Magstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Magstadt
Magstadt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Magstadt hervorgehoben
Koordinaten: 48° 45′ N, 8° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Böblingen
Höhe: 427 m ü. NHN
Fläche: 19,13 km2
Einwohner: 9323 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 487 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 71106, 71272
Vorwahl: 07159
Kfz-Kennzeichen: BB, LEO
Gemeindeschlüssel: 08 1 15 029
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 1
71106 Magstadt
Webpräsenz: www.magstadt.de
Bürgermeister: Hans-Ulrich Merz
Lage der Gemeinde Magstadt im Landkreis Böblingen
Landkreis Esslingen Landkreis Tübingen Landkreis Reutlingen Landkreis Ludwigsburg Stuttgart Landkreis Calw Enzkreis Pforzheim Mötzingen Jettingen Holzgerlingen Deckenpfronn Aidlingen Ehningen Gärtringen Hildrizhausen Nufringen Bondorf Gäufelden Herrenberg Waldenbuch Weil im Schönbuch Weil im Schönbuch Altdorf (Landkreis Böblingen) Holzgerlingen Böblingen Schönaich Steinenbronn Magstadt Sindelfingen Grafenau (Württemberg) Weil der Stadt Renningen Rutesheim Rutesheim Weissach LeonbergKarte
Über dieses Bild

Magstadt ist eine Gemeinde im Landkreis Böblingen und liegt zwischen Sindelfingen und Renningen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magstadt liegt am Rande des Gäus und am westlichen Rand des Glemswalds. Durch den Ort fließt der Planbach, der ab der Gemarkungsgrenze Magstadt/Renningen Rankbach genannt wird.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Magstadt gehören Dorf Magstadt, die Höfe Grundhof und Talmühle und das Haus Talziegelei.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magstadt wurde erstmals 1110 in einer Urkunde des Klosters Hirsau genannt. Der Ort unterstand damals den Markgrafen von Hildrizhausen, die ihn später an die Markgrafen von Tübingen abtraten. Über die Herren von Weißenstein, die Herren von Roßwag und die Herren von Börstingen kam Magstadt 1308 an die Grafschaft Württemberg.

Bis zur Reformation gehörte die Magstatter Pfarrei zum Landkapitel Weil der Stadt im Archidiakonat Trinitatis des Bistums Speyer.

Magstadt im Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1681

1850 hatte Magstadt 2207 evangelische und zwei katholische Einwohner, die in 236 Haupt- und 185 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.[3]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1915 war die Eisenbahnstrecke zwischen Böblingen und Magstadt betriebsbereit.

Im Jahr 1927 ließen sich in Magstadt zwei Industriebetriebe nieder: die Malzfabrik Dr. Karl Flik und das Pflanzensaftwerk Schoenenberger.

Am 15. März 1943 deportieren SS-Männer Magstadter Sinti von ihren Arbeitsplätzen bei Daimler nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager. Von 26 Sinti kehren nur wenige aus Konzentrationslagern nach Magstadt zurück.

Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Ortskerns von Magstadt durch alliierte Bomberangriffe zerstört. Am 20. April besetzten französische Truppen Magstadt. In der folgenden Nacht kam es zu einer Vergewaltigungsserie durch marokkanische Soldaten, die französischen Offiziere schritten nicht ein. [4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Zahlen seit 1871 vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.[5]

Jahr Einwohner
1525 500
1634 800
1655 400
1850[3] 2209
1. Dezember 1871 * 2027
1. Dezember 1880 * 2160
1. Dezember 1890 * 2127
1. Dezember 1900 * 1994
1. Dezember 1910 * 2130
16. Juni 1925 * 2320
16. Juni 1933 * 2452
17. Mai 1939 * 2784
Jahr Einwohner
13. September 1950 * 3965
6. Juni 1961 * 5114
27. Mai 1970 * 6982
31. Dezember 1975 7969
31. Dezember 1980 7973
27. Mai 1987 * 7585
31. Dezember 1990 8233
31. Dezember 1995 8616
31. Dezember 2000 8989
31. Dezember 2005 8930
31. Dezember 2010 8793
31. Dezember 2015 9323

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Magstadt hat 18 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
30
20
10
0
28,72 %
26,64 %
23,04 %
21,61 %
FLM
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 30
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
+28,72 %p
-8,61 %p
-11,95 %p
-8,15 %p
FLM
FLM Freie Liste Magstadt 28,72 5
FW Freie Wähler Magstadt 26,64 5 35,25 7
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 23,04 4 34,99 6
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 21,61 4 29,76 5
gesamt 100,0 18 100,0 18
Wahlbeteiligung 49,61 % 51,48 %

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen Magstadts zeigt in Silber über grünem Dreiberg den grünen Großbuchstaben M, darüber das grüne Fleckenzeichen in Form des umgekehrten Buchstabens S. Das M stellt den Anfangsbuchstaben des Ortsnamens dar, das spiegelverkehrte S ist das 1681 erstmals belegte Fleckenzeichen, während der Dreiberg den Ratberg symbolisiert. In dieser Form wurde das Wappen 1929 vom Gemeinderat angenommen. Am 2. Juli 1986 wurde der Gemeinde außerdem eine Flagge in den Farben Grün-Weiß verliehen.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Der Magstadter Trichter“ – die Ortsdurchfahrt von Magstadt

Ende März 2014 wurde der letzte Bauabschnitt der B 464 eingeweiht. Die Ortsdurchfahrt von Magstadt, die vorher zu einer der meist belasteten mit 20.000 PKW pro Tag in Baden-Württembergs gehörte ist damit wirkungsvoll vom Durchgangsverkehr entlastet. Die zusätzlich im Rahmen des Magstadter Verkehrskonzept erstellte Südumfahrung hat auch alle höhengleiche Bahnübergänge beseitigt. Zugleich wurde ein LKW Durchfahrtsverbot mit Ausnahme des Lieferverkehrs für Magstadt erlassen.[6] Lediglich die geplante Osttangente soll ab 2014 gebaut werden um das Gewerbegebiet Ost an die überörtlichen Straßen anzubinden. Ursprünglich war geplant, Magstadt an die Bundesautobahn 81 anzuschließen. Dieses wurde durch den Bau der B 464 und B 295 ersetzt. Die im Jahr 2003 begonnene Westumgehung wird als Ausweichstrecke für den Ausbau der A 81 bei Böblingen und Sindelfingen benötigt.

Magstadt liegt an der Rankbachbahn (RenningenBöblingen). Nachdem die 1915 eröffnete Strecke 42 Jahre lang nur für den Güterverkehr und Personalfahrten der Daimler AG genutzt worden war, wurde sie im Dezember 2012 auf ihrer vollen Länge als S60 in die S-Bahn Stuttgart integriert und ersetzt zusammen mit der Buslinie 745 die bis dahin zwischen Renningen und Böblingen verkehrende Buslinie 757. Die Buslinie 745 führt auch über das Gebiet der Nachbarortschaft Maichingen.[7] Zudem wird Magstadt noch durch die Buslinie 746 (Magstadt–BüsnauStuttgart Universität) des Magstadter Unternehmens Stäbler bedient. S-Bahn und Buslinien sind in den Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) integriert.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magstadt verfügt mit der Johannes-Kepler-Schule über eine Gemeinschaftsschule mit Ganztagesbetreuung. Zusätzlich befindet sich in Magstadt eine Zweigstelle der Volkshochschule Sindelfingen/Böblingen.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Arlt hat eine der größten deutschen Computer-Handelsketten ihren Hauptsitz in Magstadt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Evangelische Kirche

Der Ort Magstadt hatte schon früh eine Holzkapelle und später eine im 10. Jahrhundert entstandene Sandsteinkirche im romanischen Stil. An ihrer Stelle wurde ab ca. 1490 mit dem Bau einer neuen Kirche unter dem aus Magstadt stammenden Bebenhausener Abt Bernhard Rockenbauch begonnen. Der Stil der Chorseitenturmanlage ist spätgotisch, besonders schön sind die Sandsteinspitzbögen der Fenster gelungen. Die Kirche wurde 1511 geweiht. Es bestehen Differenzen über die Widmung. Von Gelehrten wird vermutet, dass sie dem Heiligen Georg gewidmet wurde, die Magstadter kennen ihre Kirche als Johannes-Täufer-Kirche. Für etwa 25 Jahre war die Kirche katholisch, dann wurde sie im Zuge der Reformation als württembergische Kirche evangelisch.

Die bestehende Kirche war einst Mittelpunkt einer mit dreifachem Mauerwall und Grabenanlage gesicherten Wehranlage. Noch heute sind die innere Wehr- und Zwingmauer, besonders im südöstlichen Teil gut erhalten. Die Kirche war früher umgeben vom Friedhof, auf dem bis zum ausgehenden 17. Jahrhundert Beerdigungen vorgenommen wurden. Einige Grabsteine aus dem 15.–18. Jahrhundert sind rund um die Kirche zu sehen.

Heute prägt die Kirche mit ihrem mächtigen Turm und den vier großen Zifferblättern das Bild des Magstadter Ortskerns.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ratberg aus Richtung Warmbronn

Der Ratberg befindet sich im Nordwesten Magstadts in Richtung Warmbronn. Beim Ratberg handelt es sich um einen flachen Hügel mit einem Durchmesser von 120 m und einer Höhe von 10 m, der aus Stubensandstein besteht. Der Ratberg entstand durch Reliefumkehr.

Er trägt den Namen Ratberg, da auf ihm die Alemannen Rat hielten, als sie begannen, die Gegend um Magstadt zu bevölkern.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde zeichnet sich besonders durch die vielen Vereine aus, zu denen unter anderem der RV Pfeil gehört. Die Magstadter Simon Altvater und Nico Kunert halten seit dem 3. Juni 2000 den deutschen Rekord im Zweier-Kunstradfahren der Junioren und seit 9. März 2006 der Klasse Männer. In Radfahrerkreisen und der breiteren Öffentlichkeit wurden sie jedoch bekannt, nachdem sie die Kunstfahr-WM von 2001 bis 2006 sechs Mal in Folge gewannen.

Zu den bekannten Vereinen gehört auch der Bogenclub Magstadt. In Württemberg gehört dieser Verein zu den größten und erfolgreichsten Bogensport-Vereinen. Durch das einzigartige Vereinsheim, einer ehemaligen Wasserpumpstation, ist dieser Verein oft in den Medien erwähnt worden. Die Bogenschützen des Bogenclub Magstadt halten mehrere württembergische Rekorde und sind auch der Heimatverein von mehreren Deutschen Meistern sowie Vize-Weltmeistern.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 114–116.
  3. a b Beschreibung des Oberamts Böblingen – Tabelle I.
  4. Volker Koop, Besetzt - Französische Besatzungspolitik in Deutschland, Berlin 2005, S. 40f
  5. Statistisches Landesamt B-W.
  6. Ulrich Hanselmann: Ortsmitte von Magstadt – Alles so schön ruhig hier, in Stuttgarter Nachrichten vom 4. Februar 2013
  7. (tim): Großes Interesse an Buslinie 745. In: Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung. 3. Dezember 2012, abgerufen am 20. Januar 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Magstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien