Dataport

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dataport AöR
Dataport-Logo
Rechtsform AöR
Gründung 2004
Sitz Altenholzer Straße 10-14
24161 Altenholz
Mitarbeiter 2.500 (2016)[1]
Umsatz 466 Mio. Euro (2015)[2]
Website www.dataport.de
Dataport-Gebäude in Altenholz-Klausdorf

Dataport ist der Informations- und Kommunikations-Dienstleister der öffentlichen Verwaltung für die vier Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Sachsen-Anhalt[3] sowie für die Steuerverwaltungen in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Die Anstalt des öffentlichen Rechts wurde aufgrund eines Staatsvertrages zum 1. Januar 2004 gegründet und hat ihren Sitz in Altenholz bei Kiel mit Niederlassungen in Hamburg, Rostock, Bremen, Lüneburg, Magdeburg und Halle.

Die schleswig-holsteinischen Kommunen sind über ihren IT-Verbund Schleswig-Holstein (ITVSH) zum 1. Januar 2012 als weiterer Träger von Dataport gemäß § 1 Abs. 1 Satz 4 des Staatsvertrags beigetreten. Im IT-Verbund Schleswig-Holstein sind zurzeit 71 Gemeinden, Städte und Kreise aus Schleswig-Holstein organisiert.[4] Sachsen-Anhalt trat dem Trägerverbund zum 1. Januar 2013 bei.[5]

Die Freie und Hansestadt Hamburg hält 29,40 %, die Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie der ITVSH jeweils 14,71 % der Anteile am Stammkapital; das Land Mecklenburg-Vorpommern sowie die Freie Hansestadt Bremen halten jeweils 5,88 %.[3]

Der Dataport-Staatsvertrag ist auf unbestimmte Zeit geschlossen. Er ist offen für den Beitritt weiterer Länder sowie für Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts in den Trägerländern.[3]

Geschäftsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Land Hamburg hatte Dataport nach einer Pilotphase 2003 beauftragt, in dem mit 30 Millionen Euro veranschlagten Projekt ESARI („Effizienzsteigerung der Arbeit durch Reorganisation der Informations- und Kommunikationsstrukturen“) 31.500 behördeninterne Computerarbeitsplätze auf ein einheitliches System umzustellen. Bis 2005 gelang dies mit weniger als zehn Prozent der PC-Arbeitsplätze.[6] Das Projekt endete mit Ablauf des Jahres 2007.

Die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Bremen schlossen sich im Jahr 2006, das Land Niedersachsen 2010 an. Insbesondere wurde eine bessere Zusammenarbeit der Steuerverwaltungen angestrebt.

Ab März 2010 lief ein Pilotprojekt unter Beteiligung von drei ausgewählten senatorischen Behörden der Freien Hansestadt Bremen, bei denen zunächst 6500 Arbeitsplätze mit einem standardisierten Verwaltungs-PC ausgestattet werden sollten.[7] Bis August 2013 waren 1000 Arbeitsplätze umgestellt.[8]

Seit Herbst 2015 arbeiten das Bundesministerium des Innern, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dataport an einer gemeinsamen IT-Lösung zur Erfassung von Flüchtlingen.[9]

Aufgaben und Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dataport bietet Dienste auf dem Gebiet der Sprach- und Datenkommunikation, Anwendungen für Verwaltungsaufgaben, Datenschutz- und Sicherheitskonzepte, Fortbildungen und Schulungen. Es betreibt Rechenzentren und Informationsinfrastruktur für seine staatlichen und kommunalen Kunden. Zu den Kunden gehören zum Beispiel Standesämter.[10] Für die öffentliche Verwaltung wird eine Standardinstallation der Software und Wartung der Hardware an den Arbeitsplätzen angeboten. Updates für das Betriebssystem am Arbeitsplatz erfolgen zentral gesteuert nach eingehender Prüfung auf die Verträglichkeit mit dem sogenannten Standardwarenkorb der Software. Die Fehlerbehebung erfolgt meist über eine Fernwartung; hierfür wird im Rahmen des Wartungsvertrages ein User Help-Desk (UHD) angeboten. Für allgemeine Fragen und Fachanwendungen steht ein Online-Portal zur Verfügung.[11]

Personal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen beschäftigt in Hamburg, Altenholz (bei Kiel), Bremen, Rostock, Lüneburg, Halle und Magdeburg 2.400 Mitarbeiter (Stand 2016).

Das Personal für Dataport wurde überwiegend aus den bisherigen Eigenbetrieben und Landesämtern, wie etwa der Informations- und Datentechnik Bremen (ID Bremen), an der im Zuge der Privatisierung zeitweise auch die Debis Systemhaus beteiligt war, rekrutiert.[12]

Seit dem 1. Januar 2008 gilt für die Beschäftigten der Haustarifvertrag TV Dataport.[13]

Im Dataport-Staatsvertrag wird die Anstalt auf die Einhaltung der Gender-Prinzipien verpflichtet.[3]

Bilanz und Jahresergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rechnungshöfe der Länder überwachen die Wirtschaftsführung von Dataport. Die Anstalt des öffentlichen Rechts ist nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt; angestrebt wird ein langfristig ausgeglichenes Unternehmensergebnis. In seinen Geschäftsberichten wies Dataport aus:

  • 2005: Bilanzwert: 145,991 TEUR, Jahresüberschuss: 635 TEUR
  • 2010: Bilanzwert 186.240 TEUR, Jahresüberschuss: 689 TEUR
  • 2015: Bilanzwert 278.890 TEUR, Operatives Ergebnis: 2.563 TEUR[14]

Auszeichnungen und Prüfungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2007 wurde Dataport mit dem Gütesiegel „Fair Company“ des Job- und Wirtschaftsmagazins „Karriere“ ausgezeichnet. Das Gütesiegel wurde an Unternehmen vergeben, die sich gegen die Ausbeutung der sogenannten „Generation Praktikum“ aussprachen und danach handelten.[15] 2014 wurde die Auszeichnung erneut an Dataport verliehen.[16]

Im Mai 2008 erhielt Dataport erstmals das Prädikat „Total E-Quality“ für ein besonderes Engagement für Chancengleichheit von Frauen und Männern im Berufsleben. 2011 und 2014 wurde dem Unternehmen die Auszeichnung jeweils für weitere drei Jahre verliehen.[17][18] [19]

Im September 2010 wurde Dataport als „Bester Dienstleister der Verwaltung Deutschlands“ ausgezeichnet. Der Preis unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums des Innern wurde im Rahmen des von Cisco Systems und BearingPoint ausgelobten 10. „eGovernment“-Wettbewerbs vergeben.[20]

Im Oktober 2010 erhielt Dataport vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) ein Datenschutzaudit-Zertifikat für das Konzept des Informationssicherheits-Managementsystems des Data Center Steuern in Rostock.[21]

Im Frühjahr 2012 hat Dataport ein „Gütezeichen für ein faires Trainee-Programm“ erhalten; eine im Dezember 2011 erstmals vergebene Auszeichnung für karrierefördernde und faire Trainee-Programme.

Im Mai 2014 wurde das im Auftrag von Dataport gebaute neue Rechenzentrum mit Standorten in Hamburg und Norderstedt vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert.[22] Im Juli 2014 erhielt der Rechenzentrumsbetreiber akquinet AG das Level-4-Sicherheitszertifikat der TÜV Informationstechnik GmbH (TÜViT).[23]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dataport geriet ab 2007 in Hamburg verschiedentlich wegen Technik- und Sicherheitsproblemen in öffentliche Kritik.[24]

2010 führte nach Aussage eines Dataport-Sprechers ein Mitarbeiter von Dataport ein Downgrade der installierten Microsoft Office Version im Verwaltungsnetz Hamburg durch. Dieses Downgrade führte dazu, dass etwa 2300 Rechner in der Hamburger Verwaltung ausfielen.[25][26]

Der Datenschutzbeauftragte des Landes Bremen bemängelte 2008 fehlende Informationen zur Sicherheitsarchitektur.[27]

2008 berichtete der Hamburger Datenschutzbeauftragte, dass Dataport im Januar 2006 bei einem nicht beauftragten Massentest für automatisierte Bankauszahlungen an BAföG-Empfänger gegen Sicherheitsvorschriften und die Freigabe-Richtlinie verstoßen hatte. Es sei zu ungerechtfertigten Auszahlungen in Höhe von über drei Millionen Euro gekommen.[28]

Zu der Übergabe des IuK-Netzes der Hamburger Polizei an Dataport gab es im Datenschutzbericht 2008 „erhebliche Bedenken, ob die derzeitigen Datenschutz- und Datensicherheitsstandards des Dienstleisters ausreichen, den Schutzbedarf für das Polizeinetz zu gewährleisten“.[28] Diese Bedenken konnten nach Ansicht des Hamburger Datenschutzbeauftragten bis Anfang 2010 nur teilweise ausgeräumt werden.[29]

Der Hamburger Rechnungshof kritisierte Dataport 2006.[30][31]

Der Landesrechnungshof Schleswig-Holstein kritisierte 2008, dass „ein anforderungsgerechtes internes Rechnungswesen und eine darauf basierende aktuelle und transparente Entgeltkalkulation und Preisgestaltung“ bei Dataport fehlten.[32]

Der Hamburger Rechnungshof kritisierte 2010: „Die im Nutzungs- und Überlassungsvertrag über das hamburgische Telekommunikationsnetz zwischen Dataport und der Finanzbehörde vereinbarten Maßnahmen sind unzureichend oder gar nicht umgesetzt worden.“[33] Dataport habe „einen erheblichen Überschuss auf Kosten Hamburgs erzielt“ und dem Land so einen Schaden von zwölf Millionen Euro zugefügt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. dataport.de: Unternehmensporträt
  3. a b c d Staatsvertrag (PDF; 81 kB), abgerufen am 10. März 2014
  4. Porträt ITVSH
  5. dataport.de: Beitritt Sachsen-Anhalt, abgerufen am 10. März 2014
  6. Artikel Behörden: Pannen mit Computern, Hamburger Abendblatt vom 25. April 2005
  7. http://www.dataport.de/unsereloesungen/infrastruktur/arbeitsplatzinfrastruktur/Seiten/basispc-vertragsunterzeichnung.aspx
  8. http://www.dataport.de/unsereloesungen/infrastruktur/arbeitsplatzinfrastruktur/Seiten/basispc1000ap.aspx
  9. Pressemitteilung vom 13. November 2015: Nationaler IT-Gipfel: Dataport entwickelt Modell für "Government as a Service"
  10. http://www.dataport.de/ueber-uns/presseservice/pressemitteilungen/Seiten/Dataport2011/111219-e-personenregister.aspx
  11. http://www.dataport.de/online-service/Seiten/kundenportal-info.aspx
  12. Weser-Kurier vom 18. November 2000, Seite 25: „ID Bremen: Paradebeispiel für Private-Public-Partnership“, Zugriff über das digitale Zeitungsarchiv am 5. Februar 2016
  13. dataport.de: Tarifvertrag Dataport
  14. Dataport Geschäftsbericht 2015, S. 46 + 47
  15. Pressemitteilung von Dataport zum Fair-Company-Gütesiegel
  16. dataport.de: Jobs & Karriere
  17. Pressemitteilung von Dataport zum "Total E-Quality"-Prädikat, 2008
  18. Pressemitteilung von Dataport zum "Total E-Quality"-Prädikat, 4. Oktober 2011
  19. Pressemitteilung von Dataport zum "Total E-Quality-Prädikat, 27. Oktober 2014
  20. Pressemitteilung der Hamburger Finanzbehörde zur eGovernment-Auszeichnung, 10. September 2010
  21. ULD: Data Center Steuern von Dataport ist datenschutzkonform – erfolgreiches Audit für Sicherheitsmanagement und Sicherheitskonzept, 28. Oktober 2010
  22. Pressemitteilung von Dataport zur BSi-Zertifizierung, 20. Mai 2014
  23. Pressemitteilung von Dataport zur Auszeichnung durch die TÜViT vom 29. Juli 2014
  24. "Computerprobleme noch nicht gelöst", Hamburger Abendblatt vom 27. Juli 2007
  25. Schadet Dataport der Verwaltung?, hh-heute.de vom 26. August 2010, abgerufen am 2. September 2010
  26. Computerpanne lähmt Hamburgs Behörden abendblatt.de vom 25. August 2010, abgerufen am 2. September 2010
  27. Datenschutzbericht Bremen für das Jahr 2007 (PDF), 31. März 2008, abgerufen am 10. März 2014
  28. a b Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte: Tätigkeitsbericht 2006/2007
  29. Datenschutzbeauftragter Hamburg: Tätigkeitsbericht für 2008/2009, vorgelegt im Februar 2010, abgerufen am 10. März 2014
  30. Rechnungshof-Präsident, Pressekonferenz zum Jahresbericht 2006 am 8. Februar 2006, S. 4 (PDF; 65 kB)
  31. Landesrechnungshof Hamburg, Komplettversion des Jahresberichts 2006 (PDF; 968 kB)
  32. Landesrechnungshof SH: Bemerkungen 2008, Kapitel 16 (PDF; 47 kB) (Vollfassung des Berichts)
  33. Rechnungshof der Freien und Hansestadt Hamburg: Jahresbericht 2010 (PDF; 2,2 MB), Januar 2010