Jawor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die polnische Stadt Jawor (deutsch: Jauer). Für die tschechische Gemeinde Javor (deutsch: Jawor) siehe Javor.
Jawor
Wappen von Jawor
Jawor (Polen)
Jawor
Jawor
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Jawor
Fläche: 18,80 km²
Geographische Lage: 51° 3′ N, 16° 12′ OKoordinaten: 51° 3′ 11″ N, 16° 11′ 37″ O
Einwohner: 23.701
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 59-400 bis 59-402
Telefonvorwahl: (+48) 76
Kfz-Kennzeichen: DJA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E 65 BolkówLegnica
Schienenweg: Jaworzyna Śląska–Legnica
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Einwohner: 23.701
(30. Jun. 2015)[1]
Gemeindenummer (GUS): 0205011
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Artur Urbański
Adresse: Rynek 1
59-400 Jawor
Webpräsenz: www.jawor.pl



Jawor [ˈjavɔr] (deutsch Jauer) ist eine Kreisstadt in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Bekannt ist die Stadt durch ihre Friedenskirche, die seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Niederschlesien an der Wütenden Neiße (Nysa Szalona), rund 70 Kilometer westlich der Stadt Breslau, und gehört der Euroregion Neiße an.

Stadtwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schutzpatron der Stadt ist der Hl. Martin von Tours. Schon 1300 zeigte das älteste Siegel der Stadt eine Darstellung der Legende vom Hl. Martin, wie er seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bis um 1945 bestand das Stadtwappen aus zwei gesonderten Schilden, auf dem rechten das rot-schwarze Schachbrett der Schweidnitzer Piasten, auf dem linken der Heilige Martin. Das amtliche Stadtwappen enthält den Hl. Martin in blauem Felde auf einem Schimmel, mit rotem Mantel, der dem auf dem Boden sitzenden halbnackten Bettler in Weiß seinen Mantel herabreicht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Martinkirche, Ersterwähnung 1242

Unter den schlesischen Piasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Stadt in der heutigen polnischen und gleichzeitig der alten deutschen Schreibweise erscheint erstmals in einem Dokument vom 12. April 1177 und ist slawischen Ursprungs (Jawor = Ahorn).

Das Gebiet war bereits vor dem Jahr 1000 bewohnt, was durch die vielen Urnenfunde in der Stadt und im benachbarten Dorf Altjauer (Stary Jawor) bezeugt wird. Das genaue Datum für die Stadtgründung Jawors nach dem Magdeburger Recht ist unbekannt, jedoch ist für das Jahr 1242 für Jauer ein Pfarrer Valentinus belegt, der als Zeuge einer Schenkungsurkunde für das Kloster Trebnitz auftrat.

Jauer entwickelte sich vor allem als Stadt der Handwerker und Ackerbürger sowie als Erholungsort für Kauf- und Fuhrleute, da sie neben wichtigen Handels- und Militärstraßen aus Breslau, Striegau, Goldberg und Löwenberg lag, die sich hier begegneten. Die Handelswege Dresden–Breslau und Liegnitz-Prag kreuzten sich in Jauer.

Im Jahr 1278 wurde Jauer Sitz eines herzöglichen Vogts, wodurch es in den Rang einer Haupt- und Residenzstadt des unabhängigen piastischen Herzogtums Jauer erhöht wurde. Damit verbunden war eine größere politische Bedeutung, doch eine fürstliche Residenz ist Jauer trotz des Titels der Herzöge „Herr von Jauer“ nie gewesen. Herzog Heinrich I. (1301–1346) war der Stadt sehr verbunden, hielt sich jedoch häufig in den Städten am BoberHirschberg, Bunzlau und Löwenberg – auf, von wo er zahlreiche Reisen in die benachbarten Lausitzen unternahm. Trotzdem förderte er seine Hauptstadt, der er mehrere Privilegien verlieh, z. B. 1326 das Meilenrecht, das die Ausübung des Bäckerhandwerks und das Bierbraumonopol einschloss, und 1329 das Privileg des freien Salzhandels sowie die Hohe und Niedere Gerichtsbarkeit.

Das Münzrecht übte Heinrich I. gemeinsam mit Bolko II. und Heinrich II. von Schweidnitz aus. Die Münzstätte befand sich in Löwenberg.[2]

Im Jahr 1368 starb Herzog Bolko II. „der Kleine“, mit dem die Schweidnitzer Linie der Schlesischen Piasten erlosch. Er hatte sein Herzogtum testamentarisch seiner Nichte Anna von Schweidnitz, Gemahlin des Kaisers Karl IV., bzw. deren Nachkommen vererbt. Dadurch gelangte es 1368 an Annas Sohn, den böhmischen König Wenzel bzw. an die Krone Böhmen. Allerdings stand Bolkos Witwe Agnes von Habsburg ein lebenslanger Nießbrauch zu. 1371 verlieh Agnes der Stadt das Münzrecht für Silbermünzen. Sie wohnte zeitweise in einem Palast neben dem Liegnitzer Tor, dessen Kellermauern aus dem 14. Jahrhundert erhalten sind. Sie schützte die Juden, deren Viertel schon im Jahr 1356 erwähnt wurde. Das Schloss Jauer wurde nach ihrem Tod Sitz des königlichen Landeshauptmanns, der dort bis 1741 residierte.

Unter der Krone Böhmens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernhardinerkloster mit Klosterkirche St. Maria; 1486–1492 errichtet
Das Schloss von Jauer brannte 1648 komplett ab und wurde bis 1665 wieder aufgebaut.
Jauer Friedenskirche in einer Darstellung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts

Anfang des 14. Jahrhunderts veranlasste König Wenzel einen Umbau des Schlosses, das um den Westflügel erweitert wurde. 1404 erhielt die Stadt das Privileg, zusätzlich zu dem seit 1339 existierenden Donnerstagsmarkt einen Samstagsmarkt abzuhalten, der dem Getreidehandel vorbehalten war. Während der Hussitenkriege wurde 1428 die Umgebung verwüstet, die Stadt selbst blieb jedoch verschont. Zusammen mit Breslau und Schweidnitz kämpfte Jauer 1434 gegen die Hussiten, so dass es gelang, diese aus den Herzogtümern zu verjagen. Im selben Jahr stellten die Fürstentümer Jauer und Schweidnitz eine Armee von 400 Berittenen auf, die das Unwesen des herrschenden Raubrittertums verfolgen sollten. 1454 machte der Wanderprediger Johannes Capistranus auf seinem Weg aus Breslau nach Prag in Jauer Station und predigte hier gegen Hussiten und Juden. Nachfolgend wurden 17 Jauersche Juden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Einige Jahre später wurden die Juden aus Jauer ausgewiesen. 1459 nahm der böhmische König Georg von Podiebrad in Jauer die Huldigung der Stände entgegen.

Nachdem der böhmische König Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács getötet worden war, fiel die böhmische Königswürde 1526 an Ferdinand I. aus der Dynastie der Habsburger. Nachfolgend waren diese in ihrer Eigenschaft als Könige von Böhmen bis 1742 auch Herzöge von Schlesien. Jauer bekannte sich zu dieser Zeit zur Reformation; der erste evangelische Prediger Samuel Frenzel wurde 1526 nach Jauer berufen. Um 1559 war Jauer ein Zentrum des schlesischen Leinenhandels. Seit 1543 verfügte die Stadt über eine Badeanstalt. 1564 stellte sie einen Stadtphysicus und 1586 einen Wundarzt an. 1618 zählte sie 1400 Einwohner.

Im Dreißigjährigen Krieg standen die Jauerschen Stände auf der Seite der Protestanten. Sie huldigten 1620 dem „Winterkönig“ Friedrich V. von der Pfalz auf dem Jauerer Schloss, zwei Jahre später dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen, der als Vertreter des Kaisers Ferdinand II. nach Jauer kam. 1626–1627 musste Jauer 1200 Soldaten aus dem Heer Wallensteins versorgen. 1629–1644 fiel Jauer mehrmals in die Hände verschiedener gegnerischer Armeen; die Katholiken verjagten die protestantischen Geistlichen und die Schweden die katholischen. Unabhängig vom Bekenntnis waren Österreicher, Schweden und Sachsen an den Plünderungen und Zerstörungen beteiligt. 1644–1648 hielten die Schweden die Stadt besetzt; am 25. Juli 1648 belagerte der Liegnitzer kaiserliche Kommandant Jauer. Nach heftigen Kämpfen kapitulierten die Schweden. Für ihre Zusammenarbeit mit den Schweden mussten die Jaueraner – mehrheitlich Protestanten – Bestrafungen hinnehmen. Die Stadt wurde in Brand gesteckt und verwüstet, nur das Rathaus, die Kirchen St. Martin und das Kloster sowie einige Bürgerhäuser am Ring wurden verschont. Bei Kriegsende 1648 zählte die Stadt nur 150 Einwohner.

1653 bereiste eine kaiserliche Kommission Jauers Umgebung und gab alle ursprünglich katholischen Kirchen an den katholischen Klerus zurück. Da die Bevölkerung der Gegend mehrheitlich lutherisch war, musste sie die Gottesdienste im benachbarten Herzogtum Liegnitz besuchen, dessen piastische Fürsten Protestanten waren und Religionsfreiheit gewährten. 1654/55 erfolgte der Bau der evangelischen Friedenskirche zum Heiligen Geist. Sie war neben Glogau und Schweidnitz eine der drei Friedenskirchen, die den schlesischen Protestanten im Westfälischen Frieden von 1648 zugestanden wurden. Nach Abschluss der Altranstädter Konvention konnte die Friedenskirche 1709 um einen Glockenturm erweitert werden. 1680 wurde Jauer von einer Pestepidemie heimgesucht. Otto Christian Ockel eröffnete 1683 die erste Buchdruckerei in Jauer. Von wirtschaftlicher Bedeutung war die Einführung des Postverkehrs Anfang des 18. Jahrhunderts.

Unter preußischer Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Ringhäuser im barocken Stil
Rathaus, 1896 im Stil des Historismus erbaut, mit dem 1799 eröffneten Jauer Theater

Im Ersten Schlesischen Krieg besetzte Friedrich der Große am 26. Januar 1741 Jauer. Am 23. Februar wurde der kaiserliche Landeshauptmann aus dem Jauerschen Schloss verjagt. Nach Kriegsende 1742 kam Jauer zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. In der Nähe von Jauer wurde am 4. Juni 1745 die Schlacht bei Hohenfriedberg ausgefochten. Im Siebenjährigen Krieg wurde Jauer 1756 von österreichischen und ungarischen Truppen eingenommen und der preußische Magistrat aufgelöst. Jauer und das Fürstentum huldigten Maria Theresia in ihrer Eigenschaft als Königin von Böhmen. Nach der Schlacht bei Leuthen 1757 kehrten die preußischen Behörden zurück. Im August 1761 plünderten russische Verbündete Maria Theresias das Jauersche Gebiet. Nach Beendigung der Schlesischen Kriege 1763 stabilisierte sich die Lage, jedoch wurde Jauer mit einer großen Schuldenlast belegt.

Am 2. August 1776 vernichtete ein großer Brand in Jauer 137 Häuser. Nach Besichtigung der Schäden gewährte Friedrich II. der Stadt zum Wiederaufbau eine Geldsumme von 106.000 Talern und entsandte einen Baumeister, der den Aufbau leitete. Das Aussehen der Stadt geht im Wesentlichen auf dessen Planung zurück. Im Jahr 1788 etablierte sich in Jauer ein Füsilier-Bataillon als ständige Garnison. Durch die Dritte Teilung Polens 1795 fiel der größte Teil Westpolens mit Warschau an Preußen (bis 1806). Von preußischen Behörden ermuntert, wanderten viele Handwerker aus Jauer und dem Fürstentum nach Polen aus, besonders in zu Schlesien benachbarte Gebiete. In den Napoleonischen Kriegen erhielt Jauer nach der Niederlage Preußens bei der Schlacht bei Jena und Auerstedt während der Franzosenzeit eine französische Besatzung und musste eine große Kontribution zahlen. Im Befreiungskrieg 1813 war das Lützowsche Korps in Jauer stationiert. Am 26. August fand in unmittelbarer Nähe der Stadt die Schlacht an der Katzbach statt.

Die preußische Verwaltungsreform löste das Fürstentum Jauer 1807 auf. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Jauer seit 1815 zur Provinz Schlesien und war 1816–1945 Zentrum des Landkreises Jauer. Im Jahr 1818 gab die Stadtverwaltung die erste Zeitung, die Jauersche Zeitung heraus, die bis 1945 erschien. 1822 erhielt die Stadt eine Straßenbeleuchtung. Im selben Jahr wurde eine reguläre Postkutschenverbindung (unter anderem nach Glogau und Neiße) eingerichtet. Wegen der Krise der schlesischen Leinwandindustrie und der Absatzmärkte für Handwerksprodukte wanderten viele Handwerker nach Russisch-Polen (besonders Kalisch, Łódź und Łęczyca) aus, da die russischen Behörden eine leichte Existenzgründung versprachen. Die Ausgewanderten gründeten dort deutsche evangelische Gemeinden, die bis 1945 und teilweise noch immer – als polnische evangelische Gemeinden – bestehen. 1844 wurde der Stadtpark angelegt, 1856 erhielt die Stadt Eisenbahnanschluss (spätereBahnstrecke Katowice–Legnica). Um für die stetig wachsende Bevölkerung mehr Baufläche zu erlangen, wurden 1866 die Stadtmauern geschleift. Im selben Jahr wurde das Kreiskrankenhaus errichtet und 1869 das Städtische Gymnasium eröffnet. 1901 erhielt Jauer ein Telefonnetz. 1911 schenkte der Dresdener Großkaufmann Bruno Fuchs, aus Jauer gebürtig, der Stadt 5000 Goldmark für die Anlage eines neuen Stadtparks jenseits der Wütenden Neiße, der nach dem Stifter benannt wurde. In den Jahren 1914–1916 wurde die Stadt kanalisiert.

Weimarer Republik und Drittes Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Jauer 1919 elektrifiziert. Die neue preußische Verwaltungsreform löste 1932 den Kreis Jauer auf und gliederte die Stadt dem Landkreis Liegnitz an. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 wurde der Kreis Jauer mit Bolkenhain neu gebildet. Im selben Jahre übernahm die Stadt die Leitung des Theaters, das in Niederschlesisches Landestheater umbenannt wurde und nachfolgend in zahlreichen benachbarten Orten Niederschlesiens spielte. 1935 wurde das Olympische Schwimmbecken (Wiesenstrandbad) eröffnet, dem 1936/37 das Sportstadion im Stadtpark folgte. Der langjährige Bürgermeister Heinrich Evert trat zurück; der zeitweilige Kreisleiter der NSDAP, Erich Tschäpe, übernahm das Amt des Bürgermeisters und blieb bis 1945. 1939 zählte Jauer 13.847 Einwohner, davon 75 Prozent protestantisch und 25 Prozent katholisch. Die Stadt wurde dem Ferngasnetz der Ferngas-AG Schlesien angeschlossen, die alte Gasanstalt stillgelegt. Die Stadt verfügte über ein Lyzeum, eine Städtische Berufsschule und eine Landwirtschaftsschule.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs begann am 6. Februar 1945 die Evakuierung von Teilen der Zivilbevölkerung nach Böhmen. Am 12. Februar 1945 wurde die Stadt von der Roten Armee eingenommen. Am 13. und 14. Februar steckten sowjetische Soldaten die Stadt in Brand, wodurch zwei Ringseiten mit historischer Bausubstanz zerstört wurden. Am 28. April wurde Jauer von den sowjetischen Militärbehörden unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutsche Stadt wurde in Jawor umbenannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Zerstörungen im Krieg entstanden an der östlichen Seite des Rings moderne Zweckbauten.

In der Folgezeit wurde die eingesessene Bevölkerung von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Polen ersetzt. Die in Jawor neu angesiedelten Bewohner hatten zum Teil polnischen Minderheiten in Gebieten östlich der Curzon-Linie angehört. Diese Gebiete waren nach Ende des Ersten Weltkriegs im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige nationaler Minderheiten in diesen Gebieten waren von den sowjetischen Behörden nach Kriegsende vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen.

In den Nachkriegsjahren wurde in den enteigneten Industriebetrieben (Öfen- und Möbelfabrikation) die Produktion wieder aufgenommen; der Wiederaufbau der zerstörten Teile des Rings erfolgte in den 1960er Jahren. In den 1970er Jahren förderten polnische staatliche Stellen den Ausbau der Industrie, die weitgehend an den Bedürfnissen des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) ausgerichtet war. Wegen der Zunahme der Bevölkerung wurden seit den 1970er Jahren mehrere Wohnsiedlungen errichtet. Die Verwaltungsreform von 1975 richtete an Stelle der Kreise (Powiat) kleinere Woiwodschaften ein. Die Stadtgemeinde Jawor gehörte bis 1998 zur Woiwodschaft Liegnitz.

Nach Ende des Kommunismus 1989 hatte die Industrie zunächst mit einer Wirtschaftskrise zu kämpfen. Die Zahl der Arbeitslosen betrug 25 Prozent. Auf Initiative des Kulturdezernenten der Stadt, Josef Noworól, erschien die Gazeta Jaworska, die in den nächsten fünf Jahren etwa 300 Artikel über die bisher weitgehend verdrängte deutsche Vergangenheit von Jauer herausbrachte. 1995–2003 wurde die evangelischen Friedenskirche mit Mitteln der UNESCO, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, der Europäischen Union und der Familie von Richthofen vollständig renoviert. Im Juli 1997 richtete ein Hochwasser größere Schäden an. Im selben Jahr erhielt das Haus am Ring, in welchem die Jauersche Dichterin Henriette Hanke fast ihr ganzes Leben verbracht hatte, eine Gedenktafel. Eine weitere Gedenktafel wurde im Jahr 2000 am Haus Nr. 34 am Ring zum Gedenken für den Dichter Johann Christian Günther angebracht, der hier mehrmals wohnte. Sie wurde von der Heimatgruppe Jauer aus Herne gestiftet.

Von der Gazeta Jaworska wurde im September 1996 eine Brotmesse initiiert, an der Bäcker und Zuckerbäcker aus Polen, Sachsen und Tschechien teilnehmen und auf der sie ihre Produkte ausstellen. Diese Messe findet seitdem jährlich im September statt. Seit einer erneuten Verwaltungsreform 1999 gehört Jawor zur Woiwodschaft Niederschlesien. Der neue Powiat Jaworski umfasst auch Gemeinden und Ortschaften, die bis 1807 zum Herzogtum Liegnitz gehörten und verlor Gemeinden aus dem alten Fürstentum Jauer. 2005 wurde das Herzogtum Schweidnitz-Jauer symbolisch wiederhergestellt, als eine Form der Zusammenarbeit zwischen den Kreisen Schweidnitz und Jawor und den Städten Bolkenhain, Jauer und Schweidnitz. Die übrigen Kreise des alten Herzogtums (Hirschberg, Goldberg und Bunzlau) blieben vorerst dem Zusammenschluss fern.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Daimler AG möchte für die zweite Jahreshälfte 2016 mit dem Bau eines Motorenwerks beginnen. Der Produktionsstart ist für das Jahr 2019 geplant. Bei der ersten Ausbaustufe sollen circa 500 Millionen Euro investiert werden und mehrere hundert Arbeitsplätze entstehen.[3][4]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Jawor liegt an der Bahnstrecke Katowice–Legnica. Die nach Osten führende Kleinbahn Jauer–Maltsch ist stillgelegt, die nach Süden führende Bahnstrecke Jawor–Roztoka wird nur noch ein Stück als Anschluss betrieben.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Adalbert-Kapelle
  • Die barocke Evangelische Friedenskirche zum Heiligen Geist wurde 1654–1655 nach Plänen des Architekten Albrecht von Säbisch errichtet.
  • Die Pfarrkirche St. Martin (Kośćiół Św. Marcina) wurde 1242 erstmals erwähnt, 1330–1370 neu errichtet und in den nachfolgenden Jahrhunderten mehrmals umgebaut. 1526–1650 diente sie als protestantisches Gotteshaus. Sie besitzt wertvolle Steinarbeiten aus der Renaissance sowie eine reiche Innenausstattung mit Schnitzarbeiten und Gemälden aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Gemälde des Hauptaltars „Glorie des hl. Martin“ schuf Felix Anton Scheffler, die Gemälde der Seitenaltäre Michael Willmann.
  • Der Gebäudekomplex des ehemaligen Bernhardinerklosters (Pobernardyński klasztor) sowie die Klosterkirche St. Maria wurden 1486–1492 als Stiftung des Landeshauptmanns Bischof Johann von Wardein für die Franziskaner-Observanten errichtet. Es diente 1565–1613 als Armenhaus und danach als evangelische Schule. 1638 wurde es auf Veranlassung des Kaisers Ferdinand III. den Bernhardinern übergeben und 1810 säkularisiert. Bis 1945 diente es als Landwehrzeughaus. Heute beherbergt es ein Regionalmuseum und eine Galerie für schlesische Sakralkunst.
  • Die nördlich des Rings gelegene St.-Barbara-Kapelle (Kaplica Św. Barbary) wurde vermutlich im 13. Jahrhundert errichtet und 1311 umgebaut. Ein weiterer Umbau erfolgte 1786. Seit 1846 diente sie als Begräbniskapelle.
  • Die südlich des Rings gelegene St.-Adalbert-Kapelle (Kaplica Św. Wojciecha) wurde um 1364 als Synagoge errichtet. Nach der Vertreibung der Juden 1420 wurde sie zur Hospitalkapelle umgebaut und 1729 grundlegend verändert. Das daneben liegende Hospital von 1446 wurde im 18. Jahrhundert modernisiert und 1945 zerstört.

Rathaus, Wohnhäuser, Schloss und sonstige Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Rathaus (Ratusz) wurde um 1896 an der Stelle eines gotischen Vorgängerbaus aus dem 14. Jahrhundert im Stil des Historismus neu errichtet. Der gotische Turm stammt aus dem Jahr 1537.
  • Von der Ringbebauung aus dem 16.–19. Jahrhundert mit Renaissance- und Barockfassaden sowie Lauben sind nur die südlichen und westlichen Bürgerhäuser erhalten geblieben. Die 1945 zerstörten Teile wurden in den 1960er Jahren durch moderne Bauten ersetzt.
Striegenturm aus dem 14. Jahrhundert
  • Der Striegenturm (Wieża Strzegomska) aus dem 14. Jahrhundert ist der einzige erhaltene Wehrturm des ehemaligen Striegauer Tors. Von der Stadtmauer (Mury miejskie) aus dem 14. Jahrhundert sind noch Fragmente erhalten.
  • Das Schloss (Zamek) der Piastenherzöge südwestlich vom Ring wurde vermutlich in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts als Sitz eines Landvogts errichtet und erstmals 1292 erwähnt. Es wurde von den Herzögen von Schweidnitz-Jauer ab 1274 ausgebaut, mit Wällen und Gräben geschützt und um 1300 mit einer Wehrmauer umgeben. Weitere Erweiterungen erfolgten durch Bolko II. sowie Anfang des 15. Jahrhunderts durch den böhmischen König Wenzel IV. Nach einem Brand erfolgte 1552–1568 ein Umbau zu einem Renaissanceschloss. Nach dem Brand von 1648 wurde es 1663–1665 durch Otto von Nostitz grundlegend umgebaut.
  • Das Theater (Teatr) wurde 1799 durch einen Umbau der ehemaligen Tuchhallen errichtet und 1867 zu einem Bank- und Auktionshaus umgebaut. Ab 1875 diente das Obergeschoss wiederum als Theater und wurde 1925–1926 modernisiert. Der Zuschauerraum ist im Stil der Neorenaissance ausgeführt.
  • An der Stelle des ehemaligen Palastes der Herzogin Agnes neben dem Liegnitzer Tor wurde 1778–1822 ein klassizistischer Bau errichtet. Im Keller befinden sich noch Mauern aus dem 14. Jahrhundert.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Friedrich Emanuel Fischer: Chronik der Schlesischen Kreisstadt Jauer von 1008 bis 1817; größtentheils nach handschriftlichen Urkunden bearbeitet. Jauer 1818 (E-Kopie).
  • Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien. Breslau 1830, S. 944–946.
  • Siegismund Justus Ehrhardt: Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens. Band 3, Liegnitz 1783, S. 65–112.
  • Georg Dehio (Begr.), Ernst Badstübner (Bearb.): Schlesien (Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen). Deutscher Kunstverlag, München 2005, S. 378–385, ISBN 3-422-03109-X.
  • Alexander von Freyer: Jauer und das Jauerland/Jawor i Ziemia Jaworska. Jawor 1995.
  • Alexander von Freyer, Barbara Skoczylas-Stadnik, Mirosław Szkiladz: Die Friedenskirche zu Jauer/Kosciol Pokoju w Jaworze/The Church of Peace in Jawor. Jawor 1996, ISBN 83-9023-860-8 (Text in deutscher, englischer und polnischer Sprache).
  • Alexander von Freyer, Jacek Krajewski, Witold Piotrowski: Das Henryk-Dobrzycki-Krankenhaus in Jawor/Jauer. Jawor 1997.
  • Anna Grynszpan (Hrsg.): Jawor/Jauer dzieje i zabytki. Jawor 2003, ISBN 83-911747-9-4.
  • Rudolf Hahn, Siegfried Töpfer: Geschichtlicher Abriß der Jauerschen Vergangenheit. Von den Anfängen der Besiedlung bis zur Heutzeit. Heimatgruppe Jauer, Herne 1994.
  • Gotthard Heuber: Die evangelische Friedenskirche in Jauer genannt zum Heiligen Geist. Festschrift zur Feier des 250jährigen Bestehens. Kellmann-Verlag, Jauer 1906.
  • Otto Koischwitz: Jauer. Ein Wegweiser durch die Heimat und ihre Geschichte. Kellmann-Verlag, Jauer 1930.
  • Heinrich Meisner: Erinnerungen an Jauer. Buresch-Verlag, Jauer 1927 (Sonderdruck aus: Jauersches Tagblatt, 1927).
  • Johann Siebmacher: Grosses und Allgemeines Wappenbuch, Bd. 15: Städtewappen. Nürnberg 1885.
  • Stadt Jauer: Verwaltungsbericht der Stadt Jauer. Jauer 1940.
  • Jan Rybotycki: Jawor od zarania dziejów do roku 1263 (Biblioteczka Towarzystwa Milósników Jawora; Bd. 1). Jawor 1984
  • Stanisław Jastrzębski: Jawor i Okolice. Ossolineum, Breslau 1973.
  • Ilse Käthe Helene Neumann: Ich denke oft an Schlesiens Berge. Meine Erinnerungen an Jauer, Straußeney, Glogau. Jenaer Literaturverlag, Jena 2011, ISBN 978-3-9813936-2-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jawor – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. acsearch: Schlesien, Schweidnitz – Jauer, Heinrich I. von Jauer, Bolko II. und Heinrich II. von Schweidnitz, 1326–1343. Halbgroschen o. J. (nach 1333), Löwenberg. Adlerschild. Rückseite: Helm mit Helmzier.
  3. Kapazitätserweiterung bei Mercedes-Benz Cars: Daimler plant neues Motorenwerk in Polen. In: Daimler AG. 4. Mai 2016, abgerufen am 23. Juni 2016 (deutsch).
  4. Mercedes potwierdza: W drugiej połowie 2016 roku budowa nowej fabryki w Jaworze. In: dziennik.pl. 23. Juni 2016, abgerufen am 23. Juni 2016 (polnisch).