Rodenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Stadt in Niedersachsen; für weitere Orte dieses Namens siehe Rodenberg (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rodenberg
Rodenberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rodenberg hervorgehoben
Koordinaten: 52° 19′ N, 9° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Schaumburg
Samtgemeinde: Rodenberg
Höhe: 69 m ü. NHN
Fläche: 15,6 km²
Einwohner: 6297 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 404 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31552
Vorwahl: 05723
Kfz-Kennzeichen: SHG, RI
Gemeindeschlüssel: 03 2 57 032
Stadtgliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Amtsstraße 5
31552 Rodenberg
Bürgermeister: Ralf Sassmann (WGR)
Lage der Stadt Rodenberg im Landkreis Schaumburg
Nordrhein-Westfalen Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Nienburg/Weser Region Hannover Ahnsen Apelern Auetal Auhagen Bad Eilsen Bad Nenndorf Beckedorf Bückeburg Buchholz (bei Stadthagen) Hagenburg Haste Heeßen Helpsen Hespe Heuerßen Hohnhorst Hülsede Lauenau Lauenhagen Lindhorst Lüdersfeld Luhden Meerbeck Messenkamp Niedernwöhren Nienstädt Nordsehl Obernkirchen Pohle Pollhagen Rinteln Rodenberg Sachsenhagen Seggebruch Stadthagen Suthfeld Wiedensahl WölpinghausenKarte
Über dieses Bild
Darstellung von Schloss Rodenberg um 1520 während der Hildesheimer Stiftsfehde, Zeichnung von Johannes Krabbe von 1591
Das Rodenberger Rathaus, ehemaliges Amtsgericht

Rodenberg ist eine Stadt im Osten des Landkreises Schaumburg in Niedersachsen und gehört zur Samtgemeinde Rodenberg, deren Verwaltungssitz sie ist.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im nördlichen Teil des Deister-Süntel-Tals zwischen Deister, Süntel und Bückeberg. Die B 442 im Osten und die B 65 im Norden begrenzen das Stadtgebiet. Die Rodenberger Aue und die Steinaue durchfließen das Stadtgebiet. Im Westen des Stadtgebietes erhebt sich der Namen stiftende „Alte Rodenberg“.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich in die Ortsteile Rodenberg und das bis zur Gebietsreform 1974 selbständige Algesdorf. Bereits 1834 wurde das Kirchdorf Grove eingemeindet, das heute im Ortsteil Rodenberg aufgegangen ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rodenberger Gegend war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, unter anderem von den Kelten und Sachsen. Davon zeugen auch einige Hügelgräber in der Umgebung. Der Name Rodenberg bezieht sich auf einen Hügel im Westen der Stadt, der Name ist jedoch kein Hinweis auf die Rodung, sondern auf die Farbe des Berges – „roter Berg“.

Die erste urkundliche Erwähnung (als „Castrum Rodenbergum“) stammt aus dem Jahr 930, in dem die Vorgänger der Schaumburger Grafen hier eine Burg oder einen Wehrturm errichteten. Sie befand sich angeblich auf dem sogenannten „alten Rodenberg“ im Westen des Ortes wobei genaueres nicht bekannt ist.[2]

Die Rodenberg zugeordnete Heisterburg im Deister stammt aus dem 10./11. Jahrhundert.

Das in wenigen Resten vorhandene Schloss Rodenberg wurde als Wasserburg wahrscheinlich von Graf Adolf IV. von Schaumburg zwischen 1228 und 1240 angelegt. [3]

Die heutige Schreibweise „Rodenberg“ wurde 1632 erstmals verwendet. Vorher hatte sich der Ortsname im Laufe der Zeit mehrmals geändert:

  • 1317 „in castro Rodenberghe“ (WUB IX, 1643, vgl. 1644)
  • 1320 „in Rodenberghe“ (UB Kloster Rinteln, 91)
  • 1376–1379 „to dem Redenberghen“ (Wippermann, 403)
  • 1441 „nostri castri Rodenberge“ (Wippermann, 432)
  • 1471 „dat Slot Rodenbergh“ (Wippermann, 452c)
  • 1518 „Rotenberg“ (Wippermann, 488)
  • 1561 „dath fleck Rodenberghe“ (StABü L 1 Nr. 9717)
  • 1586 „Rodenbergk“ (UB Obernkirchen, 563)

1250 wurde Rodenberg zum „Freien Wickbold“ (befestigte und bevorrechtigte Siedlung) erhoben, und am 4. April 1615 bekam es die Stadtrechte durch den Grafen Ernst zu Holstein und Schaumburg verliehen. 1647 fiel Rodenberg – da das Geschlecht der Schaumburger Grafen mit dem Tod von Graf Otto V. am 15. November 1640 ausgestorben war – an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Dieses wurde 1648 im Westfälischen Frieden niedergeschrieben und festgelegt.

Der Ortsteil Algesdorf war 1607 von Hexenverfolgung betroffen: die Molthansche geriet in einen Hexenprozess und wurde verbrannt. Aus dem Ortsteil Grove erlitt 1607 eine Frau den Tod in der Haft.[4]

Die 1718 entdeckte Heilquelle war weithin bekannt. Saline und Gesundbrunnen in Rodenberg wurden großzügig gefördert, ehe der Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel 1787 in Nenndorf bei den Schwefelquellen ein Badehaus errichtete. 1834 wurde der nördliche Nachbarort Grove mit Rodenberg vereinigt.

Am Abend des 5. November 1859 brach im großen Brauhaus zu Rodenberg ein Brand aus, der sich rasch ausweitete. In der Nacht brannten ab: das große Brauhaus, das Rathaus, das jüdische Gemeindehaus, das große Amts- und Renthaus, das Amtstor, das Gefängnis, die übrigen Gebäude des Amtshofes, der ganze Domänenhof mit seinen zahlreichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Scheunen, Speichern und Stallungen, das Schloss mit sämtlichen Gebäuden und Türmen (bis auf die Umfassungsmauern) und 20 Bürgerhäuser in der Stadt. Ein Teil der Schlossanlage blieb (wenn auch ausgebrannt) erhalten. In den Folgejahren wurden die noch erhaltenen Mauern der Schlossanlage als „Steinbruch“ für den Ratskeller, das Amtsgericht, die Verlegung der Domäne, für Arbeiten an der Saline und für Arbeiten in Bad Nenndorf genutzt. Als die Abbrucharbeiten gestoppt wurden, war nur noch das Ständehaus vorhanden.[5]

Mit dem Anfall Hessens an Preußen wurde 1866 auch der Kreis Rinteln (so benannt 1866–1904) preußisch. Er wurde der Provinz Hessen-Nassau unterstellt, bis er im Zuge der Verwaltungsreform von 1932 der (ebenfalls seit 1866 preußischen) Provinz Hannover einverleibt wurde. Die kirchliche Verwaltung folgte dem nach, sodass dieser Teil Schaumburgs – und somit auch Rodenberg – zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover gehört. Katholischerseits erfolgte gleichzeitig der Wechsel vom Bistum Fulda zum Bistum Hildesheim.[6]

1927/28 fanden Heimatspiele am Schloss zur (verspäteten) 300-Jahr-Feier der Stadtrechte statt.

1990 fand am 8. Juli ein großer Festumzug mit historischen Elementen zur Feier des 375–jährigen Stadtrechtes statt.

2015 fanden im April / Mai / Oktober die Feierlichkeiten zur Feier der 400 Jahre Stadtrechte statt. Der AK400 hatte diese Feier ermöglicht.

Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Rodenberg zum Regierungsbezirk Hannover, der wie alle anderen niedersächsischen Regierungsbezirke aufgelöst wurde.[7] Im Jahr 1834 wurde das benachbarte Kirchdorf Grove mit Rodenberg vereinigt. Am 1. März 1974 wurde Algesdorf eingegliedert.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzverteilung im Rodenberger Rat 2011–2016

Am 11. September 2011 wurde ein neuer Stadtrat gewählt:

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat von Rodenberg setzt sich aus 19 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

SPD CDU WGR
(Wählergemeinschaft Rodenberg)
AD
(Aktive Demokraten)
FDP Gesamt
1996 8 5 1 1 15 Sitze
2001 8 8 1 17 Sitze
2006 8 6 2 2 1 19 Sitze
2011 8 6 3 1 1 19 Sitze

Stand: 11. September 2011

AD und FDP haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen.[9]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodenbergs Bürgermeister ist seit November 2011 Ralf Sassmann (Wählergemeinschaft Rodenberg).

Stadtdirektor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Stadtdirektor wurde Uwe Heilmann (SPD) für die laufende Wahlperiode vom Rodenberger Stadtrat ernannt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ratskeller in der Langen Straße
Windmühle auf dem Rodenberg
Freilichtmuseum auf dem Burggelände mit Befestigungsanlagen des Rondells und der Bastei
Ständehaus mit Heimatmuseum
  • Freilichtmuseum auf dem Gelände von Schloss Rodenberg
  • Heimatmuseum auf dem Gelände von Schloss Rodenberg

Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Archiv der Stadt Rodenberg befindet sich als Depositum der Samtgemeinde Rodenberg im Staatsarchiv Bückeburg.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schloss Rodenberg mit Ständehaus, Wall- und Grabenanlage, Reste von Bastei und Turmrondell sowie angebauten Wehren. Innerhalb der früheren Schlossanlage befinden sich das Heimatmuseum und das Freilichtmuseum mit restaurierten Befestigungsanlagen.
  • Windmühle auf dem Alten Rodenberg, erbaut 1850, heute das Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde durch ein Feuer am 28. April 2005 stark beschädigt, der Mühlenkopf komplett zerstört. Durch Sponsoren und Fördergelder wurde die Mühle umfassend restauriert werden und ist seit März 2015 illuminiert.
  • Heisterburg mit Teufelsbrücke im Deister
  • Hotel Stockholm, erbaut 1644 von Olaf Jansen, einem invaliden, schwedischen Wachtmeister
  • Ratskeller, erbaut 1863. Am Standort des Ratskellers befand sich früher das 1800 errichtete Rathaus, das 1859 durch einen Stadtbrand zerstört wurde.
  • Die St. Jacobi-Kirche im ehemaligen Grove wurde im Jahr 1040 erbaut.
  • Für die katholische Gemeinde, die seit 1950 das historische Ständehaus als Kirche nutzte, wurde 1975 die Mariä-Himmelfahrt-Kirche gebaut.

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bürgerpark auf dem Alten Rodenberg
  • Schlosspark hinter/im Freilichtmuseum

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bürgerschützenfest
  • Martini-Markt

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freibad
  • Sportanlage
  • Kreissporthalle

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius-Rodenberg-Schule, Grundschule mit Außenstelle in Apelern
  • IGS Rodenberg (hervorgegangen aus Haupt- und Realschule)
  • Schule am Deister, Förderschule

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anschlussstellen Lauenau und Bad Nenndorf der A 2 liegen wenige Kilometer entfernt. Die Bundesstraßen 65 und 442 liegen nahe. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich im Nachbarort Bad Nenndorf und im Ortsteil Bantorf der Stadt Barsinghausen. Der ÖPNV wird durch die Schaumburger Verkehrs-Gesellschaft sichergestellt. Außerdem kann innerhalb der Samtgemeinde auf ein Autoanrufsystem zurückgegriffen werden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Blazek: 100 Jahre Ortsfeuerwehr Rodenberg 1904–2004. Rodenberg 2004
  • Adolf Mithoff: Chronik der Stadt Rodenberg von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Rodenberg 1912
  • Franz Carl Theodor Piderit: Geschichte der Grafschaft Schaumburg und der wichtigsten Orte in derselben. Rinteln 1831, S. 21, 36, 53

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rodenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Vgl. Höing, Hubert, Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Staatsarchivs in Bückeburg, Bückeburg 2004, S. 206.
  3. Höing legt sich a. a. O., S. 206, zeitlich nicht so genau fest: „Vor 1315 wurde von Graf Adolf V. zu Holstein-Schaumburg in der Niederung eine Wasserburg gegründet, die 1859 abgebrannt ist; in der Vorburg war der Sitz des Amtes Rodenberg untergebracht.“
  4. Gerhard Schormann: Hexenverfolgung in Schaumburg, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 45, Hildesheim 1973, S. 149–151.
  5. Ausführlich über den Brand: Blazek, 100 Jahre Ortsfeuerwehr Rodenberg, 2004, S. 18 f.
  6. vgl. Maria vom heiligen Rosenkranz (Bad Nenndorf)
  7. Ausführlich: Blazek, Matthias, Von der Landdrostey zur Bezirksregierung – Die Geschichte der Bezirksregierung Hannover im Spiegel der Verwaltungsreformen, Stuttgart 2004.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5.  1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 192.
  9. „Aktiver Demokrat und FDP bilden Fraktion“, Artikel in den Schaumburger Nachrichten vom 20. September 2011 (Link)