Helene Hegemann

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Helene Hegemann (2017)

Helene Hegemann (* 19. Februar 1992 in Freiburg im Breisgau) ist eine deutsche Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Als junge Autorin wurde sie von der Literaturkritik zunächst für ihren Debütroman Axolotl Roadkill als authentisch gelobt. Wenige Monate später stand das Buch wegen Plagiatsvorwürfen in den Feuilletons. Neben weiteren Romanen schrieb und realisierte sie Theater- und Filmprojekte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helene Hegemann ist die Tochter des Dramaturgen Carl Hegemann und der Grafikerin und Bühnenmalerin Brigitte Isemeyer. Als sie drei Jahre alt war, trennten sich die Eltern. Helene wuchs bei ihrer Mutter in Bochum auf.[1] Nach dem Tod ihrer Mutter, die alkoholkrank war, zog sie mit 13 (oder 14) Jahren zu ihrem Vater nach Berlin, wo er an der Volksbühne arbeitete. Die Berliner Theaterszene wurde ein Teil ihres Lebens. In dieser Zeit begann sie zu schreiben.[2] Mit der Mittleren Reife ging sie von der Schule ab.[3]

Hegemann lebt und arbeitet als freie Autorin in Berlin.[4]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. Dezember 2007 wurde ihr Theaterstück Ariel 15 mit dem Untertitel „Die Grundlagen der Verlorenheit“ in Berlin im Ballhaus Ost unter der Leitung von Sebastian Mauksch uraufgeführt. Helene Hegemann nennt ihr Stück ein Kunstmärchen.[5] Es wurde 2008 von Deutschlandradio Kultur als Hörspiel umgesetzt und gesendet.[6]

Mit 14 Jahren hatte Helene Hegemann binnen eines Monats das Drehbuch zu dem Film „Torpedo“ geschrieben, der vom Umzug der 15-jährigen Mia in die Hauptstadt erzählt.[7] Die Kulturstiftung des Bundes subventionierte 2007 die Realisierung.[8] Der daraus entstandene 42-minütige Film ist ein Jugenddrama mit autobiografischen Zügen, bei dem sie selbst Regie führte. Alice Dwyer spielte die Protagonistin „Mia“. Er wurde 2008 bei den Hofer Filmtagen uraufgeführt, lief im Sommer 2009 in den deutschen Kinos und wurde mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.[9] Im Episodenfilm Deutschland 09, der auf der Berlinale 2010 Premiere hatte, spielte Hegemann eine der Hauptrollen in Nicolette Krebitz’ Beitrag Die Unvollendete, in dem sie auf Ulrike Meinhof und Susan Sontag trifft.[10]

Helene Hegemann bei der Lesung auf dem Erlanger Poetenfest 2013

2010 erschien Hegemanns erster Roman Axolotl Roadkill im Ullstein-Verlag. Das Buch wurde als Sensation der Literatursaison gefeiert („große[r] Coming-of-Age-Roman der Nullerjahre“),[11] wobei Vorwürfe laut wurden, Hegemann habe bei dem Berliner Blogger und Autor Airen abgeschrieben. Einige Formulierungen und Passagen erwiesen sich als kopiert,[12] was eine ausführliche Kontroverse nicht nur über Hegemann, sondern auch über Theorie, Praxis und Definition des Plagiats im Gegensatz zu „Intertextualität“ auslöste.[13] Dennoch wurde das Buch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.[14] Der Roman ist mittlerweile in 15 Sprachen übersetzt worden.[15] 2015 verfilmte sie als Regisseurin und Drehbuchautorin ihren Debütroman unter dem Titel Axolotl Overkill mit Jasna Fritzi Bauer in der Hauptrolle. Der Film hatte als deutscher Beitrag im internationalen Wettbewerb auf dem Sundance Film Festival 2017 Weltpremiere.[16]

Ihr dritter Roman Bungalow war auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018.[17] Hegemanns 2021 erschienenes Essay über Patti Smith wurde in deutschen Feuilletons lobend rezensiert. Julia Encke las den Text als autobiografische Erzählung, die „eine Lebensrettungsgeschichte mit unglaublicher Wucht“ sei.[18]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie war mit der Journalistin Andrea Hanna Hünniger[19] liiert. Zusammen waren sie im Juli 2015 auf der Titelseite des Magazins Emma abgebildet.[20]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Helene Hegemann signierte Buchseite in ihrem Roman Jage zwei Tiger (2018)
Romane
Kurzgeschichten
Essay
Filme
Bühnenprojekte

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Laura Schütz: Punctum, Punctum, Loop, Pop? Zur Ästhetik von Helene Hegemanns Roman Axolotl Roadkill (2010), in: Ingo Irsigler, Ole Petras, Christoph Rauen (Hrsg.): Deutschsprachige Pop-Literatur von Fichte bis Bessing, V&R unipress, Göttingen 2019, ISBN 978-3-8471-0981-5, S. 285–304

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Helene Hegemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Porträts und Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Revanche einer Unverstandenen. In: Süddeutsche Zeitung Magazin. 22. Juni 2017.
  2. Daniel Stich: Axolotl Roadkill und die Plagiatsdebatte. Welche erzählerische Funktion haben die unausgewiesenen Zitate im Roman Helene Hegemanns? Examensarbeit 2010. GRIN Verlag, 2011, ISBN 978-3-640-96800-8, Kap. 2.1: Die Autorin.
  3. Tobias Rapp: Autoren: Das Wunderkind der Boheme. In: Spiegel Online. 18. Januar 2010, abgerufen am 20. August 2013.
  4. Cosima Lutz: Hegemann feiert die Kommune im Kapitalismus. In: Die Welt. 20. Januar 2010, abgerufen am 20. August 2013.; Ric Graf: Stadtmenschen: Mein Leben, mein Film. In: Tagesspiegel. 6. Dezember 2008, abgerufen am 20. August 2013.
  5. ARIEL 15 HELENE HEGEMANN / SEBASTIAN MAUKSCH (Memento vom 2. März 2013 im Internet Archive)
  6. Ariel 15 – oder die Grundlagen der Verlorenheit – Hörspiel von Helene Hegemann
  7. Verena Friederike Hasel: Rote Rosen für Neurosen, Der Tagesspiegel, 8. März 2009
  8. Torpedo: Ein Film nach einer besonderen Geschichte von Helene Hegemann. Kulturstiftung des Bundes, abgerufen am 6. Februar 2022 (deutsch).
  9. Laura Weißmüller: Berlinale: Helene Hegemann Katapultiert ins Elend der Jugend. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 20. August 2013.; Torpedo bei Filmgalerie 451
  10. Laura Weißmüller: Berlinale: Helene Hegemann. Katapultiert ins Elend der Jugend, Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010
  11. Mara Delius: Mir zerfallen die Worte im Mund wie schlechte Pillen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Januar 2010, abgerufen am 12. September 2014.
  12. Das habe ich erlebt, nicht Helene Hegemann, ein Interview mit dem Blogger »Airen«. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. Februar 2010, abgerufen am 20. August 2013 (mit einer Zusammenstellung aller ähnlichen Passagen).
  13. Veronika Schuchter: Der Fall Hegemann. Analyse einer Debatte. In: literaturkritik.at. 7. Mai 2010, abgerufen am 12. September 2014.
  14. Trotz Plagiat: Hegemann für Buchpreis nominiert, Deutschlandradio Kultur, 11. Februar 2010, abgerufen 19. November 2012
  15. Laura Schütz: Punctum, Punctum, Loop, Pop? Zur Ästhetik von Helene Hegemanns Roman Axolotl Roadkill (2010), in: Ingo Irsigler, Ole Petras, Christoph Rauen (Hrsg.): Deutschsprachige Pop-Literatur von Fichte bis Bessing, V&R unipress, Göttingen 2019, ISBN 978-3-8471-0981-5, S. 285
  16. Wolfgang Stuflesser: Weltpremiere von Helene Hegemanns „Axolotl Overkill“, Deutschlandfunk Kultur, 21. Januar 2017
  17. Longlist zum Deutschen Buchpreis. Diese 20 Romane sind im Rennen, Deutschlandfunk Kultur, 14. August 2018
  18. Julia Encke: Hegemann über Smith: Aliens und Obdachlose, FAZ, 27. August 2021
  19. Leider normal, Andrea Hanna Hünniger in: DIE WELT vom 8. März 2015.
  20. K-Word #207: Neues aus der Lesbenwelt. Abgerufen am 12. Oktober 2020.
  21. Laura Schütz: Punctum, Punctum, Loop, Pop? Zur Ästhetik von Helene Hegemanns Roman Axolotl Roadkill (2010), in: Ingo Irsigler, Ole Petras, Christoph Rauen (Hrsg.): Deutschsprachige Pop-Literatur von Fichte bis Bessing, V&R unipress, Göttingen 2019, ISBN 978-3-8471-0981-5, S. 291
  22. Michael Struck-Schloen: Jungautorin Hegemann inszeniert ihre erste Oper. "I make hits motherfucker", Süddeutsche Zeitung, 8. Dezember 2013
  23. Max-Ophüls-Festival – So reich war das Angebot selten, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Februar 2009