Susan Sontag

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Juan Bastos: Susan Sontag (2009)

Susan Sontag, geborene Rosenblatt, (* 16. Januar 1933 in New York City, New York; † 28. Dezember 2004 ebenda) war eine amerikanische Schriftstellerin, Essayistin, Publizistin und Regisseurin. Sie war bekannt für ihren Einsatz für Menschenrechte sowie als Kritikerin der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Susan Sontag wurde als Tochter des Exportkaufmanns Jack Rosenblatt und der Lehrerin Mildred Jacobsen geboren, beide jüdischer Herkunft. Während die Eltern in der Republik China waren, wurde sie von den Großeltern aufgezogen. Ihr Vater erkrankte und starb an Tuberkulose, als sie fünf Jahre alt war. Die Mutter, die sie als lieblos beschrieb, heiratete sieben Jahre später Nathan Sontag, einen U.S. Army Captain. Susan und ihre Schwester Judith übernahmen den Nachnamen des Stiefvaters, obwohl er sie nicht adoptierte.

1949 ging Susan Sontag zunächst an die University of California, Berkeley, wechselte aber noch im selben Jahr an die University of Chicago und studierte Literatur, Theologie und bei Leo Strauss Philosophie. Früh entwickelte sie eine Leidenschaft für deutschsprachige Literatur. 1950 heiratete sie - mit 17 Jahren - den Soziologen Philip Rieff, an dessen Lehrveranstaltungen sie teilnahm. Mit ihm gemeinsam veröffentlichte sie eine Studie über den Einfluss von Sigmund Freud auf die moderne Kultur (Freud: The Mind of the Moralist). Nach zwei Jahren kam ihr Sohn David zur Welt. 1958 erfolgte die Scheidung von Philip. 1956 besuchte sie in Harvard ein Seminar über Klassische Deutsche Philosophie bei Paul Tillich. Dort schrieb sie ihre Doktorarbeit in Philosophie. In Harvard lernte sie Jacob und Susan Taubes kennen, die gemeinsam mit Tillich zu ihren Mentoren und Förderern wurden.[2] Herbert Marcuse bezeichnete sie als ihren Freund und Hannah Arendt lernte sie kennen, als sie mit Mitte 20 nach New York zog.[3] Von 1988 bis zu ihrem Tod lebte sie in einer Beziehung mit der Fotografin Annie Leibovitz.

Susan Sontags Grab auf dem Cimetière Montparnasse

Susan Sontag wohnte im New Yorker Stadtteil Chelsea. Als öffentlich stark wahrgenommene Intellektuelle war sie u. a. im New York Institute for the Humanities aktiv, zu dessen Mitgliedern sie gehörte. Sie trat als scharfe Kritikerin der Regierung Bush jr., insbesondere des Irakkriegs, in Erscheinung. Neben Mary McCarthy und Joan Didion galt sie als die US-amerikanische femme de lettres.

Große Anerkennung fanden ihre Essays zur Ästhetik und Hermeneutik in Fotografie, Film, Literatur und Kunst. Umstritten war ihre Haltung zum Werk Hans-Jürgen Syberbergs, dessen Film Hitler, ein Film aus Deutschland (1977) sie gelobt hatte. In verschiedenen Bereichen war sie auch für Theater und Film tätig. 1993 inszenierte sie während des Bosnienkrieges in Sarajevo das Theaterstück Warten auf Godot von Samuel Beckett.

Sontag starb Ende 2004 im Alter von 71 Jahren in New York an Leukämie und wurde auf dem Cimetière Montparnasse in Paris beigesetzt. Über ihre letzten Tage schrieb ihr Sohn, der Journalist und Autor David Rieff, das Buch Tod einer Untröstlichen, das 2009 im Carl Hanser Verlag erschien.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theaterstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alice in Bed, deutsch: Alice im Bett: Stück in acht Szenen, übersetzt von Wolfgang Wiens, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3-88661-123-2
  • Baby U: Thalia Theater Hamburg 1994
  • Die Frau vom Meer U: Teatro Communale Ferrara 1998; DE: Deutsches Theater Berlin 2003

Essays und andere Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie und Drehbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1969: Duett för kannibaler (Duet for Cannibals)
  • 1971: Broder Carl (Brother Carl)
  • 1974: Promised Lands
  • 1983: Unguided Tour AKA Letter from Venice

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1966: Galaxy
  • 1979: Town Bloody Hall
  • 1983: Zelig (Interview)
  • 1984: Mauvaise conduite
  • 1987: Do Not Enter: The Visa War Against Ideas
  • 1991: Joseph Cornell: Worlds in a Box
  • 2003: Die Liebhaberin des Vulkans – Mit Susan Sonntag in New York
  • 2003: Campus, le magazine de l'écrit
  • 2006: Absolute Wilson
  • 2011: Susan Sontag. Denkerin und Diva / Une diva engagée / The glamour of seriousness (Regie: Birgitta Ashoff) [9]
  • 2014: Regarding Susan Sontag (Regisseurin: Nancy Kates)

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1965: Monitor – (Folge: Always on Sunday) und (Folge: Cheese! Or What Really Did Happen in Andy Warhol's Studio) (TV–Serie)
  • 1972: Vive le cinéma – Episode vom 15 Oktober 1972 (TV–Serie)
  • 1984: Àngel Casas Show – (Episode 124) (TV–Serie)
  • 1989: The Poet Remembers (Spielfilm)
  • 1989: Everyman – Just an Illness (TV–Serie)
  • 2002: Negro sobre blanco – (Episode vom 8. Dezember 2002) (TV–Serie)
  • 2003: Alexandria – (Episode vom 11. November 2003) (TV–Serie)

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Susan Sontags zehntem Todestag veranstalteten im November 2014 die Münchner Kammerspiele in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Bayerischen Rundfunk und dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München ein Symposium mit dem Titel Radikales Denken. Zur Aktualität Susan Sontags.[10], das Sontags Aktualität zeigt:

„Der ehemalige Hanser-Verleger Michael Krüger, die Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen, der Autor Thomas Meinecke, die Philosophin Juliane Rebentisch, die Publizistin Carolin Emcke oder der Popliteratur-Forscher Eckhard Schumacher loten ein bemerkenswert weites, ungebrochen fruchtbares intellektuelles Feld aus.[11]

Jens-Christian Rabe

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gero von Boehm: Susan Sontag. 12. Mai 1989. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S.201–209
  • Jan Engelmann, Richard Faber, Christine Holste (Hrsg.): Leidenschaft der Vernunft. Die öffentliche Intellektuelle Susan Sontag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2009, ISBN 978-3-8260-4325-3
  • Stephan Isernhagen: Susan Sontag. Die frühen New Yorker Jahre. Tübingen 2016, ISBN 978-3-16-153936-7
  • Michael Krüger, interviewt von Petra Hallmayer: Denken als Lust. Michael Krüger eröffnet das Susan-Sontag-Symposion. Ein Gespräch mit dem Verleger über die große Essayistin., in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 272, 26. November 2014, ISSN 0174-4917, Seite R20
  • Daniel Schreiber: Susan Sontag. Geist und Glamour. Biographie. Aufbau, Berlin 2007 ISBN 978-3-351-02649-3 [12]
  • David Rieff: Swimming in a Sea of Death. A Son’s Memoir. Simon & Schuster, 2008, ISBN 978-0743299473[13][14]
  • David Rieff: Tod einer Untröstlichen. Die letzten Tage von Susan Sontag. Übers. Reinhard Kaiser. Carl Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23522-9
  • Tanja Zimmermann: Ein Kriegsfoto aus Bosnien. Beglaubigungen und Verweigerungen durch Ron Haviv, Susan Sontag und Jean-Luc Godard, in Zwischen Apokalypse und Alltag. Kriegsnarrative des 20. und 21. Jahrhunderts. Hgg. Natalia Borissova, Susi K. Frank, Andreas Kraft. Transkript, Bielefeld 2009 ISBN 3837610454 S. 237 - 262

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Kleine-Brockhoff: Die Revisionistin.. In: Die Zeit, 26. Juni 2003.
  2. Grande Dame der US-Literatur. Zum 80. Geburtstag von Susan Sontag auf 3sat.de, abgerufen am 17. Mai 2017
  3. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. auf friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de, abgerufen am 17. Mai 2017
  4. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In: friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de (PDF).
  5. FENA Agencija: Susan Sontag dobila svoj trg u Sarajevu (Bosnian) Oslobodjenje.ba. 14. Januar 2010. Abgerufen am 21. August 2011.
  6. Notes On "Camp" In: interglacial.com (englisch)
  7. Against Interpretation die ersten vier Abschnitte
  8. Annette Brüggemann: Der ununterbrochene Dialog. In: Deutschlandfunk, 20. März 2008.
  9. Inhaltsangabe der Dokumentation bei arte.tv. Abgerufen am 24. August 2013.
  10. Programm des Symposiums, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  11. Jens-Christian Rabe: Bill Haley und die Bakchen. Zwischen Essay und Uni: Die Tagung "Radikales Denken - Zur Aktualität Susan Sontags" in den Münchner Kammerspielen., in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 276, 1. Dezember 2014, ISSN 0174-4917, S. 14.
  12. Ursula März: Kultfigur der Literaturszene. In: Deutschlandradio Kultur, 16. Januar 2008.
  13. Uwe Wittstock: Das öffentliche Sterben der Susan Sontag, Rezension in Die Welt, 5. Februar 2008
  14. Das öffentliche Sterben der Susan Sontag, erstes Kapitel