Julius Rodenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Porträt Julius Rodenberg
Julius Rodenberg, 1889

Julius Rodenberg (* 26. Juni 1831 in dem damals zu Kurhessen gehörenden Rodenberg in der Nähe von Hannover; † 11. Juli 1914 in Berlin; eigentlich Julius Levy) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Rodenberg wurde als ältestes von sechs Kindern des jüdischen Kaufmanns Simon Gumbert Levy und dessen Ehefrau Amalia geb. Coppel geboren. Eine seiner Schwestern war Bertha Markheim. Nach dem ersten Unterricht am privaten Lehrinstitut Schröder wurde er ab 1841 von Hauslehrern erzogen. 1845 besuchte Rodenberg die Höhere Bürgerschule in Hannover und wechselte im darauffolgenden Jahr an das Gymnasium Ernestinum in Rinteln. Dort befreundete er sich mit Franz von Dingelstedt und Friedrich Oetker. Mit 20 Jahren legte er sein Abitur ab und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Heidelberg. In Marburg und in Berlin setzte er seine Studien fort.

1854 kehrte Rodenberg an die Universität Marburg zurück. Im selben Jahr riet Karl August Varnhagen von Ense zu einer Namensänderung und zur Konversion zum Christentum. Ein Jahr darauf wurde ein diesbezüglicher Antrag Rodenbergs durch seinen Landesherrn, den Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel gestattet. Trotz einer Anima Christiana konnte sich Rodenberg aber nie zum Konvertieren durchringen.

1856 schloss Rodenberg sein Studium mit einer Promotion über die Regredienterbschaft ab. Danach unternahm er eine Reise nach Großbritannien und lernte dort u. a. die Komponistin Johanna Kinkel und deren Ehemann Gottfried Kinkel kennen, deren Maikäferbund immer noch unvergessen war. Nach seiner Rückkehr ließ sich Rodenberg 1859 in Berlin nieder und schrieb als freier Mitarbeiter u. a. für die National-Zeitung, die Neue Preußische Zeitung und die Breslauer Zeitung.

Er wohnte in Berlin u. a. in der Französischen Straße 52 und später bis zu seinem Tode nahe dem Tiergarten in der damaligen Margarethenstraße 1 (heute: Scharounstraße). 1863 heiratete er die Katholikin Justina Schiff (1837-1923), mit der er eine Tochter, Alice (geb. 1864), hatte.

Seit den 1860er Jahren lebte Rodenberg vom Journalismus und von seiner schriftstellerischen Arbeit. Von 1861 bis 1863 gab er in Berlin eine erste eigene Unterhaltungszeitschrift unter dem Titel Deutsches Magazin heraus, redigierte von 1865 an für zwei Jahre die literarische Beilage der illustrierten Modezeitung Der Bazar und rief 1867 gemeinsam mit dem Journalisten Ernst Dohm die Zeitschrift Der Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft ins Leben, an der zahlreiche prominente Autoren wie Berthold Auerbach, Theodor Fontane, Karl Gutzkow, Paul Heyse, Theodor Storm oder Iwan Turgenjew mitarbeiteten. Als sich Dohm 1871 von der Redaktion zurückzog, war Rodenberg von 1872 bis 1874 allein für das Blatt verantwortlich. Der Salon ging 1875 an Franz Hirsch über und erschien noch bis 1890. 1874 gründete Rodenberg die Deutsche Rundschau, die monatlich herauskam und zur führenden deutschen Kulturzeitschrift im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts avancierte. Dabei wurde er von Gustav Heinrich von und zu Putlitz und Berthold Auerbach tatkräftig gefördert und unterstützt.

1879 engagierte sich Rodenberg in Weimar für ein Goethe-Nationalmuseum und gelegentlich auch für die Deutsche Schillerstiftung. 1885 gehörte zu den Mitbegründern der Goethe-Gesellschaft.

Er gehörte zum Kreis der Autoren und Schriftsteller, die im Auftrag des Kölner Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck an der literarischen Gestaltung der Stollwerck-Sammelbilder und Sammelalben mitarbeiteten. Weitere Autoren waren die Dichterin „T.Resa“ alias Theresa Gröhe, geb. Pauli-Greiffenberg, der Zoologe Prof. Paul Matschie, der Schriftsteller Hans Eschelbach, der Schriftsteller Joseph von Lauff, der Lyriker Carl Hermann Busse, der Romancier Gustav Falke, die Dichterin Anna Ritter u.v.a.m.. [1]

Julius Rodenberg starb am 14. Juli 1914 im Alter von 83 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Gemeindefriedhof in Friedrichsfelde bestattet. Die Grabstele aus Sandstein hatte der Bildhauer Hugo Lederer geschaffen.

In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckte der Berliner Feuilletonist Heinz Knobloch (vor allem bekannt durch seine Feuilletons in der Wochenpost) Julius Rodenberg für eine breitere Öffentlichkeit wieder und schrieb u. a. ein Essay als Nachwort zu einer von ihm initiierten Neuauflage der Bilder aus dem Berliner Leben.

Aus Anlass des 150. Geburtstags von Julius Rodenberg gab die Ortsgruppe Rodenberg des Heimatbundes Grafschaft Schaumburg eine Gedenkschrift heraus. Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts tragen eine Grundschule in Rodenberg[2] und ein Gymnasium in Berlin-Prenzlauer Berg den Namen Julius Rodenberg[3].

In seiner Heimatstadt Rodenberg sind Leben und Werk Julius Rodenbergs Teil der Dauerausstellung im Heimatmuseum Rodenberg.[4]

Im Norden des Berliner Stadtteils Prenzlauer Berg ist eine Straße nach Julius Rodenberg benannt.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

  • 1899 Professorentitel
  • 1906 Gedenktafel an Rodenbergs Geburtshaus
  • 1911 Ehrenbürger von Rodenberg
  • 1911 Ehrendoktor der Universität Marburg

Werke (Auswahl, chronologisch)[Bearbeiten]

  • Fliegender Sommer. Eine Herbstgabe. Bremen: Schlodtmann, 1851
  • Dornröschen. Bremen: Schlodtmann, 1852
  • Der Majestäten Felsenbier und Rheinwein lustige Kriegshistorie. Hannover: Rümpler, 1853
  • Musikalischer Sonettenkranz. Hannover: Rümpler, 1855
  • Die Regredienterbschaft. Marburg: Elwert, 1856 (Jur. Diss.)
  • Pariser Bilderbuch. Braunschweig: Vieweg, 1856
  • Für Schleswig-Holstein!. Hamburg: Hoffmann u. Campe, 1856
  • Dramatische Idyllen (Waldmüllers Margret. - Ehen werden im Himmel geschlossen. - Alfieri). Cassel: Bertram, 1858
  • Kleine Wanderchronik. Hannover: Rümpler, 1858
  • Ein Herbst in Wales. Land und Leute, Märchen und Lieder. Hannover: Rümpler, 1858
  • Deutsche Antwort auf die Welsche Frage. Hannover: Rümpler, 1859
  • Alltagsleben in London. Berlin: Springer, 1860
  • Verschollene Inseln. Sand und Seebilder. Berlin : Springer, 1861
  • Die Harfe von Erin. Mährchen und Dichtung in Irland. Leipzig: Grunow, 1861
  • Tag und Nacht in London. Ein Skizzenbuch zur Weltausstellung. Berlin : Seehagen, 1862 (Neu herausgegeben von Stefan Neuhaus. Wehrhahn, Hannover 2007. ISBN 978-3-86525-302-6)
  • Feramors. Lyrische Oper in drei Akten. Dichtung frei nach Thomas Moore. Musik von Anton Rubinstein. Dresden 1863
  • Die Straßensängerin von London. Ein Roman in drei Büchern. Berlin: Seehagen, 1863
  • Die Insel der Heiligen. Eine Pilgerfahrt durch Irlands Städte, Dörfer und Ruinen. Berlin: Janke, 1864.
  • Die neue Sündfluth. Ein Roman aus dem vorigen Jahrhundert. Berlin: Derschel, 1865
  • Die Myrthe von Killarney. Ein modernes Idyll. Berlin: Grote, 1867
  • Ein dänisches Seebad. Vier Wochen in Helsingör. Berlin: Gerschel, 1867
  • Kriegs- und Friedenslieder. Berlin: Lipperheide, 1870
  • Studienreisen in England. Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Leipzig: Brockhaus, 1872
  • In deutschen Landen. Skizzen und Ferienreisen. Leipzig: Brockhaus, 1874
  • Wiener Sommertage. Leipzig: Brockhaus, 1875
  • Stillleben auf Sylt. Berlin: Springer, 1876
  • Ferien in England. Berlin: Pactel, 1876
  • Die Grandidiers. Ein Roman aus der französischen Kolonie. Stuttgart: Hallberger, 1878
  • Belgien und die Belgier. Studien und Erlebnisse während der Unabhängigkeitsfeier im Sommer 1880. Berlin u.a.: Paetel, 1881
  • Heimatherinnerungen an Franz Dingelstedt und Friedrich Oetker. Berlin: Paetel, 1882
  • Lieder. Halle a. S.: Gesenius 1885.
  • Herrn Schellbogen's Abenteuer. Ein Stücklein aus dem alten Berlin. Berlin: Paetel, 1890
  • Klostermann's Grundstück, nebst einigen anderen Begebenheiten, die sich in dessen Nachbarschaft zugetragen haben. Berlin: Paetel, 1891
  • Eine Frühlingsfahrt nach Malta. Mit Ausflügen in Sicilien. Berlin: Paetel, 1893
  • Bilder aus dem Berliner Leben. 3 Bde. Berlin: Paetel, 1885-1887
  • Carl Alexander, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach. Zu seinem achtzigsten Geburtstage. Berlin: Paetel, 1898
  • Die Begründung der "Deutschen Rundschau". Ein Rückblick. Berlin: Paetel, 1899
  • Erinnerungen aus der Jugendzeit. Autobiographie. Berlin: Paetel, 1899
  • Epilog für die Aufführung des "Tasso" am Goethetage im Großherzoglichen Hoftheater zu Weimar 9. Juni 1906. Weimar: Hof Buchdruckerei, 1906
  • Aus der Kindheit. Erinnerungsblätter. Berlin: Paetel, 1907

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lorenz, Detlef: Reklamekunst um 1900. Künstlerlexikon für Sammelbilder, Reimer-Verlag, 2000.
  2. Adresse der Rodenberg-Schule; abgerufen am 26. November 2009
  3. Adresse und Lageangabe der Julius-Rodenberg-Oberschule; abgerufen am 26. November 2009
  4. Ausstellung über Julius Rodenberg im Heimatmuseum Rodenberg

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Spiero: Julius Rodenberg. Sein Leben und seine Werke. Paetel, Berlin 1921.
  • Wilmont Haacke: Julius Rodenberg und die deutsche Rundschau. Eine Studie zur Publizistik des deutschen Liberalismus 1870-1918. Vonwinckel, Heidelberg 1950.
  • Heinz Knobloch: Nachwort zur Neuauflage Bilder aus dem Berliner Leben. Rütten & Loening, Berlin 1987, ISBN 3-352-00072-7, S. 355–374
  • Eva Rademacher: Julius Rodenberg (1831 – 1914). In: Der Bär von Berlin. Jahrbuch 1989/1990 des Vereins für die Geschichte Berlins. Achtunddreißigste und neununddreißigste Folge 1989/1990. Hrsg. Gerhard Kutzsch. Westkreuz-Verlag, Berlin / Bonn: 1990, S. 51-76
  • Roland Berbig, Josefine Kitzbichler (Hrsg.): Die Rundschau-Debatte 1877. Paul Lindaus Zeitschrift „Nord und Süd“ und Julius Rodenbergs „Deutsche Rundschau“. Dokumentation. Lang, Bern 1998, ISBN 3-906759-51-2.
  • Christoph Grubitz: Julius Rodenberg (Julius Levy). In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler-Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart u. a. 2000, ISBN 3-476-01682-X, S. 486–488.
  • Sina Farzin: Rodenberg, Julius. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 694 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Julius Rodenberg – Quellen und Volltexte