Eva Cassidy

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Eva Marie Cassidy (* 2. Februar 1963 in Washington, D.C.; † 2. November 1996 in Bowie, Maryland) war eine amerikanische Sängerin und Gitarristin. Sie wurde weltberühmt für ihre massgebenden Interpretationen klassischer Stücke des Jazz, Blues, Soul und Gospel sowie der Folk-, Rock- und Popmusik. Sie starb bereits kurz nach der Veröffentlichung ihres ersten Soloalbums und erst einige Jahre später wurden die von ihr hinterlassenen Aufnahmen weltweit bekannt und sehr erfolgreich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eva Cassidy kam am 2. Februar 1963 im Washington Hospital Center als drittes von vier Geschwistern zur Welt. Sie hatte zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Ihr Vater Hugh war nach seinem Militärdienst in Rheinland-Pfalz mit seiner deutschen Freundin Barbara in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt. Sie ließen sich in Maryland nieder, im Außenbezirk der Hauptstadt Washington, erst in Oxon Hill, später in Bowie. Hugh Cassidy trat als Lehrer in den Schuldienst ein, Barbara Cassidy arbeitete als Floristin in einem Gartenbaubetrieb.

Eva Cassidy zeigte schon früh Interesse an Kunst und Musik. Mit etwa fünf Jahren fing sie an zu malen, zu zeichnen und zu basteln und blieb dabei bis zu ihrem frühen Tod. Im Alter von neun Jahren bekam sie von ihrem Vater etwas Gitarrenunterricht. Von da an begleitete sie die Hausmusik der Familie mit Gesang und Gitarre und trat schon bald bei einigen kleineren Anlässen auch öffentlich auf. Die große Plattensammlung ihrer Eltern wurde für sie zu einer bedeutenden Musikquelle, mit der sie leidenschaftlich ihre praktischen Fähigkeiten immer weiter entwickelte, denn sie wollte ihre zahlreichen Lieblingsstücke nicht nur hören, sondern auch singen und spielen.

Eva Cassidy beendete ihre schulische Laufbahn 1981 mit dem Abschluss an der Bowie High School. Sie schrieb sich zwar noch für ein Kunststudium am Prince George’s Community College ein, gab dieses jedoch nach kurzer Zeit wieder auf. Eine folgende Zusage des California Institute of the Arts musste sie aus finanziellen Gründen ausschlagen. Danach arbeitete sie neben ihren zahlreichen musikalischen Aktivitäten, die nicht genug Geld einbrachten, in verschiedenen Gelegenheitsjobs, insbesondere viele Jahre in einem Gartenbaubetrieb in Beltsville.

Ihr letzter Job gemeinsam mit einer Freundin war im Sommer 1996 eine Wandmalerei in einer Grundschule. Danach bekam sie Schmerzen an der Hüfte, die sie auf die Arbeit mit der Klappleiter zurückführte. Eine Röntgenuntersuchung ergab schließlich einen Bruch im Becken. Dieser war verursacht worden durch einen Krebs (Malignes Melanom), der sich bis in die Knochen ausgebreitet hatte. Auch eine starke Chemotherapie konnte ihn nicht mehr aufhalten und Eva Cassidy erlag ihrem Leiden schon Anfang November 1996 im Alter von 33 Jahren.

Werdegang und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angeregt durch das Musizieren zuhause und bei kleineren Gelegenheiten trat Eva Cassidy 1974 der lokalen Band Early Street bei. Sie spielten Folkmusik auf Hochzeiten, Strassenfesten und in Cafes. Eva Cassidy war die Sängerin und tat sich aufgrund ihrer Schüchternheit gegenüber Fremden, die sie auch später nie ganz verlor, etwas schwer damit. Später auf der High School war sie Sängerin der Schülerrockband Stonehenge. Gelegentlich trat sie auch mit ihrem Bruder Dan(iel) auf, der Geige spielte und später auch Musiker wurde.

Für den ehemaligen Gitarristen von Stonehenge übernahm sie 1986 auf dessen CD Method Actor den Gesang und gestaltete auch den Umschlag. Bei der Produktion im Black Pond Studio in Rockville wurde dessen Besitzer, der Tontechniker und Bassist Chris Biondo, auf ihre Stimme und Begabung aufmerksam. In den folgenden Jahren verschaffte er ihr immer wieder Arbeit als Hintergrundsängerin bei Produktionen in seinem Studio (ihr größter Traum war Singen für Stevie Wonder), vermittelte ihr einen Musikmanager und überredete sie schließlich zur Gründung der Eva Cassidy Band : Eva Cassidy (Gesang, Gitarre), Chris Biondo (Bassgitarre), Keith Grimes (E-Gitarre), Lenny Williams (Klavier) und Raice McLeod (Schlagzeug). Sie absolvierten zahlreiche regionale Auftritte, meistens bei Veranstaltungen und in Clubs, wie z.B. dem Fleetwoods in Annapolis (Maryland), das von Mick Fleetwood, dem Schlagzeuger von Fleetwood Mac, betrieben wurde.

Die meisten existierenden Aufnahmen von Eva Cassidy wurden mit dieser Band eingespielt oder sind andere Aufnahmen aus dem Black Pond Studio. So auch die Zusammenarbeit von Eva Cassidy mit Chuck Brown, aus der 1992 die CD The Other Side hervorging. Cassidy nahm dabei jetzt immer wieder mit eigenen Arrangements und Vorschlägen entscheidenden Einfluss auf die Produktionen.

1993 erhielt Eva Cassidy von der Washington Area Music Association (WAMA) den Preis in der Kategorie Beste Sängerin für Jazz/Traditional, 1994 bekam sie diesen noch einmal und den als Beste Sängerin für Roots Rock/Traditional R&B. 1995 wurde sie wieder als Beste Sängerin Jazz/Traditional ausgezeichnet und dazu als Beste Sängerin Jazz/Contemporary.

Alle Versuche Eva Cassidy im Musikgeschäft zu etablieren schlugen hingegen fehl. Sie wollte nicht „diesen kommerziellen Scheissdreck“ (“that commercial crap”) singen und weigerte sich außerdem vehement auf eine Stilrichtung festgelegt zu werden. Das war für das gewöhnliche Marketing jener Zeit ein großes Problem, aber so schwach ihr Ehrgeiz war, so stark war ihre Integrität. Ein trotzdem von einem Produzenten in Aussicht gestellter Vertrag scheiterte an dessen Bankrott.

Daraufhin entschied sich die Eva Cassidy Band mit den bescheidenen eigenen Mitteln einfach selbst ein Album zu produzieren. Anfang Januar 1996 wurde dafür ein Auftritt im berühmten Washingtoner Jazzclub Blues Alley organisiert, mitgeschnitten und als CD Live at Blues Alley im Eigenverlag („Eva Music“) herausgebracht. Sowohl der Auftritt selbst als auch die CD (ca. 1000 Stück) kamen sehr gut an, die WAMA überhäufte sie mit 9 Auszeichnungen.

Nach Cassidys Krebsdiagnose veranstalteten Freunde und Musiker im Herbst 1996 in Washington ein Benefizkonzert, um Geld zu sammeln für ihre ärztliche Behandlung. Dort verabschiedete sich die inzwischen schwerkranke Eva Cassidy am Ende der Vorstellung von ihrem Publikum mit What a Wonderful World, einem ihrer geliebten Standards. Wenig später stellte sie das gesammelte Geld anderen Patienten zur Verfügung.

Ebenfalls im Herbst 1996 schickte eine gute Freundin, die Folksängerin Grace Griffith, eine Aufnahme von Live at Blues Alley mit dringender Empfehlung an Bill Straw, den Manager der Plattenfirma, bei der sie selbst unter Vertrag war. Straw war sofort begeistert und ging schließlich tatsächlich das Risiko ein, eine nicht nur praktisch unbekannte, sondern auch inzwischen verstorbene Musikerin zu veröffentlichen, als er 1998 die CD Songbird herausbrachte.

Songbird wurde nur langsam bekannt, dafür aber jetzt landesweit und in Großbritannien, wo Straw einen Geschäftspartner hatte. So wurde 2000 auch der britische Produzent Paul Walters auf die CD aufmerksam und empfahl sie seinem Kollegen Terry Wogan für dessen Morgensendung Wake up to Wogan auf BBC Radio 2. Der spielte zwei der Titel -Over the Rainbow sowie Fields of Gold- und erlebte daraufhin eine ausgesprochen stürmische Reaktion seiner großen Zuhörerschaft. Innerhalb weniger Monate waren in Großbritannien über 100.000 CDs verkauft.

Angesichts dieses Erfolges sendete vor Weihnachten desselben Jahres das BBC-Fernsehen in Top of the Pops 2 eine Amateurvideoaufnahme mit Over the Rainbow von Cassidys Auftritt im Jazzclub Blues Alley. Die Zuschauerreaktionen waren wieder überwältigend und die Nachfrage nach Songbird explodierte, so dass die CD 2001 schließlich Nummer Eins in den Charts wurde (wie auch die folgenden Alben Imagine 2002 und American Tune 2003).

Dieser Durchbruch in Großbritannien war nicht nur nachhaltig, sondern wirkte auch stark auf die Vereinigten Staaten zurück und in andere Länder. So schaffte es Songbird 2001 in Deutschland ebenfalls in die Charts, es war 22 Wochen unter den ersten 100 und kam dabei bis Platz 7. Nach weiteren Alben mit den hinterlassenen Aufnahmen hat der Absatz insgesamt und weltweit die 12 Millionen nun überschritten (2016).

Eva Cassidy wurde bisher -abgesehen von der WAMA- nicht offiziell geehrt. Es gab aber sehr viel Lob und Anerkennung von Kritikern und Musikern, wie z.B. von Sting der Fields of Gold geschrieben hat und von Katie Melua, einem großen Fan, die 2007 What a Wonderful World im Duett mit Cassidys Stimme als Single herausbrachte und damit ebenfalls die Charts in Großbritannien stürmte.

Grace Griffith erinnerte sich einmal an ihre Eindrücke, als sie Eva Cassidy zum ersten Mal auf der Bühne erlebte, viele Fans haben das später ganz ähnlich empfunden (vgl.www.evacassidy.org/Guestbook): She totally blew me away. All the colors of the rainbow, all life’s palette of beauty and sadness and sweet passion and eternity. - It was all there in that voice that came from the heart and those hands. (Sie haute mich vollkommen um. Alle die Farben des Regenbogens, die ganze Palette des Lebens von Schönheit und Traurigkeit und süsser Leidenschaft und Ewigkeit. - Es war alles dort in der Stimme, die von Herzen kam, und in jenen Händen.)

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soloalben

Jahr Titel Chartplatzierungen Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1996 Live at Blues Alley - - - 86
(5 Wo.)
- Album of the Year (WAMA)
1997 Eva by Heart - - - 95
(1 Wo.)
-
1998 Songbird 7
(22 Wo.)
- 2
(16 Wo.)
1
(156 Wo.)
- Kompilation / Album of the Year (WAMA)
2000 Time After Time - - - 25
(23 Wo.)
161
(1 Wo.)
2002 Imagine 39
(4 Wo.)
- 38
(6 Wo.)
1
(24 Wo.)
32
(3 Wo.)
2003 American Tune 85
(1 Wo.)
- 75
(2 Wo.)
1
(12 Wo.)
112
(1 Wo.)
2004 Wonderful World - - - 11
(7 Wo.)
- Kompilation
2008 Somewhere - - - 4
(11 Wo.)
136
(2 Wo.)
2010 Simply Eva - - - 4
(24 Wo.)
-
2012 The Best of Eva Cassidy - 26
(7 Wo.)
- 22
(25 Wo.)
- Kompilation
2015 Nightbird 99
(1 Wo.)
- - 17
(8 Wo.)
-

Weitere Alben

  • 1985: Method Actor (mit David Christopher)
  • 1992: The Other Side (mit Chuck Brown)
  • 1994: Goodbye Manhattan (2 Songs mit Pieces of a Dream)
  • 2001: No Boundaries (mit David Christopher und Tony Taylor)

Singles

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rob Burley, Jonathan Maitland: Eva Cassidy: Songbird – Her Story By Those Who Knew Her. Orion, o.O. 2001, ISBN 0-7528-5105-5
  • Johan Bakker: Behind the Rainbow, the tragic life of Eva Cassidy (2012) Omnibus Press, 207 pages, ISBN 978-1-78038-231-9 (The People’s Book Prize 2011/2012)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]