Griechischer Wein

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Dieser Artikel behandelt einen Schlager von Udo Jürgens. Für Informationen über Wein aus Griechenland siehe den Artikel Weinbau in Griechenland.
Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Singles[1]
Griechischer Wein
  DE 1 23.12.1974 (… Wo.)
  AT 2 15.03.1975 (… Wo.)
  CH 1 24.01.1975 (… Wo.)
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Griechischer Wein ist ein Schlager aus dem Jahr 1974, den Udo Jürgens komponierte und sang. Den Text schrieb Michael Kunze. Produzent war Ralph Siegel.[2]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Melodie schrieb Jürgens nach einem Urlaub auf der griechischen Insel Rhodos, laut eigener Aussage in nur 20 Minuten.[3] Er sei von Anfang an vom Erfolg des Liedes überzeugt gewesen, wie er der Wochenzeitung Die Zeit sagte: „Ich wusste sofort, es wird ein Knaller.“[3] Anschließend wartete er zwei Jahre lang auf einen passenden Text, Autoren warteten zunächst mit Klischees auf – etwa mit dem Text „Sonja wach auf“.[4] Erst Kunze hatte den Einfall, das Lied im Ruhrgebiet spielen zu lassen: „Es musste einfach im Ruhrgebiet spielen, damals in den Jahren der ersten Gastarbeiter aus Griechenland“.[3]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lied beschreibt die Sehnsucht und das Heimweh griechischer Gastarbeiter im Deutschland der 70er Jahre. Das erste Song-Ich des erzählenden Sängers tritt an einem dunklen, kühlen Abend in ein Wirtshaus ein und trifft auf „Männer mit braunen Augen und […] schwarzem Haar“. Es läuft „fremde und südländische“ Musik, und man lädt ihn zum Wein ein, bei dem er vom Heimweh und der Sehnsucht der Männer erfährt, aus der Fremde wieder zurück zu „grünen Hügeln, Meer und Wind“, zu Frau und Kind zu kommen. Die Traurigkeit und das Gefühl des den Refrain singenden zweiten Song-Ichs, einsam zu sein, werden verstärkt von dem Wein, dem „Blut der Erde“, und den „altvertrauten Liedern“, denn hier, in der Stadt, werden die Griechen, das glaubt das zweite Song-Ich, immer fremd und allein (d. h. unter sich) bleiben.

Veröffentlichung und Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lied wurde 1974 sowohl als Single als auch auf dem Album Griechischer Wein – Seine neuen Lieder veröffentlicht. Die Single erreichte 1975 in Deutschland und der Schweiz Platz eins, in Österreich war die höchste Platzierung Platz zwei. Die Singleversion ist 4:03 Minuten lang, auf der B-Seite befindet sich das Stück Gestern war es noch Liebe. Außer auf deutsch sang Udo Jürgens das Lied auch in einer französischen (À mes amours, 1975), einer griechischen (Phile kerna krassi, 1975) und einer englischen (Come Share the Wine, 1980) Version. Zur Danksagung für das Lied und die Thematisierung der Gastarbeiter-Problematik wurde Jürgens mit Michael Kunze vom griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis empfangen.

Coverversionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Song wurde oftmals gecovert. Darunter sind fremdsprachige Übertragungen wie ins Englische, Niederländische, Portugiesische und Spanische. So sangen Bing Crosby (Come Share the Wine) und Al Martino das Lied mit Erfolg. Die Niederländische Variante von Guus Meeuwis besingt den Schrobbelèr, einen in der Stadt Tilburg beliebten Kräuterlikör. Die von Marco Paulo gesungene portugiesische Fassung huldigt dem titelgebenden Vinho Verde. José Vélez (Vino Griego) sang das Lied in einer spanischen Version, die auch im südfranzösischen Gebiet bekannt wurde. Sie ist die Hymne des Rugby-Vereins von Bayonne (mit einem französischen und einem baskischen Text) und wird bei den verschiedenen Ferias in Südfrankreich gespielt. Griechischer Wein wurde aber auch verschiedentlich parodiert und persifliert. Die wohl erste nicht ernst gemeinte Version, Bottroper Bier, sang Jürgen von Manger Mitte der 1970er Jahre. Adam und die Micky’s machten 1988 daraus Kriech ich en Wein, Hape Kerkeling 2000 Griechischer Weihnachtsmann, die Grindcore-Band Excrementory Grindfuckers 2007 Lieblicher Grind[5] und die Mitarbeiter vom Frühstyxradio nahmen eine Version namens Griechisches Bier auf, bei dem die erste Strophe noch dem Original entspricht, bei der aber der Refrain in sächsischem Dialekt gesungen und der Text ab der zweiten Strophe anzüglich wird.

Weitere Coverversionen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Behrendt: Als "Willkommenskultur" noch ein Fremdwort war, in: ders., I don't like Mondays. Die 66 größten Songmissverständnisse. Darmstadt 2017. S. 36-39.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Quellen Chartplatzierungen: DE / AT / CH, (Abgerufen am 26. Juni 2010)
  2. www.hitparade.ch: Griechischer Wein, abgerufen 26. Juni 2010
  3. a b c Hanns-Bruno Kammertöns: Der Mantel der Geschichte - DZ Nr. 27 vom 30. Juni 2005.
  4. Ralph Siegel in Die ultimative Chart Show – Die erfolgreichsten Pop-Komponisten aller Zeiten (RTL, 3. August 2012, 20:15 Uhr).
  5. www.coverinfo.de: Griechischer Wein, abgerufen 26. Juni 2010.