Wanlo

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Wanlo
Koordinaten: 51° 5′ 48″ N, 6° 24′ 48″ O
Höhe: 67 m ü. NN
Einwohner: 1118 (30. Mrz. 2017)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 41189
Vorwahl: 02166
Karte
Lage von Wanlo im Stadtbezirk West von Mönchengladbach

Wanlo ist der südlichste Stadtteil von Mönchengladbach und gehört zum Stadtbezirk Mönchengladbach West, bis zum 22. Oktober 2009 Stadtbezirk Wickrath. Er liegt südwestlich des Autobahnkreuzes Mönchengladbach-Wanlo, an dem sich die Bundesautobahnen 46 und 61 kreuzen. Somit ist Wanlo durch die A 46 vom übrigen Stadtgebiet getrennt. Nördlich der Autobahn liegt Wickrathberg. Im Osten liegt der Jüchener Ortsteil Hochneukirch und im Süden die Erkelenzer Dörfer Keyenberg, Kuckum und Borschemich. Da Letztere dem Tagebau Garzweiler weichen, wird Wanlo in einigen Jahrzehnten am Rand des Tagebaus liegen. Der Name Wanlo ergibt sich aus dem Zusammenschluss der Silben Wan und lo. Wan bedeutet Wanne, Mulde oder Gewässer und steht für die im nahen Kuckum entspringende Niers, die Wanlo durchfließt. Lo oder Loh bedeutet lichter Wald.

Wanlo hatte am 30. Juni 2012 1138 Einwohner (578 männliche und 560 weibliche).[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste urkundliche Erwähnung von Wanlo (im Mühlgau) ist das Jahr 861.

Wanlos Ursprünge reichen bis in das Mittelalter zurück. Im 8. Jahrhundert gehörte es zum Kirchspiel Keyenberg. 1106 wird ein Herimanus de Wanlo in einer Urkunde des Erzbischofs von Köln erwähnt. 1158 bestätigte dessen Nachfolger Friedrich II dem Nonnen-Convent zu Königsdorf seine Besitzungen zu Wanlo.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Achtzigjährigen Krieg hatten die Bewohner unter Einquartierungen und Brandschatzungen spanischer Truppen zwischen 1585 und 1587 zu leiden und auch der folgende Dreißigjährige Krieg brachte erneut Unheil über den Ort.

Am 1. Januar 1972 wurde Kuckum aus der Gemeinde Wickrath aus- und in die Stadt Erkelenz eingegliedert.[2]

Am 1. Januar 1975 wurde die Gemeinde Wickrath mit den Städten Mönchengladbach und Rheydt zusammengelegt und verlor die Selbstständigkeit.[2]

Straßennamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gormannsgasse wurde vor 1964 im Dialekt Matz/Matsch-ges-jaat genannt. Bedeutung: Gasse, die bei Regen matschig war.

Den Familiennamen Go(i)rman(n) gibt es in Wanlo seit 1535, von diesem Hof stammt der Gladbacher Abt Heinrich Goirmanns (1619–1635). 1964 wurde die Straße benannt aus vormals „Wanlo 95–98 und 121“

  • Der "Dachsweg" hieß vor 1975 Wieselweg
  • Heutige Straßennamen:

Kuckumer Straße – Heckstraße – Hochstraße – Plattenstraße – Stahlenend – An der Kirche – Schweinemarkt – Gormannsgasse – Alter Sportplatz – Auf der Steinbrücke – Auf dem Stiel – Im Tal – Marderweg – Dachsweg – Am Kappelshof – An der Mühle.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wanlo besteht die katholische Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt.

Pfarrer von Wanlo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1327 bis heute[3]

  • 1327 = Konstantin von Horn, der möglicherweise 1333 zum Propst von St. Kunibert in Köln aufstieg.[4]
  • 1329: Heinrich von Duisburg (Vertichmark)
  • 1330: Gorswinus von Wanle
  • 1378: Gobelinus von Ratingen
  • 1378–1404: Johann von Schonenbach, gen. Quentini
  • 1436: Heinrich N. (Kirchspielherr)
  • 1541: Matthias Girys
  • 1547–1549: Pfarre unbesetzt
  • 1548–1574: Franz Flockens
  • 1574–1583: Dionisus Gladbacensis
  • 1567 / 1583: Dionisius Dionisii
  • 1606–1636: Wilhelm Tetzius
  • 1636–1658: Johannes Viten
  • 1667–1680: Peter Sieben
  • 1698–1716: Ernst Henseler
  • 1716–1749: Nikolaus Teinertz
  • 1749–1779: David Kirchbauer
  • 1779–1814: Franz Anton Hoffmann
  • 1814–1844: Johann Wilhelm Syben
  • 1844–1869: Josef Klören
  • 1869–1891: Hermann Josef Jansen
  • 1891–1896: Paul Dorn
  • 1896–1908: Adolf Plönnis
  • 1908–1927: Georg Hütten
  • 1927–1931: Franz Maaßen
  • 1931–1947: Johann Plum
  • 1947–1957: Adolf Gau
  • 1958–1969: Paul Gottfried Erb
  • 1970–2007: Hans-Josef Schuck
  • seit 2007: Michael Röring (GdG Mönchengladbach-Süd)

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1679 wurde erstmals ein Jude in Wanlo erwähnt. Seither lebten einige wenige jüdische Familien im Dorf. Die größte Bevölkerungszahl wurde 1883 mit 47 Personen erreicht, von da ab sank sie wieder. Die Juden gehörten zur Synagogengemeinde von Wickrathberg.

Die Autorin Hilde Sherman, geborene Zander, wurde 1923 in Wanlo im Haus ihrer Großeltern Joseph Zander und Henriette geborene Kahn geboren. Später verzogen die Eltern mit ihrer Tochter Hilde in das benachbarte Wickrathberg. 1935 wohnte nur noch die verwitwete Jüdin Henriette Zander in Wanlo. Sie starb im Ghetto Theresienstadt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister von Wanlo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Personen waren Bürgermeister von Wanlo.[3]

  • 1800–1809 Johann Wilhelm Schiller (als Maire)
  • 1809–1814 Anton Velder (als Maire)
  • 1814–1818 Anton Velder
  • 1819–1836 Matthias Steprath
  • 1836–Juni 1836 Ferdinand Dreling
  • 1848–Januar 1851Christian Caspers (als Bürgermeisterei – Verwalter)
  • 1851–April 1859 Christian Caspers
  • 1859–Juli 1875 Ferdinand Dreling
  • 1875–Dezember 1906 Johann Wilhelm Müllers
  • 1907–Februar 1931 Karl Fußangel
  • 1931–1934 Karl Dißmann

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rittergut Wildenrath
Gedenkstein an den jüdischen Friedhof in Wanlo
  • Katholische Pfarrkirche. Das 1900 errichtete Bauwerk ersetzte eine romanische Pfeilerbasilika aus dem 12. Jahrhundert
  • Kappelshof, ein ehemaliger Rittersitz im Norden Wanlos
  • Rittergut Wildenrath, an der Straße nach Kuckum; 1251 erwarb der Herzog von Jülich das Rittergut Dyck. Am Ende des 14. Jahrhunderts vergaben die Herzöge es in Erbpacht an die Edelherren von Wildenrath, die dem Gut ihren Namen gaben. Im Wappen findet sich daher noch der Jülicher Löwe. Heute wird das Gut als Restaurantbetrieb und Golfanlage genutzt.
  • Das Wanloer Heiligenhäuschen. Das Kapellchen (Josefskapelle) an der Kuckumerstraße ist ein kleiner, rechteckiger, aus Backsteinen errichteter Bau mit einem Satteldach. In den vorderen Balken, über dem Eingang, ist eingeschnitzt:

IHS . ANNO 1667 . DEN 2. JUNIj . MRA . Auf dem inneren Balken ist zu lesen: DIESES H. HAUS BERTRAM HEINRICHS UND TRINGEN ECKEN ZUR EHREN GOTTES GEBAUT. Im zweiten Halbjahr 2012 wurde diese Kapelle in ehrenamtlicher Arbeit von den Mitgliedern des "Rentner-Arbeits-Trupp-Wanlo" von Grund auf saniert.[5]

Er befand sich am Feldweg zwischen Stahlenend und Hochneukircher Weg, hatte eine Größe von 721 Quadratmeter und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingeebnet.[6]

Text der Gedenktafel (im Original nur Großbuchstaben): Zum ewigen Gedenken / Seit dem 17. Jahrhundert war eine kleine Zahl / jüdischer Bürger in Wanlo ansässig. / Ihre Verstorbenen wurden auf diesem Friedhof beigesetzt. / In den Wirren des 2. Weltkrieges wurde der Friedhof / entfremdet und die Grabsteine zerstört. / Mit der Deportation der letzten jüdischen Bürgerin / im Jahre 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt, / wo sie umkam, endete die Geschichte der Juden in Wanlo. / Zum ewigen Gedenken an die Toten und an die / einstmals in Wanlo bestandene jüdische Gemeinschaft.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karnevalsgesellschaft Wanloer Ströpp
  • MGV Concordia
  • St. Antonius – Sebastianus Bruderschaft Wanlo 1400
  • Freiwillige Feuerwehr Mönchengladbach Einheit Wanlo
  • Dorfinteressengemeinschaft Wanlo e. V.
  • Verein für Luftfahrt M.Gladbach, Rheydt und Umgebung e. V.
  • Taubenzuchtverein Luftpost Wanlo

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Prunk in Wanlo (Schützenfest) am 6. Sonntag nach Ostern, zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten
  • "Lange Sommernacht" Dorfsommerfest auf dem Spielplatz "im Tal"
  • "Großer Flugtag" am ersten Sonntag im September
  • "Tag der offenen Tür bei der Freiwilligen Feuerwehr Wanlo" alle zwei Jahre
  • Maifeier am 30. April
  • St.-Martins-Zug, in der Regel am Montag vor dem 11. November

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hilde Sherman: Zwischen Tag und Dunkel, Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-548-20386-8.
  • Karl L. Mackes: Erkelenzer Börde und Niersquellengebiet, Mönchengladbach 1985 (ISBN 3-87448-122-0).
  • Günter Erckens: Juden in Mönchengladbach, Band 2, Mönchengladbach 1989 (ISSN 0175-4793).
  • Alfred Brücher: Unser Wanlo.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wanlo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Mönchengladbach, Der Oberbürgermeister, Fachbereich Stadtentwicklung und Planung, Abt. Statistik (Hrsg.): Die Bevölkerung der Stadt Mönchengladbach am Ort der Hauptwohnung nach Stadtbezirken und Stadtteilen am 30.06.2012. Mönchengladbach 30. Juni 2012 (PDF-Dokument (Memento vom 2. November 2013 im Internet Archive); 15,22 KB [abgerufen am 1. Oktober 2012]).
  2. a b Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  3. a b Aus dem Archiv Katz
  4. Wilhelm Janssen: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Bd. V. Köln-Bonn 1973 Nr. 169. Unter Verweis auf: HAStK Kunibert, Urkunde 205
  5. Harald Wendler: „Rentner-Arbeits-Trupp-Wanlo“ (RATW) saniert die „Josefskapelle“. Harald Wendler. 23. August 2012. Abgerufen am 20. Februar 2013.
  6. Wanlo. In: Jüdische Friedhöfe in Nordrhein (S-Z). Universität Heidelberg. Abgerufen am 20. Februar 2013.