Helene Hegemann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Helene Hegemann bei der Lesung auf dem Erlanger Poetenfest 2013

Helene Hegemann (* 19. Februar 1992 in Freiburg im Breisgau), auch Helene Isemeyer,[1] ist eine deutsche Autorin, Regisseurin und Schauspielerin. Als junge Autorin wurde sie von der Literaturkritik zunächst für ihren Debütroman Axolotl Roadkill als authentisch hochgelobt. Wenige Monate später stand das Buch wegen Plagiatsvorwürfen erneut im Mittelpunkt des Feuilletons.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hegemann wuchs zunächst bei ihrer geschiedenen Mutter, einer Grafikerin und Theatermalerin, in Bochum auf. Nach dem Tod ihrer Mutter zog sie mit 13 Jahren zu ihrem Vater Carl Hegemann nach Berlin.[3][4] In diesem Alter begann Hegemann mit dem Schreiben und erlangte erste Aufmerksamkeit mit ihrem Weblog.[5]

Am 6. Dezember 2007 wurde ihr Theaterstück Ariel 15 in Berlin im Ballhaus Ost unter der Leitung von Sebastian Mauksch uraufgeführt. Helene Hegemann nennt ihr Stück ein Kunstmärchen.[6] Es wurde 2008 vom Deutschlandradio als Hörspiel umgesetzt.[7]

Im selben Jahr subventionierte die Bundeskulturstiftung die Realisierung eines Drehbuchs, das Hegemann im Alter von vierzehn Jahren geschrieben hatte.[8] Der daraus entstandene Film, Torpedo, ein Jugenddrama, bei dem sie auch Regie führte, wurde 2008 bei den Hofer Filmtagen uraufgeführt, lief im Sommer 2009 in den deutschen Kinos und wurde mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.[9] Der Film ist mit Jule Böwe, Alice Dwyer, Lars Eidinger und Caroline Peters hochkarätig besetzt. Katharina Saalfrank hat eine Gastrolle als Therapeutin.

Im Episodenfilm Deutschland 09 spielte Hegemann 2009 eine der Hauptrollen in Nicolette Krebitz' Beitrag Die Unvollendete, in dem sie auf Ulrike Meinhof und Susan Sontag trifft.

2010 erschien Hegemanns erster Roman Axolotl Roadkill im Ullstein-Verlag. Das Buch wurde anfangs als Sensation der Literatursaison gefeiert („große[r] Coming-of-age-Roman der Nullerjahre“),[10] bis Vorwürfe laut wurden, Hegemann habe bei dem Berliner Blogger und Autor Airen abgeschrieben. Einige Formulierungen und Passagen erwiesen sich als kopiert,[11] was eine ausführliche Kontroverse nicht nur über Hegemann, sondern auch über Theorie, Praxis und Definition des Plagiats im Gegensatz zu „Intertextualität“ auslöste.[12] Dennoch wurde das Buch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.[13] Der Roman ist mittlerweile in zahlreiche Sprachen übersetzt worden.

Im Jahr 2013 erschien ihr zweiter Roman Jage zwei Tiger.

Hegemann, die nach dem Realschulabschluss von der Schule abging, lebt in Berlin.[14] Ihre Lebensgefährtin ist die Journalistin Andrea Hanna Hünniger.[15]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Torpedo (Drehbuch, Regie), 2008
  • Deutschland 09 (als Darstellerin), 2009

Hörspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lyrics - Dieses Gedicht wurde vor ca. 20.000 Jahren geschrieben und ist immer noch aktuell, 2011

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontroverse um Axolotl Roadkill

Porträts und Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Torpedo. ARTE, 2. September 2009, abgerufen am 21. November 2010.
  2. Plagiatsvorwurf gegen Bestsellerautorin, Focus online, 8. Februar 2010, abgerufen 19. November 2012
  3. Tobias Rapp: Autoren: Das Wunderkind der Boheme. In: Spiegel Online. 18. Januar 2010, abgerufen am 20. August 2013.
  4. Verena Friederike Hasel: Rote Rosen für Neurosen. In: Tagesspiegel. 8. März 2009, abgerufen am 20. August 2013.
  5. Spex, Ausg. 328, Sept./Okt. 2010, S. 48ff.
  6. ARIEL 15 – Ballhaus Ost
  7. Ariel 15 – oder die Grundlagen der Verlorenheit – Hörspiel von Helene Hegemann
  8. credofilm.de: Torpedo
  9. Laura Weißmüller: Berlinale: Helene Hegemann Katapultiert ins Elend der Jugend. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 20. August 2013.; Torpedo bei Filmgalerie 451
  10. Mara Delius: Mir zerfallen die Worte im Mund wie schlechte Pillen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Januar 2010, abgerufen am 12. September 2014.
  11. Das habe ich erlebt, nicht Helene Hegemann, ein Interview mit dem Blogger »Airen«. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. Februar 2010, abgerufen am 20. August 2013 (mit einer Zusammenstellung aller ähnlichen Passagen).
  12. Veronika Schuchter: Der Fall Hegemann. Analyse einer Debatte. In: literaturkritik.at. 7. Mai 2010, abgerufen am 12. September 2014.
  13. Trotz Plagiat: Hegemann für Buchpreis nominiert, Deutschlandradio Kultur, 11. Februar 2010, abgerufen 19. November 2012
  14. Cosima Lutz: Hegemann feiert die Kommune im Kapitalismus. In: Die Welt. 20. Januar 2010, abgerufen am 20. August 2013.; Ric Graf: Stadtmenschen: Mein Leben, mein Film. In: Tagesspiegel. 6. Dezember 2008, abgerufen am 20. August 2013.
  15. Leider normal, Andrea Hanna Hünniger in: DIE WELT vom 8. März 2015.
  16. Max-Ophüls-Festival – So reich war das Angebot selten, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Februar 2009