Hohe Schlüsselblume

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Hohe Schlüsselblume

Hohe Schlüsselblume (Primula elatior)

Systematik
Familie: Primelgewächse (Primulaceae)
Unterfamilie: Primuloideae
Gattung: Primeln (Primula)
Untergattung: Primula
Sektion: Primula
Art: Hohe Schlüsselblume
Wissenschaftlicher Name
Primula elatior
(L.) Hill

Die Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Primeln (Primula) innerhalb der Familie der Primelgewächse (Primulaceae). Weitere Trivialnamen sind Wald-Schlüsselblume (Schweiz), Hohe Primel[1]. Ihre Blütenstände erscheinen bereits im März als einer der ersten Frühlingsboten auf feuchten Wiesen, am Bachrand und im Auwald.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einseitsweniger Blütenstand
Blüte

Unterscheidung der beiden ähnlichen Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten der Hohen Schlüsselblume sind im Vergleich zur Echten Schlüsselblume (Primula veris) größer und heller gefärbt. Im Unterschied zur Echten Schlüsselblume ist bei der Hohen Schlüsselblume der Schlund der Blüten goldgelb. Der Kelch sitzt eng der Kronröhre an. Die Blüten duften nur geringfügig. Zur Unterscheidung der beiden Arten aber tragen vor allem die unterschiedlichen Standortanforderungen bei; die Echte Schlüsselblume ist nur in trockenen Wiesen, Gebüsch und lichten Wäldern zu finden.[2]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hohe Schlüsselblume ist eine ausdauernde krautige Pflanze,[3] die Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern erreicht.[1]

Die 3 bis 35[3] in einer grundständigen Rosette zusammen stehenden Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert und insgesamt 2 bis 8,5 Zentimeter lang.[3] Die einfache, beiderseits behaarte, runzelige Blattspreite ist bei einer Länge von 20 bis 25 Zentimetern[1] kurz-eiförmig bis lang-elliptisch[3] und geht, immer schmäler werdend, langsam in den geflügelten[3] Blattstiel über. Die Blattoberseite wird später allmählich kahl.[4] Der Blattrand ist unregelmäßig fein gezähnt, gesägt oder fast glatt.[1][3]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von März bis Mai. Der aufrechte[3] Blütenstandssschaft ist 5 bis 30 Zentimeter lang. Der einseitswendige, doldige Blütenstand enthält viele, während der Anthese oft nickende,[3] Blüten.[1][3][4] Die kurz behaarten[3] Blütenstiele sind 3 bis 20 Millimeter lang.[1]

Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter weisen ein Länge von meist 9 bis 14 (8 bis 18) Millimetern auf und sind zu einem zylindrischen[3] oder walzenförmig Kelch mit fünf grünen scharfen Kanten verwachsen, der mit fünf lanzettlichen zugespitzten Kelchzähnen endet. Der Blütenkelch liegt der Kronröhre eng an.[1] Die fünf hellgelben[1] Kronblätter sind zu einer stieltellerförmigen Blütenkrone verwachsen.[3] Die Kronröhre ist so lang wie der Kelch oder etwas länger; sie trägt im Schlund einen grünlich-gelben bis orangefarbenen Ring.[4] Der Kronsaum ist bei einem Durchmesser von 14 bis 25 Millimetern flach oder weit trichterförmig. Die fünf Kronzipfel sind verkehrt-herzförmig.[4]

Der Fruchtstiel ist steif aufrecht.[1] Die zylindrisch geformten Kapselfrüchte sind meist länger als der Kelch.[1][3] Die Samen sind etwa 1,5 Millimeter lang, dunkelbraun und stark warzig.[4]

Chromosomensatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 11; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 22 vor.[1][3][5]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration:1. blühende Pflanze mit 2. langgriffeliger und 3. kurzgriffeliger Blüte

Der Nektar der Hohen Schlüsselblume befindet sich tief unten in der Blütenröhre. Als bestäubende Insekten kommen daher nur langrüsselige Arten wie Hummeln und Schmetterlinge in Frage. Bei Bienen kann man jedoch manchmal beobachten, dass sie die Kronröhre von außen aufbeißen, um auf diese Weise an den Nektar zu gelangen.

Die Hohe Schlüsselblume zählt zu den sogenannten Austrocknungsstreuern. Die reifen Kapselfrüchte rollen sich bei trockenem Wetter zurück und erlauben so, dass die Samen ausgestreut werden. Bei feuchten Wetter krümmen sich die Kapselzähne wieder nach innen und verschließen so die Kapselfrucht.

Die Hohe Schlüsselblume dient beispielsweise den Raupen des Eulenfalters Dunkelbraune Erdeule (Eugnorisma depuncta) polyphag; den Tagfaltern Perlbinde (Hamearis lucina) oligophag sowie dem gefährdeten Schlüsselblumen-Würfelfalter (Hamearis lucina) oligophag als Futterpflanze.[1]

Die Hohe Schlüsselblume wird vom Rostpilz Puccinia primulae befallen.[6]

Die Pollen-Ausbreitungseinheit als einzelnes Pollenkorn, also Monade.[7]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hohe Schlüsselblume ist in Europa, in Vorderasien und in der Kaukasusregion weitverbreitet.[8] Es gibt Fundortangaben für Deutschland, Österreich, Liechtenstein, die Schweiz, Italien, Monaco, Frankreich, die Kanalinseln, das Vereinigte Königreich, Spanien, Andorra, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Dänemark, das südliche Schweden, Polen, Belarus, Russland, Ungarn, Tschechien, Kroatien, Serbien, Kosovo, die Slowakei, Slowenien, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien, Albanien, Bulgarien, den asiatischen Teil der Türkei, die Ukraine, die Krim, Georgien, Abchasien, Adscharien, Armenien, Aserbaidschan. die russische Republik Altai sowie den nördlichen Iran.[8][9] In einigen Gebieten ist Primula elatior ein Neophyt.[9][10]

Man findet die Hohe Schlüsselblume häufig in krautreichen Eichen-Hainbuchen-Wäldern, in Auen- und Schluchtwäldern und in Bergwiesen. Sie gedeiht meist auf feuchten, nährstoff- und basenreichen, lockeren Böden, auch an schattigen Standorten. Sie zeigt Lehmboden an.

In den Allgäuer Alpen steigt die Hohe Schlüsselblume in Bayern am Rauheck bis zu einer Höhenlage von 2300 Metern auf.[11] In Graubünden erreicht sie am Aroser Rothorn sogar eine Höhenlage von 2645 Metern.[4]

Nach Ellenberg ist sie subozeanisch verbreitet, ein Schwachsäure- bis Schwachbasezeiger, lebt auf stickstoffreichen Standorten und ist eine Charakterart der Ordnung der Edellaub-Mischwälder und verwandter Pflanzengesellschaften (mesophytischen, buchenwaldartigen Laubwälder Europas (Fagetalia sylvaticae)).[12]

Primula elatior subsp. corcontica
Primula elatior subsp. pallasii
Pollenkörner im Lichtmikroskop

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 als Varietät Primula veris var. elatior durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 143.[13] Das Artepitheton elatior bedeutet höherwüchsig. Den Rang einer Art Primula elatior (L.) L. hat sie bereits 1754 durch Linné in Flora Anglica, S. 12. erhalten.[3] Die Veröffentlichung des Namens Primula elatior (L.) Hill durch John Hill in The Vegetable System, 8, S. 25 erfolgte erst ein Jahr später 1765.[9] Weitere Synonyme für Primula elatior (L.) L. sind: Primula perreiniana Flüggé, Primula veris subsp. elatior (L.) Ehrh., Primula veris subsp. tatrensis (Domin) Soó, Primula elatior var. tatrensis Domin, Primula elatior subsp. poloninensis (Domin) Dostál, Primula elatior subsp. tatrensis (Domin) Soó[9]

Je nach Autor gibt es einige Unterarten (Auswahl):[9]

  • Primula elatior subsp. amoena (M.Bieb.) Greuter & Burdet (Syn.: Primula amoena M.Bieb., Primula kusnetzovii Fed., Primula meyeri Rupr., Primula elatior subsp. meyeri (Rupr.) Valentine & Lamond): Den Rang einer Unterart hat sie seit 1982. Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei, in Armenien, Georgien, Abchasien sowie Adscharien vor.[9]
  • Primula elatior subsp. corcontica (Domin) Kovanda: Sie wurde 1997 aus Tschechien erstbeschrieben.[9]
  • Primula elatior (L.) L. subsp. elatior (Syn.: Primula poloninensis (Domin) Fed., Primula carpathica (Griseb. & Schenk) Fuss, Primula elatior subsp. carpathica (Griseb. & Schenk) W.W.Sm. & Forrest, Primula elatior (L.) Hill subsp. elatior): Sie ist in Europa weitverbreitet, beispielsweise im nördlichen Spanien[3]. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 3+ (feucht), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[14]
  • Primula elatior subsp. intricata (Gren. & Godr.) Widmer (Syn.: Primula intricata Gren. & Godr., Primula elatior subsp. intricata (Gren. & Godr.) Lüdi): Sie kommt in Mittel-, Süd-[3] und Südosteuropa vor.[9]
  • Primula elatior subsp. leucophylla (Pax) W.W.Sm. & H.R.Fletcher (Syn.: Primula leucophylla Pax): Ihr disjunktes Areal liegt nur in Polen und Rumänien.[9]
  • Primula elatior subsp. lofthousei (Hesl.-Harr. f.) W.W.Sm. & H.R.Fletcher (Syn.: Primula lofthousei Hesl.-Harr.): Dieser Endemit gedeiht in Spanien[9] nur in Höhenlagen von 1500 bis 2400 Metern in der Sierra Nevada sowie Sierra de Baza und vielleicht auch in Ávila sowie Salamanca vor.[3]
  • Primula elatior subsp. pallasii (Lehm.) W.W.Sm. & Forrest (Syn.: Primula pallasii Lehm.): Sie kommt im südlichen Teil des europäischen Russlands, in Armenien, Georgien, Abchasien sowie Adscharien vor.[9]
  • Primula elatior subsp. pseudoelatior (Kusn.) W.W.Sm. & Forrest (Syn.: Primula pseudoelatior Kusn.): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor.[9]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Junge Laubblätter werden roh oder gegart beispielsweise in Suppen gegessen. Der Geschmack ist mild und die Laubblätter sind schon im späten Winter verfügbar.[15]

Die medizischen Wirkungen wurden untersucht.[15] Aus den Blüten und unterirdischen Pflanzenteilen der Hohen Schlüsselblume wird Tee hergestellt, der schleimlösend und Auswurf fördernd wirkt.[15][16]

Sorten der Hohen Schlüsselblume werden auch als Zierpflanze genutzt.[15] Die so genannten Elatior-Hybriden Primula ×polyantha sind allerdings trotz ihres Trivialnamens keine Abkömmlinge der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior), sondern entstammen der Kreuzung Primula veris × Primula vulgaris, der Echten und der Stängellosen Schlüsselblume (siehe dort).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gertrud Scherf: Wiesenblumen. Der etwas andere Naturführer. blv, München 2004, ISBN 3-405-16909-7.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5.
  • Dietrich Frohne: Heilpflanzenlexikon. Ein Leitfaden auf wissenschaftlicher Grundlage. 7. völlig neu bearb. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsanstalt, Stuttgart 2002, ISBN 3-8047-1897-3.
  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
  • Siegfried Schlosser, Lutz Reichhoff, Peter Hanelt: Wildpflanzen Mitteleuropas. Nutzung und Schutz. Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1991, ISBN 3-331-00301-8.
  • A. Kress: 1. Primula L. - LXXX. Primulaceae In: Castroviejo Bolibar, Santiago & al. (Hrsg.): Flora iberica. Plantas vasculares de la Península Ibérica e Islas Baleares., Volume V: Ebenaceae–Saxifragaceae, Real Jardín Botánico, CSIC, Madrid, 1997. Volltext-PDF. Primula elatior auf S. 11–14.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l Primula elatior (L.) Hill, Hohe Primel. FloraWeb.de
  2. Steckbrief des Apothekergarten der Uni Ulm.
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q r A. Kress: 1. Primula L. - LXXX. Primulaceae In: Castroviejo Bolibar, Santiago & al. (Hrsg.): Flora iberica. Plantas vasculares de la Península Ibérica e Islas Baleares., Volume V: Ebenaceae–Saxifragaceae, Real Jardín Botánico, CSIC, Madrid, 1997. Volltext-PDF. Primula elatior auf S. 11–14.
  4. a b c d e f Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3, Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 1746–1749.
  5. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 736.
  6. Peter Zwetko: Die Rostpilze Österreichs. Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1: Uredinales., 2000 (PDF; 1,8 MB).
  7. Datenblatt Primula elatior bei PalDat - Palynological Database.
  8. a b Primula elatior im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  9. a b c d e f g h i j k l K. Marhold (2011): Primulaceae. Datenblatt Primula elatior In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  10. Datenblatt Primula elatior bei Invasive Species Databases von CABI.
  11. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1.
  12. Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Große Reihe. Band 8104). 5., stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3, S. 1053.
  13. Carl von Linné: Species Plantarum, Tomus I, 1753, S. 143 eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  14. Primula elatior (L.) L. subsp. elatior In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 26. Mai 2022.
  15. a b c d Primula elatior bei Plants For A Future
  16. Datenblatt Primula elatior bei heilkraeuter.de.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien