Gut Steinbeck

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Gut Steinbeck (2011)

Das Herrenhaus des Guts Steinbeck ist mit der Nummer 73 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Bad Salzuflen im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe in Deutschland eingetragen.

Die Eintragung erfolgte am 29. Dezember 1988; Grundlage für die Aufnahme in die Denkmalliste ist das Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalens (DSchG NRW).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gut liegt im Südwesten des Bad Salzufler Ortsteils Wüsten, westlich der Waldemeine, nördlich des Stumpfen Turms sowie oberhalb des Salzetals.
Mit der Eingemeindung Wüstens nach Bad Salzuflen und der Vergabe von Straßennamen bekam das Gut die Anschrift „Steinbeck 1“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emil Zeiß: Gut Steinbeck,
Aquarell (24,5 x 35,0 cm) von 1875
Ansichtskarte (um 1908)

Schon um 1320 wird an der Stelle des heutigen Guts ein Hof de Stenbeke im Einkünfteregister der Fürstabtei Herford genannt. Er war dem adeligen Damenstift lehnspflichtig und hatte den Herren von Arnholz Lehnsbesitzer jährlich am 24. August, dem Bartholomäustag, zwei Krüge Honig, drei Schafböcke sowie vier Scheffel Weizen zu liefern.

1386 empfing Hermann de Arnholte[1] ein domum parvam, das heißt, ein „ganz geringes Haus“ in Steinbeck bei der Salze, zu Lehen.

1450 erwarb der Amtmann Gerd zu Vinnen und Eckendorf das Gut zum erblichen Besitz. Barthold zu Vinnen war der letzte dieser Familie, seine Schwiegersöhne Heinrich und Ueckermann waren mit seinem Tod im Jahr 1603 Erben an dem Hof. Simon VI., Reichsgraf und Landesherr der Grafschaft Lippe-Detmold fand sie jedoch 'friedliebenshalber' mit 600 Talern ab und machte den Hof zu einem herrschaftlichen Meierhof.

Die Edlen Herren zu Wrede kamen ein Jahr vor dem Dreißigjährigen Krieg als Landsassen nach Steinbeck. Sie waren über 200 Jahre dem Landesherrn unterworfene Pächter, die ihr Pachtgut aber stets weitervererben konnten.

1674 betrug die jährliche Pacht des nicht mehr unbedeutenden Guts 52 Taler und zehn Groschen. Die Stadt Salzuflen durfte diese Heuer des Landsassen Rabe de Wrede lange Jahre als ‚Zinsen für ein dem Landesherrn geliehenes Kapital‘ erheben.[2]
Gewohnt haben die von Wredes auf Gut Steinbeck vermutlich nicht: In den Wüstener Kirchenbüchern lässt sich keine Eintragung über Geburt, Taufe, Eheschließung oder Tod finden. Die Verwaltung des Gutes hatte der aus Salzuflen stammende Heinrich Wilhelm Kuntze inne. Ihm und seiner Ehefrau wurden mehrere Kinder, die auch in Wüsten getauft wurden, geboren.[3]

„Heinrich Wilhelm Kuntze, zeitiger Verwalter auf Steinbeck und Margrete Elisabeth Grothen weyl. Henrich Alexander Grothen, Kaufmanns in Herford ehel. Tochter. Nachmittags auf adelichen Guth Steinbeck in Gegenwart des Küster Schulze 3-4 Uhr von mir copuliert. 2 Thal 24 Grosch pr. acadet“

Pastor Johann Dietrich Köhler: Eintrag im Wüstener Kirchenbuch, 30. Januar 1793

Am 10. März 1810 wird das Gut Steinbeck im „Fürstlich Lippischen Intelligenzblatt“ zum Verkauf angeboten …[4]

„Haus Steinbeck. Das adliche Landtagsfähige Gut Steinbeck in der Graffschaft Lippe Detmold, eine halbe Stunde von Salzufeln und anderthalb Stunden von Herford belegen, mit Jagd- und Fischereygerechtigkeit, mehrere Mühlen und einer Ziegelbrennerey versehen, welches laut einer nach Fürstl. Lippischen Kammerveranschlagungsgrundsätzen von dem Kammerkommissair Kleine aufgenommenen Taxe einen jährlichen reinen Ertrag von 1500 Rthl. 11 gr. 2½ pf. Conv. Münze aufbringt und exclusive der zu 11450 Rthl. in der Feuersocietätskasse versicherten Gebäude auf 42857 Rthl. 5 gr. Conv. Münze abgeschätzt worden, soll in termino den 21ten März k. J. Morgens 11 Uhr in der Behausung der Frau Wittwe Schröders in Salzuflen, salva ratificatione der Frau Eigenthümerin, im Ganzen meistbietend verkauft werden, welches Kauflustigen mit der Nachricht bekannt gemacht wird, daß Abschrift des Anschlages und der Kaufbedingungen gegen portofreye Einsendung von 12 ggr. für Copialien bey dem Hausverwalter Kater hieselbst zu erhalten sey. Haus Steinbeck bey Salzufeln in der Graffschaft Lippe den 18ten Dec. 1809.“

Fürstlich Lippisches Intelligenzblatt, 10. März 1810

… und im Laufe des Jahres dann auch verkauft:[5]

„Gerichtliche Sachen. Detmold. Auf Nachsuchen des Kriegs- und Domainen-Raths von Hoffmann werden alle diejenigen, welch an dem, von ihm acquirierten ehemals von Wredeschen unweit Salzuflen belegenen, Gute Steinbeck aus irgend einem Grunde, im Ganzen oder Einzelnen, Ansprüche zu haben vermeinen, hierdurch verabladet, sich damit innerhalb zwey Monaten, unter dem Präjudiz des ewigen Stillschweigens, allhier zu melden. Detmold den 13ten Sept. 1810. Fürstl. Lippische Regierungs-Canzley daselbst.“

Fürstlich Lippisches Intelligenzblatt, 29. September 1810

Von 1810 bis 1858 war ein Herr Hoffmann aus Aurich und dann, fünf Jahre lang, ein Herr Busse zu Heerse Besitzer des Guts Steinbeck. 1864 kam das Gut in Besitz der noch heute – in der fünften Generation – hier wohnenden Familie von Lengerke: Der aus Bremen stammende Johann Heinrich von Lengerke kaufte das Gut.

Heutige Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberhalb des ursprünglichen Gutshofs ließ Johann Heinrich von Lengerke zwischen 1867 und 1869 das neue Herrenhaus bauen: ein vom Bremer Architekten Karl Gildemeister entworfenes Sandsteingebäude im Tudorstil.
Zentraler Punkt im Gebäude ist die von oben durch eine Glaskuppel belichtete Halle; um sie herum gruppieren sich die Zimmer des Hauses. Besonders erwähnenswert ist das Esszimmer: Wandpaneele, Stuckdecke und Möbel wurden eigens für seine Ausstattung gefertigt.

Vom ursprünglichen Gutshof sind noch einige alte Wirtschaftsgebäude und Stallungen erhalten geblieben. Diese werden heute als Reiterhof genutzt.

Ehemalige Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Erwähnung der ehemaligen Mühle findet sich im Kaufvertrag von 1654: Mit dem Hof erwarb de Wrede auch die Mühle und ließ daneben eine Schlag- und Ölmühle errichten.
Seit 1717 sind die Pächter und Müller der Steinbecker Mühle durchgehend belegt, letzter Pächter der Kornmühle war bis 1953 Heinrich Klocke, der bereits 1926 als Mühlenpächter genannt wurde.[6]

Mausoleum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem neuen Hauptgebäude wurde den Verstorbenen der Familie auch ein Mausoleum gebaut; rund einhundert Jahre später wurde es abgerissen, die Toten wurden auf den Wüstener Friedhof bei der Kirche überführt. Fundamentreste des Mausoleums findet man noch westlich der ehemaligen Steinbecker Sandgrube, in der Nähe des Stumpfen Turmes.

Landschaftsgarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgleich entwarf Gildemeister nach englischen Vorbildern den das Herrenhaus umgebenden Landschaftsgarten, der sich durch seinen umfangreichen Rhododendronbestand und zahlreiche Solitärbäume auszeichnet. Etliche Bäume, wie Libanon-Zeder (Cedrus libani), Taschentuchbaum (Davidia involucrata), Kaukasus-Fichte (Picea orientalis), Schwarznuss (Juglans nigra) und Himalaya-Zeder (Cedrus deodara), sind bis heute erhalten.

Familie von Lengerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Familie von Lengerke

Die Familie von Lengerke – auch Lengerken, Lengerike, Langerake – ist ein altes, niedersächsisches Patriziergeschlecht. Seinen Ursprung hat es angeblich auf dem ehemals gleichnamigen Edelhof in der heutigen Gemeinde Lengerich im Emsland, gehabt.[7]

Herren auf Gut Steinbeck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Heinrich von Lengerke (1825–1906), Mitglied des Deutschen Reichstags[8] und Landtagspräsident, Gutsbesitzer auf Steinbeck von 1865 bis 1906; ∞ (5. März 1857, in Bremen) Wilhelmine Johanne Henriette Schmidt (1837–1899)
       1. Johann Heinrich von Lengerke (* 18. Juni 1859; † 11. November 1893)
       2. → Johann Hermann von Lengerke (* 14. November 1860; † 24. Juni 1939)
       3. Margarethe Wilhelmine von Lengerke (* 30. Oktober 1862; † 6. Februar 1937)
       4. Hans Wilhelm Otto von Lengerke (* 12. April 1874; † 12. Mai 1933)
  2. Johann Hermann von Lengerke (1860–1939), Fürstlich-Lippischer Kammerherr und Schlosshauptmann bei Fürst Woldemar zur Lippe, Königlich-Preußischer Rittmeister a. D., Herr auf Steinbeck von 1899 bis 1939; ∞ (23. Juli 1891, in Carrière/b. Saarburg) Bertha Elisabeth Ritter von Zàhony (1872–1934)
       1. Johann Heinrich Eugen von Lengerke (* 19. Juni 1892; † 20. Juli 1901)
       2. → Max-Hermann Iwan Hartwig von Lengerke (* 27. November 1893; † 27. September 1967)
       3. Annemarie Amalie von Lengerke (* 17. Oktober 1895; † 19. März 1978)
       4. Wilhelm Robert Arthur von Lengerke (* 30. Dezember 1896; † 14. Dezember 1914)
       5. Wilhelmine (Helma) Sophie von Lengerke (* 18. Oktober 1899)
       6. Margrethe Benedikte Elisabeth von Lengerke (* 20. Mai 1902; † 30. Mai 1970)
       7. Woldemar Hans Theodor Rabe Hermann von Lengerke (* 3. April 1904; † 17. September 1944)
       8. Elisabeth (Lisa) von Lengerke (* 5. Januar 1906; † 30. August 1969)
       9. Bertha von Lengerke (* 23. November 1907; † 8. April 1967)
       10. Regina (Reni) von Lengerke (* 31. Juli 1918; † 1. Juni 1967)
  3. Max-Hermann Iwan Hartwig von Lengerke (1893–1967), Königlich-Preußischer Rittmeister d. R., Herr auf Steinbeck von 1939 bis 1967; (∞ 25. Februar 1929, auf Wense) Erika von der Wense (1895–1977)
       1. Johann Heinrich von Lengerke (* 10. Juli 1930)
       2. Jürgen von Lengerke (* 6. November 1931; † 1. April 1950)
       3. Bertha (Beitha) Auguste Ida Wilhelmine von Lengerke (* 5. Juli 1935)
       4. Hermann Friedrich August von Lengerke (* 23. November 1936; † 23. Februar 1937)
       5. → Karl (Bollo) Lothar Hodo von Lengerke (* 25. November 1937)
  4. Karl Lothar Hodo von Lengerke (* 1937), Oberleutnant d. R., Landwirt, Steuerbevollmächtigter; ∞ 29. Juli 1967, in Straubing Angela Gräfin von Ballestrem (* 1944)
       1. Georg Max-Hermann Wolfgang von Lengerke (* 13. Mai 1968)
       2. Alexander Franz Wilderich von Lengerke (* 24. April 1970)
       3. → Peter Michael von Lengerke (* 29. April 1971)
       4. Elisabeth Dorothea Victoria Maja von Lengerke (* 20. Mai 1976)
  5. Peter Michael von Lengerke (* 1971); ∞ Sophia ...[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Meyer (Hrsg.): Bad Salzuflen - Epochen der Stadtgeschichte. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89534-606-4.
  • Otto Pölert: Wüsten - Eine Höfe- und Siedlungsgeschichte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gut Steinbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zu Arnholt in der EBIDAT, der wissenschaftlichen Datenbank des Europäischen Burgeninstituts
  2. Otto Pölert: „Wüsten - Eine Höfe= und Siedlungsgeschichte“, um 1980
  3. Besitzer des Gutes Steinbeck die Grafen zur Lippe mit den Herren von Wrede bei www.woiste.de
  4. Fürstlich-Lippisches Intelligenzblatt, 10. Stück, Sonnabends, den 10. März 1810; abgerufen am 14. Februar 2016
  5. Fürstlich-Lippisches Intelligenzblatt, Nr. 39, Sonnabends, den 29. September 1810; abgerufen am 14. Februar 2016
  6. Die Steinbecker Mühlen bei www.woiste.de
  7. Familienforschung von Lengerke bei www.woiste.de
  8. Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: Verlag Carl Heymann, 1904, S. 292
  9. Artikel „Grüne Pracht nach englischem Vorbild“ in der Lippischen Landeszeitung/LZ.de, 25. Mai 2009.

Koordinaten: 52° 6′ 12″ N, 8° 45′ 51″ O