LADR

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LADR
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Rechtsform e. V. aus GmbHs
Gründung 31. Mai 1945
Sitz Geesthacht (Hauptsitz)

Leitung

  • Detlef Kramer[1]
  • Jan Kramer[1]
Mitarbeiter > 2500 (verbundsweit)[2]
Umsatz 206 Mio. €[3]
Branche Laboratoriumsmedizin, Lebensmittelanalytik, Umweltanalytik
Website www.ladr.de
Stand: 2014 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2014

Die LADR (Laborärztliche Arbeitsgemeinschaft für Diagnostik und Rationalisierung e. V.) bildet mit anderen Gesellschaften einen Verbund aus Analytikdienstleistern mit Schwerpunkt Laboratoriumsmedizin. Zu ihr zählt die älteste Laborarztpraxis Deutschlands: LADR GmbH Medizinisches Versorgungszentrum Dr. Kramer und Kollegen Geesthacht, die in dritter Generation als Familienunternehmen geführt wird. Der Zusammenschluss aus Untersuchungslaboratorien soll den Einsendern der LADR Spezialanalytik in der jeweiligen Region anbieten. Der Verbund unterstützt zudem angeschlossene Labore niedergelassener Ärzte (Laborgemeinschaften) bei der Vermarktung, in der Logistik und durch Teilen von Fachwissen bei ihrer Erbringung von Basislaborleistungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland wurde medizinisches Fachpersonal durch die Alliierten Truppen akquiriert. Die Stadt Geesthacht war aufgrund der Dynamitfabrik Krümmel Primärziel der Bombenangriffe. In Städten, Dörfern und Flüchtlingslagern drohten Seuchen und Krankheiten auszubrechen. Die Besatzermächte erklärten die Region daher zum Notstandsgebiet. Am 31. Mai 1945 erteilte die 27. Field Surgical Unit der Britischen Armee dem Arzt Dr. Siegfried Kramer aufgrund seiner bakteriologischen Qualifikation die Betriebserlaubnis für ein Laboratorium. Im Susannen-Haus der ehemaligen Lungenheilanstalt Edmundsthal begann der Aufbau einer bakteriologisch-serologischen sowie medizinisch-chemischen Untersuchungsanstalt für zivile wie militärische Krankenhäuser und DP-Lager.[4]

Am 1. Juni 1950 wurde in der Nähe des sich im Bau befindlichen Johanniter-Krankenhaus Geesthacht der heutige Standort in der Lauenburger Straße eingeweiht. Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte aus der Region wurden zunächst über einen improvisierten Kurierdienst angefahren. Eine zentrale Wasserversorgung und Kanalisation existierten damals nicht. Im Auftrag des Gesundheitsamtes wurden daher regelmäßig Wasseruntersuchungen von Trinkwasserbrunnen durchgeführt.[4]

ehemaliges quadratisches Logo mit der Unterschrift Ihr Labor vor Ort

Zu Beginn der 1970er Jahre erstarkte die Umweltbewegung und der Bedarf an Wasser- und Bodenanalysen stieg an. Toxikologische Untersuchungen wurden Teil des Analysenspektrums. Strenge Qualitätsanforderungen, eine wachsende Anzahl gesetzlicher Vorschriften und ein erhöhter Maschinisierungsgrad veränderten die Branche. 1974 wurde die Arbeitsgemeinschaft südholsteinischer Ärzte zunächst regional gegründet. Noch im selben Jahr entstand die überregionale Arbeitsgemeinschaft für Diagnostik und Rationalisierung.[4][5] 1977 trat Detlef Kramer, der Sohn des Gründers, in die Geschäftsleitung des Labors Dr. Kramer & Kollegen ein.[6]

1985 kam es zur Ausgründung der ISG Intermed Service GmbH & Co. KG, die Kurierdienst und Paketlogistik für einsendende Arztpraxen übernimmt und sich zudem auf die Bereitstellung von Verbrauchsartikeln und Entsorgung für Kliniken und Labore spezialisiert.[7][8] 1995 wurde das Labor Vita Oy in Finnland gegründet womit die Unternehmensgruppe erstmals international tätig wurde.[3] 1999 zählte der LADR-Verbund elf kooperierende Fachlaboratorien und medizinische Versorgungszentren. Im Jahr 2005 wurde das Gründungslabor in die LADR GmbH MVZ Dr. Kramer & Kollegen umfirmiert.[9] 2006 erfolgte die Gründung des Labor Nord-West in St. Petersburg.[3]

Seit 2006 gehört Lebensmittelmikrobiologie zum akkreditierten Aufgabenspektrum.[10] Während der EHEC-Epidemie 2011 trug die Sparte durch Bereitstellung mikrobiologischer Laborkapazität maßgeblich zur Versorgungssicherheit bei.[11][12] Die vollautomatisierte Laborstraße der Abteilung für Hämatologie wurde 2012 vom japanischen Hersteller Sysmex zum europäischen Referenzlabor erklärt.[13] Im selben Jahr übernahm Jan Kramer in dritter Generation die Leitung und Geschäftsführung der LADR GmbH.[6] Seit August 2015 unterstützt die LADR Lebensmittelanalytik die Hamfelder Hof Bauernmeierei mit moderner Durchflusszytometrie zur Beschleunigung der Warenfreigabe.[14] Anfang 2017 wurde von Claus Koch ein neues Corporate Design entwickelt, welches die beiden eng verbandelten Marken LADR für Labordienstleistungen und Intermed für Praxisbedarf und Labororganisation visuell miteinander verknüpft.[15]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Obergesellschaft des Konzerns übernahm bis 2011 die QUINTAS - Analytische Verfahren Verwaltungsgesellschaft mbH, die 2012 als Teil der ISG Intermed Holding GmbH aufging. Medizinische Diagnostik ist der größte Geschäftsbereich.[3] Die Sparte Lebensmittelanalytik macht 1 % des Umsatzes aus.[2] Facharztlabore des Verbundes haben einen Gewinnabführungsvertrag mit der ISG Intermed Service GmbH & Co. KG. Zudem übernimmt die Gesellschaft die kaufmännische Verantwortung für regional organisierte Basislabore. Für Krankenhauslabore werden entweder Betreiberverträge geschlossen oder sie sind als Gemeinschaftsunternehmen mit der jeweiligen Klinik gegründet. Zudem ist die Laborgruppe Dr. Kramer Mitgesellschafter des Labors Slaskie Laboratoria Analityczne in Polen und eines Laborzentrums in Rumänien.[3]

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kleine Theater Schillerstraße erhielt im Juli 2010 einen zusätzlichen Kinosaal, der von der Familie Kramer gestiftet wurde.[4] Die Umweltanalytik des Zentrallabors in Geesthacht führt pro bono Analysen für die ebenfalls in Schleswig-Holstein ansässige Menschenrechtsorganisation TARGET durch, die Krankenhäuser in Äthiopien betreibt.[16] Mit der LADR Akademie ist man zudem im Bereich der Berufsfortbildung präsent.[17] Am Elbufer wurde der Pfad der Menscherechte mitfinanziert.[18] Zudem unterstützt die Laborgruppe Dr. Kramer & Kollegen die Nachwuchsförderung mit der Kampagne Junges Blut im Labor um dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegen zu wirken.[19]

Um den Bürokratieabbau im Gesundheitswesen voranzutreiben und Arztpraxen bei der papierlosen Laborbeauftragung mit qualifizierter elektronischer Signatur zu unterstützen, wurde mit dem Labor Order Entry Modul (kurz LOEM) ein Pilotprojekt mit der kassenärztlichen Bundesvereinigung gestartet.[20] Nach der erfolgreichen Testphase erfolgte die Zulassung. Mitte 2017 begann der bundesweite Einsatz.[21][22]

Das Unternehmen beteiligt sich an klinischen Studien im Bereich der Labor- und Veterinärmedizin, ist Partner bei der Geräte- und Methoden-Evaluation für in vitro-Diagnostika-Hersteller und befördert das Allgemeinwissen der Bevölkerung durch gezielte Aufklärungskampagnen und Wissenschaftsjournalismus.[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Leitung LADR-Verbund
  2. a b GDL-Regionalgruppe Nord: Von den Sprossen ins Labor, Lebensmitteltechnik 5/2014
  3. a b c d e Katharina Schöneberg, Peter Wilke, Sebastian Klotz und Oliver Venzke in Kooperation mit Manfred Wulff: Branchenanalyse Laboranalytik, Hans-Böckler-Stiftung, Nr. 342 · November 2016
  4. a b c d LADR Historie: 65 Jahre Labor Dr. Kramer und Kollegen
  5. Timo Jann: Im modernen Labor auf Entdeckungsreise, Bergedorfer Zeitung, 2. Juni 2013
  6. a b Ärztekammer Schleswig-Holstein: Porträt „Hinter jedem Röhrchen steht ein Patient“ - Prof. Jan Kramer führt in dritter Generation die älteste Laborarztpraxis Deutschlands in Geesthacht, Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt: Nr. 3, März 2015, Bad Segeberg, 68. Jahrgang
  7. ALM – Akkreditierte Labore in der Medizin e. V.: Interview mit Gerhard Kohnen, Leiter Laborlogistik
  8. Timo Jann: VSW zu Gast bei Intermed (PDF), Bergedorfer Zeitung, 18. Oktober 2009
  9. Burkhard Schütze: Unternehmenspräsentation LADR, Food Science Meets Industry, 18. Februar 2013
  10. G. Klein, B. Schütze: Handbuch der mikrobiologischen Beurteilung von Lebensmitteln, B. Behr’s Verlag, ISBN 978-3-89947-779-5
  11. Kai Gerullis: Experten in Sorge: Tödliche Keime breiten sich rasend aus, Bergedorfer Zeitung, 25. Mai 2011
  12. Karin Lohmeier: Den Bösewichtern im Essen auf der Spur, Bergedorfer Zeitung, 17. Januar 2012, PDF
  13. Kai Gerullis: Sichere Blutbilder aus dem Computer, Bergedorfer Zeitung, 11. Dezember 2012
  14. Burkhard Schütze: Mikrobiologische Ergebnisse in wenigen Minuten, LVT Lebensmittel Industrie, März 2016
  15. Claus Koch™ LADR | INTERMED
  16. LADR unterstützt TARGET-Projekt in Äthiopien
  17. WFL: Einblicke in hochmoderne Labormedizin, Juni 2013
  18. Der Geesthachter Menschenrechtspfad, Amnesty International Hamburg, Gruppe 1507 (Geesthacht)
  19. Akkreditierte Labore in der Medizin e.V.: Junges Blut im Labor
  20. Katja Chalupka: LOEM: Digitale Laborbeauftragung leicht gemacht, Deutsches Gesundheitsnetz, 29.08.2016
  21. Pressemitteilung: Laborsoftware LOEM ist für digitale Beauftragung zugelassen, Geesthacht/Düsseldorf, 3. Juli 2017
  22. Katja Chalupka: Laborsoftware LOEM ist für digitale Beauftragung zugelassen, Deutsches Gesundheitsnetz, 03.07.2017
  23. Forschung und Entwicklung im LADR-Verbund