Bijan Djir-Sarai

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Bijan Djir-Sarai (* 6. Juni 1976 in Teheran, Iran) ist ein deutscher Politiker (FDP). Von 2009 bis 2013 war Djir-Sarai Mitglied des Deutschen Bundestages.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bijan Djir-Sarai kam im Alter von elf Jahren als Flüchtlingskind aus dem Iran nach Deutschland. Seine im Iran lebenden Eltern gaben ihn 1987 ohne deutsche Sprachkenntnisse in die Obhut seines Onkels in Grevenbroich, um ihm eine bessere Lebensperspektive zu eröffnen. Sein Vater hatte in Deutschland studiert.[1] Der Onkel, ein Tierarzt, ließ ihn trotz geringer Deutschkenntnisse im Gymnasium einschulen.[2] Die frühen Erfahrungen in einem totalitären Regime bezeichnete Djir-Sarai wiederholt als prägend für sein politisches Engagement, insbesondere sein Eintreten für Bürger- und Menschenrechte.[3][4]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Pascal-Gymnasium in Grevenbroich studierte Djir-Sarai Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln und schloss das Studium als Diplom-Kaufmann ab.[5] Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung förderte Djir-Sarai während seiner Studienzeit mit einem Stipendium der Begabtenförderung.

Parteilaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2004 übernahm Djir-Sarai den Vorsitz der FDP-Kreistagsfraktion im Rhein-Kreis Neuss. 2005 wurde er FDP-Kreisvorsitzender. Seit 2006 gehört Djir-Sarai dem Landesvorstand der FDP Nordrhein-Westfalen an. Im März 2014 übernahm Djir-Sarai den Vorsitz des FDP-Bezirksverbandes Düsseldorf vom Landtagsabgeordneten Robert Orth.[6]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 kandidierte Djir-Sarai erstmals für den Deutschen Bundestag, erhielt aber als Kandidat im Wahlkreis 109 (Neuss, Grevenbroich, Dormagen, Rommerskirchen) zunächst kein Mandat.[7]

Bei der Bundestagswahl 2009 gelang Djir-Sarai der Einzug in den Deutschen Bundestag. Er wurde auf Anhieb Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Petitionsausschuss. Zudem wurde er Vorsitzender der deutsch-iranischen Parlamentariergruppe und leitete die Arbeitsgruppe Außenpolitik der FDP-Bundestagsfraktion.[8]

Von 2009 bis 2014 war Djir-Sarai stellvertretender Landrat im Rhein-Kreis Neuss.[9]

Während seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter übte Djir-Sarai seine kommunalpolitischen Ämter weiter aus und betonte seine Verwurzelung in der kommunalen Arbeit vor Ort.[10]

Bei der Bundestagswahl 2013 scheiterte die FDP an der Fünf-Prozent-Klausel und Djir-Sarai ist im Bundestag nicht mehr vertreten.

Nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag im Jahr 2013 war Djir-Sarai bis April 2016 für den kommunalen IT-Dienstleister ITK Rheinland tätig. Er verantwortete dort die Bereiche Geschäftsfeldentwicklung und interkommunale Zusammenarbeit.[11]

Im Mai 2016 wurde er hauptamtlicher Dezernent für Informations- und Informationstechnologie, Kataster- und Ordnungsamt, Gebäudewirtschaft und Controlling in der Kreisverwaltung des Rhein-Kreises Neuss.[12]

Auf dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen FDP im November 2016 in Neuss wurde Djir-Sarai auf den aussichtsreichen Listenplatz 6 für die Bundestagswahl 2017 gewählt.[13]

Aberkennung des Doktortitels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Djir-Sarai wurde 2008 von der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln mit einer Arbeit über Ökologische Modernisierung der PVC-Branche in Deutschland promoviert.[14] Die Internetplattform VroniPlag Wiki erhob im Jahr 2011 den Vorwurf, die Arbeit enthalte zahlreiche unzureichende Quellenangaben.[15] Djir-Sarai wies den Vorwurf zurück.[16] Die Universität Köln erkannte ihm am 5. März 2012 den Doktorgrad ab, da wissenschaftliche Zitierpflichten nicht ausreichend beachtet worden seien.[17][18]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Bundestagsabgeordneter setzte sich Djir-Sarai für eine Verbesserung der Menschenrechtssituation im Nahen und Mittleren Osten ein.

Er bereiste den Iran und traf sich dort mit Regierungsvertretern und oppositionellen Gruppierungen.[19] Er setzte sich für eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran ein, das diese für allem die breite Bevölkerung träfen.[20]

Djir-Sarai besuchte die in Afghanistan stationierten Bundeswehreinheiten und unterstützte deren Einsatz, um eine Rückkehr der Taliban an die Macht zu verhindern. Er setzte sich dafür ein, die Gefahren des Afghanistan-Einsatzes für die deutschen Soldaten gegenüber der deutschen Öffentlichkeit offen zu kommunizieren.[21]

Er übernahm Gefangenenpatenschaften für einen syrischen und einen weißrussischen politischen Gefangenen.[22]

Integrationspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Nominierungssrede für den Deutschen Bundestag auf dem FDP-Landesparteitag am 9. November 2008 in Düsseldorf erklärte Djir-Sarai die Integrationspolitik zu einem seiner politischen Schwerpunkte.[23]

Er warb dafür, in der Einwanderungsdiskussion den Blick auf die Fähigkeiten und Potenziale von Migranten zu richten. Zuwanderung könne für Deutschland eine Bereicherung sein, wenn die Zuwanderer sich an den zahlreichen gut integrierten Migranten als Vorbild orientierten.[24]

Digitale Infrastrukturpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Dezernent in der Kreisverwaltung Neuss setzte sich Djir-Sarai für einen öffentlich geförderten Ausbau der digitalen Infrastruktur ein und bezeichnete den Netzausbau als Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge, vergleichbar mit Energie-, Wasser-, und Gesundheitsversorgung.[25] Zudem bezeichnete er den Ausbau der digitalen Netze als Instrument der Wirtschaftsförderung und zur Schaffung von Arbeitsplätzen.[26] In diesem Zusammenhang forderte Djir-Sarai, das digitale Dienstleistungsangebot öffentlicher Verwaltungen dem bereits hohen Digitalisierungsgrad von Bürgerschaft und Wirtschaft anzupassen. Die Kosten des anstehenden Digitalisierungsprozesses in den Verwaltungen könnten benachbarte Städte und Gemeinden durch gemeinsam genutzte, einheitliche IT-Lösungen niedrig halten.[27]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludger Baten: Bijan Djir-Sarai - ein deutscher Politiker. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 1. Juni 2013, abgerufen am 22. November 2016.
  2. Jan Rübel: Rheinischer Jong: Bijan Djir Sarai. In: Das Parlament. 2010, Nr. 39, abgerufen am 22. November 2016.
  3. NGZ-Talk auf dem blauen Sofa. Neue Grevenbroicher Zeitung, 1. August 2011, abgerufen am 22. November 2016.
  4. Jan Rübel: Rheinischer Jong: Bijan Djir Sarai. In: Das Parlament. 2010, Nr. 39, abgerufen am 22. November 2016.
  5. Bijan Djir-Sarai, FDP. In: Biographien der Abgeordneten der 17. Wahlperiode (2009-2013). Deutscher Bundestag, abgerufen am 22. November 2016.
  6. Ludger Baten: Interview mit Bijan Djir-Sarai: "Wir können in der FDP auf niemanden verzichten". Neue Grevenbroicher Zeitung, 26. April 2014, abgerufen am 22. November 2016.
  7. "Politik lebt vom Mitmachen". Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 15. September 2009, abgerufen am 10. Juni 2011.
  8. Djir-Sarai übernimmt Patenschaft für gefangenen Syrer. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 22. August 2012, abgerufen am 22.November 2016.
  9. "Kreistag wählte drei Stellvertreter für Landrat Petrauschke". Rhein-Kreis Neuss, 19. November 2009, abgerufen am 14. Mai 2015.
  10. Ludger Baten: Djir-Sarai: "Die Kreispolitik erdet mich". In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 4. August 2010, abgerufen am 22. November 2016.
  11. Ludger Baten: FDP-Chef Bijan Djir-Sarai will Dezernent im Kreishaus werden. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 25. Februar 2016, abgerufen am 22. November 2016.
  12. Neuer Technik-Dezernent: Djir-Sarai begann seinen Dienst. Rhein-Kreis Neuss, 2. Mai 2016, abgerufen am 22. November 2016.
  13. Bundestagswahl: Top-Listenplatz für Bijan Djir-Sarai. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 21. November 2016, abgerufen am 22. November 2016.
  14. Ökologische Modernisierung der PVC-Branche in Deutschland. Dissertation im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.
  15. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von Dr. Bijan Djir-Sarai: Ökologische Modernisierung der PVC-Branche in Deutschland. In: VroniPlag Wiki. Abgerufen am 8. Juni 2011.
  16. Ludger Baten und Daniela Buschkamp: Sarais Doktorarbeit unter Verdacht. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 31. Mai 2011, abgerufen am 22. November 2016.
  17. Universität zu Köln: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät nimmt Doktorgrad von Bijan Djir-Sarai zurück, 5. März 2012
  18. Plagiatsaffäre - FDP-Abgeordneter verliert Doktortitel, SPIEGEL Online, Bericht vom 5. März 2012, abgefragt am 6. März 2012
  19. Majid Sattar: Die Prüfungen des Bijan Djir-Sarai. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. Juni 2011, abgerufen am 22. November 2016.
  20. Rudolf Geissler: Interview mit Bijan Djir-Sarai zum Thema: "Vor der Amtseinführung von Präsident Ruhani am Samstag". Südwestrundfunk, 2. August 2013, abgerufen am 22. November 2016.
  21. Frank Kirschstein: Djir-Sarai in Afghanistan. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 14. April 2010, abgerufen am 22. November 2016.
  22. Djir-Sarai übernimmt Patenschaft für gefangenen Syrer. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 22. August 2012, abgerufen am 22. November 2016.
  23. Bundestagswahl: Gute Chancen für Djir-Sarai. Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 9. November 2008, abgerufen am 10. Juni 2011.
  24. Djir-Sarai: Zuwanderung ist ein Gewinn und eine Bereicherung. In: migration business - Magazin für Migrantenwirtschaft. 12. September 2013, abgerufen am 22. November 2016.
  25. Ludger Baten: Digitaliserungskonzept für den Kreis. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 22. Juli 2016, abgerufen am 22. November 2016.
  26. Andreas Buchbauer: Digitalisierung braucht Zusammenhalt. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 8. November 2016, abgerufen am 22. November 2016.
  27. Ludger Baten: Dezernent wirbt für eine IT-Offensive im Rhein-Kreis. In: Neue Grevenbroicher Zeitung. 27. Oktober 2016, abgerufen am 22. November 2015.