Lupinen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Lupinen
Gelbe Lupine (Lupinus luteus), Illustration

Gelbe Lupine (Lupinus luteus), Illustration

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Genisteae
Gattung: Lupinen
Wissenschaftlicher Name
Lupinus
L.
Lupinen in verschiedenen Farbvarianten

Die Lupinen (Lupinus; von althochdeutsch luvina, zu lateinisch lupus, deutsch ‚Wolf‘), selten auch Wolfsbohne oder Feigbohne genannt, sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae). Zur gleichen Familie gehören beispielsweise Erbse, Kichererbse und Erdnuss. In Mitteleuropa trifft man am häufigsten die Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus) an. Lupinen gibt es als Gemüsepflanze, Futterpflanze, Zierpflanze und Wildpflanze.

Die Samen insbesondere wilder und Gartenlupinen enthalten Lupinin, einen giftigen Bitterstoff, der den Tod durch Atemlähmung verursachen kann. Bestimmte Zuchtformen hingegen sind ungiftig und nicht bitter. Sie können jedoch für Allergiker problematisch sein.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arten sind meist krautige, mehrjährige Pflanzen von 0,3–1,5 Meter Höhe, manche einjährig und andere als baumartige Sträucher bis zu 4,5 Meter hoch. Eine Ausnahme ist die „Chamis de Monte“ (Lupinus jaimehintoniana) von Oaxaca in Mexiko, die bis zu 8 m hoch wird. Sie bilden meistens eine Pfahlwurzel.

Lupinen haben meist langstielige und weiche, grüne bis graugrüne Blätter, die oft dicht mit silbrigen Haaren bedeckt sind. Die Blattspreiten sind gewöhnlich handförmig geteilt und in fünf bis 28 ganzrandige Finger unterteilt oder in einigen Arten im Südosten der Vereinigten Staaten zu einem einzigen Blatt reduziert. Es sind oft Nebenblätter vorhanden.

Die Blüten stehen in dichten oder offenen, aufrechten, endständigen Trauben oder Ähren. Jede Blüte mit doppelter Blütenhülle ist etwa 1–2 cm lang. Es können Deck- und/oder Vorblätter vorhanden sein. Der Kelch ist oft zweilippig. Die zwittrigen, blauen, purpurnen, roten, rosaroten, gelben, orangen, weißen oder gemischtfarbigen Schmetterlingsblüten haben eine obere Fahne, zwei seitliche Flügel und zwei untere Blütenblätter, die zu einem Kiel verschmolzen sind. Es sind 10 Staubblätter vorhanden, entweder diadelphische (wobei meist 9 verwachsen sind) oder monadelphische und teils ungleich lange (5 + 5; mit dimorphen Antheren). Der längliche Fruchtknoten ist oberständig mit langem, gebogenen Griffel und kleiner kopfiger Narbe. Die Frucht ist eine Hülsenfrucht, die mehrere, rundliche und abgeflachte, raue bis glatte Samen enthält.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36, 42, 48 oder 96.[1][2]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gründüngung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lupinen reichern den Boden mit bis zu 100 kg Stickstoff pro Hektar[3] an, was in der Landwirtschaft zur Gründüngung erwünscht sein kann. Die Stickstoffbindung erfolgt mittels Knöllchenbakterien an den bis zu 1,5 Meter langen Wurzeln. Die kräftigen Wurzeln können auch verdichteten Boden durchdringen und so die Durchwurzelbarkeit des Bodens für Folgekulturen verbessern.[4] Die Symbionten binden den Stickstoff aus der Luft und lösen zudem einen Teil des Phosphats im Boden. Der erhebliche Gründüngungseffekt der Lupine kann jedoch abseits des gezielten landwirtschaftlichen Anbaues an neu besiedelten Orten häufig zu nachhaltigen und damit problematischen Vegetationsveränderungen führen.

Nahrungs- und Futtermittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

gekochte Lupinensamen
Lupinenfeld bei St. John`s in Neufundland (Kanada)

Lupinensamen enthalten hochwertiges Eiweiß, das sowohl als Ersatz für importiertes Soja im Viehfutter außer für Pferde[5] als auch in der menschlichen Ernährung (nur ungiftige Zuchtsorten) eingesetzt wird. Die Nutzung der Lupine wurde durch die Züchtung von Sorten mit wesentlich geringeren Anteilen an Bitterstoffen und Giftstoffen (sogenannten „Süßlupinen“) ab Anfang der 1930er Jahre erheblich erleichtert.[4] Der Name „Süßlupine“ beruht somit nicht auf einem süßen Geschmack, sondern auf der Abwesenheit der Bitterstoffe im Vergleich zu den klassischen Sorten. Die bitterstoffarmen Süßlupinen sind anfälliger für Krankheiten und Schädlinge.

Für den Anbau sind die Weiße Lupine (Lupinus albus), die Blaue oder Schmalblättrige Lupine (Lupinus angustifolius), die Gelbe Lupine (Lupinus luteus) und in Südamerika die Anden-Lupine (tarwi, L. mutabilis) interessant. Durch das Aufkommen von Pflanzenkrankheiten wie Anthraknose waren die Anbauflächen zunächst stark rückläufig, was sich erst mit der Einführung der resistenten Blauen Süßlupine 1997 geändert hat.

Lupinensamen können in unterschiedlicher Form verwendet werden. Zur menschlichen Ernährung werden die Samen weiterverarbeitet. Der giftige Bitterstoff kann durch Kochen alleine nicht zerstört werden. Traditionelle Verfahren zur Verwendung der alten bitterstoffhaltigen Sorten legen die Samen bis zu 14 Tage in Meer- oder Salzwasser, um die Bitterstoffe zu entfernen und die Samen genießbar zu machen. Die neueren bitterstoffarmen Sorten müssen nicht mehr so lange eingeweicht werden, es genügen 1–2 Tage. Die Garzeit der eingeweichten Samen beträgt ungefähr zwei Stunden. Im Gegensatz zu anderen Hülsenfrüchten werden Lupinensamen beim Kochen nicht mehlig, sondern behalten eine feste Konsistenz.

Lupinenprodukte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die eingelegten Samen (italienisch Lupini, portugiesisch Tremoços, spanisch Altramuces) sind im Mittelmeerraum ein beliebter Bier-Snack in Gaststätten. Sie werden aber auch zu Lopino, einem Tofu-ähnlichen Produkt, Lupinenmehl (welches meist ca. 40 % Eiweiß enthält[6]) sowie zu Lupinenmilch weiterverarbeitet und sind so Bestandteil vegetarischer Ernährungsformen. Außerdem kann aus den gerösteten Früchten ein kaffeeähnliches Getränk gewonnen werden (z. B. Altreier Kaffee). Getrocknete Lupinensamen sind auch unter der Bezeichnung „Tirmis“ im Handel. Geschmacklich ist das Mehl der geschälten Samen der Süsslupine immer noch sehr auffällig, so dass z. B. geraten wird, den Anteil von Lupinen-Mehl in Backwaren unter 15 % zu halten.[7] Dem Fraunhofer-Institut IVV ist es mit einem patentgeschützten Verfahren gelungen, das Lupinenmehl von seinen unerwünschten Bitterstoffen zu befreien und ein geschmacksneutrales Lupinenproteinisolat herzustellen.[8] Mit diesem Verfahren kann die in Deutschland und Mitteleuropa angebaute Lupine mit ihren sehr guten Eigenschaften zur Bodenverbesserung verwendet werden, um Milch- und Fleischersatzprodukte aus nachhaltiger lokaler Landwirtschaft zu erzeugen.

Einen Überblick über den Nährstoffgehalt verschiedener Hülsenfrüchte gibt die folgende Tabelle:

Hülsenfrucht % der Trockenmasse[3]
Eiweiß Kohlenhydrate Fett Ballaststoffe Mineralstoffe
Lupine 36–48 5 4–7 15–18 4–5
Sojabohne 35–45 14,8 18–20 6 4–5
Erbse 23–26 40 1,5 6,8 2,7–3,7
Bohne 21 34–45 1,6 18–23 3,9

Allergenität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Allergiker mit einer Überempfindlichkeit gegen Hülsenfrüchtler kann die zunehmende Nutzung von Lupinen-Protein in der Nahrungsmittelindustrie problematisch sein, da Lupinen bzw. Lupinenprodukte zu den 14 häufigsten Verursachern von Nahrungsmittelallergien zählen. Die EU-Richtlinie 2007/68/EG vom 26. November 2007 über die Etikettierung verpackter Lebensmittel schreibt vor, dass Lupinenprodukte als Zutat auf dem Etikett von Lebensmitteln aufgeführt werden müssen.[9][10]

Eine Sensibilisierung gegen Lupinenbestandteile – es handelt sich vor allem um bestimmte Proteine (Conglutine) – kann isoliert auftreten oder als Kreuzallergie bei vorheriger Sensibilisierung gegen andere Hülsenfrüchte, insbesondere Erdnüsse.[11][12][13] So zeigten bei einer Studie mit 5.366 Teilnehmern rund 17 % der Patienten mit einer primären Erdnussallergie auch eine Kreuzreaktion mit Lupinen (Lupinenmehl).[14] Betroffen von einer Kreuzallergie gegen Lupinen können darüber hinaus Menschen mit einer Allergie gegen eine (oder mehrere) der folgenden Allergenquellen sein: Bohnen, Linsen, Sojabohne, Klee, Luzerne, Lakritze, Johannisbrot, Gummi arabicum, Tamarinde, Traganth.

Der zuverlässige Nachweis von Conglutinen in Lebensmitteln gelingt durch den Einsatz chromatographischer Verfahren in Kopplung mit der Massenspektrometrie, z. B. der HPLC-MS-Kopplung.[15]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Lupinen (Lupinus) wird in zwei Untergattungen gegliedert.[16] Je nach Autor gibt es hundert bis mehrere hundert Arten. Hier eine Auswahl:

  • Untergattung Platycarpos (S. Watson) Kurl.: Die Hülsenfrüchte sind meist flach. Natürliche Vorkommen haben sie nur in der Neuen Welt. Mit mehreren hundert Arten (Auswahl):

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Boguslav S. Kurlovich: Lupins: Geography, Classification, Genetic Resources and Breeding. Publishing House "Intan", 2002, ISBN 5-86741-034-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lupinen (Lupinus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Lupine – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Biology of Lupinus L. (lupin or lupine). Version 1, April 2013, Australian Gov., Dept. of Health and Ageing, Office of the Gene Techn. Regulator, online (PDF), abgerufen am 18. Oktober 2018..
  2. PROSEA: Plant Resources of South-East Asia 11. Auxiliary Plants, LIPI Press, 1997, 2007, ISBN 979-799-093-1, S. 180.
  3. a b Stefanie Goldschneider: Lupinen. In: biothemen.de. Abgerufen am 21. August 2013.
  4. a b Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau. 7. Auflage. Ulmer, Stuttgart 1952, 1996, ISBN 3-8001-1080-6, S. 130.
  5. Giftpflanzen für Pferde. Abgerufen am 22. Februar 2017.
  6. Lupinenmehl Verwendung – Lupinenmehl.eu. In: Lupinenmehl.eu. Abgerufen am 25. März 2016.
  7. Alena Schuster: Lupinen: Milch- und Fleischersatz. Abgerufen am 20. Juli 2017.
  8. Peter Eisner: Von der Forschung ins Start-up bis hin zum Zukunftspreis – Lebensmittelzutaten aus Lupinensamen. 21. April 2015, abgerufen am 20. Juli 2017 (PDF; 2,19 MB).
  9. Richtlinie 2007/68/EG der Kommission vom 27. November 2007, abgerufen am 29. Oktober 2009.
  10. Nahrungsmittelallergien – Allergene / Kennzeichnung. Deutsches Ernährungsberatungs- und -informationsnetz, abgerufen am 29. Oktober 2009.
  11. Allergie durch Lupineneiweiß in Lebensmitteln. (Memento vom 21. August 2010 im Internet Archive) Bundesinstitut für Risikobewertung.
  12. M. M. Dooper u. a.: Immunoglobulin E cross-reactivity between lupine conglutins and peanut allergens in serum of lupine-allergic individuals. In: J. Investig. Allergol. Clin. Immunol. Band 19, Nr. 4, 2009, S. 283–291, PMID 19639724.
  13. C. Ballabio, E. Peñas, F. Uberti et al.: Characterization of the sensitization profile to lupin in peanut-allergic children and assessment of cross-reactivity risk. In: Pediatr. Allergy Immunol. 24(3), 2013, S. 270–275, PMID 23551124.
  14. J. Gayraud u. a.: The prevalence of sensitization to lupin flour in France and Belgium: a prospective study in 5,366 patients, by the Allergy Vigilance Network. In: Eur. Ann. Allergy Clin. Immunol. Band 41, Nr. 1, 2009, S. 17–21, PMID 19496348.
  15. M. Mattarozzi, C. Bignardi, L. Elviri, M. Careri: Rapid shotgun proteomic liquid chromatography-electrospray ionization-tandem mass spectrometry-based method for the lupin ( Lupinus albus L.) multi-allergen determination in foods. In: J. Agric. Food. Chem. 60 (23), 2012, S. 5841–5846, PMID 22612429.
  16. B. S. Kurlovich: Classification of Lupins. (Memento vom 10. Oktober 2008 im Webarchiv archive.is) In: Lupins: geography, classification, genetic resources and breeding. Intan, St. Petersburg 2002, ISBN 5-86741-034-X, S. 42–43. (englisch).
  17. a b c d e f g h i Daten aus ILDIS World Database of Legumes, 2010: Lupinus. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.