Westfalen Landkreis Waldeck-Frankenberg Schwalm-Eder-Kreis Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen VogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Münchhausen befindet sich 20 Kilometer nördlich der mittelhessischen Universitätsstadt Marburg am nördlichen Rand des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie hat etwa 3400 Einwohner und entstand in ihrer jetzigen Form im Zuge der Gebietsreform in Hessen im Jahr 1974. Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt rund 41 Quadratkilometer.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Westen der Gemeinde befindet sich das Rothaargebirge. Die östliche Begrenzung des Gemeindegebietes stellt der Burgwald dar, dessen Erhebung Christenberg sich in unmittelbarer Nähe des Ortsteils Münchhausen befindet.
Der Ortsteil Münchhausen selbst sowie der Ortsteil Simtshausen befinden sich im Wetschaftstal; Wollmar liegt an der gleichnamigen Wollmar, die in Münchhausen in die Wetschaft mündet. Durch die Ortsteile Ober- und Niederasphe fließt die Asphe.

Die Gemeinde Münchhausen liegt an der Bahnstrecke Warburg–Sarnau, die hier, in ihrem Südabschnitt, „Burgwaldbahn“ genannt wird.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Münchhausen grenzt im Nordwesten an die Stadt Battenberg (Eder), im Nordosten an die Gemeinde Burgwald und die Stadt Rosenthal (alle drei im Landkreis Waldeck-Frankenberg), im Osten und Süden an die Stadt Wetter, sowie im Westen an die Stadt Biedenkopf (beide im Landkreis Marburg-Biedenkopf).

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Stand 05/2009)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon seit der Jungsteinzeit gab es in der Nähe von Münchhausen auf dem Christenberg, einem Hügel etwa zwei Kilometer östlich von Münchhausen, menschliche Aktivitäten. In der westlichen Umgebung des Plateau des Christenberges wurden Hügelgräber gefunden, die das Gräberfeld einer auf dem Christenberg befindlichen Ansiedlungen sein könnten. Zudem befand sich auf dem Plateau des Christenberges eine ehemalige keltische bzw. fränkische Festungsanlage. Die heutige Ortschaft Münchhausen wurde erstmals in einer Urkunde, die sich im Besitz des Staatsarchiv Würzburg befindet, im Jahre 1213 erwähnt. Der Name Münchhausen in dem Hausen enthalten ist, ist aber typisch für Siedlungsgründungen im Zuge der fränkischen Landnahme, die im späten 5. bis 7. Jahrhundert stattfand. Dabei geht Münch, genauso wie München, auf den Dativ Plural des althochdeutschen munih bzw. mittelhochdeutschen mün(e)ch, den Vorläufer des Wortes Mönch, zurück.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1974 schlossen sich im Rahmen der hessischen Gebietsreform die bis dato selbständigen Orte Münchhausen, Niederasphe, Simtshausen und Wollmar zur neuen Gemeinde Münchhausen zusammen. Der Ortsteil Oberasphe der Nachbarstadt Battenberg (Eder) (Landkreis Waldeck-Frankenberg) mit damals mehr als 350 Einwohnern kam hinzu.[2]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten, zu denen Münchhausen gehörte, im Überblick:[3][4]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Wetter war als Gericht in erster Instanz für Münchhausen zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[8]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Wetter 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Wetter. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Wetter. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[10]

Auch mit dem In-Kraft-Treten des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) 1877 blieb das Amtsgericht bestehen. 1943 wurde dass Amtsgericht Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg und 1946 wurde auch die Zweigstelle geschlossen. Der Bezirk des Amtsgerichts Wetter ging im Bezirk des Amtsgerichts Marburg auf.

In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[4]

  - Angaben bis 1925 jeweils mit Ober-, Mittelsimtshausen und Schlagpfütze
1502: 2 Männer
1577: 97 Hausgesesse
1630: 71 Hausgesesse (2 dreispännige, 9 zweispännige, 10 einspännige Ackerleute, 50 Einläuftige)
1681: 48 hausgesessene Mannschaften
1747: 116 Hausgesesse
1788: 703 Einwohner. Erwerbspersonen: 1 Bender, 3 Schmiede, 2 Schneider, 1 Schuhflicker, 1 Glockengießer, 1 Maurer, 3 Schreiner, 3 Wirte, 1 Wagner, 3 Zimmerleute, 2 Ziegelbrenner, 6 Müller, 4 Schäfer.
1838: 1143 Einwohner, davon 126 nutzungsberechtigte, 53 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 20 Beisassen. Familien: 112 Ackerbau, 67 Gewerbe, 20 Tagelöhner.
1861: 1004 evangelisch-lutherisch, 91 evangelisch-ref.Einwohner
1961: 1074 evangelisch, 82 römisch-katholisch Einwohner. Erwerbspersonen: 259 Land- und Forstwtrtschaft; 213 Produzierendes Gewerbe, 76 Handel und Verkehr, 52 Dienstleistungen und Sonstiges.
Münchhausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
1.047
1840
  
1.139
1846
  
1.166
1852
  
1.249
1858
  
1.149
1864
  
1.070
1871
  
946
1875
  
934
1885
  
954
1895
  
1.064
1905
  
1.088
1910
  
1.089
1925
  
1.121
1939
  
888
1946
  
1.266
1950
  
1.269
1956
  
1.198
1961
  
1.161
1967
  
1.196
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[11] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[12][13]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
   
Von 23 Sitzen entfallen auf:
  • SPD: 11
  • UGL: 3
  • CDU: 9
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 47,4 11 46,3 11 41,6 10 40,8 10
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 40,0 9 43,7 10 49,2 11 45,0 10
UGL Unabhängige Grüne Liste 12,5 3 10,0 2 9,2 2 5,9 1
BLN Bürgerliste Niederasphe 8,2 2
Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 58,7 57,2 55,7 65,3

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der hessischen Kommunalverfassung ist der Bürgermeister Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Münchhausen neben dem Bürgermeister sechs ehrenamtliche Beigeordnete angehören. Bürgermeister ist seit 1. März 1999 der parteilose Peter Funk.[14][15][16]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde zeigt im roten Schild eine silberne (weiße), in ein getatztes Kreuz auslaufende Spitze, die mit einem schwarzen, fünfspeichigen Rad belegt ist. Das Kreuz im Wappen symbolisiert den Christenberg mit seiner mittelalterlichen Kirche, das Rad verweist mit seinen fünf Speichen auf die fünf Ortsteile der Gemeinde. Es erinnert an die frühere Zugehörigkeit zu Kurmainz, und ist über weite Teile des früheren Kurmainzer Territoriums verbreitet (Mainzer Rad).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2015 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 403.
  3. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  4. a b Münchhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 4. Mai 2017)
  5. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 389 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 123 (online bei Google Books).
  7. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  8. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  11. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  12. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  13. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  14. Hessisches Statistisches Landesamt: Direktwahlen in Münchhausen
  15. Gemeinde Münchhausen: Bürgermeisterwahlen 2016 - Wahltag und Stichwahltag abgerufen am 18. September 2016
  16. Oberhessische Presse vom 14. September 2016: Funk besiegt Mengel – Apell im Amt bestätigt abgerufen am 18. September 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Münchhausen (am Christenberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien