Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit

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Der Kooperationsverbund „Gesundheitliche Chancengleichheit“ ist ein Verbundprojekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der Bundes- und Landesvereinigungen für Gesundheit, von Krankenkassen und Ärzteverbänden, dem Deutschen Städtetag, der Bundesagentur für Arbeit (BA), Wohlfahrtsverbänden und vielen weiteren Partnerorganisationen. Er wurde 2003 auf Initiative der BZgA gegründet und wird maßgeblich durch die BZgA getragen.

Hintergrund und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer in Deutschland durch schwierige Lebensumstände benachteiligt ist, hat ein doppelt so hohes Risiko zu erkranken und eine bis zu zehn Jahre geringere Lebenserwartung, als Menschen in günstigeren Lebensumständen.[1] Schichtabhängige Unterschiede betreffen den Gesundheitszustand, das Gesundheitsverhalten und die Inanspruchnahme von Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen.[2]

Vor dem Hintergrund dieser Situation hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), gemeinsam mit mehreren Bundesländern, den Landesvereinigungen für Gesundheit, der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung, Krankenkassen, Ärzte- und Wohlfahrtsverbände begonnen, den bundesweiten Kooperationsverbund „Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten“ aufzubauen. Seit 2003 ist die Internetplattform des Kooperationsverbundes unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de im Internet präsent. Grundstein des Verbundes ist die Kooperationserklärung, die 2003 unterzeichnet wurde. Der Verbund wurde im November 2012 in "Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit" umbenannt.

Parallel zur Internetplattform wurde begonnen, bei den Landesvereinigungen für Gesundheit "Koordinierungsstellen Gesundheitliche Chancengleichheit" (bis zum November 2012 benannt als "Regionale Knoten") in den Bundesländern einzurichten, um das Thema soziale Lage und Gesundheit auch vor Ort zu stärken. Im Januar 2004 starteten zunächst sechs dieser Vernetzungsstellen für soziallagenbezogene Gesundheitsförderung auf Landesebene. Im Juni 2004 folgen weitere vier Koordinierungsstellen. In allen 16 Bundesländern vertreten sind die Koordinierungsstellen seit 2007.

Im Jahr 2014 sind im Kooperationsverbund 62 Partner vertreten. Ein beratender Arbeitskreis bei der BZgA aus anerkannten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Krankenkassen, Politik und Praxis begleitet die Aktivitäten des Kooperationsverbundes fachlich.[3] Die Geschäftsstelle des Kooperationsverbunds wird von Gesundheit Berlin-Brandenburg, Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung, koordiniert.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesundheit von Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen stärken ist das Anliegen und Thema des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit. Ziel ist es, die Transparenz im Handlungsfeld der Gesundheitsförderung für sozial benachteiligte Zielgruppen zu erhöhen, Qualität der Angebote zu verbessern und die Zusammenarbeit der Akteure zu unterstützen.[4] Durch die Verbreitung guter Praxis (Good Practice) will der Kooperationsverbund die Gesundheit in diesen Zielgruppen fördern.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um einen Überblick im Handlungsfeld Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten zu ermöglichen sowie Wissen zu multiplizieren, wurde die Internetplattform "www.gesundheitliche-chancengleichheit.de" aufgebaut. Diese enthält als Herzstück eine bundesweite Datenbank für Praxisprojekte und Angebote der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten mit derzeit über 2.000 eingetragenen Angeboten.

Zur Qualitätsentwicklung in der Praxis der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung haben Expertinnen und Experten des beratenden Arbeitskreises zwölf „Good Practice-Kriterien“ entwickelt.[5] Die Anwendung dieser Kriterien unterstützt der Kooperationsverbund, indem unter seinem Dach Instrumente und Materialien entwickelt und bereitgestellt werden, wie beispielsweise die Arbeitshilfen für Prävention und Gesundheitsförderung im Quartier und die Werkstätten zur Umsetzung der Qualitätskriterien in Kita und Stadtteil.

Um Gute Praxis der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten zu identifizieren und Lernprozesse und die Qualitätsentwicklung vor Ort zu unterstützen wurden in den Bundesländern bei den Landesvereinigungen für Gesundheit Koordinationsstellen, die so genannten Regionalen Knoten eingerichtet.[6]

Der Kooperationsverbund engagiert sich inhaltlich vor allem in vier Handlungsfeldern: Kindergesundheit, Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen, Gesundheitsförderung im Stadtteil sowie in der Gesundheitsförderung bei älteren Menschen. Er organisiert fachlichen Austausch durch Tagungen und Workshops und stellt Informationsmaterialien bereit.

Um Praxisprojekte und Akteure in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf in der gesundheitsförderlichen Ausgestaltung ihrer Angebote zu unterstützen, wurden im Rahmen des Kooperationsverbundes die Arbeitshilfen „Aktiv werden für Gesundheit“ entwickelt. Die Arbeitshilfen stellen wirksame Maßnahmen vor, geben Hinweise und Tipps für die Umsetzung sowie für hilfreiche Kooperationen.

Partnerprozess "Gesund aufwachsen für alle!"[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von der Frage, wie Kinder und Jugendliche in schwieriger soziale Lage gesünder aufwachsen können, haben die Mitgliedsorganisationen im Kooperationsverbund Handlungsempfehlungen „Gesundheitschancen von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen nachhaltig verbessern!“ zusammengetragen. Die Empfehlungen basieren auf bestehender Praxis, sie bündeln ihre Ansatzpunkte und Strategien. Um die Umsetzung der Empfehlungen in den Kommunen zu unterstützen, initiiert der Kooperationsverbund einen gemeinsamen Erfahrungsaustausch auf kommunaler Ebene.

Viele Kommunen bieten den Familien in schwieriger sozialer Lage bereits verschiedene Unterstützungsangebote. Der kommunale Partnerprozess „Gesund aufwachsen für alle!“ hat zum Ziel, diese Angebote und Ansätze ressortübergreifend in Einklang zu bringen und sicherzustellen, dass von der Phase rund um die Geburt bis zum Übergang in das Berufsleben bedarfsgerechte und nachhaltige Angebote gewährleistet werden können. Solche kommunalen Gesamtkonzepte bewirken eine Verringerung von Armutsfolgen, legen einen besonderen Schwerpunkt auf ein gesundes Aufwachsen und nehmen sowohl Kinder und Jugendliche als auch deren Eltern in den Blick.

Vernetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 80. Gesundheitsministerkonferenz beschloss im Jahr 2007 eine Stärkung des Kooperationsverbundes. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) widmete im gleichen Jahr dem Kooperationsverbund ein eigenes Kapitel in seinem Gutachten. Darin werden die Zusammenarbeit der Partner und insbesondere die Vernetzungsarbeit auf Landesebene durch die Regionalen Knoten gewürdigt.[7] Die Gutachter haben empfohlen, diese Strukturen „zu stärken und auszubauen“.

Im Jahr 2014 haben die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Gesundheit der Länder im Rahmen der 87. Gesundheitsministerkonferenz den Beschluss „Unterstützung des kommunalen Partnerprozesses ‚Gesund aufwachsen für alle!‘ und Umsetzung gesundheitsziele.de“ gefasst.

Partner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Kriterien guter Praxis in der Gesund-heitsförderung bei sozial Benachteiligten. Ansatz – Beispiele – weiterführende Informationen. 4. erweiterte und überarbeitete Auflage. Köln 2010, ISBN 978-3-937707-71-6.
  • Gesundheit Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Aktiv werden für Gesundheit – Arbeitshilfen für Prävention und Gesundheitsförderung im Quartier. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Berlin 2010, ISBN 978-3-939012-10-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Lampert, Lars E. Kroll: Armut und Gesundheit., GBE kompakt, Nr. 5, 2010, S. 1–2.
  2. Robert Koch Institut (Hrsg.): Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit. Expertise des Robert Koch-Instituts zum 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. RKI, Berlin. 2005, S. 30.
  3. Frank Lehmann: Kooperationsverbund zur Realisierung der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten in Deutschland. In: Klaus Hurrelmann, Matthias Richter (Hrsg.): Gesundheitliche Ungleichheit. Grundlagen, Probleme, Perspektiven. 2. Auflage. Wiesbaden 2009, S. 450ff.
  4. Stefan Bräunling, Holger Kilian: Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit als Kern nachhaltiger Gesundheitsförderung. In: Eberhard Göpel (Hrsg.): Nachhaltige Gesundheitsförderung. Gesundheit gemeinsam gestalten. Band 4. Frankfurt am Main 2010, S. 202-203.
  5. Frank Lehmann, Monika Köster, Sven Brandes, Stefan Bräunling, Raimund Geene, Lotte Kaba – Schönstein, Holger Kilian, Susanne Linden, Mira Wehen, Natascha Reker: Kriterien guter Praxis in der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten. Ansatz – Beispiele – Weiterführende Informationen. In: Gesundheitsförderung Konkret. Band 5, 4. Auflage. Köln 2010, S. 13-20.
  6. Barbara Leykam: Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten - Knoten zur regionalen Koordinierung. In: Raimund Geene, Judith Steinkühler (Hg.): Strategien und Erfahrungen. Mehr Gesundheit für alle. Die BKK – Initiative als ein Modell für soziallagenbezogene Gesundheitsförderung. Band 14. Bremerhaven 2005, S. 165-167.
  7. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen: Kooperation und Verantwortung. Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung. Gutachten 2007 Kurzfassung. S. 96.