Bahnhof Marburg (Lahn)

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Marburg (Lahn)
Bahnhof Marburg 01.jpg
Bahnhofsgebäude 2016
Daten
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 6
Abkürzung FMBG (Bf), FMBG1 (ESt)
IBNR 8000337
Preisklasse 3
Eröffnung 1850
Profil auf Bahnhof.de Marburg(Lahn)-1028074
Architektonische Daten
Baustil Neobarock
Architekt Alois Holtmeyer
Lage
Stadt/Gemeinde Marburg
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 49′ 12″ N, 8° 46′ 30″ OKoordinaten: 50° 49′ 12″ N, 8° 46′ 30″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Hessen
i16i16i18

Der Bahnhof Marburg (Lahn) liegt an Streckenkilometer 104,3 der Main-Weser-Bahn im Nordosten Marburgs und wird täglich von etwa 12.000 Menschen frequentiert.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offiziell trägt der Bahnhof die Bezeichnung Marburg (Lahn). Analog zur Bezeichnung Marburg Südbahnhof für den Haltepunkt Marburg Süd wird jedoch die innerörtliche Benennung Marburg Hauptbahnhof häufiger verwendet. Von seiner Eröffnung 1850 bis zur Eröffnung des Südbahnhofs 1897 trug der Bahnhof die Bezeichnung Marburg/Lahn. Er war dann bis zur Stilllegung der Marburger Kreisbahn und dem damit verbundenen Rückbau des Südbahnhofes zum Haltepunkt 2005 Hauptbahnhof. Daher hat sich dieser Name erhalten. Den Namen Hauptbahnhof trägt auch der Busbahnhof am Marburger Bahnhof.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsgebäude 2008, vor der Umgestaltung

Der Bahnhof wurde mit dem Bau der Main-Weser-Bahn 1850 fertiggestellt und kam aufgrund der Streckenführung außerhalb des bebauten Gebiets der Stadt auf der anderen Seite der Lahn zu liegen.[2] Aufgrund seiner Lage auf halber Strecke zwischen Frankfurt und Kassel, kam ihm betrieblich eine besondere Bedeutung zu, wurden hier doch die damals notwendigen Lokwechsel durchgeführt, um möglichst kurze Fahrzeiten zu erhalten, ohne auf das erneute Bunkern von Wasser und Kohle der Lokomotive warten zu müssen. Um diesem zu erwartendem hohen Verkehrsaufkommen begegnen zu können, wurden die Bahnanlagen des Bahnhofs mit Güterschuppen und vierständigem Lokschuppen mit Drehscheibe und eigener Werkstatt von Anfang an üppig gestaltet. Nachdem 1856 die Strecken von Kassel nach Hannover fertiggestellt wurde, verkehrten auch Züge in Richtung Bremen, Hamburg und Magdeburg, sowie bis 1868 Züge nach Berlin. Mit dem Bau zusätzlicher Strecken in der Nähe von Marburg (1883 Kreuztal - Cölbe, 1890 Sarnau - Frankenberg/Eder, 1894 Niederwalgern - Herborn, 1914 Kirchhain - Gemünden/Wohra) verkehrten Lokomotiven des Betriebswerkes (Bw) Marburg auch zunehmend auf diesen Strecken, was eine Vergrößerung des Maschinenparks und der notwendigen Bahnanlagen zur Folge hatte, wie sie bis zur Schließung des Bws 1989 vorhanden waren.[3]

Seit 1903 endete am Bahnhof die Straßenbahn Marburg. Zunächst handelte es sich dabei um eine Pferdebahn, die 1911 auf elektrischen Betrieb umgerüstet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied man sich gegen einen Weiterbetrieb und die Straßenbahn stellte 1951 ihren Betrieb ein. Kurze Zeit später wurde der Oberleitungsbus Marburg, der die Straßenbahn ersetzte, eröffnet. Dieser wurde schließlich 1968 auch eingestellt.

1945 wurde der Bahnhof mehrmals von Luftangriffen und abgeworfenen Bomben schwer beschädigt bzw. teilweise völlig zerstört. Hauptziel waren hierbei die durchgehenden Hauptgleise, sowie das Betriebswerk. Trotzdem konnte bis zum Eintreffen von amerikanischen Streitkräften am 28. März 1945 ein notdürftiger Zugverkehr aufrechterhalten werden.

Am 20. März 1967 wurde der Bahnhof elektrifiziert und die Bahnanlagen modernisiert. Hierbei wurde auch das 1969 fertiggestellte Drucktastenstellwerk in Betrieb genommen. Es ersetzte die beiden mechanischen Stellwerke im Bahnhof und ist bis heute in Betrieb.[3][4]

Umgestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude, Verkehrsstation und Bahnhofsumfeld wurden von 2009 bis 2015 für insgesamt elf Millionen Euro umgestaltet. Unter anderem wurde der Bahnhofsvorplatz dadurch verkehrsberuhigt und erreicht, dass der Verkehr zwischen Innenstadt und Neuer Kasseler Straße nicht mehr direkt vor dem Bahnhofsgebäude vorbeifließt, sondern die Ernst-Giller-Straße nutzt. In den Obergeschossen des Bahnhofs entstanden Dienstleistungseinrichtungen. Die Bauarbeiten am Empfangsgebäude begannen am 3. Dezember 2009 und sollten Ende 2011 abgeschlossen sein. Im Oktober 2010 erfolgte der erste Spatenstich für die Arbeiten am Bahnhofsvorplatz, wo im ersten Bauabschnitt bis Ende 2011 zunächst die anliegende Verkehrsführung geändert wurde. Der Abschluss des Gesamtprojekts erfolgte im Frühjahr 2015, die offizielle Einweihung fand am 22. Mai statt.

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof wurde im August 2015 von der Allianz pro Schiene als Bahnhof des Jahres 2015 ausgezeichnet.[5]

Hochbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Empfangsgebäude, eröffnet 1850, stammte von Julius Eugen Ruhl. Es war damals das größte Empfangsgebäude in Kurhessen.[6] 1907 wurde es im Zuge einer Erweiterung des Bahnhofs durch ein von dem Architekten Alois Holtmeyer entworfenes Gebäude ersetzt. Nachdem dieses im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, wurde seine äußere neobarocke Form nach Kriegsende weitgehend wiederhergestellt.

Moderne Anzeigetafel

2004 wurde der Bahnhof mit digitalen Anzeigetafeln an den Bahnsteigen sowie im Empfangsgebäude versehen und zum rauchfreien Bahnhof erklärt. Ab 2011 wurde der Bahnhof umfassend renoviert.[7]

Das Empfangsgebäude und die übrigen Hochbauten des Bahnhofs sind heute überwiegend Kulturdenkmäler nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Bahnbetriebswerk Marburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im südöstlichen Bahnhofsbereich lag das ehemalige Bahnbetriebswerk. Es wurde 1850 zusammen mit dem Empfangsgebäude erbaut und umfasste eine Reparatur-Werkstatt, sowie einen vierständigen Lokschuppen. In den 1890er Jahren wurde das Betriebswerk umfassend vergrößert, um dem gesteigerten Bedarf gerecht zu werden.

Dazu zählten ein in Backsteinbauweise errichteter achtzehn ständiger Ringlokschuppen mit Drehscheibe, die angeschlossene Lok-Werkstatt, eine Wagenreparatur-Werkstatt, ein Kohlenlager, eine Betriebsküche und weitere Nebengebäude die heute noch vorhanden sind. Die ehemalige Wagenhalle wird heute als Kulturzentrum genutzt.

Am 30. Mai 1960, sieben Jahre vor der Elektrifizierung der Main-Weser-Bahn wurde die letzte Dampflok nach Fulda abgegeben. Bis 1967 wurde der Betrieb mit Diesellokomotiven und Triebwagen durchgeführt. Trotzdem wurden bis zur Elektrifizierung weiterhin Dampfloks anderer Dienststellen beherbergt und mit Kohle und Wasser versorgt.

Am 1. Oktober 1983 wird das Bw Marburg aufgelöst und dem Bw Gießen als Außenstelle untergeordnet, exakt 6 Jahre später, am 1. Oktober 1989 wird das Bw aufgelöst.[3]

Anzahl der in Marburg beheimateten Lokomotiven und Kleinloks
1912 1919 1933 1944 1945 1950 1952 1957 1959 1963 1965 1976 1983 1988 1989
BR P4 7
BR 24 2
BR 38 3 10 9 9 7 9 10 10 8
BR 41 18 9 8
BR 50 10 32 7 3
BR 52 11 1
BR 55 8 2
BR 57 2 23 11 1
BR 86 4 7 8
BR 89 1
BR 91 2 2 10 9 7 8 6 5 2
BR 92 1
BR 93 5 5 8 7 8 6 7 7
BR 94 2
BR 211/212 21 17
BR 260/360 3 6 5 1 1
BR 265 15 15
BR 323 2
BR 332/333 3 2
BR 701 1 1
BR 795 2 5 5 5 4 3
BR 796 2
BR 798 3 4 9 9 12 18 7 4
BR VT 70.9 1
Gesamtbestand 15 37 38 45 68 51 38 60 52 41 35 16 19 13 9

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Marburg wird von der DB Station&Service betreut und in der Preisklasse 3 eingestuft.

Da Marburg Sitz der Blista ist, sind im Bahnhofsbereich Orientierungspläne für Sehbehinderte vorhanden.[8]

Der Bahnhof wird von verschiedenen Stadtbuslinien des Nahverkehrs der Stadt Marburg angefahren. Zudem ist der dortige Busbahnhof Start- und Endpunkt für zahlreiche Linien im Regionalbusverkehr.

Nordöstlich des Personenbahnhofs liegt ein stillgelegter Güterbahnhof, der aus einer kleinen Rangieranlage (Ablaufberg mit vier kurzen Rangiergleisen) und den nördlich davon gelegenen ehemaligen Ladegleisen bestand.

Gleise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleise und Überführung

Der Bahnhof besitzt sechs Bahnsteiggleise. An den Gleisen 4 und 5 halten die durchgehend über die Main-Weser-Bahn verkehrenden Züge, an den Gleisen 1, 2 und 8 die Züge der Burgwaldbahn, die von Marburg nach Frankenberg (Eder) führt und der Oberen Lahntalbahn nach Erndtebrück. Das Gleis 1a wird speziell für Züge genutzt, die in Marburg beginnen und in Richtung Gießen/Frankfurt fahren.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er Jahren hielt der IC-Zug Herkules (Kassel – München) in Tagesrandlage in Marburg. 2002 wurde die Interregio-Verbindung auf der Main-Weser-Bahn (Linie 19) in Intercity umklassifiziert; 2018 in ICE. Seitdem ist Marburg ICE-Systemhalt für die Relation Karlsruhe–Stralsund auf der Linie 26. Der Bahnhof wird im 2-Stunden-Takt bedient, zudem gibt es eine Intercity-Direktverbindung nach Westerland (Sylt) sowie einzelne Verstärkerleistungen im Wochenendverkehr.

Linie Strecke Taktfrequenz
ICE 26 (Stralsund –) Hamburg – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Marburg – Friedberg – Frankfurt – Heidelberg – Karlsruhe Zweistundentakt
IC 26 Karlsruhe – Darmstadt – Frankfurt – Friedberg – Marburg – Kassel-Wilhelmshöhe – Hannover – Celle – Hamburg – Westerland So, ein Zugpaar

(Stand 2019)

Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Main-Weser-Bahn wird der Bahnhof im Nahverkehr vom Regional-Express der Linien RE 30 und RE 98 Frankfurt HbfTreysa/Kassel Hbf (Main-Weser-Express/Mittelhessen-Express) bedient. Der Bahnhof ist weiter Anfangs- und Endbahnhof von Oberer Lahntalbahn und Burgwaldbahn, die beide in Cölbe von der Main-Weser-Bahn abzweigen. Des Weiteren beginnen bzw. enden einige Regionalbahnen aus Gießen sowie einzelne Regional-Express-Züge aus Frankfurt in Marburg. Die Aar-Salzböde-Bahn fuhr nur zeitweise bis Marburg, meist endete sie bereits im Abzweigbahnhof Niederwalgern. Seit Dezember 2010 verkehrt auch die Hessische Landesbahn von Marburg nach Frankfurt.

Linien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linien
Stadtallendorf Fern ICE 26
ICE-Linie
Gießen
Kirchhain (Bz Kassel) Regional RE 30/98
Main-Weser-Express, Main-Sieg-Express
Gießen
Cölbe Regional RB 41
Mittelhessen-Express
Marburg Süd
Cölbe Regional RB 94
Obere Lahntalbahn
Ende
Cölbe Regional RB/RE 97
Burgwaldbahn
Ende

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eisenbahn in Hessen. Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Theiss Verlag, Stuttgart 2005, 3 Bände im Schuber, 1.448 S., ISBN 3-8062-1917-6.
  • Eisenbahnatlas Deutschland. Ausgabe 2009/2010. Schweers + Wall, o. O. 2009, ISBN 978-3-89494-139-0.
  • Ulrich Klein (Redaktion): Die Stadt und ihr Bahnhof. Zur Entwicklung des Schienenverkehrs und des Marburger Bahnhofsviertels = Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur 103. Marburg 2015. ISBN 978-3-942487-04-7, darin:
    • Ulrich Hussong: „Kein Champagnerbahnhof“. Der Streit um den besten Standort, S. 40–108.
    • Ulrich Klein: Baugeschichte der Marburger Bahnhofsgebäude, S. 109–157.
    • Roland Meuschke: Die Modernisierung der Verkehrsfunktion des Marburger Hauptbahnhofs, S. 309–329.
    • Lutz Münzer: Bahnhof Marburg, sein Verkehr, der Betrieb und seine Anlagen, S. 158–298.
    • Manfred Schmidt: Das Wagonhalle-Areal. Kulturbetrieb im ehemaligen Bahnbetriebswerk, S. 390–398.
  • Siegfried Lohr: Planungen und Bauten des Kasseler Baumeisters Julius Eugen Ruhl 1796 – 1871. Ein Beitrag zur Baugeschichte Kassels und Kurhessens im 19. Jahrhundert = Kunst in Hessen und am Mittelrhein, Beiheft 23, Darmstadt 1984.
  • Andreas Müller: 150 Jahre Eisenbahn in Marburg: Impulse der Stadtentwicklung. 2001, ISBN 3-923820-71-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnhof Marburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Müller: 150 Jahre Eisenbahn in Marburg. Impulse der Stadtentwicklung. In: [Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur, Band 71]. Rathaus-Verlag, Marburg 2001.
  2. Das führte zu dem Spitznamen „Champagner-Bahnhof“, weil angeblich einige von dieser Lage profitierende Grundeigentümer die für den Bahnbau maßgeblichen Personen bei einem Sektfrühstück überredet haben sollen, den Bahnhof entsprechend zu positionieren. Die Anekdote wird von Hussong: „Kein Champagnerbahnhof“, gründlich untersucht und widerlegt.
  3. a b c Matthias Fuhrmann: Bahnbetriebswerk Marburg(Lahn). In: Matthias Fuhrmann (Hrsg.): Deutsche Bahnbetriebswerke. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1994.
  4. www.stellwerke.de - Liste Deutscher Stellwerke. Abgerufen am 22. Februar 2021.
  5. Marburg und Obstfelderschmiede/Lichtenhain sind Bahnhof des Jahres 2015. In: Allianz pro Schiene. Abgerufen am 26. August 2015.
  6. Siegfried Lohr: Planungen und Bauten des Kasseler Baumeisters Julius Eugen Ruhl 1796–1871. Ein Beitrag zur Baugeschichte Kassels und Kurhessens im 19. Jahrhundert. Masch. Diss. Darmstadt [1982], S. 353–356.
  7. Bahnhofs-Umbau dauert bis Ende 2014. (Memento vom 21. Dezember 2014 im Internet Archive) In: Oberhessische Presse, 13. April 2013.
  8. Marburg (Lahn) auf oepnv-info.de, abgerufen am 8. April 2022.