Hammelbach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hammelbach (Begriffsklärung) aufgeführt.

Koordinaten: 49° 38′ 7″ N, 8° 49′ 55″ O

Hammelbach
Gemeinde Grasellenbach
Wappen der früheren Gemeinde Hammelbach
Höhe: 430 m ü. NHN
Fläche: 7,46 km²
Einwohner: 1340 (2008)[1]
Bevölkerungsdichte: 180 Einwohner/km²
Postleitzahl: 64689
Vorwahl: 06253
Katholische Kirche
Evangelische Kirche

Hammelbach ist größter und ältester Ort sowie Sitz der Gemeindeverwaltung der Gemeinde Grasellenbach im Kreis Bergstraße in Hessen und ein anerkannter Luftkurort[2].

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hammelbach liegt auf 438 m ü. NHN im Odenwald auf der Passhöhe zwischen dem Weschnitztal im Norden und dem Ulfenbachtal im Süden und ist somit eines der nördlichen Tore zu der Region Überwald. Die Quellen der beiden Flussläufe liegen in unmittelbarer Nähe der Ortslage. Der Oberlauf des Ulfenbachs von Hammelbach bis Wahlen ist auch unter dem Namen Hammelbach bekannt.[3] Die Gemarkung erstreckt sich vom 536 Meter hohen Wagenberg im Westen nach Osten über den 507 Meter hohen Weihwesel, die Gaßbach und die Krumme Tanne bis zum Hirschbrunnen und zum Jagdhaus Hirschwiese nördlich von Gras-Ellenbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die früheste bekannte Erwähnung Hammelbachs erfolgte 1324, als König Ludwig IV. den Brüdern Dietmar und Hartwig Kreis von Lindenfels erlaubt, die Pfandschaft des von ihm an Siegfried Pavay verpfändeten Dorfes zu lösen.

Während der Reformation wird der Ort vorwiegend evangelisch und erhält eine reformierte Pfarrei. Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1648) dürfte der Ort wie viele Gebiete der Kurpfalz fast menschenleer gewesen sein. Nach dem verheerenden Krieg betrieb die Kurpfalz auf ihrem Gebiet eine durch religiöse Toleranz geprägte Wiederansiedlungspolitik. Doch die in der unruhigen Folgezeit ausbrechenden Kriege wie der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) und der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) machte viele der Bemühungen wieder zunichte und Zehntausende Pfälzer emigrierten u.a. nach Nordamerika und Preußen.

Auch in religiöser Hinsicht war die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg von großer Unruhe geprägt. 1685 starb die reformierte Linie Pfalz-Simmern aus und die katholischen Vettern der Linie Pfalz-Neuburg traten mit Kurfürst Philipp Wilhelm die Regierung in der Kurpfalz an. Dieser ordnete die Gleichstellung des katholischen Glaubens in der mehrheitlich evangelischen bevölkerten Pfalz an. Schon während des Pfälzischen Erbfolgekriegs hatte Frankreich versucht, in den eroberten Gebieten die Gegenreformation voranzutreiben, und hatte etliche katholische Pfarreien gegründet. Der Krieg endete 1697 mit dem Frieden von Rijswijk, der die Stellung des zu diesem Zeitpunkt regierenden katholischen Kurfürsten Johann Wilhelm stärkte. Dies führte am 26. Oktober 1698 zum Erlass des Simultaneum. Danach waren die Katholiken berechtigt, alle reformierten Einrichtungen wie Kirchen, Schulen und Friedhöfe mitzunutzen, während dies umgekehrt nicht erlaubt wurde. Weiterhin wurde die bis dahin selbständige reformierte Kirchenverwaltung dem Landesherren unterstellt. Erst auf Betreiben Preußens kam es 1705 zur sogenannten Pfälzische Kirchenteilung, bei der das Simultanum rückgängig gemacht wurde; die Kirchen im Land wurden mitsamt Pfarrhäusern und Schulen zwischen den Reformierten und den Katholiken im Verhältnis fünf zu zwei aufgeteilt. Sonderregelungen gab es für die drei Hauptstädte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal sowie die Oberamtsstädte Alzey, Kaiserslautern, Oppenheim, Bacharach und Weinheim. In den Städten mit zwei Kirchen sollte die eine den Protestanten und die andere den Katholiken zufallen; in den anderen, wo nur eine Kirche bestand, der Chor vom Langhaus durch eine Mauer geschieden, und jener den Katholiken, dieses den Protestanten eingeräumt werden. Den Lutheranern wurden nur jene Kirchen zugestanden, die sie im Jahr 1624 besaßen oder danach gebaut hatten.

Unter Pfälzer Herrschaft gehörte der Ort bis 1803 zum Oberamt Lindenfels und kam dann infolge des Reichsdeputationshauptschlusses, der die Auflösung der Kurpfalz verfügte, nach Hessen. Dort wird er ab 1821 durch den Landratsbezirk Lindenfels verwaltet, wobei die Bürgermeisterei auch für die Orte Grasellenbach, teilweise Hiltersklingen, Litzelbach und Oberscharbach, zuständig war.

Über mehrere Verwaltungsreformen in Hessen gelangt der Ort schließlich 1938 zum heutigen Landkreis Bergstraße. Am 31. Dezember 1971 schlossen sich im Rahmen der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbstständigen Gemeinden Hammelbach, Gras-Ellenbach und Wahlen zur neuen Gemeinde Grasellenbach zusammen.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hammelbach entstand im Gebiet der ehemaligen Mark Heppenheim, die ein Verwaltungsbezirk des Frankenreichs war. Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große die Stadt Heppenheim nebst dem ausgedehnten Bezirk dem Reichskloster Lorsch. Von hier wurde die Urbarmachung und Besiedlung des Gebietes betrieben. Der Blütezeit des Klosters Lorsch, in dessen Gebiet Hammelbach lag, folgte im 11. und 12. Jahrhundert sein Niedergang. 1232 wurde Lorsch dem Erzbistum Mainz unterstellt. Nach langen Streitigkeiten konnten sich die Kurpfalz und das Erzbistum Mainz Anfang des 14. Jahrhunderts über das Erbe aus dem Lorscher Abtei einigen und die Pfälzer Teile wurden durch die Amtsvogtei Lindenfels verwaltet.

Die früheste bekannte Erwähnung von Hammelbach erfolgte 1324, als König Ludwig IV. den Brüdern Dietmar und Hartwig Kreis von Lindenfels erlaubt die Pfandschaft des von ihm an Siegfried Pavay verpfändeten Dorfes zu lösen. Unter anderem findet Hammelbach weitere Erwähnung als[5]:

  • 1357 – Pfalzgraf Ruprecht I. genehmigt dem Dietmar Kreis von Lindenfels ein Wittum auf das Dorf von 100 Mark Silber für seine Ehefrau Else Kreis v. Lindenfels, geb. Landschad von Steinach.
  • 1392 – Landschad von Steinach erhält nach kurzer Rückgabe erneut die Pfandschaft über das Dorf Hammelbach von Pfalzgraf Ruprecht II.
  • 1398 – Ruprecht II. (Pfalz) belehnt den Schenk Eberhard von Erbach mit zwei Teilen des Zehnten am Dorf. Es bestand zu dieser Zeit aus sechs Huben und zwei Hofstätten.
  • 1443 – Pfalzgraf Ludwig IV. belehnt Schenk Konrad von Erbach ebenfalls mit zwei Teilen des Zehnten.
  • 1488 – Die meisten Rechte an dem Dorf sind wieder an die Pfalzgrafen zurückgefallen, nur die Frondienste haben der Pfalzgraf und die Landschaden von Steinach noch gemeinsam.
  • 1509 – Schenk Eberhard von Erbach tritt seinen Teil des Zehnten mit anderen Rechten im Tausch gegen das Dorf Dorf Hetzbach bei Beerfelden an den Pfalzgrafen ab.

Aus dem Jahr 1568 wird dann berichtet, dass Hammelbach kurpfälzisches Eigentum ist und in die Hammelbacher bzw. Eicher Cent gehört; Hohe- und Niedere Gerichtsbarkeit, Gebot und Verbot stehen den Pfalzgrafen zu. Vom Zehnten beziehen jetzt zwei Drittel die kurpfälzische Hofkammer und ein Drittel der Propst des ehemaligen Klosters Losch.

In den Anfängen der Reformation sympathisierten die pfälzischen Herrscher offen mit dem lutherischen Glauben, aber erst unter Ottheinrich (Kurfürst von 1556 bis 1559) erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre. Danach wechselten seine Nachfolger und gezwungenermaßen auch die Bevölkerung mehrfach zwischen der lutherischen, reformierten und calvinistischen Religion.

Weitere Belege über Hammelbach ergeben für das Jahr 1613, dass das Centgericht in Hammelbach gehalten wird. während dessen Oberhof das Hofgericht zu Heidelberg ist. Weiterhin werden vier offenen Rugegerichte im Jahr durch die Kurpfalz gehalten. Es gibt 21 Hausgesäße, 15 leibeigene Männer und 17 Frauen sowie 9 1/4 Huben. 1784 wohnten daselbst 63 Familien und 801 Seelen in 37 Häusern.

Nach dem Verzeichnisse von 1784 lebten damals 63 Familien mit 301 Seelen im Dorf, das zwei Kirchen, eine Schule und 37 Wohnhäuser besaß. Die Gemarkung bestand aus 140 Morgen Äckern, 116 Morgen Wiesen, 10 Morgen Gärten, 452 Morgen Weide und 585 Morgen Wald. Wald und Weide gehörten zu den Hubengütern. Es gab einen Kurfürstlichen Förster, der sowohl über diese, als auch über alle anderen Waldungen der Zent Wald-Michelbach und der Zent Hammelbach die Aufsicht hatte. [6][7]

Bis 1737 unterstand das Amt Lindenfels dem Oberamt Heidelberg, danach wurde Lindenfels ein Oberamt. Hammelbach war innerhalb des Amtes Lindenfels Teil der Zent Hammelbach (auch Eicher, Affolderbacher oder Wahlheimer Zent genannt), während das Oberamt Teil der „Pfalzgrafschaft bei Rhein“ (im „Kurfürstentum Pfalzbayern“ ab 1777) war.[8]

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Infolge der Napoleonischen Kriege wurde das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 neu geordnet und hörte mit der Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 auf zu bestehen. Durch diese Neuordnung und Auflösung der Kurpfalz kam das Oberamt Lindenfels und mit ihm Hammelbach zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 in dem ebenfalls auf Druck Napoleons gebildete Großherzogtum Hessen aufging. Als das Oberamt Lindenfels 1803 zu Hessen kommt, wurde es vorerst als hessische Amtsvogtei weitergeführt. Ab 1812 gehört Hammelbach dann zur Amtsvogtei Fürth.[9] Nach der endgültigen Niederlage Napoléons regelte der Wiener Kongress 1814/15 auch die territorialen Verhältnisse für Hessen, daraufhin wurden 1816 im Großherzogtum Provinzen gebildet. Dabei wurde das vorher als „Fürstentum Starkenburg“ bezeichnete Gebiet, das aus den südlich des Mains gelegenen alten Hessischen und den ab 1803 hinzugekommenen rechtsrheinischen Territorien bestand, in „Provinz Starkenburg“ umbenannt. 1821 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt, wobei Hammelbach zum Landratsbezirk Lindenfels kam. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Die Landgerichtsbezirke entsprachen in ihrem Umfang den Landratsbezirken und für den Landratsbezirk Lindenfels war das Landgericht Fürth als Gericht erster Instanz zuständig. Diese Reform ordnete auch die Administrative Verwaltung auf Gemeindeebene. So war die Bürgermeisterei in Hammelbach auch für Grasellenbach, teilweise Hiltersklingen, Litzelbach und Oberscharbach, zuständig. Entsprechend der Gemeindeverordnung vom 30. Juni 1821 gab es keine Einsetzungen von Schultheißen mehr, sondern einen gewählten Ortsvorstand, der sich aus Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderat zusammensetzte.[10]

1832 wurden die Verwaltungseinheiten weiter vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Nach der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in Süd-Starkenburg künftig nur noch die Kreise Bensheim und Lindenfels geben; der Landratsbezirk von Heppenheim sollte in den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet wurde, zu dem jetzt Hammelbach gehörte. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert.

Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[11] Darüber hinaus wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei die bisherigen Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt wurden. Bereits vier Jahre später, im Laufe der Reaktionsära, kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück und Hammelbach wurde Teil des neu geschaffenen Kreises Lindenfels.[12]

Die im Dezember 1852 aufgenommenen Bevölkerungs- und Katasterlisten[13] ergaben für Hammelbach[14]: Ein Marktflecken mit 1029 Einwohnern. Die Gemarkung besteht aus 2986 Morgen, davon 1288 Morgen Ackerland, 320 Morgen Wiesen und 1270 Morgen Wald. Zu Hammelbach gehört der der Schardhof auf der Tromm.

In den Statistiken des Großherzogtums Hessen werden, bezogen auf Dezember 1867, für das Markflecken Hammelbach mit eigener Bürgermeisterei, 117 Häuser, 946 Einwohnern, der Kreis Lindenfels, das Landgericht Fürth, die evangelische reformierte Pfarrei Hammelbach des Dekanats Lindenfels und die katholische Pfarrei Wald-Michelbach des Dekanats Heppenheim, angegeben. Die Bürgermeisterei war außerdem für den Schadhof auf der Tromm (ein Haus, 10 Einw.), den Weiler Gasbach (3 Häuser, 20 Einw.) und das Dorf Lützelbach (11 Häuser, 72 Einw.) zuständig. [15]

Nachdem das Großherzogtum Hessen ab 1871 Teil des Deutschen Reiches war, wurden 1874 eine Reihe von Verwaltungsreformen durchgeführt. So wurden die landesständige Geschäftsordnung sowie die Verwaltung der Kreise und Provinzen durch Kreis- und Provinzialtage geregelt. Die Neuregelung trat am 12. Juli 1874 in Kraft und verfügte auch die Auflösung der Kreise Lindenfels und Wimpfen und die Wiedereingliederung von Hammelbach in den Kreis Heppenheim.[16]

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er aufgelöst und zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim übernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße.[17][8]

Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand Groß-Hessen, aus dem das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen hervorging.

Im Jahr 1961 wurde die Gemarkungsgröße mit 746 ha angegeben, davon waren 346 ha Wald.[8]

Am 31. Dezember 1971 schlossen sich im Rahmen der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbstständigen Gemeinden Hammelbach, Gras-Ellenbach und Wahlen zur neuen Gemeinde Grasellenbach zusammen.[18]

Gerichte in Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gerichtsbarkeit des Oberamtes Lindenfels ging 1813 an das neue Justizamt in Fürth über. Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Fürth das Gericht erster Instanz. Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Fürth und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt[19].

Historische Beschreibungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine findet sich 1786 über Hammelbach:
»Hammelbach, Ein mittelmäsiges Dorf, zwo Stunden von der Oberamts-Stadt Lindenfels südostwärts entlegen; gränzet gegen Ost an den Graflich-Erbachischen Hüttersklinger Wald; gegen Süd an Groß-Ellenbach: gegen West an Rimbach, so Erbachisch; sodann die mainzische Farnbach-, und Fürter Waldung, der Wagenberg genannt; gegen Norden an die Gemarkung von Mitlechtern und Weschniz. Wie oben schon gemeldet ist, war dieses Dorf zu Lehen begeben. König Ludwig verpfändete aber solches nebst einem Hof zu Ellenbach an Syfrid von Pavoy Edelknecht für 215 Pfund Häller, welche Hertwich und Winmar Gebrüder Kreiß von Lindenfels im J. 1324 abgelöset, und dagegen in jenes Pfandrecht eingetretten sind. Pfalzgraf Ruprecht der ältere bewilligte im J. 1357, daß Hertwich Kreiß von Lindenfels seiner Ehefrau, Else Landschadin von Steinach, ein hundert Mark Silbers auf Hammelbach bewittmen möge. [...] Im J. 1391 empfing Ulrich Landschad obgedachte Dörfer und Zehnten zu Mannlehen, dergestalt, daß wenn sie Kurpfalz lösen würde, er oder seine Erben das Geld wieder anlegen, und zu Mannleben auftragen sollten. Im folgenden Jahre stellte er Pfalzgrafen Ruprecht II. alle Briefe über Hammelbach, Linnenbach und Birkenau, Panzweiler die Vogtei, und Nuz zu Kocherbach und Lüzelnbach, dann den Zehnten zu Mörlenbach, die er Pfandweis ingehabt, zurück; gedachter Pfalzgraf versezte ihm aber noch im nämlichen Jahre besagte Dörfer und Zehnten von neuem um 600 fl. mit dem Bedinge, daß, wenn solche wieder erleget würden, Ulrich Landschad sie auf sein eigen Gut verweisen und ewig von der Pfalz zu Lehen empfangen sollte. In Folge der Zeit ward diese Pfandschaft abgelöset, und das Lehen heimfällig, mithin die Vogtei zu Hammelbach, mit der Kurpfälz. Oberherrlichkeit wieder vereiniget.
In dieses Dorfes Gemarkung entspringet die Weschniz, die schon in Karolinischen Zeiten Wisgoz genennet wird, und wegen des an ihrem Ufer gelegenen Klosters Lorsch genugsam bekannt ist. Sie nimmt im Odenwäldischen Gebirge viele kleine Bäche auf, kommt bei der Stadt Weinheim in die Fläche, flieset längs der Bergstraße nach Heppenheim und fällt bei der Festung Stein endlich in den Rhein. Desgleichen entspringet in dieser Gemarkung aus zween Brunnen ein Bächlein, welches bei Wahlen in die Ulvenbach fällt; und endlich entstehet aus dem Hirschbrunn noch ein Bächlein, so nordostwärts laufet, und unterhalb Huttenlhal in die Mimling, sofort mit dieser sich bei Obernburg in den Mayn ergieset - ein deutlicher Beweiß, daß bei Hammelbach eine solche Höhe und Schneeschmelze sei, wodurch die vier alte Gauen, Wingartweibon, Mayn- Rhein- und Lobdengau von einander geschieden werden. Durch das Dorf ziehet die aus dem Odenwalde nach Weinheim führende Landstraße, und oben vorbei die sogenannte hohe Straße. [...] Die alte Kirche zu Hammelbach fiel in der Theilung den Katholischen zu. Weil aber die Anzahl dieser Glaubensgenossen zu klein gewesen, ist die Pfarrei nach Wald-Michelbach verleget worden. Dermalen dienet jene Kirche nur zu Kasualverrichtungen und soll vormals in das Wormser Bistum gehöret haben, wovon aber keine gewisse Nachricht, und eben so wenig die Ursache bekannt ist, warum solche in jungern Zeiten zur Mainzer Diöces geschlagen worden. Die Reformirten haben sich auch eine Kirche aus gesammelten Beiträgen erbauet, und mit einem eigenen Prediger bestellet, der das Dorf Groß-Ellenbach mit zu versehen hat, und sonst unter dem Inspeklor der Klasse Weinheim stehet. Am Zehnten beziehet die Kurpfälzische Hofkammer zwei, und die Kurmainzische wegen des Klosters Lorsch ein Drittel.«[6]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Hammelbach:
»Hammelbach (L. Bez. Lindenfels) reform. Pfarrdorf; liegt am Abhange eines Bergs 2 St. von Lindenfels, hat 94 Häuser und 712 Einw., die bis auf 45 Luth. und 134 Kath. reform. sind, und unter diesen 19 Bauern, 50 Handwerker und 54 Taglöhner. Jährlich werden 2 Krämermärkte gehalten. In der Gemarkung entspringt die Weschnitz, auch befinden sich in derselben Sandsteinlager, die aber nicht benutzt werden. - Diesen Ort, der zu Lehen gegeben war, verpfändete Kaiser Ludwig nebst einem Hofe zu Ellenbach, an Syfried von Pavey, Edelknecht, um 215 Pfund Heller, welches Pfand Hartwich und Winmar, Gebrüder Kreiß von Lindenfels, 1324 abgelößt haben, wodurch sie in jenes Pfandrecht eingetreten sind. Ersterer, Hartwich Kreiß von Lindenfels, bewitthumte 1357 seine Gemahlin, Else Landschad von Steinach, mit 100 Mark Silber, auf Hammelbach. Im Jahr 1391 erhielt Ulrich Landschad diesen Ort lehenweise, und im folqenden Jahre vom Pfalzqrafen Ruprecht II. pfandweise. Jedoch wurde in der Folge diese Pfandschaft wieder ausgelöst, und die Vogtei mit Churpfalz wieder vereinigt. Bei der Kirchentheilung 1705 fiel die alte Kirche den Katholiken zu, es wurde aber, weil die Gemeinde zu klein war, die Pfarrei nach Waldmichelbach verlegt. Die Reformirten haben sich eine Kirche erbaut, und mit einem eigenen Pfarrer bestellt. Hammelbach kam 1802 von Churpfalz an Hessen.«[20]

Im Neuesten und gründlichsten alphabetischen Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten von 1845 heißt es[21]:
»Hammelbach bei Lindenfels. — Marktflecken mit reformirter Pfarrkirche, hinsichtlich der kathol. zur Pfarrei Waldmichelbach gehörig. — 94 H. 712 E. — Großherz. Hessen. - Provinz Starkenbürg. — Kreis Heppenheim. — Landgericht Fürth. — Hofger. Darmstadt. — Der Flecken Hammelbach, am Abhange eines Berges belegen, hat mehrere Handwerker und Ackerleute. Auch werden hier 2 Krammärkte gehalten. Die in der Gemarkung befindlichen Sandsteinlager werden nicht benutzt. Der Ort ist im Jahre 1802 von Churpfalz an Hessen abgetreten worden.«

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Einwohnerzahlen sind dokumentiert[8]:

  • 1568: 021 Hausgesessene
  • 1613: 021 Hausgesessene
    Leibeigene: 15 Männer und 17 Frauen
  • 1784: 301 Einwohner
  • 1939: 649 Einwohner
  • 1961: 888 Einwohner
  • 1970: 979 Einwohner
Hammelbach: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
742
1840
  
931
1846
  
1.022
1852
  
1.029
1858
  
1.025
1864
  
1.028
1871
  
1.047
1875
  
1.096
1885
  
1.094
1895
  
962
1905
  
936
1910
  
923
1925
  
769
1939
  
649
1946
  
992
1950
  
929
1956
  
892
1961
  
888
1967
  
1.016
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hammelbacher gotische Kapellenruine

Sehenswert sind die gotische Kapellenruine aus dem 14. Jahrhundert auf dem Friedhof und das historische Backhaus.

Traditionelle Feste sind zum einen die Kirchweih, die auch Kerwe genannt wird und jeweils am 4. Wochenende im September stattfindet, zum anderen ein Straßenfest in der Schulstraße, das an Fronleichnam gefeiert wird.

An Vereinen gibt es in Hammelbach einen Sportverein und einen Motorsportverein.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Infrastruktur findet sich in Hammelbach ein Freibad und einen Campingplatz, sowie eine Bäckerei, einen kleinen Lebensmittelladen, einen Frisör sowie mehrere Gaststätten. Weiterhin hat Hammelbach eine evangelische sowie eine katholische Kirche und einen Kindergarten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Straßenverkehr ist Hammelbach durch die Landesstraße L 3346 erschlossen, die in Nord-Süd-Richtung verläuft und bei Weschnitz von der Bundesstraße 460, der Siegfriedstraße nach Süden abzweigt und bei Wahlen in die L 3105 einmündet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine. Band 1, Leipzig 1786–1788. (online bei Hathi Trust, digital library)
  • Georg W. Wagner: Oktober 1829: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 (online bei google books)
  • Christoph Friedrich Moritz Ludwig Marchand: Lindenfels. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte des Großherzogthums Hessen. Darmstadt, 1858 (online bei google books)
  • Philipp Alexander Ferdinand Walther: Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Jonghans, Darmstadt 1854. (bei online bei google books)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hammelbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auszug aus den Statistiken der Gemeinde aus dem Jahr 2008 (Memento vom 17. August 2012 im Internet Archive)
  2. 79. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 21. November 2012. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 9, 2014, ISSN 0724-7885, S. 187.
  3. Nachweis des Gewässernamens im amtlichen Kartenwerk ATKIS 1:10.000
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 206
  5. Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch - Starkenburg, Darmstadt 1937, Seite 294f
  6. a b Johann Goswin Widder, Seite 521ff
  7. C.F.M.L. Marchard, Seite 46
  8. a b c d Hammelbach, Landkreis Bergstraße. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 11. Juni 2014, abgerufen am 12. Februar 2015.
  9. Konrad Dahl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues, Darmstadt 1812. Seite 248 (online bei google books)
  10. M. Borchmann, D. Breithaupt, G. Kaiser: Kommunalrecht in Hessen. W. Kohlhammer Verlag, 2006, ISBN 3-555-01352-1, Seite 20 (Online bei google books)
  11. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  12. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1852 (No. 30) (online bei der Bayrischen Staatsbibliothek)
  13. Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland. Walter de Gruyter, 2007, ISBN 3110190567 (online bei google books)
  14. Philipp Alexander Ferdinand Walther: Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Jonghans, Darmstadt 1854, Seite XXX (online bei google books)
  15. Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen, 1869, Seite 42 (online bei google bookss)
  16. Martin Kukowski: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: Überlieferung aus dem ehemaligen Grossherzogtum und dem Volksstaat Hessen. Band 3, K.G. Saur, 1998, Seite 23, ISBN 3-598-23252-7
  17. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“. Die Entstehung des Kreises Bergstraße. 2007, S. 109, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014, abgerufen am 9. Februar 2015 (PDF; 9,0 MB).
  18. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 206
  19. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Bl. S. 197–211)
  20. Georg W. Wagner: Band 1, Seite 99f
  21. Johann Friedrich Kratzsch: Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten, Nauenburg 1845, Band 1, Seite 581 (online bei Hathi Trust, digital library)