Jitsi

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Jitsi Desktop

Logo
Screenshot
Basisdaten

Entwickler Emil Ivov[1] u. a.[2]
Erscheinungsjahr 2003
Aktuelle Version 2.10 Build 5550[3]
(5. Februar 2017)
Betriebssystem unter Java: Windows, macOS, Linux
Programmiersprache Java[4]
Kategorie Instant Messaging, Webkonferenzsystem
Lizenz Apache (Freie Software)
deutschsprachig ja
desktop.jitsi.org

Jitsi (französische Schreibweise für das bulgarische жици, Drähte, ausgesprochen ['ʒitsi]) ist eine Sammlung von freier Software für IP-Telefonie (VoIP), Videokonferenzen und Instant Messaging. Der Ursprung war ein Java-basierter Messenger-Client für XMPP und weitere Protokolle. Inzwischen gibt es mit Jitsi Meet (siehe unten) eine Software für Videokonferenzen, die im Webbrowser, als mobile App und Anwendungssoftware für Windows, MacOS und Linux genutzt werden kann.[5] Im Zuge der bundesweiten Schulschließungen ab Mitte März 2020 aufgrund des Corona-Virus gewann Jitsi viele neue Nutzer durch Online-Unterricht, da es ohne Anmeldung und ohne Installation verwendet werden kann. Dementsprechend wurde es von vielen Plattformen für den Online-Unterricht empfohlen.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung von Jitsi, damals noch „SIP Communicator“ (SIP ist ein Akronym für Session Initiation Protocol), begann im Jahr 2003.[7] Ende 2006 war das Projekt so weit fortgeschritten, dass eine erste Alpha-Version veröffentlicht werden konnte. Eine erste grafische Benutzeroberfläche war vorhanden, die wichtigsten Protokolle bereits implementiert und alle gängigen Betriebssysteme (Windows, Linux und macOS) wurden unterstützt. Jitsi ist in Java implementiert und somit auf allen Plattformen mit der Java-Laufzeitumgebung nutzbar.

Im November 2007 erschien die zweite Alpha-Version, die schon wesentlich mehr Funktionalität bot. Neben der Einbindung weiterer Protokolle wurde auch stark auf dem OSGi-Framework aufgesetzt, das für neue Entwickler sehr einstiegsfreundlich ist. Durch Neuerungen wie Benutzer-Avatare oder erweiterte Verlaufs-Funktionalität wurde auch der Komfort erhöht.

Die Zahl an Entwicklern, die an dem Open-Source-Projekt mitarbeiteten, stieg drastisch an. Dementsprechend konnte die dritte Alpha-Version bereits im Februar 2008 erscheinen. Hierbei wurde der Schwerpunkt auf Konferenz-Chats und Internationalisierung (Einbindung der bekanntesten Sprachen) gelegt.

2011 wurde das Projekt in Jitsi umbenannt, da es sich nach der hinzugefügten Unterstützung von Audio- und Video-Gesprächen nicht mehr nur um ein SIP-Softphone, sondern um einen Instant Messenger mit Audio- und Videotelefoniefunktion handelt.[8][9] Nightly Builds wurden im März 2011 zu Beta-Versionen erkoren.

Den Audio-Codec SILK unterstützt Jitsi seit 2011.

Beim Vergleich von Jitsi mit Skype, Ekiga, Empathy und NullTeam Yate q14 durch Chip Linux im März 2014 war Jitsi Testsieger mit 5 von 5 Punkten.[10]

Das Projekt wechselte im Jahr 2015 von der LGPL zur Apache-Lizenz, um die Hürden bei der Integration von Jitsi in andere Software zu senken.[11]

Seit 2015 kann Jitsi auch als JavaScript Library direkt im Browser ohne Softwareinstallation ausgeführt werden, einstweilen für Chrome, Opera und Mozilla Firefox (ab Version 40).[12] Mit der Jitsi Videobridge können Konferenzräume realisiert werden, die mit geringen Server-Ressourcen auskommen und sparsam mit der Bandbreite sind. Ein solcher Service wird von den Jitsi-Entwicklern auch selbst angeboten.

2020 benutzen zehn Millionen Nutzer die Plattform.[13]

Jitsi Meet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jitsi Meet ist eine WebRTC-basierende Konferenzsoftware. Für die Verwendung auf PCs wird der Webbrowser Chromium empfohlen, für Android und iOS steht eine App zur Verfügung. Es werden auch Jitsi-Apps für Windows, MacOS und Linux angeboten. Der Dienst kann auf eigenen Servern installiert werden.

Funktionen[14]
  • Konferenzräume können jederzeit betreten werden ohne Registrierung
  • Bildschirm teilen (am PC)
  • Chat
  • Passwortschutz (optional, für die Dauer einer Konferenz)
  • Dokumente bearbeiten mit Etherpad[Anmerkung Meet 1]
  • Telefon-Einwahl (SIP)[Anmerkung Meet 1]
  • Live-Streaming der Konferenz zu YouTube
  • Statistik über Sprechzeit während der Konferenz
  • Teilnehmer können sich per "Handzeichen" melden
  • Aufnahmen von Konferenzen
  1. a b abhängig vom Server

Möglichkeiten der Kommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jitsi unterstützt in allen Protokollen Präsenz und Sofortnachrichten. In den meisten Fällen ist auch Dateiübertragung möglich. (Video-)Telefonie ist derzeit mit SIP und Jingle möglich. Die Unterstützung der Google-Variante von Jingle (Google Talk) ermöglicht auch Verbindungen von einem Gmail-Konto zu Android-Geräten. Darüber hinaus bietet Jitsi folgende Merkmale:

  • Verschlüsselte Kommunikation mit OTR für die Sofortnachrichten und ZRTP für Bild und Ton
  • Desktop-Sharing – Freigabe des eigenen Bildschirmes zur Ansicht und zur Bedienung durch die andere Seite, „Fernsteuerung“ genannt
  • Audiokonferenzen ohne weitere Infrastruktur.
  • Konfiguration aus der Ferne Provisioning
  • Direktverbindungen für die Mediendaten P2P über Interactive Connectivity Establishment und Universal Plug and Play (UPnP). Um hartnäckige NAT-Konfigurationen zu beherrschen, stellt Jitsi Möglichkeiten zum Routen der RTP-Pakete in Form von JingleNodes und TURN zur Verfügung.
  • Volle IPv6-Protokoll-Unterstützung

Unterstützte Protokolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jitsi unterstützt alle gängigen Protokolle bekannter Instant Messenger.[15] Teilweise befindet sich die Implementierung der unterstützen Protokolle allerdings noch in der Entwicklung und kann daher eventuell nicht zu einhundert Prozent die gewünschten Ergebnisse liefern. Zu den bereits implementierten Protokollen gehören:

Präsenz, Sofortnachrichten und (Video) Telefonie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SIP – Audio und Video
  • XMPP einschließlich der Erweiterung Jingle für Audio und Video

Präsenz und Sofortnachrichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Varianten der Medienübertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Audiocodecs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Videocodecs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Google Summer of Code[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SIP-Communicator beziehungsweise Jitsi ist ein langjähriger Teilnehmer beim Google Summer of Code. Dieses Förderprogramm vergibt Programmierstipendien an Studenten aus aller Welt, um Weiterentwicklungen für Freie-Software-Projekte zu erarbeiten. Ein beträchtlicher Teil der Jitsi-Codebasis wurde von GSoC-Teilnehmern beigesteuert, so auch 2011.[17]

  • Implementierung der Unterstützung für den Breitband-Audiocodec SILK
  • Rechtschreibprüfung
  • Anrufe über Yahoo
  • Dateitransfers über Jingle und Google Talk

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jitsi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Emil Ivov. In: GitHub. Abgerufen am 7. Februar 2017 (englisch).
  2. Team And Contributors. In: jitsi.org. Abgerufen am 7. Februar 2017 (englisch).
  3. Änderungsprotokoll bei jitsi.org, abgerufen am 7. Februar 2017 (englisch).
  4. The jitsi Open Source Project on Open Hub: Languages Page. In: Open Hub. (abgerufen am 19. Juli 2018).
  5. jitsi-meet-electron. In: GitHub. Abgerufen am 21. April 2020 (englisch).
  6. POE: Zoom, Jitsi, Big Blue Button, Skype – Videokonferenzen in Zeiten von Schulschließungen und Coronavirus. In: Unterrichten Digital – iPad in der Schule. 19. März 2020, abgerufen am 6. Mai 2020 (deutsch).
  7. SIP Communicator: Interview with Emil Ivov. Gulli.com, 15. Juli 2009, abgerufen am 8. Juni 2013 (englisch).
  8. Über Jitsi. Abgerufen am 23. März 2014 (englisch).
  9. Umbenennung zu Jitsi. Schritt 1: Die Seite. (Nicht mehr online verfügbar.) 11. März 2011, archiviert vom Original am 19. Februar 2014; abgerufen am 30. Januar 2014 (englisch).
  10. Testbericht über 5 VoIP-Clients für Linux in CHIP Linux 3/2014. In: testberichte.de. Abgerufen am 15. Juli 2015.
  11. Emil Ivov: [jitsi-dev] Switching to the Apache Licenses. 18. Juni 2015, abgerufen am 22. Juni 2015 (englisch).
  12. Kristian Kißling: Videokonferenzen mit Firefox und Jitsi – Linux-Magazin. In: linux-magazin.de. 5. Juni 2015, abgerufen am 15. Juli 2015.
  13. About. Abgerufen am 6. Mai 2020 (amerikanisches Englisch).
  14. FAQ – Jitsi Meet. Abgerufen am 26. April 2020 (amerikanisches Englisch).
  15. Jitsi Features. Abgerufen am 23. März 2014 (englisch).
  16. Opus and CELT support in Jitsi. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 20. Mai 2012; abgerufen am 30. Januar 2014 (englisch)., Roadmap. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 27. Oktober 2012; abgerufen am 30. Januar 2014 (englisch).
  17. Projektliste Google Summer of Code 2011. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 20. Februar 2014; abgerufen am 30. Januar 2014 (englisch).