Hesperialismus

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Hesperialismus (altgriechisch Ἕσπερος, lateinisch „Hesperus“: der Abendstern, im erweiterten Sinne der Westen; siehe auch Hesperiden) ist eine politische Ideologie, welche einen grundsätzlichen Wertkonservatismus und ein Bekenntnis zur griechisch-römischen und jüdisch-christlichen Identität Europas mit dem Appell an ein enges Zusammengehen der europäischen Staaten verbindet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hesperialismus definiert sich als ein „patriotische[s] Bekenntnis zu einem vereinigten Europa, das allerdings eben nicht nur auf universalistische, sondern auch auf konservative Werte gegründet werden soll […]; ein Begriff, der aus der griechischen Bezeichnung für den äußersten Westen der bekannten Welt abgeleitet ist und gewissermaßen den Gegenbegriff zu ‚Europäismus‘ bilden soll, mit dem man meistens eine unkritische Unterstützung der gegenwärtigen Europäischen Union […] meint“.[1]

Vom Europäismus (siehe Europäische Identität) trennt den Hesperialismus dabei eine grundsätzliche Skepsis gegenüber den Europäischen Werten (siehe Grundwerte der Europäischen Union), welche unter Verweis auf das Böckenförde-Diktum als potentiell relativistisch betrachtet werden, solange ihnen eine Letztbegründung in der Transzendenz der abendländischen geistlichen Tradition fehlt. Vom Populismus trennt den Hesperialismus seine grundlegend positive Haltung gegenüber dem europäischen Einigungsprozess, solange dieser nur den Nationalstaaten einen maximalen Entfaltungsspielraum bietet und sich der Verteidigung abendländischer Identität gegenüber den vom Hesperialismus vermuteten Gefahren der Islamisierung wie auch der wirtschaftlichen und politischen Konkurrenz der Volksrepublik China verschreibt.

Der Begriff ging aus von einem Reformprojekt der Europäischen Union, das von einem europäischen Autorenkollektiv um David Engels erstellt wurde, zu dem Chantal Delsol, Alvino-Mario Fantini, Birgit Kelle, Zdzisław Krasnodębski, András Lánczi, Max Otte, Jonathan Price und Justyna Schulz gehörten, und das 2019 als Manifest in mehreren europäischen Sprachen veröffentlicht wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Engels (Hrsg.): Renovatio Europae. Plädoyer für einen hesperialistischen Neubau Europas. Manuscriptum, Lüdinghausen/Berlin, 2019. ISBN 978-3-948075-00-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Engels: Renovatio Europae. Eine hesperialistische Zukunft für Europa? In: David Engels (Hrsg.): Renovatio Europae. Plädoyer für einen hesperialistischen Neubau Europas. Manuscriptum, Lüdinghausen / Berlin 2019, ISBN 978-3-948075-00-2, S. 18.