Gilfershausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gilfershausen
Stadt Bebra
Koordinaten: 50° 59′ 22″ N, 9° 50′ 0″ O
Höhe: 231 (230–240) m ü. NN
Fläche: 5,41 km²[1]
Einwohner: 434 (Nov. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36179
Vorwahl: 06622
Blick in die Ortsmitte mit Kriegerdenkmal, Glocke und Mühlstein
Blick in die Ortsmitte mit Kriegerdenkmal, Glocke und Mühlstein

Gilfershausen ist ein Stadtteil zu Bebra im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Gilfershausen liegt ca. 4 km nordöstlich der Kernstadt Bebra im Solzbachtal, einem Teil des Richelsdorfer Gebirges. Der Ort ist von den Erhebungen Ziegenberg (333 m), Mühlberg (338 m) und dem Schoßberg (365 m) umgeben.

Gilfershausen von Aufm Stein. Blick Richtung Bebra.
Davor verdeckt Hinterm Stein. Links Simbach. Im oberen Teil Bühl. Rechts Gilfershäuser Kirche. Dahinter verdeckt In den Dellen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gilfershausen fand seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1239 als Gilvershusen durch das Kloster Hersfeld:

„Heinrich, Probst von St. Nikolaus, Reimfrid, Pfarrer von St. Georg bei Eisenach, Siegrid, Pfarrer von St. Marien bei Eisenach, Mainzer Diözese, delegierte Richter des Mainzer Stuhles, entscheiden, dass die Kapelle in Gilvershusen zur Pfarrei Iba gehöre, und sprechen die genannte Kapelle dem Ritter Boto von Gilvershusen ab, da dieser zwar behauptet hatte, er habe die genannte Kapelle von Abt Ludwig von Hersfeld zu Lehen, der Abt jedoch habe nachweisen können, dass der Ritter die Kapelle nicht zu Lehen habe.“

Urkunde der Reichsabtei Hersfeld 31. März 1239[3][4]

In den folgenden Jahren wechselte der Ortsname beständig, so waren Gilvershusen und Gylfershusen gebräuchlich, bis es dann dem Rotenburger Salbuch zufolge zu Gilwershausen wurde, was der heutigen Schreibweise am ehesten entspricht.

Gilfershäuser Bauernhof im Jahre 1907

Der Ort war gemäß der ersten urkundlichen Erwähnung eine Untergliederung der Pfarrei Iba. Von 1278 an war Gilfershausen unabhängig vom Ibaer Kirchspiel. Mit der Reformation um das Jahr 1569 wurde das örtliche Kirchspiel jedoch wieder an den östlichen Nachbarn angeschlossen. Nach 417-jähriger Zugehörigkeit, wurde Gilfershausen 1986 in das Kirchspiel Solz integriert.

Im Rahmen der hessischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurde Gilfershausen am 31. Dezember 1971 in die Stadt Bebra eingegliedert.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gilfershausen: Einwohnerzahlen von 1538 bis 2016
Jahr  Einwohner
1538
  
95
1627
  
90
1639
  
9
1747
  
205
1834
  
313
1840
  
315
1846
  
349
1852
  
345
1858
  
312
1864
  
304
1871
  
269
1875
  
289
1885
  
304
1895
  
291
1905
  
322
1910
  
330
1925
  
373
1939
  
369
1946
  
537
1950
  
494
1956
  
458
1961
  
435
1967
  
406
1970
  
416
1989
  
422
2005
  
434
2009
  
409
2012
  
393
2016
  
370
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][4][2]

Die sehr niedrige Einwohnerzahl von 1639 ist durch den Dreißigjährigen Krieg zu erklären. Auch Gilfershausen blieb durch die Kämpfe nicht verschont, so lebten 1639 im Ort nur noch 6 Männer und 3 Frauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich 95 Heimatvertriebene nieder, welche in den Folgejahren den Ort jedoch größtenteils wieder verließen.

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 291 evangelische (= 95,72 %), 6 katholische (= 1,97 %), 7 andere Christen (= 2,30 %)
• 1961: 415 evangelische (= 95,40 %), 20 katholische (= 4,60 %) Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gilfershäuser Kirche

Die Gilfershäuser Kirche bildet mit ihrem massiven Turmbau und ihrer exponierten Lage den Mittelpunkt des Dorfes. Der Unterbau des Turmes und ein Großteil des Kirchenschiffes entstammen der Romanik. Der Turmoberbau wurde um 1250 errichtet. Im Stile der Gotik wurde schließlich das Kirchenschiff vollendet. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche um einen hölzernen Turmaufsatz erweitert und der Chor ausgebaut. Den Innenraum der Kirche ziert kunstvoll bemaltes Schnitzwerk. Die Emporen wurden nach 1721 mit zahlreichen Bildern bemalt, die die beiden evangelischen Sakramente und die evangelische Rechtfertigungslehre thematisieren.[6]

Eine der beiden älteren Kirchenglocken musste als Rohmaterial für die Kriegsproduktion des Ersten Weltkrieges 1917 abgegeben werden und wurde eingeschmolzen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste die Kirche für mehrere Jahre gesperrt werden, da die morsche Decke einbrach. Der Neueröffnung im Jahr 1949 gingen umfangreiche Renovierungsarbeiten voraus.[6]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gilfershäuser Vereinsleben ist von einer Vielzahl von Vereinen geprägt in denen etwa 630 Mitglieder organisiert sind[7]. Als ältester noch existierender Verein gilt der Gesangsverein Liedertafel 1887. Die Liedertafel ist Dach einer Vielzahl von Chören. Vom gemischten Chor, Kinder- und Jugendchören bis hinzu Acapella-Erwachsenenchören.

Der mitgliederstärkste Verein ist der FC Gilfershausen von 1964. Der Fußballclub trägt seit Mitte der 60er Jahre seine Spiele am Sportplatz in Gilfershausen aus und war von 1992 bis 2011 in einer Spielgemeinschaft mit Vereinen aus den Orten Asmushausen und Braunhausen organisiert. Seit 2011 spielt der FCG in einer um den 1. FV Bebra erweiterten Spielgemeinschaft als FSG Bebra in der Kreisoberliga.

Neben dem Fußball gibt es zwei weitere Sportvereine. In der Straße "Am Bühl" ist der Bühler Boccia-Club beheimatet und angrenzend an den Sportplatz der Rasenkraftsportverein Bebra.

In unmittelbarer Nähe des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) liegt das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr. Ebenfalls im DGH beherbergt ist der Schützenverein der Kyffhäuser-Kameradschaft Gilfershausen von 1905.

Die Gilfershäuser Vereine bilden mit Ausnahme des Rasenkraftsportvereins den Arbeitskreis der Gilfershäuser Vereine.

Dolles Dorf 2004[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erinnerungstafel „Dolles Dorf 2004“ am Ortseingang

Im Jahr 2004 erlangte Gilfershausen Aufmerksamkeit über regionale Grenzen hinaus, indem es am Wettkampf Dolles Dorf des Hessischen Rundfunks teilnahm und gewann. Über einen längeren Zeitraum wurde sowohl im Rundfunk als auch im Fernsehen über verschiedene hessische Dörfer berichtet.

In mehreren Entscheidungsrunden wurde, durch Telefonabstimmungen der Zuschauer, ein Tagessieger ermittelt welcher in die nächste Runde aufrückte. Die Teilnehmer rekrutierten sich aus den Dörfern die im Rahmen der Hessenschau unter dem Motto Aufbruch in den Alltag ausgelost und dokumentiert wurden. Im Finale, das anlässlich des Hessentages in Heppenheim stattfand, wurde der Sieger durch sportliche Aufgaben und Quizfragen ermittelt. Zudem floss die Meinung der Zuschauer mittels Telefonabstimmung in das Endergebnis ein.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gilfershausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Gilfershausen, Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen der Stadt Bebra: Haushalt 2009 S. 3; Haushalt 2009 S. 3; Haushalt 2017 S. 3
  3. Bebra, Chronik einer Stadt - 1989/90
  4. a b Festschrift zur 750-Jahrfeier Bebra-Gilfershausen, Albert Schmidt, 1990
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 406.
  6. a b Götz J. Pfeiffer: Von Noahs Arche bis zum Salvator mundi. Die barocken Malereien in der ev. Kirche zu Gilfershausen. In: Rund um den Alheimer. Band 41, 2020, S. 36–43.
  7. Gilfershausen. Der Arbeitskreis. In: gilfershausen.de. Ortsbeirat Gilfershausen, abgerufen im August 2018.