Karl-Hermann Flach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Karl-Hermann Flach (* 17. Oktober 1929 in Königsberg; † 25. August 1973 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Journalist, Buchautor und liberaler Politiker, zunächst in der LDPD, dann in der FDP.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1946 trat Flach in die LDP (später LDPD) ein. 1948/49 arbeitete er als Volontär, später als Politischer Redakteur bei der LDP-Zeitung Norddeutsche Zeitung in Schwerin. 1949 wurde er in den LDP-Landesvorstand Mecklenburgs gewählt. Im Oktober 1949 flüchtete er aus der DDR nach West-Berlin, wo er in die FDP eintrat.

Von 1949 bis 1953 studierte Flach Politische Wissenschaft an der Deutschen Hochschule für Politik, dem späteren Otto-Suhr-Institut, mit Diplom-Abschluss. Von 1954 bis 1956 arbeitete er als wirtschafts- und sozialpolitischer Redakteur in Frankfurt am Main und in Bonn.

1956 trat Flach als Mitarbeiter in die FDP-Bundesgeschäftsstelle in Bonn ein und wurde im Bundestagswahlkampf 1957 der engste Mitarbeiter des Wahlkampfleiters Wolfgang Döring, über den er später sagte: „Ich habe Döring mit liberalen Grundsätzen befreundet, er hat mich pragmatisch getrimmt.“[1] Von 1959 bis 1962 war Flach Bundesgeschäftsführer der FDP und Wahlkampfleiter im Bundestagswahlkampf 1961 unter dem Parteivorsitzenden Erich Mende.

Nach inhaltlichen Differenzen mit Mende zog Flach sich 1962 aus der Politik zurück und trat in die Redaktion der Frankfurter Rundschau (FR) ein, zuerst als Ressortleiter für Innenpolitik. Zuletzt war er Geschäftsführendes Mitglied der Redaktionsleitung und Prokurist des Druck- und Verlagshauses.

1971 kehrte Flach als Generalsekretär der FDP unter dem Parteivorsitzenden Walter Scheel in die Politik zurück. 1972 wurde er in den Deutschen Bundestag gewählt und wurde stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Seine Sekretärin in dieser Zeit, Johanna Olbrich (alias Sonja Lüneburg), die zunächst für den Berliner FDP-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten William Borm gearbeitet hatte und später für den Bundestagsabgeordneten und Bundesminister für Wirtschaft, Martin Bangemann, arbeiten sollte, war eine Spionin der DDR-Staatssicherheit.[2]

1971 veröffentlichte Flach sein Buch Noch eine Chance für die Liberalen. Dieses Werk versuchte auf knapp 100 Seiten, liberale Positionen gegen seine politischen Gegner zu verteidigen und stellt eine vielbeachtete Theorie eines modernen Liberalismus in Abgrenzung u. a. zu sozialistischen Gesellschaftstheorien dar. Flach kommt dort unter anderem zu dem Ergebnis, dass "wenn ernsthafte Gefahr für ihre Besitzpositionen droht, (...) den herrschenden Kreisen in kapitalistischen Staaten die Rettung durch eine faschistische Ordnung lieber sein [kann] als ihr Abstieg."[3]

Erst gegen Ende der Ausarbeitung der Freiburger Thesen der FDP durch Walter Scheel und Werner Maihofer beteiligte er sich daran. Seit den 1950er Jahren setzte er sich gegen die sogenannte „Bürgerblock-Mentalität“ seiner Partei und für eine Öffnung der FDP zu den Arbeitnehmern ein. Er wurde zu einem der Wegbereiter der Sozialliberalen Koalition 1969.

Für seine journalistische Arbeit bei der Frankfurter Rundschau wurde Flach mehrfach ausgezeichnet, darunter 1964 mit dem Theodor-Wolff-Preis.[4]

Am 25. August 1973 verstarb Flach an den Folgen eines im selben Monat erlittenen Schlaganfalles. Er wurde in Bötzingen am Kaiserstuhl beerdigt.

Nach ihm wurde die Karl-Hermann-Flach-Stiftung in Hessen und der Karl-Hermann-Flach-Preis benannt.

Unterlagen über seine Tätigkeit für die FDP befinden sich im Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kennen Sie eigentlich die FDP? Berto-Verlag, Bonn 1963.
  • Erhards schwerer Weg. Seewald, Stuttgart-Degerloch 1963; 2. erweiterte Auflage ebd. 1964.
  • Macht und Elend der Presse. v. Hase u. Koehler, Mainz 1967.
  • Unter uns Pharisäern. Gleichnisse. v. Hase u. Koehler, Mainz 1967.
  • 1x1 der Politik. Zwölf Kapitel für den Staatsbürger. Rowohlt, Reinbek 1970, ISBN 3-499-60014-5.
  • Noch eine Chance für die Liberalen oder Die Zukunft der Freiheit. Eine Streitschrift. S. Fischer, Frankfurt 1971. Neuauflage ebd. 2015, ISBN 978-3-596-30242-0.
    • Auszüge auf der Website von Tristan Abromeit, Februar 2010 (PDF; 4,4 MB).
  • mit Werner Maihofer & Walter Scheel: Die Freiburger Thesen der Liberalen. Rowohlt, Reinbek 1972, ISBN 3-499-11545-X.
  • Liberaler aus Leidenschaft. Herausgegeben von Joachim Bretschneider & Harald Hoffmann. Mit einem Geleitwort von Walter Scheel. Bertelsmann, München/Gütersloh/Wien 1974, ISBN 3-570-02965-4.
  • Mehr Freiheit für mehr Menschen. Beiträge zur liberalen Politik. Zusammenstellung und Redaktion: Peter Juling. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1979, ISBN 3-7890-0525-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Georg Fleck: Aufbruch – zu konträren Ufern. Ein Briefwechsel des jungen Karl-Hermann Flach. In: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 22, 2010, S. 215–250.
  • Jutta Roitsch: Zwischen FDP und FR. Wirken und Wirkung des Politikers und Publizisten Karl-Hermann Flach. In: vorgänge. 175, H. 3, 2006, S. 140–147.
  • Klaus Weber: Der Linksliberalismus in der Bundesrepublik um 1969. Konjunktur und Profile. (Jenaer Beiträge zur Geschichte, Bd. 11), Peter Lang, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-631-63940-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitiert nach Karl-Hermann Flach: Liberaler aus Leidenschaft, S. 24.
  2. Wolfgang Hartmann: Olbrich, Johanna. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  3. Karl-Hermann Flach: Noch eine Chance für die Liberalen oder: Die Zukunft der Freiheit. 1. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 1971, ISBN 978-3-10-021001-2, S. 75.
  4. Theodor-Wolff-Preis: Preisträger der Jahre 1962 bis 1997.