Jean-Yves Le Drian

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Jean-Yves Le Drian (2014)

Jean-Yves Le Drian (* 30. Juni 1947 in Lorient, Département Morbihan) ist ein französischer Politiker der Parti Socialiste (PS), von 2004 bis 2012 und seit 2016 Präsident des Regionalrates der Bretagne und seit Mai 2012 Verteidigungsminister.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium, Bürgermeister und Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Schulbesuch und der Ableistung seines Wehrdienstes beim 512. Eisenbahnregiment in Saint-Lô begann der aus einer Arbeiterfamilie stammende Le Drian 1966 ein Studium der Geschichtswissenschaften an der Universität Rennes 2. Während seines Studiums war er Vorsitzender des Studentenverbandes Union nationale des étudiants de France (UNEF) und leitete deren Protestaktionen im Mai 1968. Nach Abschluss des Studiums mit einem Diplom wurde er Wissenschaftlicher Assistent für Zeitgeschichte an der Universität Rennes 2.

Sein politisches Engagement begann Le Drian, der 1974 Mitglied der PS und bereits 1975 Sekretär der PS in Lorient wurde, in der Kommunalpolitik als er im März 1977 Vize-Bürgermeister seiner Geburtsstadt Lorient wurde und danach von Juli 1981 bis März 1998 Bürgermeister war.

Zugleich wurde im April 1978 als Kandidat der PS erstmals zum Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt und vertrat in dieser bis zu seinem Rücktritt im Juni 1991 den Wahlkreis Morbihan V.

Staatssekretär, Regionalratspräsident und Minister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jean-Yves Le Drian (2011)

Grund seines Rücktritts war seine Berufung zum Staatssekretär für Meeresangelegenheiten am 16. Mai 1991 in das Kabinett von Premierministerin Edith Cresson, dem er bis zum Ende von Cressons Amtszeit am 2. April 1992 angehörte.

Am 12. Juni 1997 wurde er dann abermals zum Abgeordneten der Nationalversammlung und vertrat in dieser bis zu seiner Ablösung durch Françoise Olivier-Coupeau am 19. Juni 2007 wiederum den Wahlkreis Morbihan V.

Von März 1998 bis April 2004 war er zusätzlich Mitglied des Gemeinderates von Lorient. Ebenfalls im März 1998 wurde er Mitglied des Regionalrates der Region Bretagne und war ab dem 28. März 2004 als Nachfolger von Josselin de Rohan Präsident des Regionalrates der Bretagne. Im ersten Wahlgang erhielt er 38,5 Prozent, während Amtsinhaber de Rohan von der Union pour un mouvement populaire (UMP) 25,6 Prozent und der Kandidat der Union pour la démocratie française (UDF) 11,1 Prozent erhielten. In der zweiten Wahlrunde erhielt das von Le Drian geführte Wahlbündnis aus PS, PCF, Grünen und PRG 58,7 Prozent sowie 57 der 83 Sitze im Regionalrat, während UMP und UDF 41,4 Prozent und 26 Sitze bekamen.[1] Das Amt des Regionalratspräsidenten trat er offiziell am 2. April 2004 an.[2] Bei seiner Wiederwahl im März 2010 erhielt er 50,27 Prozent der Stimmen.[3] Nach seiner Ernennung zum Minister trat er im Juni 2012 von der Präsidentschaft zurück, sein Nachfolger wurde Pierrick Massiot. Er blieb aber Mitglied des Regionalrates.

Le Drian wurde nach der Wahl von François Hollande zum Staatspräsidenten und der Benennung von Jean-Marc Ayrault zum Premierminister von diesem am 16. Mai 2012 zum Verteidigungsminister in dessen Kabinett berufen.[4][5][6][7][8][9] Er übte bzw. übt dieses Amt auch in allen folgenden Regierungen (Ayrault II, Valls I, Valls II) aus. In seine Amtszeit fällt unter anderem der Rückzug der französischen Truppen aus dem ISAF-Einsatz in Afghanistan 2012, die Militärintervention in Mali 2013 und deren Fortsetzung in der Opération Barkhane in der Sahelzone seit 2014. Ebenso verantwortet er als Verteidigungsminister die französischen Luftschläge in Syrien, die nach den Terroranschläge am 13. November 2015 in Paris verstärkt wurden.

Bei der Regionalwahl 2015 trat Le Drian erneut als Spitzenkandidat in der Bretagne an. Nachdem seine Liste bereits im ersten Wahlgang mit 34,9 Prozent der Stimmen klar in Führung gelegen hatte, konnte sie in der Stichwahl die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen (51,4 Prozent) erringen.[10] Le Drian hat angekündigt, bis auf weiteres gleichzeitig Präsident des Regionalrates und Verteidigungsminister bleiben zu wollen: Ich bleibe so lange Verteidigungsminister, wie der Präsident dies für notwendig hält.[11] Die Regelungen für die Kabinettsmitglieder unter Präsident Hollande verbieten eigentlich ein solches Kumulieren von Funktionen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jean-Yves Le Drian – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 21. März 2004 (rulers.org)
  2. 2. April 2004 (rulers.org)
  3. Bretagne : la liste PS de Le Drian frôle la majorité absolue. In: Le Monde vom 21. März 2010 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)
  4. 6. Mai 2012 (rulers.org)
  5. Kabinett in Frankreich - Weggefährten und junge Senkrechtstarter. In: Süddeutsche Zeitung vom 16. Mai 2012 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)
  6. Jean-Yves Le Drian, l'homme qui voulait devenir à tout prix ministre de la Défense. In: La Tribune vom 16. Mai 2012 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)
  7. Jean-Yves Le Drian, un "transcourant"à la Défense. In: Le Monde vom 16. Mai 2012 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)
  8. Jean-Yves Le Drian, «Hollandais» de la première heure à la Défense. In: Les Échos vom 16. Mai 2012 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)
  9. Jean-Yves Le Drian, programmé pour la Défense. In: Le Point vom 17. Mai 2012 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)
  10. Elections régionales et des assemblées de Corse, Guyane et Martinique 2015. Résultats en Bretagne. Ministère de l'Interieur, 13. Dezember 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015 (französisch).
  11. Yvon Corre: Le Drian. Comment gérer le cumul. Le Télégramme (online), 11. Dezember 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015 (französisch).