Kesselbach (Rabenau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kesselbach
Gemeinde Rabenau
Koordinaten: 50° 40′ 8″ N, 8° 52′ 26″ O
Höhe: 237 m ü. NHN
Fläche: 5,06 km²[1]
Einwohner: 626 (30. Jun. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1970
Postleitzahl: 35466
Vorwahl: 06407

Kesselbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Rabenau im Landkreis Gießen in Hessen und hat rund 600 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kesselbach liegt im Lumda-Tal etwa bei 260 m.ü.NN. Die Lumda durchfließt den Ort. Im Bereich des Ortes mündet der Kesselbach in die Lumda. Nördlich des Orts befindet sich der bewaldete Höhenrücken Kohlenberg (337 m.ü.NN bis 340 m.ü.NN). Geologisch besteht der Untergrund hier aus Basalten. Südlich des Ortes steigt das Gelände vom Lumdatal langsam Richtung Allertshausen an. Hier bestehen überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Im Nordwesten geht die Bebauung von Kesselbach fließend in die von Londorf über. Die übrigen Nachbarorte von Kesselbach sind von Londorf im Uhrzeigersinn beginnend: Rüddingshausen (Gemeinde Rabenau), Weitershain (Stadt Grünberg), Odenhausen und Allertshausen (beide Gemeinde Rabenau). Alle Nachbarorte liegen im Landkreis Gießen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich nach volkstümlicher Überlieferung aus der römischen Zeit von Kastell ab. Andere Quellen vermuten das der Name vom „Kesselbach“ stammt. Dieser fließt durch den Ort und mündet in die Lumda.

Urkundlich erwähnt wurde Kesselbach erstmals am 8. Dezember 1291. Damals wurden hier Güter an das Kloster Arnsburg verkauft.

Die Geschichte des Ortes Kesselbach ist eng mit der von Londorf verbunden.

Die Gemeinden Kesselbach und Londorf schlossen sich am 1. Oktober 1970 im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur Gemeinde Rabenau zusammen.[3]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Kesselbach unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Kesselbach, in (1291) [Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1, Nr. 203]
  • Kesselbach, zcu (15. Jahrhundert) [UB Gießen Hs. 556/60 fol. 43]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Kesselbach unterstand im Überblick:[1][4]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Kesselbach das „Patrimonialgericht der Freiherren Nordeck zur Rabenau“ in Kesselbach zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. 1822 traten die Freiherren Nordeck zur Rabenau ihre Recht am Gericht Londorf an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Londorf zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[8] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Kesselbach wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.[9] Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

  • 1577: 031 Hausgesesse
  • 1669: 108 Seelen
  • 1742: 041 Untertanen, 12 Junge Mannschaften, 9 Beisassen/Juden
  • 1804: 336 Einwohner
  • 1830: 376 evangelische Einwohner, 24 Juden* 1885: 392 Einwohner
  • 1929: 477 Einwohner
  • 1939: 474 Einwohner
  • 1950: 785 Einwohner
  • 1961: 691 (536 evangelische, 123 römisch-katholische) Einwohner. Erwerbspersonen: 83 Land- und Forstwirtschaft, 156 Prod. Gewerbe, 51 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 32 Dienstleistungen und Sonstiges
Kesselbach: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
408
1840
  
432
1846
  
438
1852
  
473
1858
  
404
1864
  
411
1871
  
421
1875
  
406
1885
  
392
1895
  
429
1905
  
441
1910
  
445
1925
  
477
1939
  
474
1946
  
750
1950
  
785
1956
  
719
1961
  
691
1967
  
684
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kesselbach und Londorf haben einen gemeinsamen Ortsvorsteher. Ortsvorsteher Ottmar Lich (FW).[10]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Kesselbach verlaufen keine Fernstraßen. Die nächste Anschlussmöglichkeit an die BAB 5, Abschnitt GießenAlsfeld, ist die 7 Kilometer entfernte Abfahrt Grünberg. Die Nächste Anschlussmöglichkeit an die B 3, Abschnitt Gießen – Marburg, besteht im 13 Kilometer entfernten Staufenberg.

Der Ort verfügt über keinen direkten Anschluss an das Eisenbahnnetz. Der nächste Bahnhof ist im 12 Kilometer entfernten Grünberg.

Als Kindergarten und Grundschule für Kesselbach dienen die Einrichtungen in Londorf. Der Ort verfügt über ein eigenes Dorfgemeinschaftshaus und einen Rasen-Fußballplatz.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Kesselbach, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 19. Mai 2017)
  2. Einwohnerstatistik im Internetauftritt der Gemeinde Rabenau, abgerufen im August 2016.
  3. K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 308.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 174, 271 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 6 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 413 (online bei Google Books).
  8. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Blatt S. 197–211)
  9. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 12. Februar 1968 (GVBl. I S. 41–44)
  10. Gemeinde Rabenau: Ortsbeiräte von Allertshausen, abgerufen im Januar 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kesselbach (Rabenau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien