Groß Schwechten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Groß Schwechten
Stadt Stendal
Wappen von Groß Schwechten
Koordinaten: 52° 41′ 7″ N, 11° 48′ 29″ O
Höhe: 34 m ü. NHN
Fläche: 24,54 km²
Einwohner: 633 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39576
Vorwahl: 039328
Groß Schwechten (Sachsen-Anhalt)
Groß Schwechten
Groß Schwechten
Lage in Sachsen-Anhalt
Blick auf Groß Schwechten

Groß Schwechten ist ein Ortsteil der Kreisstadt Stendal in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pfarrdorf Groß Schwechten in der Altmark liegt 2 km westlich der Uchte und etwa 15 km nördlich von der Hansestadt Stendal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groß Schwechten wird 1209 erstmals als Grotinswachten erwähnt.[1]

Mit Groß Schwechten verbindet sich die sogenannte „Krepe“ (auch Kripe oder Kripa),[2] von der es Zeugnisse, Überlieferungen und eine Sage gibt. Die Krepe lag dicht an der Uchte, fast eine Meile nördlich von Stendal zwischen Borstel und Eichstedt, nahe der Einmündung des Speckgrabens in die Uchte. Sie war eine Burg mitten im Eichenwald. Beckmann bezeugt (1742), dass von ihr außer unbedeutenden Trümmern nur noch der Burghügel und der Burgwall erhalten seien, auf Letzterem stünden drei mächtige Eichen. Die Eichen sind inzwischen gefällt; an die Stelle des Waldes ist eine bruchige Wiese getreten. Burgwall und Burghügel sind noch heute vorhanden. Sie wurden im Jahre 1986 zum Bodendenkmal erklärt.

Die Ortsbezeichnung „Krepe“ mag mit dem Wort „Graf“ bzw. „weltlicher Richter“ zusammenhängen; niederdeutsch heißt derselbe „Greve“, „Grebe“. Das verbindet sich mit der Überlieferung, dass die Krepe vormals ein alter Gerichtsplatz gewesen ist. Die alte Stätte erinnert an das altdeutsche Gerichtswesen in der Zeit vor dem 13. Jahrhundert. Damals übten die Landesherren selbst die Gerechtigkeitspflege aus und betrachteten die Gerichtsgebühren als einen wichtigen Teil ihrer fürstlichen Einkünfte. Später verpfändeten oder veräußerten die Landesherren die Gerichtsbarkeit oft den Städten, um ihren Geldmangel dadurch zu decken.

Eine Sage berichtet: „Tief unter den Trümmern der Burg „Krepe“ hauste vor Zeiten eine große Räuberbande. Lange Zeit hindurch war diese der Schrecken für die ganze Umgegend, denn sie überfiel nicht nur die vorüberziehenden Wagen und Wanderer, sondern dehnte ihre Raubzüge auch auf die benachbarten Dörfer aus. Als Aufbewahrungsort für das geraubte Geld diente den Räubern eine Wiege, welche sie tief unten in der Höhle versteckt hielten. Noch heute liegt dieselbe unten in der Krepe vergraben und harrt noch immer des glücklichen Finders.“ (Aus der Ortschronik)

Östlich des Dorfes lag Ende des 19. Jahrhunderts das Etablissement Köhnshof.[3]

Am 1. Oktober 1973 wurden die Gemeinden Peulingen und Neuendorf am Speck in die Gemeinde Groß Schwechten eingemeindet.[4] Bis zum 31. Dezember 2009 war Groß Schwechten eine selbständige Gemeinde mit den zugehörigen Ortsteilen Neuendorf am Speck und Peulingen.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Groß Schwechten am 19. Mai 2009, dass die Gemeinde Groß Schwechten in die Stadt Stendal eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[5]

Nach der Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Groß Schwechten wurden Groß Schwechten, Neuendorf am Speck und Peulingen Ortsteile[6] der Stadt Stendal. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt.[5] In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Groß Schwechten wurde ein Ortschaftsrat mit sieben Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 22. Februar 2000 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Grün eine schräglinke goldene Wiege, beseitet rechts oben von einem goldenen Ring mit silbernem Stein, links unten von einem schräglinken goldenen Eichenblatt.“

Es ist Beschluss der Gemeinde Groß Schwechten, die Überlieferung von der Krepe symbolisch in das Ortswappen aufzunehmen. So knüpfen die Wiege und der Ring an die oben genannte Sage an; das Eichenblatt verweist auf den Eichenbestand, der dazu verhalf, dass früher die Häuser mit eichenem Fachwerk errichtet wurden.

Das Wappen wurde vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

Als Farben Groß Schwechtens gelten Gelb - Grün.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist Grün - Gelb - Grün (1:4:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 189 führt als Umgehungsstraße westlich am Stendaler Ortsteil Groß Schwechten vorbei.

Es verkehren Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus. In der nahen Gemeinde Goldbeck befindet sich der nächste Bahnhof an der Strecke Magdeburg–Wittenberge.

Bahnhof Peulingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Peulingen gab es von 1908 bis 1985 einen Bahnhof der Stendaler Kleinbahn an der Strecke von Stendal nach Arendsee. Ursprünglich bestand die Bahnhofsanlage aus einem Bahnsteig an der Dorfstraße und einem südöstlich davon gelegenen Ladegleis mit Ladestraße. Mit dem Bau der Bahnstrecke Peulingen–Bismark 1916 entstand in Peulingen ein Keilbahnhof. Der Bahnsteig wurde in das Dreieck zwischen den beiden Strecken südlich der Ladestraße verlegt. Dort befand sich das Empfangsgebäude, das heute als Wohnhaus genutzt wird.

Im Zuge des Ausbaus wurden die Gleisanlagen deutlich erweitert. Es entstanden drei weitere Gleise südlich der Ladestraße, von denen eines bald wieder abgebaut wurde. Betrieblich war Peulingen seitdem ein Trennungsbahnhof. Mit Stilllegung und Abbau der Strecke zum Bahnhof Bismark Anschuß, der in Hohenwulsch umbenannt wurde, wurde Peulingen wieder zum Durchgangsbahnhof. Am 26. Mai 1979 endete der Personenverkehr. Nach der Einstellung des Güterverkehrs 1985 wurden die Bahnanlagen abgebaut. Heute sind nur die Reste des Planums zu erkennen, vereinzelt finden sich Reste von Schwellen und Schotter.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Groß Schwechten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1, Band 5. Morin, 1845, S. 31.
  2. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, S. 222.
  3. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, S. 108–109.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 346.
  5. a b Landkreis Stendal (Hrsg.): Amtsblatt. 19. Jahrgang, Nr. 20. Stendal 23. September 2009, S. 268–270 (stendal.de [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 16. April 2017]).
  6. Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt (Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile), Gebietsstand Januar 2014, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2016