Kyrgys Temir Dscholu

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Кыргыз Темир Жолу

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Rechtsform Geschlossene Aktiengesellschaft
Gründung 1992/1994
Sitz Bischkek, KirgisistanKirgisistan Kirgisistan
Leitung

Argynbek Dschumabekowitsch Malabaew (seit April 2010)

Mitarbeiterzahl

< 5.000 (2017)

Branche Eisenbahnunternehmen
Website www.kjd.kg

Infrastrukturkarte Kirgisistans (1996)
Bahnhof Bischkek
Bahnhof Balyktschy

Kyrgys Temir Dscholu (KTJ) (kirgisisch Кыргыз Темир Жолу; russisch Кыргызская железная дорога; deutsch Kirgisische Eisenbahn) ist die Staatsbahn von Kirgisistan. Sie betreibt Personen- und Güterverkehr.

Geografische Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

95 % der Fläche Kirgistans sind gebirgig. Dies erklärt zum Teil, warum das Land nur wenige hundert Kilometer Eisenbahnstrecke besitzt[1] und die bestehenden Strecken Stichbahnen sind, die aus dem Ausland nach Kirgistan hinein führen und untereinander keine Verbindung innerhalb des Landes aufweisen. Der Bau jeder längeren Verbindung innerhalb Kirgistans ist aufgrund der Topografie des Landes kostspielig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Streckennetz der kirgisischen Eisenbahn entstand in der Zeit, als Kirgistan zur Sowjetunion gehörte. Die damals gebauten Strecken nahmen keine Rücksicht auf den Verlauf der Grenze Kirgistans zu den Nachbarrepubliken. Dies hat zur Folge, dass es heute aus vier Teilnetzen besteht, die untereinander auf kirgisischem Staatsgebiet nicht verbunden sind und Inselbetriebe darstellen.

Als erste auf dem Gebiet Kirgistans wurde am 8. August 1924 die Strecke zwischen Lugowoi und Bischkek (damals: Pischkek) eröffnet. Bis 1948 wurde die Strecke von Bischkek nach Balyktschy (damals: Rybatschje) verlängert, der Betrieb dorthin 1950 aufgenommen.[2]

Mit dem Ausbau der Transkaspischen Eisenbahn wurden vier aus Usbekistan kommende Stichstrecken nach Kirgisistan verlängert[3] (siehe Abschnitt Streckennetz).

1992 wurde Kirgistan unabhängig und die nördliche Eisenbahn durch Präsidial-Dekret als Kirgisische Eisenbahn konstituiert. 1994 wurden die südlichen Stichbahnen, soweit sie in kirgisischem Staatsgebiet verliefen, von Usbekistan an Kirgistan übertragen und ebenfalls der Kirgisischen Eisenbahn unterstellt. Seit 2005 besteht die Staatsbahn – ebenfalls aufgrund eines Präsidial-Dekrets – unter der heutigen Bezeichnung. Diese südlichen Strecken sind in einer eigenen Verwaltung zusammengefasst.[4]

Streckennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kirgisische Eisenbahn betreibt ihre Strecken in der russischen Breitspur von 1520 Millimetern. Das Netz umfasst eine Streckenlänge von 427 km[5], das sich über vier Strecken verteilt, die untereinander nicht verbunden sind[6]:

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diesellokomotive Et E7939 überquert eine Hauptstraße in Bischkek

Bei der Aufteilung der ehemaligen Sowjetischen Eisenbahnen (SŽD) durch die GUS erhielt Kirgistan 1644 Güterwagen, davon sind heute noch 317 in Betrieb[7], 450 Personenwagen und 50 Diesellokomotiven. Wegen rückgängiger Beförderungsleistungen im Güter- wie auch im Personenverkehr hat sich die Zahl der Fahrzeuge verringert. 367 Personenwagen sind derzeit noch im Betrieb. Sie werden seit 2008 generalüberholt, 65 davon in letzter Zeit in Taschkent, um sie für eine Betriebsdauer von 41 Jahren zu ertüchtigen.[8]

2013/14 wurden sechs neue Diesellokomotiven der Baureihe ТЭ33A (TE33A) bestellt und inzwischen ausgeliefert.[9]

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrpläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Betriebsabwicklung erfolgt analog zur Russischen Staatsbahn nach Moskauer Zeit. Alle Fahrpläne und Bahnhofsuhren zeigen jeweils die Zeit der russischen Hauptstadt an.

Personenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Personenverkehr spielt eine nur sehr geringe Rolle. Im Süden Kirgisistans wurde er komplett eingestellt und im Norden die Anzahl der Züge stark reduziert. In den letzten 25 Jahren ist er um 85 % zurückgegangen. Im Jahr 2017 zählte die Bahn noch 313.000 Reisende, 27.100 davon im Internationalen Verkehr.[10]

Personenzüge fahren ganzjährig nur zwischen Lugowoi (Kasachstan) und Tokmok, Fernverkehrszüge zwischen Bischkek und über Lugowoi hinaus.[11] Während der Sommersaison verkehren zusätzlich Züge zwischen Bischkek und Balyktschy am westlichen Ende des Issyk-Kul-Sees. Die im südlichen Landesteil gelegenen Strecken werden nur im Güterverkehr bedient. Im internationalen Verkehr werden folgende Verbindungen angeboten (2017)[12]:

  • Bischkek – Moskau, zwei Mal wöchentlich,
  • Bischkek – Kasan, einmal wöchentlich,
  • Bischkek – Nowokusnezk, einmal wöchentlich.

Das Reisendenaufkommen ist rückläufig und der Personenverkehr defizitär.[13] Die jährlichen Verluste im Personenverkehr betragen eine halbe Milliarde Som.[Anm. 1] Der Staat erhält ihn durch Zuschüsse aufrecht.[14] Dem Fahrgastrückgang wird seit 2014 versucht, mit verbilligten Fahrkarten im Vorverkauf entgegen zu wirken. Die Fahrpreise wurden seit 2010 nicht mehr erhöht.[15]

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Unabhängigkeit Kirgistans ist die Industrieproduktion des Landes um 70 Prozent gesunken. In demselben Maße sank nach 1991 auch das Güteraufkommen bei der Kirgisischen Eisenbahn. Haupttransportgüter sind Buntmetalle, Kohle, Baumwolle, Zement, Getreide, Zucker und Erdölprodukte. Die Bahn hat im Export einen Transportanteil von 40 %, im Import von 70 %.[16]

Beförderungsleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transportleistungen[17][18][19]
Art 1990 1992 1993 1994 1995 1996 1999 2000 2002 2007 2010 2017[20]
Beförderte Güter in Mio. t 8,0 5,5 3,0 1,4 0,9 1,3 1,0 0,9 2,6 6,9 5,5 7,2
Güterbeförderungsleistung in Mio. tkm 2619,6 1588,9 923,0 628,9 402,6 480,0 353,8 338,0 332,0 848,7 737,7 935,0
Beförderte Personen in Mio. 1,4 1,7 2,3 1,1 0,8 0,9 0,4 0,6 0,6 0,44 0,71 0,31
Personenbeförderungsleistung in Mio. Pers. km 205,0 234,9 295,3 172,4 87,0 91,8 31,3 44,2 50,0 59,9 98,7

Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbindung an das chinesische Eisenbahnnetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ soll eine Eisenbahnstrecke von der im Nordwesten Chinas gelegene Stadt Kaschgar (Kaxgar) zur südwestkirgisischen Stadt Karasuu gebaut werden, die wiederum Anschluss an das usbekische Netz bietet. Die Trasse hätte eine Länge von 270 km und führte über den Turugart-Pass, den Tuzbel-Pass, das Arpatal und Ösgön nach Karasuu. Die Trasse führt überwiegend durch Hochgebirge, was zahlreiche Kunstbauten erforderlich macht: 48 Tunnel mit 49 Kilometer Länge und 95 Brücken von 21 Kilometer Länge. Die Kosten sind mit mehr als 2 Milliarden US $ veranschlagt und sollen sowohl von staatlichen als auch privaten Investoren aufgebracht werden.[21][22]

Folgende Wirkungen und Vorteile sollen für Kirgistan mit dem Bau der Eisenbahnstrecke verbunden sein:

  • verbesserte Entwicklungspotenziale im Außenhandel
  • beschleunigte wirtschaftliche Integration und enge Zusammenarbeit der zentralasiatischen Staaten
  • Förderung des Tourismus
  • Zugang zu den chinesischen Häfen
  • industrielle und wirtschaftliche Entwicklung des Ferghanatals

Elektrifizierung der Lugowoi–Bischkek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Elektrifizierung der nördlichen Strecke Kirgistans soll deren Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h auf 120 km/h, die Durchschnittsgeschwindigkeit für Personenzüge von 33 km/h auf 70–80 km/h sowie für Güterzüge auf 90 km/h heraufsetzen. Der Vorteil elektrischer Traktion ist, dass Dieselkraftstoff, der importiert werden muss, eingespart und statt dessen aus inländische Wasserkraft gewonnener Strom eingesetzt werden kann.

Verbindung zwischen Balyktschy und Dschalalabat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die nördliche Strecke – und damit die Hauptstadt – per Bahn an den südlichen Landesteil anzuschließen, ist seit langem eine mehr als 350 Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen Balyktschy und Dschalalabat geplant. Sie erschlösse auch reiche Kohlelagerstätten im Gebiet Naryn. Konkrete Planungen scheinen aber nicht vorzuliegen.[23]

Wissenswert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Н.П.Лагутина, Т.Ю. Набокова, Т.П. Филатова: Атлас Железные Дороги. Omsk 2010.
  • Zhamshitbek Kalilovich Kalilov: Status and Developement Prospects of „Kyrgys Temir Zholu National Company“. In: OSJD Bulletin 2/2018, S. 1–7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kirgisische Eisenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So: Kalilov: Status, S. 4. Dieser Betrag entspräche etwa 42.000 Euro, was aber eher gering wäre.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kalilov: Status, S. 1.
  2. Kalilov: Status, S. 1.
  3. Geschichte der Mittelasiatischen Eisenbahn.
  4. Kalilov: Status, S. 3.
  5. So: Kalilov: Status, S. 1, nach Лагутина: Атлас, Taf 85, 87, müsste die Streckenlänge aber weniger als 300 km betragen.
  6. Angaben nach: Н.П.Лагутина u. a.: Атлас, Taf. 85 u. 87.
  7. Kalilov: Status, S. 5.
  8. Kalilov: Status, S. 3f.
  9. Kalilov: Status, S. 6.
  10. Kalilov: Status, S. 3.
  11. Kalilov: Status, S. 4.
  12. Kalilov: Status, S. 3.
  13. Kalilov: Status, S. 4.
  14. Kalilov: Status, S. 5.
  15. Kalilov: Status, S. 4.
  16. Kalilov: Status, S. 1.
  17. Homepage von welcome.kg.
  18. OsshD-2002: Zeitschrift der OsshD, 47. Jahrgang, 2004, S. 37
  19. Allgemeine Übersicht zum Eisenbahnverkehr der Länder der OsshD 2010
  20. Kalilov: Status, S. 3, 5.
  21. Vereinte Nationen: Vorrangige Zukunftsinvestitionen für die Entwicklung des transasiatischen Eisenbahnnetzes (englisch; PDF; 987 kB)
  22. Kalilov: Status, S. 7.
  23. Vgl.: Kalilov: Status, S. 7.
  24. Kalilov: Status, S. 3.
  25. Kalilov: Status, S. 7.
  26. Kalilov: Status, S. 1.