Fislisbach

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Fislisbach
Wappen von Fislisbach
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Badenw
BFS-Nr.: 4027i1f3f4
Postleitzahl: 5442
Koordinaten: 664338 / 254332Koordinaten: 47° 26′ 12″ N, 8° 17′ 29″ O; CH1903: 664338 / 254332
Höhe: 426 m ü. M.
Fläche: 5,05 km²
Einwohner: 5518 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 1093 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
25,2 % (31. Dezember 2016)[2]
Website: www.fislisbach.ch
Fislisbach vom Boll aus gesehen

Fislisbach vom Boll aus gesehen

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Fislisbach (schweizerdeutsch: ˈfɪʓliʃˌpɑχ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt rund vier Kilometer südlich des Bezirkshauptorts.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt am Rande des Reusstals, etwa drei Kilometer östlich des Flusses. Das Dorfzentrum ist in eine Mulde zwischen den zwei bewaldeten Hügeln Hiltiberg (470 m ü. M.) und Buechberg (468 m ü. M.) eingebettet. Die Hügel bilden eine von Norden nach Süden verlaufende Moräne, die Ende der letzten Eiszeit beim Rückzug des Reussgletschers entstanden ist und ein schmales Seitental abgrenzt. Östlich dieses Tals, das von Dättwil bis nach Niederrohrdorf reicht, steigt das Gelände zum Oberhau (619 m ü. M.) an, einem Teil der Heitersberg-Kette. Die moderne Bebauung der letzten Jahrzehnte befindet sich in der flachen Ebene westlich der Moräne.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 505 Hektaren, davon sind 154 Hektaren bewaldet und 130 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 619 Metern im Gebiet Oberhau, einem Teil der Heitersberg-Kette, der tiefste auf 408 Metern in der Ebene südwestlich des Dorfes.

Nachbargemeinden sind Baden im Norden, Neuenhof und Oberrohrdorf im Osten, Niederrohrdorf und Mellingen im Süden sowie Birmenstorf im Nordwesten. Ausserdem grenzt Fislisbach im Westen an die Exklave Rütihof der Gemeinde Baden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fislisbach ist aus einer alemannischen Siedlung entstanden. Im Jahr 1184 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Vicelisbach, als Papst Lucius III. die Besitztümer des Klosters Engelberg bestätigte. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Fizilinesbah und bedeutet «Bach des Fizilin».[3] 1228 und 1264 erwarb das Kloster Wettingen ebenfalls Grundbesitz. Ab 1276 teilten sich die beiden Klöster die niedere Gerichtsbarkeit, die Landesherrschaft lag bei den Habsburgern. Im 15. Jahrhundert gingen die Lehnsrechte an das Agnesspital in Baden über.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Fislisbach war nun Teil des Amtes Birmenstorf in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. 1522 führte Pfarrer Urban Wyss, ein Freund von Huldrych Zwingli, die Reformation ein. Dies verursachte einen Tumult, der einer der Auslöser der Zürcher Disputationen von 1523 war. Nach dem Zweiten Kappelerkrieg im Jahr 1531 wurde das Dorf rekatholisiert.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Fislisbach wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. Am 30. März 1848 zerstörte ein Grossbrand 31 Wohnhäuser. Bis Ende 1849 wurde das Dorfzentrum völlig neu aufgebaut und erhielt eine lockere Bebauung. Da die Gemeinde sich nur wenig an der Nationalbahn beteiligt hatte, erhielt sie 1877 keinen Bahnhof an der Bahnstrecke Zofingen–Wettingen. Die Nähe der Industriestadt Baden führte nach 1900 zu einem hohen Anteil der Erwerbstätigen im industriellen Sektor und zu grösseren Wachstumsschüben in den 1920er und 1960er Jahren.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen des Dorfbrandes von 1848 ist kaum ältere Bausubstanz erhalten geblieben. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Hotel «Linde» (ehemalige Zehntenscheune) das bis zum 18. Jahrhundert zurückreicht. Das Ortsmuseum zeigt eine Dauerausstellung über das Dorfleben und die Feuerwehr.[5]

Pfarrkirche St. Agatha

Die erstmalige urkundliche Erwähnung der Pfarrkirche St. Agatha erfolgte im Jahr 1184. Das während Jahrhunderten bestehende Kirchengebäude wurde 1828 abgerissen. Daraufhin entstand ein klassizistischer Neubau nach den Plänen des Architekten Fidel Obrist, der im November 1829 fertiggestellt werden konnte. Die Kirche ist das einzige vollständig erhalten gebliebene Bauwerk aus der Zeit vor dem Dorfbrand. Am 13. Juni 1968 stellte der Bundesrat sie unter Denkmalschutz. 1969 folgte eine Innen-, 1989 eine Aussenrenovation.[6][7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau getatztes weisses Doppelkreuz mit dreigespitztem Fuss.» Das 1925 eingeführte Wappen entspricht dem Siegelbild von Königin Agnes von Ungarn, der Stifterin des Spitals in Baden. Dieses hatte während Jahrhunderten das Patronat der Fislisbacher Pfarrkirche inne.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[9]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 342 685 676 1261 1334 1774 3370 3860 4491 4975 5257

Am 31. Dezember 2016 lebten 5518 Menschen in Fislisbach, der Ausländeranteil betrug 25,2 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 53,7 % der Bevölkerung römisch-katholisch, 26,1 % reformiert, 1,8 % christlich-orthodox und 3,6 % muslimisch; 1,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 86,9 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,8 % Italienisch, 1,6 % Serbokroatisch, 1,3 % Albanisch, 1,2 % Englisch, 1,0 % Türkisch.[11]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Fislisbach gehört zum Friedensrichterkreis Rohrdorf.

Seit dem 12. April 2003 ist Fislisbach die Partnergemeinde von Le Chambon-sur-Lignon in Frankreich.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fislisbach, historisches Luftbild von 1920, aufgenommen aus 300 Metern Höhe von Walter Mittelholzer
Fislisbach vom Buechberg aus

In Fislisbach gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1100 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 17 % in der Industrie und 81 % im Dienstleistungssektor.[12] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der nahe gelegenen Stadt Baden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Fislisbach verzweigen sich fünf Postautolinien, die vom Bahnhof Baden aus nach Berikon-Widen, Bremgarten, Mägenwil und Mellingen führen. Etwa 1,5 Kilometer südwestlich des Dorfes, am Westportal des Heitersbergtunnels, wurde am 12. Dezember 2004 die Station Mellingen Heitersberg der S-Bahn Zürich eröffnet. Von dort aus führt eine weitere Postautolinie über Oberrohrdorf und Fislisbach zum Kantonsspital in Dättwil. Der Autobahnanschluss Baden-West der A1 liegt knapp drei Kilometer nördlich des Dorfzentrums.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schulangebot von Fislisbach umfasst Primarschule. Die Real-, Sek-, Bezirksschule ist in Mellingen. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mutter Bernarda Heimgartner (1822–1863) Mitbegründerin des Ordens Schwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fislisbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 156–157.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070 und 1090, Swisstopo
  5. Ortsmuseum Fislisbach
  6. Führer durch die Kirche St. Agatha und die Andachtsstätte auf dem Bollin Fislisbach AG (PDF; 318 kB)
  7. Peter Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band VI: Bezirk Baden I. Birkhäuser Verlag, Basel 1976, ISBN 3-7643-0782-X, S. 361–374.
  8. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 157.
  9. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  12. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.