Kreis Schleiden

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Ehemaliges Wappen des Kreises Schleiden (bis 1972)

Der Landkreis Schleiden ist ein ehemaliger Landkreis der Eifel. Er entstand 1829 durch Umbenennung aus dem Kreis Gemünd. Er gehörte zum Regierungsbezirk Aachen; Kreisstadt war Schleiden; Autokennzeichen SLE. Er wurde 1972 durch das Aachen-Gesetz des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der kommunalen Neugliederung aufgelöst und mit dem Kreis Euskirchen zusammengelegt - bis auf vier Orte, die dem Kreis Düren zugeschlagen wurden.

Seit Februar 2013 ist das Kennzeichenkürzel "SLE" wieder für die Kfz-Zulassung freigegeben. Verwaltungstechnisch bleibt aber der Kreis Euskirchen zuständig.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kreis Schleiden ging aus dem Kreis Gemünd hervor, der 1816 bei der Neuordnung der preußischen Rheinprovinzen im Regierungsbezirk Aachen eingerichtet wurde. 1829 wurde er in „Kreis Schleiden“ umbenannt und der Landratssitz nach Schleiden verlegt. Bis 1945 gehörte er zur preußischen Rheinprovinz, Regierungsbezirk Aachen. Im Nachkriegsjahr 1945/46 gehörte er zur britischen Besatzungszone und seit 1946 zum Bundesland Nordrhein-Westfalen, Regierungsbezirk Aachen.

Zuständige Militärdienststelle war 1885 das VIII. Armeekorps; die zuständige Gerichte waren 1894 das Amtsgericht Blankenheim, das Landgericht Aachen und das Oberlandesgericht Köln sowie später in der unteren Instanz das Amtsgericht Gemünd. Zuständige Finanzämzter waren seit 1927 das Finanzamt Gemünd und das Landesfinanzamt Köln.

Von 1933 bis 1945 gehörte der Landkreis Schleiden zum NSDAP-Gau Köln-Aachen.

Die evangelische Kirche im Landkreis Schleiden gehörte zur altpreußischen Union, Kirchenprovinz Rheinland, die katholischen Einrichtungen bis 1930 zum Erzbistum Köln, seit zweiter Gründung des Bistums Aachen hierzu.

Im Zuge der nordrhein-westfälischen Kommunalreform wurde der Kreis Schleiden 1972 mit dem Kreis Euskirchen vereinigt und gehört seitdem zum Regierungsbezirk Köln.

Politik[Bearbeiten]

Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946[Bearbeiten]

In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.[1]

Hinweis

Der Kreis wies bei der Wahl 1952 einen recht hohen Stimmenanteil (5,8 %) für unabhängige Kandidaten auf.

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD FDP UWV DZP
1946 85,5 12,1
1948
1952 56,0 14,2 19,3 4,2
1956 64,3 10,7 17,7 6,4
1961 66,7 10,8 14,5 5,6 2,4
1964 60,4 15,4 13,6 10,5
1969 56,1 20,6 11,8 8,2 3,3

Landräte[Bearbeiten]

Im preußischen Staat wurden die Landräte von der Regierung ernannt. Erster gewählter Landrat des Kreises Schleiden wurde 1948 Peter Lauterbach.[2]

Amtsantritt Name Lebensdaten
29. November 1829 Richard Graf von Beissel (* 25. August 1802; † 21. April 1879)
1. Oktober 1863 Clemens August Freiherr von Harff (* 6. August 1821; † 21. Januar 1895)
26. Februar 1895 Dr. Hermann Schlechtendahl (* 11. Januar 1859; † 7. November 1920)
10. November 1906 Dr. Albert Kreuzberg (* 25. August 1871; † 28. Februar 1926)
17. Juli 1916 Josef Graf von Spee (* 18. April 1876; † 10. November 1941)
28. Juli 1933 Dr. Josef Schramm (* 2. April 1901; † 2. September 1991)
7. April 1945 Dr. Bruno Klausener
11. November 1948 Peter Lauterbach (* 21. Januar 1896)
14. Dezember 1951 Willy Müller
12. Dezember 1952 Karl-Theodor Molinari (* 7. Februar 1915; † 11. Dezember 1993)
23. November 1954 Georg Linden (* 17. November 1911)
26. November 1969 Peter Milz (* 7. Dezember 1934; † 26. November 1986)

Einwohner[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen des Landkreis Schleiden 1890 bis 1969:[3]

Jahr Einwohner
gesamt
davon
Protestanten

Katholiken
1890 44.809 1.763 43.646
1900 44.839 1.843 42.624
1910 47.029 1.923 44.760
1925 49.179 2.054 46.780
1933 50.997 2.068 48.615
1939 54.340 2.785 49.967
1950 59.375
1960 61.100
1969 64.500

Kreisangehörige Gemeinden[Bearbeiten]

Gemeinden (heute im Kreis Düren)[Bearbeiten]

Gemeinden (heute im Kreis Euskirchen)[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene. Die Zahlen von 1948 liegen nicht vor.
  2. Kreis Euskirchen: Chronologie. Abgerufen am 5. Oktober 2012 (PDF; 29 kB).
  3. www.verwaltungsgeschichte.de Homepage Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871 - 1990 © 2006 by Dr. Michael Rademacher M.A.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kreis Schleiden (Hrsg.): Heimatkalender des Kreises Schleiden. Schleiden 1951 - 1972
  • Hans-Dieter Arntz: Kriegsende 1944/45 im Altkreis Schleiden, Euskirchen 1995, ISBN 3-9802996-6-X
  • Hans-Dieter Arntz: Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Kümpel-Verlag Euskirchen 1990, 820 Seiten. ISBN 3-9800787-6-0
  • Paul Klinkhammer: Heimatbuch des Kreises Schleiden. Langensalza 1927
  • Heinrich Neu: Heimatchronik des Kreises Schleiden., Köln 1954
  • Eugen Virmond: Geschichte des Kreises Schleiden., Schleiden 1898
  • Ernst Wackenroder: Die Kunstdenkmäler des Kreises Schleiden. (=Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. 11. 2). Düsseldorf 1932