Gut Freiham

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Gut Freiham mit Heiligkreuzkirche

Das Gut Freiham ist ein mittelalterlicher Gutshof im Süden des Münchner Stadtteils Aubing. Nach diesem Gutshof ist das benachbarte Neubaugebiet Freiham benannt. Das Gut steht als Gebäudeensemble unter Denkmalschutz[1]. Einige der Gebäude sind auch als Einzelbaudenkmal geschützt.

Lage[Bearbeiten]

Luftbild von Gut Freimann

Das Gut Freiham liegt im Westen Münchens im Süden des Stadtteils Aubing an der Grenze zu der Nachbargemeinde Gräfelfing. Durch das Gut verläuft die Freihamer Allee ungefähr in Nord-Süd-Richtung. Östlich des Guts liegt das Neubaugebiet Freiham, nördlich verläuft die Bahnstrecke München-Herrsching, die von der Linie S8 der S-Bahn München bedient wird. Direkt am Gut Freiham befindet sich der ehemalige S-Bahnhof Freiham, der 1975 im Personenverkehr stillgelegt wurde und weiterhin im Güterverkehr genutzt wird. Das Empfangsgebäude ist noch erhalten und wird bis heute (2013) von der Deutschen Bahn betrieben. Im benachbarten Neubaugebiet wurde im September 2013 der S-Bahn-Haltepunkt Freiham eröffnet.

Im Westen und Süden ist das Gut von Autobahnen umgeben, dem Autobahnring München (A99) im Westen und der A96 nach Lindau im Süden. Auf die A99 führt die Anschlussstelle Freiham-Mitte, auf die A 96 die Anschlussstelle Freiham-Süd.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Erwähnung und wechselnde Besitzer (1136 - 1785)[Bearbeiten]

Die erste bekannte Erwähnung von „villa Frihaim“ datiert auf 1136, als Papst Innozenz II. in einem Diplom dem Kloster Polling verschiedene Besitztümer bestätigt.[2] Urkundlich genannt wurde der Edelsitz auch ca. 1184-1186 als Frihaim (freies Heim).[3] Mit der Nennung eines Eberdardus de Friham als Zeugen stellt eine Urkunde aus dem Jahr 1190 ein weiteres Zeugnis für den Edelsitz Freiham dar. 1261 wurde ein Arnoldus de Friham genannt. Arnoldus „miles de buchheim“ bestätigt, dass sein Freihamer Besitz ein Lehen der Kirche von Beuerberg ist[2]. Seit dem Spätmittelalter gehörte das Gut verschiedenen Münchner Patrizierfamilien, ab 1420 den Barth und Pütrich, ab 1554 (oder 1520[2]) den Ligsalz. Das Gut hatte den Status einer Hofmark, bei der die Gutsherren auch die Niedere Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen ausübten.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam das Gut Freiham in den Besitz des Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern, der es zuerst an den Freiherrn Anton von Berchem und 1676 an seinen Kammermusikus Achilles von Hermannsreuth (der in der Kirche von Freiham begraben ist) verlieh. Dieser erhob Freiham 1679 zum Edelsitz und erbaute 1680 das jetzt noch stehende Schloss in seiner ursprünglichen Form. Von Hermannsreuth hatte nur einen Nachkommen. Seine Tochter Adelheid-Franziska trat in das Ridler Kloster in München ein, welches dadurch in den Besitz von Freiham kam. Auf dem Weg zu dem zum Gut gehörenden Einöde errichtete das Kloster eine Kreuzsäule, die noch heute existiert. 1760 verkaufte das Kloster das Gut an Minister Kreittmayr, der 1780 an den Hofkammerrat Anton von Spitzel weiterverkaufte.[4]

Hauptsitz der Grafen von Yrsch (1785 - 1887)[Bearbeiten]

Gut Freiham nach dem Brand von 1818, Lithographie von Gustav Kraus, 1835

1785 kaufte Johann Nepomuk von Yrsch (1736–1811) „ein Gehöft mit Schlossgebäude und Wirtshof“[2] zunächst für den bayerischen Staat zur Nutzung als Schafzuchtstelle für die Domäne Schleißheim. Nachdem es zu Auseinandersetzungen über die Höhe des Kaufpreises kam, erwarb Freiherr von Yrsch noch im selben Jahr das Anwesen für 25.000 Gulden für sich selbst. 1792 wurde Johann Nepomuk in den Reichsgrafenstand erhoben. Johann Nepomuks zweiter Sohn Friedrich Graf von Yrsch (1767–1844) erbte das Anwesen und vergrößerte den dortigen Besitz auf rund 800 Hektar. Er zählte zu den Mitbegründern des landwirtschaftlichen Vereins in Bayern. Vier Generationen der von Yrschs verblieben bis 1887 auf dem Gut, sie bekamen auch die niedere Gerichtsbarkeit zugesprochen[2]. Unter ihnen wurden große Teile des ehemaligen Weidelandes für den Ackerbau umgewidmet. Auch die Wirtschaftsgebäude des Guts wurden entsprechend angepasst[4].

1818 wurde Freiham Teil der neu errichteten Gemeinde Aubing (siehe Geschichte Aubings), die ehemalige Hofmark blieb jedoch noch bis 1848 ein Patrimonialgericht unter Leitung der von Yrsch.

1818 ereignete sich ein Brand auf dem Gut, das anschließend wiederaufgebaut und zum Familienfideikommiss (unteilbarer unverkäuflicher Familienbesitz) erklärt wurde. Nach dem Tod des kinderlosen Friedrich fiel das Gut an dessen älteren Bruder Carl Theodor Graf von Yrsch (1766–1854). Dessen gleichnamiger Enkel Carl Theodor Graf von Yrsch (1832–1899) ließ das Schlossgebäude 1865/66 im neugotischen Stil umbauen, wodurch es sein heutiges Aussehen erhielt. Mitte des 19. Jahrhunderts kam ein Anschluss an die Bahnstrecke Pasing-Herrsching hinzu.

Von den Maffeis zur Gegenwart (ab 1887)[Bearbeiten]

1887 verkaufte Carl Theodor das Gut für den Kaufpreis von 460.000 Reichsmark an Reichsrat Hugo von Maffei (1836 - 1921). Die von Maffeis begannen mit dem Anbau von Futtermitteln und Kartoffeln auf ehemaligem Weide- und Brachland. 1887 wurde ein mit modernster Technik ausgestattetes Brennhaus zur Herstellung von Kartoffelschnaps errichtet.[4]

Kurz nach 1900 verkaufte Hugo von Maffei einen Teil der im Osten des Guts gelegenen Ländereien, damit darauf das Ausbesserungswerk Neuaubing errichtet werden konnte. Hugos Sohn Rudolf baute das Hauptgut, die Landwirtschaft und Vorgüter (Moosschwaige im Nordwesten und Streiflach im Südwesten) weiter aus. 1924 ließ er das Innere des Schlosses repräsentativ umbauen.

1942 wurde Aubing mit Freiham und der Moosschwaige, aber ohne Streiflach nach München eingemeindet. 1966 wurde ein Teil der Ländereien östlich des Gutshofs an die Stadt München zur Errichtung einer Neubausiedlung verkauft, aber erst 2006 wurde dort mit dem Bau der Siedlung Freiham begonnen.

2008 kam die gesamte historische Anlage zunächst an zwei Immobiliengesellschaften. Das Schlossgebäude wurde an die US-amerikanische Gesellschaft Forever Living Products[5] weiter veräußert. Rex Maughan, der Gründer von Forever Living Products, ließ das Schloss 2009/10 aufwändig und stilgerecht sanieren, um es als Deutschland-Zentrale für das Unternehmen zu nutzen. In dem Gebäude sind etwa 40 Mitarbeiter untergebracht.

Ensemble[Bearbeiten]

Kastanienallee

Das Gut besteht aus mehreren langgestreckten Gebäuden mit Satteldach, die ungefähr ein quer zur Freihamer Allee liegendes Rechteck bilden. Unter den Gebäuden befinden sich die Schlosswirtschaft mit Biergarten, einstige Ställe und Scheunen, eine ausgediente Kartoffelschnapsfabrik und andere Nebengebäude. Innerhalb des Gebäuderechtecks steht die ehemalige Hofmarkkirche Heilig Kreuz. Das Schloss Freiham liegt etwas abseits vom Gut etwa 100 m weiter südlich in einem Park. Restbestände der einst herrlichen Kastanien-Alleen, die zum Gut führten, sind noch vorhanden und stehen unter Naturschutz. Einzeln als Baudenkmal geschützt sind das Schloss[6], die Kirche Heilig Kreuz[7], die Schlosswirtschaft[8] sowie ein ehemaliger Kuhstall[9] und ein ehemaliger Pferdestall[10].

Einzelgebäude[Bearbeiten]

Schloss[Bearbeiten]

Nord-/Westseite von Schloss Freiham

Das Schloss Freiham liegt in der Freihamer Allee 31. Es stammt im kern aus dem 17. Jahrhundert und wurde 1865 neugotisch umgestaltet. Das Schloss ist ein zweistöckiges Gebäude mit einem hohen Satteldach. Die Nord- und Südfassade haben Treppengiebel, die Nordfassade zusätzlich Ecktürmchen. An der Südostecke steht ein achteckiger Treppenturm. Vor dem Eingang an der Nordseite steht ein Vorbau mit Balkon. Die Gartenfassade im Osten des Hauses ist dreigeschossig und hat einen Mittelrisalit mit Treppengiebel. Zu dem Baudenkmal gehört auch der das Schloss umgebende Park, der teils von einem Zaun und teils von einer Gartenmauer umgeben ist.

Die Aufstockung der Gartenseite, der Mittelrisalit, die Treppengiebel und die Türmchen stammen von dem 1865/66 erfolgten Umbau im neugotischen Stil.

Heilig-Kreuz-Kirche[Bearbeiten]

Heilig Kreuz Kirche

Die Kirche Heilig Kreuz liegt in der Freihamer Allee 24 im Südwesten des Guts in einem kleinen Friedhof, der auf drei Seiten von Gebäuden des Gutshofs umgeben ist und Grabsteine aus dem 17. bis 20. Jahrhundert zeigt.

Eine Kirche Heilig Kreuz wurde erstmals 1315 urkundlich erwähnt. Der heutige spätgotische einschiffige Bau mit Westturm stammt vermutlich aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die ursprüngliche Innenausstattung ist nicht erhalten. Ein erster Umbau fand 1620 im Stil des Frühbarock statt und gab dem Langhaus sein heutiges Aussehen mit Rundbogenfenstern und Stichkappentonnenwölbung. Vom zweiten Umbau 1781 im Stil des Spätrokoko stammen der Hochaltar, die Seitenaltäre und die Kanzel. Auch die Apostelfiguren auf Konsolen an der Südwand stammen aus dem späten 18. Jahrhundert. Das Datum 1781 ist im Chorbogen vermerkt.

Schlosswirtschaft[Bearbeiten]

Schlosswirtschaft

Das Gasthaus Schlosswirtschaft Freiham liegt in der Freihamer Allee 21/23 im Südosten des Guts gegenüber der Kirche Heilig Kreuz. Sie ist ein zweistöckiges Gebäude mit Satteldach. Das Gebäude stammt aus dem 17./18. Jahrhundert und wurde im 19. Jahrhundert stark verändert. Den Eingang auf der Südseite bildet ein Portal, das auf eine Abstammung aus der Barockzeit schließen lässt. Ebenfalls im Süden liegt ein Biergarten vor der Schlosswirtschaft.

Kuhstall[Bearbeiten]

Kuhstall

Der ehemalige Kuhstall liegt ohne eigene Hausnummer rechtwinklig neben der Schlosswirtschaft und bildet so die Ost- und östliche Nordseite des Gutshofs. Das Gebäude ist ein eingeschossiger winkelförmiger Bau mit Satteldach. Er stammt wohl vom Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Ostflügel brannte 1818 ab und wurde dann wieder aufgebaut. Auch 1913 wurde der Kuhstall durch einen brand zerstört und wiederaufgebaut. Im Inneren ist der Ostflügel eine dreischiffige, langgestreckte Halle mit böhmischen Kappen über Rundpfeilern, der Nordflügel ist ein Holztragwerk mit massiven Außenmauern.

Pferdestall[Bearbeiten]

Pferdestall

Der ehemalige Pferdestall liegt in der Freihamer Allee 22 neben der Kirche Heilig Kreuz innerhalb des Gebäuderechtecks des Gutshofs. Es bildet die Nordbegrenzung des die Kirche umgebenden Friedhofs. Das Gebäude ist ein eingeschossiger Bau mit einem hohen Satteldach. Es stammt wohl aus dem 18. Jahrhundert. Im Inneren ist der Bau eine dreischiffige, auf Pfeilern gewölbte Halle, die böhmischen Kappen tragen eine schlichte Stuckdekoration.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dennis A. Chevalley, Timm Weski: Landeshauptstadt München. Südwest. In: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmäler in Bayern. Kreisfreie Städte und Landkreise. Bd. I.2/2, 2 Halbbände, Karl M. Lipp Verlag, München 2004, ISBN 3-87490-584-5, S. 5, 210-212.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gut Freiham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gut Freiham beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  2. a b c d e  Martina Krämer: Ein Juwel auf Gut Freiham. Freihamer Schloss mit viel Liebe zum Detail renoviert. In: Aubing-Neuaubinger Zeitung. 18. Juni 2010, S. 3.
  3. Stahleder, Von Allach bis Zamilapark, S. 77 (online)
  4. a b c Poster in der Ausstellung des Fördervereins 1000 Jahre Aubing e. ..V. anlässlich der 1000-Jahr-Feierlichkeiten in Aubing, September 2010
  5. Die englischsprachige Wikipedia hat einen Artikel über Forever Living Products
  6. Schloss Freiham beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  7. Heilig Kreuz beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  8. Gasthaus Schlosswirtschaft Freiham beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  9. Ehem. Kuhstall in Freiham beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  10. Ehem. Pferdestall in Freiham beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege

48.13616911.403288Koordinaten: 48° 8′ 10,2″ N, 11° 24′ 11,8″ O