Ian Gillan

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Ian Gillan beim Deep-Purple-Konzert in Hamburg 2017

Ian Gillan (* 19. August 1945 in Hounslow, Middlesex) ist ein britischer Rock-Sänger. Bekanntheit erlangte er vor allem als Sänger der Hard-Rock-Band Deep Purple, der er mit einigen Unterbrechungen seit 1969 angehört. Weitere Engagements führten ihn zu den Rock- und Heavy-Metal-Bands Episode Six und Black Sabbath. Mitte der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre war er als Sänger seiner beiden Gruppen, der Ian Gillan Band und Gillan, tätig.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und musikalische Anfänge (1945–1969)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gillan stammt aus einer musikalischen Familie. Sein Großvater war Opernsänger, sein Onkel Jazz-Pianist. Er hatte keinen Gesangsunterricht, sang aber die Sopranstimme im Kirchenchor.[1]

In den frühen 1960er Jahren trat Ian Gillan unter den verschiedensten Künstlernamen auf. So nannte er sich beispielsweise Jess Thunder, Jess Gillan oder Garth Rockett. Unter letzterem Namen trat er im September 1962 in seinem Heimatort der semi-professionellen Band The Moonshiners bei. Die Episode bei den Moonshiners dauerte jedoch nur knapp zwei Monate. Schon im Oktober desselben Jahres wechselte er zu The Javelins. Bei dieser professionelleren Band dauerte sein Engagement bis zum März 1964. Als sich The Javelins auflösten, wurde kurzfristig zur Vertragserfüllung für einige Auftritte die Band The Hickies gegründet. Ab April 1964 bis zum Mai 1965 sang Gillan bei Wainwright’s Gentlemen (deren Schlagzeuger Mick Tucker und der auf Gillan folgende Sänger Brian Connolly gründeten später The Sweet), die er bei einigen seiner Auftritte von seiner Qualität als Sänger überzeugt hatte.

Ende Mai 1965 stieg Ian Gillan bei der Band Episode Six ein, deren Bassist Roger Glover war. Mit Episode Six ging Gillan nun auch ins Aufnahmestudio. Die Band unterzeichnete einen Plattenvertrag beim Label Pye Records. Es wurden insgesamt neun Singles für den britischen Markt produziert. Einige Singles wurden auch auf dem europäischen Festland, den USA, Japan, Australien und Neuseeland veröffentlicht. Ein begonnenes Album mit dem Namen The Story wurde aber nicht mehr fertiggestellt. Die Aufnahmen wurden später in den 80er und 90er Jahren zu Alben zusammengefasst.

Erste Mitgliedschaft bei "Deep Purple" (1969–1973)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ian Gillan mit Deep Purple, 1970

Im Juli 1969 verließ Ian Gillan Episode Six um als Sänger bei Deep Purple einzusteigen. Roger Glover begleitete ihn und wurde neuer Bassist dieser Band. In der Besetzung Ian Gillan, Roger Glover, Ian Paice, Ritchie Blackmore und Jon Lord (auch bekannt als Mk II Besetzung) entstanden die für das Hard Rock-Genre wegweisenden Deep-Purple-Alben: Deep Purple in Rock, Fireball und Machine Head sowie Who Do We Think We Are. Auf Machine Head findet sich auch das wohl bekannteste Stück von Deep Purple: Smoke on the Water. Nach Unstimmigkeiten verließ Ian Gillan zeitgleich mit Roger Glover die Gruppe 1973 und versuchte sich zunächst an seinem ersten Solo-Projekt, das aber über Demo-Aufnahmen nicht hinauskam (dokumentiert auf Cherkazoo and Other Stories).

Noch während der Tätigkeit bei Deep Purple sang Ian Gillan die Titelrolle in Andrew Lloyd Webbers Rockoper Jesus Christ Superstar, die ursprünglich nur als Konzeptalbum geplant war und 1970 als LP erschien.

Solokarriere mit der "Ian Gillan Band" und "Gillan" und Zeit bei "Black Sabbath" (1973–1983)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von September 1973 bis zum September 1975 arbeitete Ian Gillan in den unterschiedlichsten Branchen. So war er im Management eines Motorradherstellers engagiert, leitete die Kingsway Recorders Studios in London und ein Country Club Hotel in Thames Valley.

Im September 1975 gründete er dann die Jazz-Rock-Gruppe Ian Gillan Band. Der Verkaufserfolg der produzierten LPs stellte sich zunächst nur langsam ein, wobei aber die Konzertsäle weltweit gut gefüllt waren. Bis August 1978 wurden drei Studio-LPs und ein Live-Doppel-Album produziert. Ian Gillan trieb aber auch seine Solo-Bestrebungen weiter. So arbeitete er an Projekten anderer Stars mit und begann wieder an eigenen Plattenproduktionen zu feilen.

Nachdem der kommerzielle Erfolg der Ian Gillan Band sich langfristig nicht einstellte, gründete er mit seinem Keyboarder Colin Towns die Band Gillan, die Deep Purples typischen Hardrocksound mit der neu aufkeimenden New Wave of British Heavy Metal verband, und in unterschiedlichsten Besetzungen bis zum November 1982 existierte. Hier spielten der Gitarrist Bernie Tormé, Mick Underwood (Drums, ex-Quatermass) und John McCoy am Viersaiter mit. Auf den letzten beiden Studioalben wurde Tormé durch den späteren Iron-Maiden-Gitarristen Janick Gers ersetzt. Entgegen dem Bandnamen handelte es sich bei Gillan um eine „richtige“ Band, da auch die übrigen Bandmitglieder Lieder beisteuerten.

Ian Gillan (Mitte)1985 auf der Bühne mit den Deep-Purple-Mitgliedern: Roger Glover (links), Ian Paice (Hintergrund) und Ritchie Blackmore (rechts)

Im Januar 1983 schloss Ian Gillan sich Black Sabbath an. Ein Gerücht besagt, dass er sich im volltrunkenen Zustand überreden ließ, den Kontrakt zu unterzeichnen. Das erfolgreiche Album Born Again wurde produziert und eine Welttournee absolviert. Später bezeichnete Ian Gillan seine Zeit bei Black Sabbath als die besten zwölf Monate seiner Karriere und als „eine einzige Party“.

Zweite und dritte Mitgliedschaft bei Deep Purple und spätere Solokarriere (ab 1984)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1984 kam es zur Freude vieler Fans zur Wiedervereinigung mit Deep Purple in der sogenannten Mark II-Besetzung. Zwei sehr erfolgreiche Studio-Alben, "Perfect Strangers" (1984), das mit dem gleichnamigen Titelsong und "Knockin' At Your Backdoor" zwei Klassiker hervorbrachte und das Album "House Of The Blue Light" (1987), sowie ein Live-Album, "Nobody's Perfect" (1988) wurden produziert. Erneute Reibereien zwischen Gillan und dem Gitarristen Ritchie Blackmore führten jedoch dazu, dass Gillan die Band im Vorfeld zu Albumaufnahmen im April 1989 zum zweiten Mal verließ. Sein Nachfolger wurde Joe Lynn Turner, der einige Jahre zuvor bereits bei Rainbow gesungen hatte. Gillan selbst schloss damals einen dritten Einstieg bei Deep Purple aus:

„Ich kann an Deep Purple nur noch wie an eine Verflossene denken. Wir heirateten 69 und wurden 73 geschieden. 84 heirateten wir noch mal und ließen uns 89 wieder scheiden. Das mach ich nicht noch mal.“ [2]

Bis 1992 arbeitete Ian Gillan wieder an seinen Solo-Bestrebungen und brachte drei mehr oder weniger erfolgreiche Soloalben heraus. Für das Album Garth Rockett & the Moonshiners (1990) benutzte Gillan erneut den Künstlernamen "Garth Rockett", den er bereits in den 1960er Jahren verwendet hatte. In dieser Zeit begann Gillan seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Steve Morris, nicht zu verwechseln mit dem späteren Deep-Purple-Gitarristen Steve Morse.[3]

Nachdem jedoch sein eigener Nachfolger Joe Lynn Turner, aufgrund der mangelnden Akzeptanz seitens der Fans, bei Deep Purple den Hut nehmen musste, wurde Gillan auf Bestreben Glovers, Lords und Paices sowie des Managements im September 1992 zu einem erneuten Einstieg bei Deep Purple bewegt. Das rechtzeitig zum 25. Geburtstag der Band erschienene Album "The Battle Rages On" entwickelte sich zum kommerziellen Misserfolg. Bereits während der folgenden Tournee änderte sich die Besetzung Deep Purples erneut, diesmal verließ jedoch Ritchie Blackmore nach wiederholten Streitigkeiten mit Gillan und den anderen Bandmitgliedern die Band. Nach einem kurzen Gastspiel Joe Satrianis, stieg 1994 Steve Morse bei Deep Purple ein, 2002 wurde schließlich Jon Lord durch Don Airey ersetzt. Diese Besetzung hat bis heute bestand, gibt jährlich Konzerte und spielt neue Studioalben ein, zuletzt "Infinite" (2017).

Ian Gillan bringt trotz seiner Arbeit mit Deep Purple in unregelmäßigen Abständen eigene Soloalben heraus. Anfang 1994 kam es sogar zu einer Wiedervereinigung der alten Band The Javelins. Ian Gillan ging mit seinen alten Freunden ins Studio, wo sie die CD "Sole Agency and Representation" aufnahmen. 1997 erschien das Album Dreamcatcher, das viele Songs enthält, die Gillan ursprünglich für ein Projekt namens "Repo Depo" geschrieben hatte, das allerdings durch seinen Einstieg bei Deep Purple 1992 vorzeitig beendet wurde.[4]

Ian Gillan auf der Bühne mit Deep Purple im Jahr 2011.

Im April 2006 erschien ein weiteres Soloalbum namens Gillan’s Inn, das zusammen mit Freunden wie Steve Morse, Jon Lord, Roger Glover, Joe Satriani, Jeff Healey, Ian Paice und Tony Iommi aufgenommen wurde. Gillan's Inn enthält auf der CD-Seite mit Ausnahme des Titels No Worries nur Neueinspielungen von Stücken aus der musikalischen Geschichte von Ian Gillan, sowohl aus dem Deep-Purple-Repertoire (Smoke on the Water, Speed King, When a Blind Man Cries) als auch aus seinen Soloprojekten, sowie ein Lied aus der Black-Sabbath-Episode (Trashed). Das Album unterscheidet sich in seiner unkomplizierten, rockigen Gradlinigkeit deutlich von der letzten Deep-Purple-Platte Rapture of the Deep.

Die DVD-Seite der zweiseitigen Disk enthält unter anderem Aufnahmen, die die Entstehung von Gillan’s Inn dokumentieren, sowie einige wohl nur für den passionierten Deep-Purple/Ian-Gillan-Fan interessante Konzert-Mitschnitte von sehr niedriger Aufnahmequalität, zum Beispiel aus der kurzen Phase, in der Joe Satriani bei Deep Purple Gitarre spielte.

Am 29. Februar 2008 erschien bei Edel der Live-Mitschnitt Live in Anaheim. Das neueste Solo-Werk beinhaltet ein Konzert im bekannten House of Blues Club in Kalifornien – gleich nach der Veröffentlichung des Albums Gillan’s Inn (2006). Es enthält Raritäten wie Have Love I’ll Travel und Deep-Purple-Klassiker Smoke on the Water, Into the Fire, oder auch When a Blind Man Cries und Knocking at Your Back Door.

Im März 2009 veröffentlichte Gillan ein neues Studio-Album mit dem Titel One Eye to Morocco.

Gemeinsam mit Tony Iommi gründete er im Jahr 2011 die Band Who Cares für spontane Aufnahmen und Benefiz-Konzerte. Die erste Veröffentlichung ist eine Single mit den Titeln Out of My Mind und Holy Water, deren Erlöse in den Aufbau einer Musikschule in Gyumri (Armenien) fließen.[5]

2011, 2012 sowie 2015 war er zwischen Deep-Purple-Tourneen an der alljährlich stattfindenden Rock- meets-Classic-Tour durch Deutschland und Österreich beteiligt, wo er unter anderem mit Rick Parfitt, Chris Thompson und Marc Storace auf der Bühne stand.

Im Herbst 2016 begab sich Gillan mit der Band seines Bandkollegen Don Airey und wechselnden Orchestern auf Tournee in Osteuropa. Das Programm bestand aus Deep-Purple-Klassikern und einigen Songs aus Gillans Soloalben.

2018 kam es zu einer weiteren Reunion von Gillans erster Band, "The Javelins", der Gillan in den 1960er Jahren angehört hatte und die bereits 1994 für ein Albumprojekt wieder zusammengekommen war. Die Band kündigte für den 31. August 2018 das Album "Ian Gillan & The Javelins" an, das Coverversionen bekannter Musiker wie Elvis Presley und Chuck Berry enthalten soll.[6]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Episode Six[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Put Yourself in My Place (1987)
  • The Complete Episode Six (1991)
  • The Radio One Club Sessions Live 1968/69 (1997)
  • Live at the BBC (1999)

Mit Deep Purple[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ian Gillan Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Child in Time (1976)
  • Clear Air Turbulence (1977)
  • Scarabus (1977)
  • Live at the Budokan (1977)
  • Ian Gillan Band Live at the Rainbow (1998)
  • Before the Turbulence (2012)

Gillan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gillan (1978) (nur in Japan)
  • Mr. Universe (1979)
  • Mr. Universe (1979) (nur in Japan; abweichende Titelliste)
  • Glory Road (1980)
  • For Gillan Fans Only (1980) (EP)
  • Future Shock (1981)
  • Double Trouble (1981)
  • One for the Road (1981) (nur in Japan)
  • Magic (1982)
  • What I Did on My Vacation (1986) (Sampler)
  • Live at Reading ’80 (1990)
  • The Gillan Tapes Vol. 1 (1997)
  • The BBC Tapes Vol 1: Dead of Night ’79 (1997)
  • The BBC Tapes Vol 2: Unchain Your Brain ’80 (1997)
  • The Gillan Tapes Vol. 2 (1999)
  • The Gillan Tapes Vol. 3 (2000)
  • Mutually Assured Destruction - Live at the Apollo' 82 (2006)

Mit Black Sabbath[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Garth Rockett & the Moonshiners (1990)
  • Naked Thunder (1990)
  • Toolbox (1991)
  • Cherkazoo and Other Stories (1992) (Aufnahmen von 1972 bis 1974)
  • Dreamcatcher (1997)
  • Gillan’s Inn (2006) (featuring Steve Morse, Jon Lord, Ian Paice, Tony Iommi …)
  • Live in Anaheim (2008)
  • One Eye to Morocco (2009)

Andere Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrew Lloyd Webber/Tim Rice · Jesus Christ Superstar (1970)
  • Roger Glover · The Butterfly Ball (live) (1975)
  • Zero Nine · Blank Verse (1982)
  • Gillan-Glover · Accidentally on Purpose (1988)
  • Pretty Maids · In Santa’s Claws on "A Merry Jingle" (1990)
  • The Bolland Project · Darwin the Evolution (1991)
  • Mihalis Rakintzhs · Getaway (1993)
  • The Javelins · Sole Agency and Representation (1994)
  • Jon Lord’s Concerto (1999)
  • Gillan-Glover · The Purple People Eater (2002) (Sampler)
  • Ian Gillan · Eternity (Blue Dragon OST) (2006)
  • The Hoochie Coochie Men feat. Jon Lord · Danger: White Men Dancing (2007)
  • WhoCares – Out of My Mind / Holy Water (2011) DE #86
  • Ian Gillan & The Javelins - Ian Gillan & The Javelins (2018) DE #72

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview in Kulturspiegel 03/09, S. 43.
  2. EVENTIM http://www.eventim.de: Deep Purple. Abgerufen am 6. Februar 2018 (deutsch).
  3. Get Ready to ROCK! Interview with Steve Morris, guitarist with melodic rock band Heartland who played on the Ian Gillan album Naked Thunder. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  4. bravewords.com: DEEP PURPLE Legend IAN GILLAN - Rare Video Surfaces From The 70s, 80s And 90s. In: bravewords.com. (bravewords.com [abgerufen am 6. Februar 2018]).
  5. Ian Gillans Homepage
  6. Deep Purple: "Ian Gillan & The Javelins"-Album kommt im August. In: RockHard. (rockhard.de [abgerufen am 29. Juni 2018]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]