Jacinda Ardern

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Jacinda Ardern (2018)

Jacinda Kate Laurell Ardern (* 26. Juli 1980 in Hamilton, Neuseeland) ist eine neuseeländische Politikerin der New Zealand Labour Party und seit dem 1. August 2017 ihre Parteivorsitzende.[1] Am 26. Oktober 2017 wurde Ardern im Alter von 37 Jahren als 40. Premierministerin von Neuseeland vereidigt.

Frühes Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jacinda Ardern wurde 1980 als Tochter von Laurell und Ross Ardern in Hamilton geboren. Ihre Eltern sind Mormonen.[2] Sie besuchte die Primary und Secondary School in Morrinsville, einer Provinzstadt in Waikato. Es folgten einige Jahre in Murupara, wo ihr Vater als Polizeibeamter eingesetzt war. Ihr 1999 begonnenes Studium[3] an der University of Waikato beendete sie mit dem Bachelor of Communication Studies.[4]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alter von 17 Jahren trat sie in die Labour Party ein. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften und Public Relations arbeitete sie zuerst für den Parlamentsabgeordneten Phil Goff und anschließend für die Premierministerin Helen Clark.[5] 2005 ging sie nach London, wo sie während zweieinhalb Jahren im Cabinet Office des Premierministers Tony Blair als Stellvertretende Leiterin der Better Regulation Executive tätig war.[5] 2007 wurde sie Präsidentin der International Union of Socialist Youth.

Ein Jahr später gewann sie einen Parlamentssitz für die Labour Party in Waikato und ist seit 2008 ununterbrochen Mitglied des neuseeländischen Parlamentes.[4] In ihrer Antrittsrede forderte sie die Einführung eines obligatorischen Unterrichts in Maorischer Sprache in neuseeländischen Schulen und verurteilte die neuseeländische Regierung für die aus ihrer Sicht "beschämende" Reaktion auf den Klimawandel.[6] Als jüngestes Parlamentsmitglied wurde Ardern zur Partei-Sprecherin der Labour Party für Jugendfragen ernannt. Zudem wurde sie Mitglied der Regulations Review und Justice and Electoral Sonderausschüsse.[5] 2012 wurde Ardern Sprecherin ihrer Partei für Angelegenheiten von Kindern; 2013 Sprecherin für Kunst, Kultur und kulturelles Erbe; 2014 Sprecherin für Justiz sowie für Kleinbetriebe; 2015 Stellvertretende Sprecherin für Auckland-Angelegenheiten.[6] 2014 wurde sie vom World Economic Forum zum Young Global Leader ernannt.[7] Nach ihrem Umzug nach Auckland, wo sie sich mit ihrer Familie im Stadtteil Mt Albert niederließ, gewann sie die Nachwahl für den Wahlbezirk Mt Albert im Februar 2017 und damit ihr erstes Direktmandat.[4] Im März 2017 wurde sie stellvertretende Oppositionsführerin.[6]

Nach dem Rücktritt von Andrew Little als Parteiführer der New Zealand Labour Party Ende Juli 2017 übernahm Ardern den Vorsitz der Partei mit Wirkung vom 1. August 2017.[1] Mit der Übernahme der Parteiführung wurde sie zugleich Oppositionsführerin ihrer Partei im Parlament.[6] Arderns Übernahme der Parteiführung führte in einer Blitzumfrage der Tageszeitung New Zealand Herald zu einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung. Hatten unter der Parteiführung von Andrew Little zuletzt nur noch 24 % der Wähler der Labour Party ihre Stimme geben wollen[1], konnten sich Anfang August in der Bevölkerung 46 % vorstellen, nun Labour ihre Stimme zu geben.[8]

Premierministerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ardern während des WEF 2019

Nach der Parlamentswahl im September 2017 wurde Ardern nach der Koalition ihrer Partei mit der Partei New Zealand First von Winston Peters und unter Duldung der Green Party of Aotearoa New Zealand zu Neuseelands 40. Premierministerin gewählt und am 26. Oktober 2017 von der Generalgouverneurin von Neuseeland, Patsy Reddy, vereidigt.[9]

Ardern verfolgt nach eigenen Angaben eine progressive Politik. Sie setzt sich für eine multilaterale Politik und für Maßnahmen gegen den Klimawandel ein. Als Premierministerin setzte sie unter anderem ein reformiertes Steuersystem zugunsten von Familien, eine bessere Förderung ländlicher Regionen und Maßnahmen für bezahlbares Wohnen durch.[10]

In ihre Amtszeit als Premierministerin fiel der Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch durch einen Rechtsextremisten im März 2019 mit 51 Toten. Als Reaktionen darauf kündigte sie eine Reform der Waffengesetze ihres Landes an[11] und setzte sie – innerhalb weniger Tage – auch durch.[12]

Am World Economic Forum im Januar 2019 kündigte Ardern an, dass Neuseeland einen neuen Ansatz für die Verwaltung der neuseeländischen Finanzen einführt, der nicht nur den ökonomischen Wohlstand, sondern auch das gesellschaftliche Wohlbefinden einbeziehen wird. In der Praxis solle es darum gehen, dass die Ministerien aufzeigen sollen, wie die staatlichen Ausgaben den Menschen zugute kommen. So sollen zum Beispiel mit jedem Budget die Zahlen zur Kindesarmut vorgelegt werden.[13] Im Mai 2019 stellte die Regierung Neuseelands dann das weltweit erste Wellbeing Budget vor.[14] Dieses setzt folgende fünf Schwerpunkte: Unterstützung des Übergangs zu einer nachhaltigen und emissionsarmen Wirtschaft; Unterstützung einer florierenden Nation im digitalen Zeitalter; Erhöhung der Einkommen, Fähigkeiten und Möglichkeiten der indigenen Bevölkerung; Verringerung der Kinderarmut und Unterstützung der psychischen Gesundheit mit einem besonderen Fokus auf junge Menschen.[15] Die Budgeterhöhung war am größten bei der psychischen Gesundheit; dafür sollen über vier Jahre hinweg 1,9 Mrd. NZ$ eingesetzt werden. Maßnahmen zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt erhielten ebenfalls eine Rekordinvestition von 320 Mio. NZ$. Während das Wellbeing Budget zum Beispiel von der Neuseeländischen Mental Health Foundation gelobt wurde, wurde es von anderen Exponenten kritisiert. Der Oppositionsführer Simon Bridges von der New Zealand National Party zum Beispiel zeigte sich enttäuscht über das Budget indem er äußerte, dass Familien in ihrem Haushaltsbudget mehr Geld für Essen, Benzin und Miete wünschten während ihre Steuern in Bahnverbindungen, Verteidigungskräfte und Bäume investiert werden sollen.[14]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie hat mit ihrem Lebensgefährten Clarke Gayford seit 21. Juni 2018 eine Tochter.[16]

Im Kontext ihres Amtsantritt als Premierministerin wurde Ardern in der TV Sendung The Project von Moderator Jesse Mulligan und zu einem späteren Zeitpunkt Mark Richardson in der AM Show des Senders TV3 nach ihrem Kinderwunsch gefragt. Jacinda Ardern konterte, dass es – wie im Human Rights Act von 1993 festgelegt – nicht akzeptabel sei, dass Frauen im Zusammenhang mit ihrem Arbeitsplatz nach ihrem Kinderwunsch befragt werden und dass es für einen Arbeitgeber illegal ist, einen derzeitigen oder potenziellen Arbeitnehmer zu diskriminieren, weil er schwanger ist oder in Zukunft Kinder haben möchte.[17] Was folgte, war eine landesweite öffentliche Diskussion, in der eine Mehrheit der Befragten Ardern recht gab.[18]

Ardern ist nach der pakistanischen Premierministerin Benazir Bhutto die zweite Regierungschefin der Welt, die während ihrer Amtszeit ein Kind bekam.[19]

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ardern wurde für ihren Umgang mit den Opfern des Terroranschlags von Christchurch überwiegend gelobt, als sie die Opfer und Hinterbliebenen des Anschlags mit einem Kopftuch bekleidet besuchte, um ihre Solidarität zu zeigen. Auch umarmte sie die Angehörigen innig und zeigte keine Berührungsängste. Sie wird seitdem von den Muslimen in Christchurch sehr geschätzt. Sie zeigte sich damit als weltoffen, verständnisvoll und souverän, auch mit der Umsetzung der Konsequenzen in Bezug auf die Tat, wie zum Beispiel mit der zügigen Umsetzung der Verschärfung des Waffenrechts in ihrem Land.[20][21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jacinda Ardern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Neuseelands Labour Party zieht die Notbremse. Deutsche Welle, 1. August 2017, abgerufen am 1. August 2017.
  2. BLiam Fitzpatrick: Jacinda Ardern, New Zealand's 37-Year-Old Leader, Rolls Up Her Sleeves. In: Time Magazine. 20. November 2017, abgerufen am 16. Juni 2019 (englisch).
  3. John Edens: The rise and rise of Jacinda Ardern. Radio New Zealand, 1. August 2017, abgerufen am 1. August 2017 (englisch).
  4. a b c Nicholas Jones: Who is Jacinda Ardern?. New Zealand Herald, 1. August 2017, abgerufen am 1. August 2017 (englisch).
  5. a b c Rt Hon Jacinda Ardern. New Zealand Labour Party, abgerufen am 15. Juni 2019 (englisch).
  6. a b c d Jacinda Ardern. New Zealand Parliament, 1. August 2017, abgerufen am 1. August 2017 (englisch).
  7. Community. In: The Forum of Young Global Leaders. World Economic Forum, abgerufen am 15. Juni 2019 (englisch).
  8. Audrey Young: Helen Clark's advice for new Labour leader Jacinda Ardern. New Zealand Herald, 2. August 2017, abgerufen am 2. August 2017 (englisch).
  9. Laura Walters: Jacinda Ardern's new government sworn in. In: Stuff - Politics. Fairfax Media, 26. Oktober 2017, abgerufen am 26. Oktober 2017 (englisch).
  10. Charlotte Graham-McLay: Jacinda Ardern’s Progressive Politics Made Her a Global Sensation. But Do They Work at Home? In: The New York Times. 26. September 2018, ISSN 0362-4331 (Online [abgerufen am 16. März 2019]).
  11. Verdächtiger wollte Angriffe fortsetzen. In: Süddeutsche Zeitung. 16. März 2019, ISSN 0174-4917 (Online [abgerufen am 16. März 2019]).
  12. Yassin Musharbash: Der Mörder war ein Mensch – kein Ungeheuer. In: Die Zeit. Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH, 22. März 2019, abgerufen am 16. Juni 2019.
  13. Ceri Parker: New Zealand will have a new 'well-being budget,' says Jacinda Ardern. World Economic Forum, 23. Januar 2019, abgerufen am 15. Juni 2019 (englisch).
  14. a b Eleanor Ainge Roy: New Zealand 'wellbeing' budget promises billions to care for most vulnerable. In: The Guardian. 30. Mai 2019, abgerufen am 15. Juni 2019 (englisch).
  15. Budget Policy Statement 2019 – Executive Summary. The Treasury, 13. Dezember 2018, abgerufen am 15. Juni 2019 (englisch).
  16. Neuseelands Premierministerin Ardern bringt Tochter zur Welt. In: Frankfurter Allgemeine. 21. Juni 2018, abgerufen am 21. Juni 2018.
  17. Jacinda Ardern and Mark Richardson clash over questions about her baby plans. (eingebundenes Video (34 sec)) In: Stuff - Politics. Fairfax Media, 2. August 2017, abgerufen am 2. August 2017 (englisch, Jacinda Ardern addresses Mark Richardson).
  18. Public opinion: Don't ask women about baby plans. New Zealand Herald, 2. August 2017, abgerufen am 2. August 2017 (englisch).
  19. Jonathan Pearlman: New Zealand Prime Minister Jacinda Ardern announces pregnancy, revealing she found out just days before her surprise election. In: The Telegraph. Telegraph Media Group, 19. Januar 2018, abgerufen am 23. August 2017 (englisch).
  20. Milena Hassenkamp: Neuseelands Premier Jacinda Ardern: Frau, Mutter, Trösterin - und Macherin. In: Spiegel Online. 18. März 2019 (Online [abgerufen am 17. Juli 2019]).
  21. Felix Haselsteiner: Die richtigen Worte, die richtigen Gesten. In: Süddeutsche Zeitung. 18. März 2019, ISSN 0174-4917 (Online [abgerufen am 17. Juli 2019]).